<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Allgemein</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/category/allgemein/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>„Wir haben es satt!“-Demo am 21.1.2012</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2012/01/11/%e2%80%9ewir-haben-es-satt-demo-am-21-1-2012/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2012/01/11/%e2%80%9ewir-haben-es-satt-demo-am-21-1-2012/#comments</comments> <pubDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Im Norden]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=690</guid> <description><![CDATA[Liebe Interessierte an einer bäuerlichen, fairen und gesunden Landwirtschaft! Die Vorbereitungen für die nächste „Wir haben es satt!“-Demo am 21.1.2012 laufen auf Hochtouren. - Start: 11:30 Uhr, Berlin Hbf (Washingtonplatz) &#8211; Während der letzten „Internationalen Grünen Woche“ im Januar 2011 waren bereits mehr als 22.000 Menschen auf der Straße um gemeinsam gegen Dioxinskandale, Gentechnik im [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Interessierte an einer bäuerlichen, fairen und gesunden Landwirtschaft!</p><p>Die Vorbereitungen für die nächste „Wir haben es satt!“-Demo am 21.1.2012 laufen auf Hochtouren.</p><p>- Start: 11:30 Uhr, Berlin Hbf (Washingtonplatz) &#8211;</p><p>Während der letzten „Internationalen Grünen Woche“ im Januar 2011 waren bereits mehr als 22.000 Menschen auf der Straße um gemeinsam gegen Dioxinskandale, Gentechnik im Essen und Tierleid in Megaställen zu protestieren.</p><p>In den kommenden Monaten werden die Weichen gestellt für eine Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik bis 2020. Doch die Bundesregierung blockiert noch immer eine echte Reform. Daher gehen wir wieder auf die Straße!</p><p>Damit der Demonstrationszug noch größer und noch bunter wird, brauchen wir euch! Seid dabei, wenn es am 21.1.2012 heißt:</p><p>Wir haben es satt! Wir wollen Bauernhöfe statt Agrarindustrie!</p><p>Für eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft und Respekt vor den Tieren! Für das Menschenrecht auf Nahrung!</p><p><a href="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2012/01/Demo-wir-haben-es-satt.jpg"><img src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2012/01/Demo-wir-haben-es-satt-212x300.jpg" alt="" title="Demo wir haben es satt" width="212" height="300" class="alignnone size-medium wp-image-691" /></a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2012/01/11/%e2%80%9ewir-haben-es-satt-demo-am-21-1-2012/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Deutsche Bank beugt sich Protesten</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/12/19/deutsche-bank-beugt-sich-protesten/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/12/19/deutsche-bank-beugt-sich-protesten/#comments</comments> <pubDate>Mon, 19 Dec 2011 03:40:36 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Im Norden]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=683</guid> <description><![CDATA[Einer Meldung der taz vom 18.01.2011 zu Folge erklärte die Deutsche Bank aufgrund der zahlreichen Proteste, von einer Klage gegen die Filmemacher Abstand nehmen zu wollen.]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Einer <a href="http://www.taz.de/Streit-um-Filmzitat/!83945/">Meldung der taz</a> vom 18.01.2011 zu Folge erklärte die Deutsche Bank aufgrund der zahlreichen Proteste, von einer Klage gegen die Filmemacher Abstand nehmen zu wollen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/12/19/deutsche-bank-beugt-sich-protesten/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Nahrungsmittelspekulation: Deutsche Bank will Dokumentarfilm zensieren</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/12/17/nahrungsmittelspekulation-deutsche-bank-will-dokumentarfilm-zensieren/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/12/17/nahrungsmittelspekulation-deutsche-bank-will-dokumentarfilm-zensieren/#comments</comments> <pubDate>Sat, 17 Dec 2011 08:18:19 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Im Norden]]></category> <category><![CDATA[Nahrungsmittelspekulation]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=680</guid> <description><![CDATA[Die Deutsche Bank will einem Film des »Zentrums für Politische Schönheit« verbieten und hat angekündigt, mit juristischen Mitteln gegen den Film über Nahrungsmittelspekulation vorzugehen. In dem Film hatte der Pressesprecher der Deutschen Bank, Frank Hartmann, auf die Nachfrage, ob seine Argumentation nicht auf die zynische Auffassung hinauslaufe, dass die Menschen in Afrika an ihrem Hunger selbst schuld seien geantwortet: »Natürlich sind die selbst schuld!«]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Die Deutsche Bank will einem Film des »Zentrums für Politische Schönheit« verbieten und hat angekündigt, mit juristischen Mitteln gegen den Film über Nahrungsmittelspekulation vorzugehen. In dem Film hatte der Pressesprecher der Deutschen Bank, Frank Hartmann, auf die Nachfrage, ob seine Argumentation nicht auf die zynische Auffassung hinauslaufe, dass die Menschen in Afrika an ihrem Hunger selbst schuld seien geantwortet: »Natürlich sind die selbst schuld!«</p><p>Jetzt die Filme kopieren, über die sozialen Netzwerke teilen und auf eigenen Homepages einstellen!