Land Control Grabbing: Besitz ist gut, Kontrolle ist besser

Beitrag vom 20.4.2013

Obwohl Mexiko für das klassische Land Grabbing ein untypischer Fall ist, spielt das Phänomen eine durchaus beachtliche Rolle, wenn man den Blickwinkel erweitert und Land Control Grabbing einbezieht. Bei einer solchen Erweiterung des Blickwinkels wird deutlich, dass auf diese Weise in Mexiko inzwischen 30% der landwirtschaftlichen Nutzfläche durch Dritte kontrolliert werden. Näheres dazu in einem Beitrag in der ILA. Umgekehrt gibt es zaghafte Versuche von Regierungen bestimmter Länder, Land Grabbing durch gesetzlich Regelungen bzw. Moratorien einzudämmen. Daran knüpft sich die Frage an, ob sich bäuerliches Wirtschaften und agrarökologische Methoden wie die Push-Pull-Technologie, die im subsaharischen Afrika 300 Millionen Menschen zugutekommen könnte, gegen die mit dem Landraub verbundene Großflächenproduktion behaupten können. Siehe dazu den Beitrag in Oekologie und Landbau.

Hunger und Verwüstung

Beitrag vom 29.11.2012

Lebensmittelspekulation, Land Grabbing und Agrotreibstoffproduktion: Drei aktuelle Instrumente zur Renditemaximierung verursachen Nahrungsmangel und Verödung von Böden

von Peter Clausing

Die DWS Investments, eine Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, frohlockte vor einiger Zeit auf ihrer Website: »Die rasant wachsende Weltbevölkerung, (…) Land- und Wasserknappheit – all das sind Punkte, die für überdurchschnittlich gute Perspektiven der Agrarwirtschaft sprechen.« Derlei Sprüche sind in der Welt der Investmentbanker inzwischen häufig zu finden. Die Fondsmanager bieten den Investoren sogenannte Alpha-Renditen von bis zu 25 Prozent jährlich. Die Angst vor »Brotrevolten« (Food Riots), die in den Jahren 2007/2008 die Welt erschütterten, scheint verflogen. Damals, als sich die Preise für Reis, Mais und andere Getreidearten innerhalb von ein, zwei Jahren verdoppelten oder gar verdreifachten, gab es Hungerproteste in über 40 Ländern.1 Im Jahr 2009 reduzierten sich die Weltmarktpreise für Nahrungsmittel auf das Durchschnittsniveau von 2007, aber seit 2011 liegen sie sogar über dem Wert von 2008.

Bodenrausch (Rezension)

Beitrag vom 9.7.2012

Das Buch “Bodenrausch” von Wilfried Bommert erfüllt die Erwartungen des (rezensierenden) Lesers nicht
Peter Clausing

Vor rund vier Jahren begannen im globalen Süden fieberhafte Landkäufe, die bis heute anhalten. Nach einer Reihe von Studien durch Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Hilfswerke und selbst Regierungsstellen ist Wilfried Bommerts “Bodenrausch” nun das erste deutschsprachige Buch zu dem Thema, das in einem größeren Verlagshaus erschien. Es ist faktenreich und vermittelt einen breiten, wenngleich nicht unproblematischen Überblick. In vier Teilen befasst es sich mit dem Phänomen des Land Grabbing, seinen Triebkräften, Alternativen zur industriellen Landwirtschaft, und unterbreitet Vorschläge, wie das Ganze gestoppt werden könnte.

Nahrungsmittelspekulation: Deutsche Bank will Dokumentarfilm zensieren

Beitrag vom 17.12.2011

Die Deutsche Bank will einem Film des »Zentrums für Politische Schönheit« verbieten und hat angekündigt, mit juristischen Mitteln gegen den Film über Nahrungsmittelspekulation vorzugehen. In dem Film hatte der Pressesprecher der Deutschen Bank, Frank Hartmann, auf die Nachfrage, ob seine Argumentation nicht auf die zynische Auffassung hinauslaufe, dass die Menschen in Afrika an ihrem Hunger selbst schuld seien geantwortet: »Natürlich sind die selbst schuld!«

Jetzt die Filme kopieren, über die sozialen Netzwerke teilen und auf eigenen Homepages einstellen!

Pressemitteilung dazu:
https://www.dfg-vk.de/aktuelles/informationen-der-friedensbewegung/2011/722

Video-Link:
http://www.youtube.com/watch?v=rQ7cXnsCh0E

Das Video selbst:

Hunger – Katastrophe, Protest und Medienereignis

Beitrag vom

Wo liegen die Gründe für die skandalöse Diskrepanz zwischen Produktion und Versorgung?

Von Peter Clausing

Hunger ist die Alltagsrealität für ein Sechstel der Menschheit und – hungerbedingte Krankheiten mitberücksichtigt – die Todesursache für 10 Millionen Menschen jährlich. Spätestens seit der Explosion der Nahrungsmittelpreise 2007/2008 ist klar, dass das Milleniums-Entwicklungsziel, den Anteil der Menschen, die Hunger leiden, von 1990 bis 2015 zu halbieren, nicht annähernd erreicht werden wird. Statt zu einer Reduzierung kam es 2008 zu einem Anstieg der Zahl der Hungernden. Dabei wird Jahr für Jahr genügend produziert, um – statistisch betrachtet – alle Menschen mit ausreichend Nahrung zu versorgen.

Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide

Beitrag vom 07.11.2011

von Alfredo Acedo*

(Quito, 14. Oktober 2011, alai).- Der grün und ockerfarben gemusterte Teppich des Valle del Yaqui ist zwar schön anzusehen, er verbirgt jedoch eine Tragödie, die sich in dieser Region abspielt. Unter dem kapitalistischen Landwirtschaftsmodell wurden hier über 50 Jahre intensiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt, wodurch Wasser, Böden und Luft verschmutzt und die Region damit praktisch zerstört wurde. Doch nicht nur die Natur trägt die verheerenden Konsequenzen. Die unverantwortlichen Praktiken haben auch Menschenleben gefordert.

Peak Soil: Bodenzerstörung und Nahrungsmittelkrise

Beitrag vom 29.9.2011

Von Peter Clausing

In dem Beitrag „Peak Soil: Soil Destruction and the Food Crisis“ in der Ausgabe Nr. 38/39 von „local land & soil news“ (2011) geht es um die globale Bodendegradation und deren mögliche Umkehr. Der Begriff „Peak Soil“ ist eine semantische Ableitung von „Peak Oil“, aber zwischen diesen beiden Begriffen besteht ein wesentlicher Unterschied: Während es unmöglich ist, fossile Energie zu „erneuern“ (außer in geologischen Zeiträumen), ist es möglich, viele degradierte Böden innerhalb eines menschlichen Zeithorizonts zu restaurieren, vorausgesetzt der politische Wille existiert und es würden die entsprechenden Kenntnisse angewendet und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Neoliberale Scheinlösungen (Rezension)

Beitrag vom 03.08.2011

Der Gentechnik-Befürworter Paul Collier macht Vorschläge zur Rettung der Welt

Peter Clausing

Der britische Ökonomieprofessor Paul Collier nimmt in seinem im Mai in deutscher Übersetzung erschienenen Buch »Der hungrige Planet« für sich in Anspruch, »Ideen aus der präzisen, aber schwer verständlichen Sprache der modernen Wirtschaftswissenschaft in eine Form zu übersetzen, die auch außerhalb des engen Zirkels von Fachleuten gelesen werden kann« (S. 14). Das ist ihm gelungen: Der Vereinfachungsgrad des Buches liegt auf BILD-Niveau. In dem Werk wimmelt es von simplen Antworten auf noch simplere Fragen – vermutlich mit ein Grund, warum Collier zu den Bestsellerautoren im Sachbuchbereich gehört. Doch bei falsch gestellten Fragen werden die Antworten auch nicht richtiger, trotz der ausgefeilten Computersimulationen, auf die Collier so häufig Bezug nimmt. Ab und zu werden korrekt beschriebene Sachverhalte mit weniger korrekten Schlußfolgerungen gekoppelt, so daß man unwillkürlich an Georg Christoph Lichtenbergs Aphorismus »Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt« denken muß.

Im Wettlauf gegen die Zeit

Beitrag vom Juni/Juli 2011

von Peter Clausing

Bodenerosion und Welternährung

Auch wenn, trotz über einer Milliarde hungernder Menschen, derzeit genügend Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung produziert wird, zeichnet sich für die kommenden Jahrzehnte eine erhebliche Diskrepanz ab. Im Vergleich zu 1990 wird sich einerseits die globale landwirtschaftliche Nutzfläche bis 2025 um geschätzte 82 Millionen Hektar und damit um zehn Prozent vergrößern. Diese Erweiterung steht jedoch einem erwarteten Bevölkerungszuwachs von 60 Prozent in dem gleichen 35-Jahres-Zeitraum gegenüber. Zudem geht der Gewinn an landwirtschaftlicher Nutzfläche häufig mit der Zerstörung von Wäldern einher. Parallel dazu spielt sich eine stille Katastrophe sozusagen direkt unter unseren Füßen ab: Schätzungen zufolge sind weltweit 25 Prozent des Bodens von Degradation betroffen. 1 Dieser ernüchternden Statistik zum Trotz ist Weltuntergangsstimmung fehl am Platz. In seinem jüngsten Bericht an die UN-Vollversammlung schreibt der Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, dass die Kleinbauern des Südens, also dort, wo chronischer Hunger am stärksten präsent ist, innerhalb von zehn Jahren ihre Nahrungsmittelproduktion verdoppeln könnten, und zwar auf umweltverträgliche Weise.2 Um dies zu ermöglichen, wäre ein entsprechender politischer Wille vonnöten. Das würde auch Maßnahmen zur Bodenverbesserung einschließen, deren Dringlichkeit nicht überbetont werden kann.

Für den Erhalt des freien Saatguts

Beitrag vom 19. 04. 2011

Aktivisten überreichen 50 000 Unterschriften gegen Reform in Brüssel. Am 17. und 18. April fanden in Brüssel die ersten europäischen Saatguttage statt. (Hinweis: am Ende waren es 58.000 Unterschriften)

Von Peter Clausing

Es wimmelte am Sonntag in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Das Kulturzentrum hatte sich für einen Tag in die erste europäische Saatguttauschbörse verwandelt und beherbergte ferner einen halbtägigen internationalen Meinungsaustausch zum Thema Saatgutgesetzgebung. 30 Erhaltungsinitiativen für bedrohte, nichtkommerzielle Gemüse- und Getreidesorten aus zwölf europäischen Ländern, der Türkei und Indien hatten ihre Stände aufgebaut, rund 500 Besucher und Teilnehmer folgten der Einladung.

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