</p><p>Pressemitteilung dazu:<br /> <a href="https://www.dfg-vk.de/aktuelles/informationen-der-friedensbewegung/2011/722" target="_blank">https://www.dfg-vk.de/aktuelles/informationen-der-friedensbewegung/2011/722</a></p><p>Video-Link:<br /> <a href="http://www.youtube.com/watch?v=rQ7cXnsCh0E" target="_blank">http://www.youtube.com/watch?v=rQ7cXnsCh0E</a></p><p>Das Video selbst:</p><p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=rQ7cXnsCh0E">www.youtube.com/watch?v=rQ7cXnsCh0E</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/12/17/nahrungsmittelspekulation-deutsche-bank-will-dokumentarfilm-zensieren/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Hunger – Katastrophe, Protest und Medienereignis</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/17/hunger-%e2%80%93-katastrophe-protest-und-medienereignis/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/17/hunger-%e2%80%93-katastrophe-protest-und-medienereignis/#comments</comments> <pubDate>Thu, 17 Nov 2011 08:34:21 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Afrika]]></category> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Food Riots]]></category> <category><![CDATA[Nahrungskrise]]></category> <category><![CDATA[Agroökologie]]></category> <category><![CDATA[Ernährungskrise]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category> <category><![CDATA[Lebensmittelpreise]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=673</guid> <description><![CDATA[Hunger – Katastrophe, Protest und Medienereignis. Wo liegen die Gründe für die skandalöse Diskrepanz zwischen Produktion und Versorgung?]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wo liegen die Gründe für die skandalöse Diskrepanz zwischen Produktion und Versorgung?</strong></p><p>Von Peter Clausing<br /> <em><br /> Hunger ist die Alltagsrealität für ein Sechstel der Menschheit und &#8211; hungerbedingte Krankheiten mitberücksichtigt &#8211; die Todesursache für 10 Millionen Menschen jährlich. Spätestens seit der Explosion der Nahrungsmittelpreise 2007/2008 ist klar, dass das Milleniums-Entwicklungsziel, den Anteil der Menschen, die Hunger leiden, von 1990 bis 2015 zu halbieren, nicht annähernd erreicht werden wird. Statt zu einer Reduzierung kam es 2008 zu einem Anstieg der Zahl der Hungernden. Dabei wird Jahr für Jahr genügend produziert, um &#8211; statistisch betrachtet &#8211; alle Menschen mit ausreichend Nahrung zu versorgen.</em></p><div id="attachment_676" class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><a href="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2011/11/P5260096.jpg"><img src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2011/11/P5260096-300x224.jpg" alt="" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" width="300" height="224" class="size-medium wp-image-676" /></a><p class="wp-caption-text">Marktfrauen in Zomba, Malawi</p></div><p><strong>Preisexplosionen, Proteste und verengte Sichtweisen</strong><br /> Als sich 2007/2008 innerhalb weniger Monate die Weltmarktpreise für Weizen und Mais verdoppelten und für Reis verdreifachten, gab es Hungerrevolten in mehr als 40 Ländern. J. Walton und D. Seddon dokumentierten 1994 in einem Buch, dass solche Food Riots zumeist nicht in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit physischen Hungersnöten stehen. Vielmehr sind sie ein seit über 400 Jahren praktiziertes Mittel, um bestimmte gesellschaftliche Rahmenbedingungen zur Verhandlung zu bringen. Bei dieser als „Krawall“ stigmatisierten Form des sozialen Protests finden Demonstrationen, Kundgebungen und Streiks statt. Es werden Forderungen nach Lebensmitteln zu erschwinglichen Preisen artikuliert. Und gelegentlich wird diesen Forderungen durch die Erstürmung von Supermärkten bzw. Vorratslagern Nachdruck verliehen &#8211; so auch 2007/2008. Die Gründe für die Preisexplosion vor reichlich drei Jahren haben noch heute Gültigkeit: Konkurrenz durch Agrotreibstoffe, Spekulation an den Getreidebörsen und – in geringerem Maß &#8211; Änderungen in den Ernährungsgewohnheiten (dazu Merkel in treuherziger Arroganz im April 2008: Der Preisanstieg sei nicht verwunderlich, wenn neuerdings 300 Millionen Inder eine zweite Mahlzeit einnähmen). In diesem Jahr lag der Lebensmittelpreisindex der Welternährungsorganisation (FAO) permanent über den Spitzenwerten von 2007/2008, doch Food Riots blieben anscheinend aus. Nicht ganz, denn das, was 2011 medial als „arabischer Frühling“ vermarktet wurde, hatte seinen Ausgangspunkt abermals in Protesten gegen erhöhte Lebensmittel. Im Januar, zu Beginn der Proteste in Tunesien, machten sich Kommentatoren großbürgerlicher Zeitungen noch Sorgen, ob es zu einer „zweiten globalen Welle von Hungerrevolten“ (Washington Post, 14.1.2011) kommen könnte. Teils mutierten diese Proteste in einen „arabischen Frühling“, teils wurde ihnen &#8211; in Erinnerung 2008 &#8211; dadurch vorgebeugt, dass strategische Reserven zur Preisstabilisierung auf den Binnenmarkt geworfen wurden – so in Äthiopien.<br /> Von (britischen) Politikern wurde 2008 eine kurzlebige Debatte über Essensverschwendung in den Metropolen losgetreten, die mit dem kürzlich veröffentlichten Buch Die Essensvernichter bzw. dem Film Taste the Waste eine Renaissance fand. Diese Diskussion hat durchaus ihre Berechtigung. In den Medien wird sie jedoch durch Statements wie „Die Hälfte dessen, was an Lebensmitteln produziert wird, wird ungenutzt weggeworfen“ eurozentrisch verengt, denn weniger als die Hälfte der Weltbevölkerung kauft ihre Lebensmittel in Supermärkten. Und Hungerkatastrophen, wie die gegenwärtige am Horn von Afrika, lassen sich nicht unmittelbar durch die Vermeidung von Lebensmittelvernichtung in den Metropolen des Nordens verhindern. Doch die angeprangerte Verschwendung legt gravierende „Systemfehler“ offen.</p><p><strong>Sackgassen und Auswege</strong><br /> Seit Jahren ist bekannt, dass Hunger vor allem dort herrscht, wo Nahrungsmittel produziert werden – nämlich auf dem Land, genauer gesagt auf dem Land in den Ländern des Südens. Die Erkenntnis, dass in diesen Regionen nicht genügend Nahrungsmittel produziert werden, könnte zu dem Fehlschluss führen, dass man das Problem damit lösen könnte, die „Hälfte dessen, was an Lebensmitteln produziert wird“ (s.o.), statt sie zu vernichten, dorthin zu schaffen, wo die Nahrung fehlt. Das wäre keine Lösung des Problems. Von der hinlänglich kritisierten Zerstörung lokaler Ökonomien durch das Dumping von Lebensmitteln aus der EU und den USA abgesehen, wäre eine Verteilung von Nahrung über so riesige Flächen (bei zugleich fehlender verkehrstechnischer Erschließung) ein logistisches Unding und darüber hinaus ökologisch nicht wünschenswert. Ein weiterer Fehlschluss wäre die Etablierung landwirtschaftlicher Großflächenproduktion in „unterentwickelten“ Regionen – ein häufig benutztes Argument, um die unter dem Begriff Land Grabbing bekannt gewordenen großflächigen Landtransaktionen zu rechtfertigen, die seit über drei Jahren in Afrika, Asien und Lateinamerika grassieren.<br /> Welche nachhaltige Bewältigung der Welternährungskrise ist von Produktionssystemen zu erwarten, die 15 Kilokalorien an fossiler Energie verbrauchen, um eine Kilokalorie Nahrungsmittel zu produzieren? Damit wird zugleich der wichtigste Kritikpunkt an der oben erwähnten Nahrungsmittelverschwendung berührt. Die profitgetriebene Vernichtung von rund der Hälfte der für Supermärkte bestimmten Lebensmittel, bedeutet zugleich eine grandiose Energieverschwendung und somit einen bedeutsamen Beitrag zum Klimawandel. Dieser wiederum wirkt sich besonders gravierend auf die Ernährungssituation in den Hungerregionen der Welt aus. So wird die Dürrekatastrophe am Horn von Afrika, der Auslöser der derzeitigen akuten Hungerkrise, auch immer wieder als Folge des Klimawandels beschrieben.<br /> Welche möglichen Auswege zeichnen sich ab? Die einfache, aber in der heutigen Zeit schwer umzusetzende Antwort wären lokal angepasste, wissensbasierte agroökologische Systeme. Doch derartige Produktionsverfahren schaffen Unabhängigkeit vom globalen Agrobusiness und finden deshalb kaum Unterstützung durch die mächtigen Institutionen der Welt. Dabei wäre eine „zentrale“ Förderung diversifizierten Herangehens an die Lösung des Welternährungsproblems dringend notwendig. Olivier de Schutter, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, fasste die Ergebnisse einer zur Jahreswende veröffentlichten Studie mit den Worten zusammen: „Öko-Anbau kann die Nahrungsmittelproduktion innerhalb von zehn Jahren verdoppeln.“ Damit meinte er nicht den zertifizierten Bioanbau für eine wohlhabende Mittelschicht des Nordens, sondern eine ressourcenschonende Ertragssteigerung mit anschließender lokaler Vermarktung in den Ländern des Südens, basierend auf ausgeklügelten ökologischen Methoden der Fruchtfolge, Schädlingsbekämpfung, Bodenverbesserung und organischen Düngung. Die Tragfähigkeit dieses Konzepts wurde inzwischen mit Hunderten von Feldversuchen in Afrika, Asien und Lateinamerika demonstriert. Solche Anbausysteme sind widerstandsfähiger gegen Einflüsse des Klimawandels und in der Lage, mit einer Kilokalorie fossiler Energie 10-15 Kilokalorien Nahrung auf die lokalen Märkte zu bringen. Selbst die FAO schätzt ein, dass jeder Dollar, der sinnvoll in die Landwirtschaft investiert werde, zehn Dollar an humanitärer Hilfe ersetzen könnte. Erforderlich ist also die Vervielfachung dieser Erfahrungen auf Graswurzelbasis – ein Prozess, der in nationalem Maßstab bislang lediglich in Kuba Fuß gefasst hat.</p><p><strong>Zahlen, bitte!</strong><br /> ·	Knapp zwei Drittel aller Wasserreserven werden global von der Landwirtschaft verbraucht, die Industrie verbraucht ca. 20 Prozent.<br /> ·	884 Millionen Menschen weltweit verfügen nicht über ausreichend sauberes Trinkwasser.<br /> ·	2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu ausreichenden sanitären Anlagen.<br /> ·	Zur Produktion von 1 kg Fleisch werden 10 kg Getreide benötigt. Für die Produktion von 1 kg Getreide werden 1.500 Liter Wasser benötigt.<br /> ·	Der Nestlé-Konzern vertreibt 77 Wassermarken (u.a. Vittel, Contrex, Perrier und S. Pellegrino), hält damit 17 Prozent des globalen Wassermarkts und setzt damit ca. 6,2 Milliarden Euro um.</p><p>(Quellen: welthungerhilfe.de, wasserstiftung.de, wasser-und-mehr.de, zeit.de, ag-friedensforschung.de; Zusammenstellung: bew, Direkte Aktion)</p><p>Der Beitrag erschien in <a href="http://www.direkteaktion.org/208/hunger-katastrophe-protest-und-medienereignis">Direkte Aktion Nr.208 (Nov./Dez. 2011)</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/17/hunger-%e2%80%93-katastrophe-protest-und-medienereignis/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/#comments</comments> <pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:53:57 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[industrielle Landwirtschaft]]></category> <category><![CDATA[Mexiko]]></category> <category><![CDATA[Pestizide]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=661</guid> <description><![CDATA[Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>von Alfredo Acedo*</p><p>(Quito, 14. Oktober 2011, alai).- Der grün und ockerfarben gemusterte Teppich des Valle del Yaqui ist zwar schön anzusehen, er verbirgt jedoch eine Tragödie, die sich in dieser Region abspielt. Unter dem kapitalistischen Landwirtschaftsmodell wurden hier über 50 Jahre intensiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt, wodurch Wasser, Böden und Luft verschmutzt und die Region damit praktisch zerstört wurde. Doch nicht nur die Natur trägt die verheerenden Konsequenzen. Die unverantwortlichen Praktiken haben auch Menschenleben gefordert.</p><p><strong>Vergiftungssymptome nach der Feldarbeit</strong><br /> Das im Süden des nordöstlichen Bundesstaats Sonora gelegene Tal erstreckt sich über ein Gebiet von mehr als 225.000 Hektar und wird hauptsächlich schwerkraftbewässert. Dort werden vor allem Weizen (65 Prozent der mexikanischen Weizenproduktion), Mais, Wolle, Gemüse und Grünfutter angebaut. Ich bin in einem kleinen Dorf südlich der Stadt Obregón inmitten der Anbauflächen geboren und habe bis zur Pubertät dort gelebt. Oft sah ich meinen Vater mit Vergiftungssymptome von der Arbeit heimkehren. Er arbeitete mit verschiedenen Maschinen, wie zum Beispiel Traktoren, die Pestizide, Entlaubungsmittel und Dünger auf den Äckern verteilten. Er starb im Alter von nur 61 Jahren an einem Gehirntumor. Das bösartige Gliom hat sein Leben innerhalb von weniger als sechs Monaten ausgelöscht und wir als Familie konnten dem nur tatenlos zusehen.</p><p><strong>Unkenntnis bei LandarbeiterInnen</strong><br /> Die Unverantwortlichkeit der HerstellerInnen und VerkäuferInnen dieser Gifte ist ein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss. Angesichts komplett fehlender Informationen unter den LandarbeiterInnen und der Bevölkerung, reicht ein simples Warnschild nicht aus, um die Menschen davor zu warnen, mit welchen Stoffen sie da in Berührung kommen. Die Gifte werden ohne jeglichen Schutz versprüht, die Behälter einfach auf den Feldern stehen gelassen. PilotInnen schütten das verschmutzte Wasser nach dem Auswaschen der Sprühtanks einfach auf den Boden, und dies selbst in bewohnten Gegenden.</p><p>Selbst Kinder verdingen sich für gerade einmal ein paar Pesos in den Anbaugebieten, sobald sie groß genug sind, um die Sprühtanks auf dem Rücken zu tragen, oder die nötige Kraft haben, um den Sprühflugzeugen mit einem Fähnchen den Weg zu weisen. In beiden Fällen sind sie stundenlang in eine Giftwolke gehüllt. Selbst wenn sie nicht sofort an Vergiftungserscheinungen leiden, zeigen sich die verheerenden Spätfolgen der Giftakkumulation nur wenig später. Der fürchterliche Gestank dieser Entlaubungsmittel bleibt auch mir wie eine makabre Nostalgie in Erinnerung.</p><p><strong>Gift in der Muttermilch</strong><br /> Es wird immer wieder gesagt, dass Muttermilch für ein Baby am besten ist. Das ist medizinisch sicher richtig, gilt jedoch nicht für Kinder, die im Valle del Yaqui aufwachsen. Seit mehr als 20 Jahren werden chlororganische Pestizide in der Muttermilch der Bewohnerinnen des Valle nachgewiesen. Laut einer Studie des Kommissariats der Gemeinde Cajeme aus dem Jahr 1990 wurden bei 85,71 Prozent der untersuchten Muttermilchproben im Dorf Yaqui ein bis drei Pestizide nachgewiesen. Dazu zählen Aldrin, HCH, (Lindan), DDT und pp-DDE mit einer durchschnittlichen Konzentration von jeweils 0,11, 0,17, 0,27 und 1,90 Teile einer Million (parts por million, ppm). Der Untersuchung zufolge liegen die Lindan-, DDT- und pp-DDE-Werte über den von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation erlassenen Grenzwerten.</p><p>Später durchgeführte Studien bestätigten diesen dramatischen Fund nicht nur, sondern ergänzten ihn um ein weiteres verheerendes Detail. Vor drei Jahren fand man im Rahmen einer anderen Studie an Bewohnerinnen von Pueblo Yaqui heraus, dass Schädlingsbekämpfungsmittel aus deren Plazenta auf das Neugeborene übertragen wurden. Im Blut, Fruchtwasser und in der Nabelschnur der Mütter fand man die Insektizide alfa-HCH, gamma-HCH (Lindan), HCB, Dieldrin, Endrin und DDE.<br /> Im Blut von drei Monate alten Säuglingen dieser Gemeinde waren die gleichen Insektizide enthalten. Ab einem Alter von sechs Monaten tauchten die Substanzen permanent auf, teilweise als Abbauprodukte, wobei die entsprechenden Lindan- und Dieldrin-Werte die von Personen überstiegen, die dem Gift nicht übermäßig ausgesetzt waren. Vor weniger als drei Jahren überschritten die Schwermetall-Werte in Wasserproben in den Gemeinden Bácum, Pueblo Yaqui und Quetchehueca die offiziell in Mexiko zugelassenen Grenzwerte. Im Abwasser der beiden zuletzt genannten Gemeinden wurden zudem chlororganische Pestizide wie Malathion und Methylparathion gefunden.</p><p><strong>300.000 Tote durch Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln</strong><br /> Verschiedenen zuverlässigen Studien zufolge führt der dauerhafte Kontakt mit den Giftstoffen, bereits in geringen Dosen, zu schweren Gesundheitsschäden, wie Krebs, Erbgutveränderungen, kongenitalen Anomalien, Beeinträchtigungen des Nervensystems und Hormonstörungen.</p><p>Angesichts des öffentlichen Drucks haben einige Regierungs- und Bildungsinstitutionen erst vor kurzem begonnen, die Situation zu untersuchen und die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären – wenn auch ohne große Überzeugung. Zudem wurden spezielle Mülldeponien für die sichere Aufbewahrung der giftigen Behälter eingerichtet. Problematisch ist allerdings, dass trotz dieser Maßnahmen keine Sicherheit für LandarbeiterInnen, LandbewohnerInnen und KonsumentInnen der dort erzeugten Produkte gewährleistet ist.</p><p>Die versprühten Gifte verschmutzen unausweichlich Flüsse, das Grundwasser, die Küste, Luft, Boden und Lebensmittel. Sie werden von den Menschen über die Atemwege, die Nahrungsaufnahme oder durch direkten Kontakt aufgenommen. Jedes Jahr erleiden weltweit drei Millionen Menschen schwere Vergiftungserscheinungen durch Pflanzenschutzmittel, mindestens 300.000 Menschen sterben daran. 99 Prozent der Vergiftungsfälle ereignen sich in Entwicklungsländern.</p><p><strong>Nobelpreis für die grüne Revolution</strong><br /> Es erscheint absurd, dass trotz dieser ökologischen und menschlichen Tragödie ein Friedensnobelpreis vergeben wurde. Der Preisträger Norman Ernest Borlaug, ein US-amerikanischer Agrarforscher, gilt als Initiator der „Grünen Revolution“. Mit einer speziellen Technik entwickelte er Hochleistungsweizensorten und züchtete auf Testfeldern mitten im Valle Yaqui mit Unterstützung der mexikanischen Regierung (in Form des Centro de Investigaciones Agrícolas del Noroeste) den so genannten Mexiko-Weizen.</p><p>Das von Borlaug eingeführte Landwirtschaftsmodell wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts umgesetzt und hat seitdem die intensive Nutzung von Hybridsamen, chemischen Düngern, Insektiziden und den umfassenden Einsatz von Maschinen auf den Feldern etabliert. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg sicherte die Ausweitung des Agrobusiness jenen Industrien die Gewinne, die zuvor fürs Militär produziert hatten. Bomben wurden durch Stickstoffdünger, tödliche Gase durch Pestizide und Kriegsgeschütz durch Traktoren ersetzt.</p><p><strong>Monokulturen, Arbeitslosigkeit und Landflucht</strong><br /> Der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird immer wieder mit der Bekämpfung von Hunger durch höhere Erträge gerechtfertigt. Doch nicht nur auf den Feldern werden die Gifte verwendet. Auch in der Industrie und in Privathaushalten kommen sie zum Einsatz und dienen selbst in Gesundheitseinrichtungen der Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria. Das Agrobusiness bringt verschiedene negative Folgen mit sich. Neben der Ausweitung von Monokulturen stärkt es die politische Macht der GroßproduzentInnen, Arbeitskräfte werden zunehmend ausgebeutet, die Landflucht erhöht sich und die Arbeitslosigkeit in ländlichen Gebieten steigt.</p><p>Gleichzeitig beschert das Agrobusiness GroßgrundbesitzerInnen und Großkonzernen aus der Chemie-, Metall- und Biotechnologiebranche immer größere Gewinne. Die Regierung sowie wissenschaftliche und technische Institutionen haben das Agrobusiness von Anfang an unterstützt. Hinzu kam die Unterstützung in Form weltweiter Vorgaben, wonach Großkonzerne mit öffentlichen Geldern subventioniert werden sollten.</p><p><strong>Der „Agro-Titan“ Borlaug</strong><br /> Ist die Rede vom Mythos der so genannten „Agro-Titanen“ – angeblichen Vorreitern bei der Einführung von Bewässerung und Anbau im Valle del Yaqui – wird der Name Borlaug hervorgehoben. Der Nobelpreisträger ist mittlerweile zu einer Art Kultfigur unter den LandwirtInnen in der Region geworden; Straßen, Statuen und andere Gebäude sind ihm zu Ehren mit seinem Namen geschmückt.</p><p>Ich habe Borlaug vor einigen Jahren, kurz vor seinem Tod, gefragt, ob die Grüne Revolution tatsächlich den Hunger bekämpfen könne. Er räumte ein, dass wir bei der Steigerung der Einnahmen mithilfe seiner landwirtschaftlichen Methode an unsere Grenzen gelangt sind und dass wir das Problem nun mit politischen Entscheidungen lösen müssen. Das war Anfang der neunziger Jahre. Heute liegt es noch deutlicher auf der Hand, dass der Hunger nicht mit technischen Lösungen bekämpft werden kann. Es bedarf vielmehr einer radikalen Reform der Produktion, der Verteilung und des Konsums von Nahrungsmitteln. Hinsichtlich der Umweltschäden, die im Zuge seiner Grünen Revolution durch Pflanzenschutzmittel hervorgerufen werden, äußerte Borlaug keine großen Bedenken.</p><p><strong>Pestizidstudie im Valle de Yaqui</strong><br /> Mittlerweile gibt es weltweit ungefähr 20 große FabrikantInnen derartiger Pflanzenschutzmittel mit einem jährlichen Absatzvolumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar und einer Produktion von 2,5 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Hersteller sind Syngenta, Bayer, Monsanto, Dow Agrosciences und Du Pont. Lateinamerika ist ein wichtiger und wachsender Markt, in dem der Verkaufsumsatz der Giftstoffe zwischen 2006 und 2007 um 18,6 Prozent und zwischen 2007 und 2008 um 36,2 Prozent gewachsen ist.</p><p>Eine Studie zu den zwischen 1995 und 1999 im Valle del Yaqui verwendeten Pestiziden und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der BewohnerInnen ergab, dass die zumeist eingesetzten Gifte Herbizide (34 Prozent), Carbamat (27,53 Prozent), Phosphorsäureester (27,53 Prozent), Fungizide, chlororganische Gifte und Pyrethroide sind. Insgesamt wurden im Zeitraum 3.146.616 kg Pestizide im Tal eingesetzt. Im Jahr 1998 kam es zum größten Pestizideinsatz in einer Größenordnung von 806.123 kg. Die häufigsten damit verbundenen Krankheiten waren Knochenmark-Aplasie, schwere Leukämie und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). (Valenzuela Gómez, L. 2000. Abschlussarbeit. ITSON. Obregón, Sonora.)</p><p><strong>Illusorische Grenzwerte</strong><br /> Nach Angaben eines im Beruf tätigen Agraringenieurs, der anonym bleiben möchte, sei das momentan meist verwendete Insektengift das von Monsanto hergestellte Glyphosat. Es wird in der Region als Faena, in anderen Regionen als Roundup verkauft. Laut einer aktuellen Studie rufen die Produkte und Stoffwechselprodukte von Glyphosat beim Menschen selbst in geringen Dosen den Tod von Embryonen, Plazentas und Nabelschnurzellen im Reagenzglas hervor.</p><p>Im Valle del Yaqui werden laut der anonymen Quelle weiterhin Parathion und Malathion angewendet. Parathion ist extrem giftig und in verschiedenen Ländern ausdrücklich durch das Rotterdamer Übereinkommen verboten. Die US-amerikanische Bundesbehörde zur Durchsetzung des Arbeitsschutzgesetzes OSHA (Occupational Safety and Health Administration) hat für Malathion einen Grenzwert von 15 mg pro Kubikmeter Luft bei einer Arbeitszeit von acht Stunden in einer 40-Stunden-Woche festgesetzt. Diese Empfehlungen sind praktisch unmöglich einzuhalten.</p><p><strong>Aufklärungskampagne „Los agrotóxicos matan“</strong><br /> Agrargifte können als in der industriellen Landwirtschaft verwendete giftige, chemische Substanzen definiert werden, die es in Form von Insektiziden, Entlaubungsmitteln, Herbiziden und Fungiziden gibt. Wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt werden auch Düngemittel in diese Kategorie gezählt. Sie vergiften die Böden und ihre Komponenten gelangen in Gebieten wie Lagunen und Buchten in die Nahrungsmittelkette. Genetisch veränderte Samen für den intensiven Einsatz von krebserregenden Pestiziden wie Glyphosat und von Pflanzen, die eigene Insektizide bilden, sollten ebenfalls dazugezählt werden.</p><p>Auf Grundlage dieser Definition und weiterer umfassende Informationen zum Ausmaß des Agrobusiness und der Macht der Verantwortlichen widmeten sich RepräsentantInnen aller Mitgliedsländer der Koordinationsstelle von kleinbäuerlichen und indigenen Organisationen in Lateinamerika CLOC (Coordinadora Latinoamericana de Organizaciones del Campo) bei einem Treffen in einem bäuerlichen Fortbildungszentrum des Nationalen Vereinigten Landwirtschaftlichen Gewerkschaftsverbands FENSUAGRO (Federación Nacional Sindical Unitaria Agropecuaria) in Viotá, Kolumbien, der Analyse dieses Problems, das in allen Regionen der CLOC allgegenwärtig ist: im Cono Sur, in der Andenregion, in Mittelamerika, in Mexiko und der Karibik.</p><p><strong>Schaffung einer Informationsplattform</strong><br /> Dabei wurde entschieden, eine Kampagne für ganz Lateinamerika zu starten unter dem Motto „Tödliche Agrargifte“ (Los agrotóxicos matan). Die Kampagne soll die Gesellschaft aufklären und für das Thema sensibilisieren. Dem Mythos der sicheren Verwendung von Pflanzenschutzmitteln soll ein Ende bereitet und ein endgültiges Verbot der Gifte erreicht werden. Die Kampagne zielt auf eine Abkehr von der Ideologie des Agrobusiness ab und richtet sich vor allem an Gemeinden und Familien. Außerdem soll sie eine vereinte Plattform für UmweltschützerInnen, Bauern und Bäuerinnen, ArbeiterInnen, StudentInnen, KonsumentInnen und alle Personen bilden, die sich für eine gesunde und umweltschonende Nahrungsmittelproduktion einsetzen.</p><p>Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln müssen wir klarmachen, dass unsere Länder das Potential haben, auf Basis der ökologischen Landwirtschaft diversifizierte und gesunde Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren, und dass es höchste Zeit ist, dieses Modell durchzusetzen. Gleichzeitig müssen die HerstellerInnen und HändlerInnen von Agrargiften zur Rechenschaft gezogen werden. Die Gesellschaft muss verstehen, dass das derzeitige Landwirtschaftsmodell, das giftige Nahrungsmittel produziert, die Umwelt zerstört und nur einigen Wenigen Reichtum beschert, ausgedient hat.</p><p><strong>3. Dezember: Weltweiter Tag gegen den Pestizideinsatz</strong><br /> Dafür wurde eine Organisation für jede Region damit beauftragt – im Fall von Mexiko ist das der Nationale Verband der autonomen, regionalen Bauernorganisationen, UNORCA – in verschiedenen Regionen Ausschüsse und Unterausschüsse zu bilden, an denen alle Organisationen der CLOC beteiligt sind. Darüber hinaus sollen die einzelnen Organisationen Koordinationsteams zusammenstellen, die von der Kommunikationsstelle des Operativen Sekretariats in Quito, Ecuador, bei ihrer Arbeit unterstützt werden.<br /> Die Kampagne soll am 3. Dezember, anlässlich des „Weltweiten Tages gegen den Pestizideinsatz“ starten. Im Vorfeld wird sie bereits im November auf dem Internationalen Kongress für Agroökologie in Havanna eingeleitet.<br /> Es ist an der Zeit, den verheerenden Teufelskreis landwirtschaftlicher Produktion zu durchbrechen, in dem ein und dasselbe Unternehmen – vielleicht in Begleitung eines Tochterunternehmens – die Samen produziert, die Gifte vertreibt und am Ende sogar die falsche Medizin dafür verkauft. Und gemeinsam sorgen sie dafür, dass das Gift auf unseren Tellern landet.</p><p>* Alfredo Acedo ist Direktor im Bereich der sozialen Kommunikation und Berater des Landesverbands der autonomen, regionalen Bauernorganisationen UNORCA (Unión Nacional de Organizaciones Regionales Campesinas Autónomas), Mexiko</p><p>Dieser Beitrag erschien bei <a href="http://www.npla.de/de/poonal/3594-toedliche-pestizide">Poonal</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Peak Soil: Bodenzerstörung und Nahrungsmittelkrise</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/09/29/peak-soil-bodenzerstorung-und-nahrungsmittelkrise/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/09/29/peak-soil-bodenzerstorung-und-nahrungsmittelkrise/#comments</comments> <pubDate>Thu, 29 Sep 2011 07:25:15 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Agroökologie]]></category> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Bodendegradation]]></category> <category><![CDATA[Bodenregeneration]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=630</guid> <description><![CDATA[Von Peter Clausing In dem Beitrag „Peak Soil: Soil Destruction and the Food Crisis“ in der Ausgabe Nr. 38/39 von „local land &#038; soil news“ (2011) geht es um die globale Bodendegradation und deren mögliche Umkehr. Der Begriff „Peak Soil“ ist eine semantische Ableitung von „Peak Oil“, aber zwischen diesen beiden Begriffen besteht ein wesentlicher [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Von Peter Clausing</p><p>In dem Beitrag <a href="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2011/09/llsn38-pcl-final.pdf">„Peak Soil: Soil Destruction and the Food Crisis“</a> in der Ausgabe Nr. 38/39 von „local land &#038; soil news“ (2011) geht es um die globale Bodendegradation und deren mögliche Umkehr. Der Begriff „Peak Soil“ ist eine semantische Ableitung von „Peak Oil“, aber zwischen diesen beiden Begriffen besteht ein wesentlicher Unterschied: Während es unmöglich ist, fossile Energie zu „erneuern“ (außer in geologischen Zeiträumen), ist es möglich, viele degradierte Böden innerhalb eines menschlichen Zeithorizonts zu restaurieren, vorausgesetzt der politische Wille existiert und es würden die entsprechenden Kenntnisse angewendet und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/09/29/peak-soil-bodenzerstorung-und-nahrungsmittelkrise/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Neoliberale Scheinlösungen (Rezension)</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/#comments</comments> <pubDate>Tue, 09 Aug 2011 04:31:49 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=605</guid> <description><![CDATA[Der britische Gentechnik-Befürworter Paul Collier degradiert La Via Campesina und und die Verfasser des Weltagrarberichts zum Fußvolk aristokratischer Umweltromantiker wie Prinz Charles]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Gentechnik-Befürworter Paul Collier macht Vorschläge zur Rettung der Welt</b></p><p><i>Peter Clausing</i></p><p>Der britische Ökonomieprofessor Paul Collier nimmt in seinem im Mai in deutscher Übersetzung erschienenen Buch »Der hungrige Planet« für sich in Anspruch, »Ideen aus der präzisen, aber schwer verständlichen Sprache der modernen Wirtschaftswissenschaft in eine Form zu übersetzen, die auch außerhalb des engen Zirkels von Fachleuten gelesen werden kann« (S. 14). Das ist ihm gelungen: Der Vereinfachungsgrad des Buches liegt auf BILD-Niveau. In dem Werk wimmelt es von simplen Antworten auf noch simplere Fragen – vermutlich mit ein Grund, warum Collier zu den Bestsellerautoren im Sachbuchbereich gehört. Doch bei falsch gestellten Fragen werden die Antworten auch nicht richtiger, trotz der ausgefeilten Computersimulationen, auf die Collier so häufig Bezug nimmt. Ab und zu werden korrekt beschriebene Sachverhalte mit weniger korrekten Schlußfolgerungen gekoppelt, so daß man unwillkürlich an Georg Christoph Lichtenbergs Aphorismus »Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt« denken muß.</p><p>Meist geht es im Buch also sehr einfach zu. Die Ökonomen zerfallen in zwei Lager – Utilitaristen und Ethiker –, die Menschheit insgesamt in drei: Umweltplünderer, die von Collier als »Ignoranten« etikettiert werden; Umweltschützer, die er als »Romantiker« bezeichnet und zu deren wichtigstem Protagonisten er Prinz Charles auserkoren hat, sowie die »kritische Masse der Bürger«, die durch eine von ihm vorgeschlagene »Charta für natürliche Ressourcen« geläutert werden soll. Diesen Läuterungsprozeß betrachtet er deshalb als erfolgversprechend, weil er von »drei politischen Riesen aus rohstoffreichen Ländern« geleitet wird, zu denen er unter anderem den früheren mexikanischen Präsidenten Ernesto Zedillo zählt. Mit dieser »glaubwürdigen Führung«, so Collier, »gleicht die Charta durch Autorität aus, was ihr an institutioneller Macht fehlt« (S. 239). Kennern der Verhältnisse in Mexiko dürften bei dieser Offenbarung die Haare zu Berge stehen.</p><p><b>Korruption als Mysterium</b></p><p>Im Mittelpunkt von Colliers Erörterungen stehen der von ihm so genannte Ressourcenfluch und seine These von der »mißverstandenen Natur«. Mit ersterem umschreibt er die Beobachtung, daß zahlreiche Länder des Südens rohstoffreich, aber bitterarm sind. Der Professor kommt zu der nicht ganz taufrischen Erkenntnis, daß die Ausplünderung natürlicher Ressourcen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas mit Korruption einhergeht. An der einen oder anderen Stelle fällt ihm sogar auf, daß es neben den Bestochenen auch jene gibt, die das Geld zur Verfügung stellen. Colliers ausgiebige Erörterung des Themas Korruption ist jedoch von einer bemerkenswert ahistorischen Betrachtungsweise gekennzeichnet, die den Beitrag westlicher Regierungen zur Entstehung korrupter Regimes komplett ausblendet. Das betrifft deren geheimdienstlich betriebene Installierung (erinnert sei hier an John Perkins’ Buch »Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia«) und jahrzehntelange Unterstützung durch Länder mit »guter Regierungsführung«. Auch die fortdauernde Blockade eines gerechteren Weltwirtschaftssystems durch die westlichen Länder kommt mit keinem Wort zur Sprache. Für Collier ist Korruption ein fast mystisches Geschehen: »Es ist oft wahrscheinlich, daß Regierungsmitglieder, gemeinsam mit den natürlichen Ressourcen, von privaten Interessen vereinnahmt werden« (S. 77). Dieser Prozeß wird nicht beleuchtet, denn schuld sind eigentlich nicht die »privaten Interessen«, deren konkrete Benennung Collier strikt vermeidet, sondern die natürlichen Ressourcen selbst: »Sierra Leones Diamanten haben den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zerstört; Nigerias Öl hat die Korruption der politischen Klasse genährt« (S. 53). Diesem Dilemma setzt er die sanktionsfreien Selbstverpflichtungen der Extractive Industry Transparency Initiative (EITI) als Problemlösung entgegen. Abgesehen davon, daß neun Jahre nach deren Beginn bislang nur zehn Länder »EITI-zertifiziert« sind, werden die ökologischen und sozialen Problemen in den rohstoffreichen Ländern von der Initiative ungenügend berücksichtigt. Kein Thema für Collier. Statt dessen verlangt er unter anderem, die »Waldbewohner« Brasiliens sollten »keine Rechte auf das Öl unter dem Wald haben«, eine Forderung, die mit den Bestimmungen der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO über die Rechte indigener Völker kollidiert (S. 50).</p><p><b>Skandalöse Ignoranz</b></p><p>Collier propagiert auch die These, der Einmarsch der USA in den Irak 2003 sei in der Absicht erfolgt, »die Demokratie in den rohstoffreichen Nahen Osten (zu) bringen« (S.65), nur sei die »neokonservative Agenda naiv« gewesen. Denn, man höre und staune: Der Ölreichtum Iraks vereitelte den Aufbau einer guten Regierungspraxis.</p><p>Colliers Lamento über die Ressourcenplünderung beschränkt sich auf das Anprangern der Verschwendung der dabei erzielten Erlöse: Wert gleich Marktwert. Gebrauchswerte und der stoffliche Verlust von Ressourcen sowie dessen ökologische Konsequenzen haben im Denken Colliers keinen Platz. Er ist unbekümmert, denn: »Im 19.Jahrhundert war die britische Regierung besorgt, ihr könnten die hohen Bäume für Schiffsmasten ausgehen. Was passierte, war natürlich, daß Schiffe irgendwann keine Masten mehr brauchten« (S. 110). Demagogie oder Einfalt? Das Land, das heute keine Schiffsmasten mehr braucht, hat einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Papier von über 200 Kilogramm pro Jahr und würde mit den acht Prozent Wald, die ihm noch verblieben sind, gerade mal die Hälfte dieses Bedarfs decken können, wenn man den Wald komplett dafür nutzen würde.</p><p>In diesem Stil geht es weiter: Collier schlägt »eine gegenseitige Deeskalation der Dummheit« vor. »Im Austausch gegen Europas Aufhebung des selbstzerstörerischen Verbots von gentechnisch veränderten Lebensmitteln könnte Amerika seine selbstzerstörerischen Subventionen für Biokraftstoffe aufheben.« (S. 213) Der Autor vermittelt so den Eindruck, Agrotreibstoffe seien in Europa kein Thema. Der EU droht also die Selbstzerstörung durch das – längst aufgeweichte – Gentechnikverbot von 1996. Schuld daran ist in Colliers Kosmos Prinz Charles, der Anführer der Biobauern der Welt. Diese massive Verzerrung – umfassende wissenschaftliche Argumente gegen Agrogentechnik und beispielsweise »La Via Campesina«, die globale politische Bewegung der Kleinbauern, unerwähnt zu lassen und ihre Vertreter damit stillschweigend in einen Topf mit aristokratischen Umweltromantikern zu stecken – ist einer der besonders ärgerlichen Aspekte des Buches. Als würden der 2008 von 400 Experten veröffentlichte Weltagrarbericht und die wichtigen Publikationen renommierter Agrarökologen nicht existieren.</p><p>Das ganze Kapitel ist ein Skandal: Proteste gegen Hunger bilden die »klassische politische Basis für Demagogie«; in Brüssel wütet eine »Agrarlobby«, womit Collier allerdings Greenpeace und ähnliche Organisationen meint. Seine Behauptung, die europäische Getreideproduktion sei wegen des Gentechnikverbots ab 1996 um jährlich ein bis zwei Prozent gesunken, läßt sich mit offiziellen Statistiken widerlegen. Afrikas Kleinbauern vergleicht der Ökonom mit Straßenhändlern, »die man dort an jeder Ecke trifft« und die er durch die Errichtung von Supermärkten verschwinden lassen will. Wohin, verrät er nicht. Auch die Kleinbauern scheinen sich einfach in Luft aufzulösen, wenn Afrikas Landwirtschaft eines Tages durchmechanisiert ist, denn sie werden nicht weiter erwähnt.</p><p>Das Bedenklichste an diesem fadenscheinigen Plädoyer für eine nicht nachhaltige, neoliberale Scheinlösung großer Weltprobleme ist, daß sich – betrachtet man die Verkaufszahlen und die Rezeption des Buches in Medien wie Deutschlandfunk und Welt – kaum jemand daran zu stören scheint.</p><p>Paul Collier: Der hungrige Planet. Wie können wir Wohlstand mehren, ohne die Erde auszuplündern. Aus dem Englischen von Martin Richter, Siedler Verlag, München 2011, 272 S., 22,99 Euro</p><p>Rezension erschienen in:<br /> junge Welt, Beilage &#8220;land &#038; wirtschaft&#8221; vom 03.08.2011</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Im Wettlauf gegen die Zeit</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/07/19/im-wettlauf-gegen-die-zeit/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/07/19/im-wettlauf-gegen-die-zeit/#comments</comments> <pubDate>Tue, 19 Jul 2011 21:46:43 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Bodendegradation]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Bodenerosion]]></category> <category><![CDATA[Ertragspotential]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=596</guid> <description><![CDATA[Auch wenn, trotz über einer Milliarde hungernder Menschen, derzeit genügend Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung produziert wird, zeichnet sich für die kommenden Jahrzehnte eine erhebliche Diskrepanz ab. Im Vergleich zu 1990 wird sich einerseits die globale landwirtschaftliche Nutzfläche bis 2025 um geschätzte 82 Millionen Hektar und damit um zehn Prozent vergrößern. Diese Erweiterung steht jedoch einem erwarteten Bevölkerungszuwachs von 60 Prozent in dem gleichen 35-Jahres-Zeitraum gegenüber. Zudem geht der Gewinn an landwirtschaftlicher Nutzfläche häufig mit der Zerstörung von Wäldern einher. Parallel dazu spielt sich eine stille Katastrophe sozusagen direkt unter unseren Füßen ab: Schätzungen zufolge sind weltweit 25 Prozent des Bodens von Degradation betroffen. Dieser ernüchternden Statistik zum Trotz ist Weltuntergangsstimmung fehl am Platz. In seinem jüngsten Bericht an die UN-Vollversammlung schreibt der Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, dass die Kleinbauern des Südens, also dort, wo chronischer Hunger am stärksten präsent ist, innerhalb von zehn Jahren ihre Nahrungsmittelproduktion verdoppeln könnten, und zwar auf umweltverträgliche Weise. Um dies zu ermöglichen, wäre ein entsprechender politischer Wille vonnöten. Das würde auch Maßnahmen zur Bodenverbesserung einschließen, deren Dringlichkeit nicht überbetont werden kann.]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>von Peter Clausing</p><p><b>Bodenerosion und Welternährung</b></p><p>Auch wenn, trotz über einer Milliarde hungernder Menschen, derzeit genügend Nahrung für die gesamte Weltbevölkerung produziert wird, zeichnet sich für die kommenden Jahrzehnte eine erhebliche Diskrepanz ab. Im Vergleich zu 1990 wird sich einerseits die globale landwirtschaftliche Nutzfläche bis 2025 um geschätzte 82 Millionen Hektar und damit um zehn Prozent vergrößern. Diese Erweiterung steht jedoch einem erwarteten Bevölkerungszuwachs von 60 Prozent in dem gleichen 35-Jahres-Zeitraum gegenüber. Zudem geht der Gewinn an landwirtschaftlicher Nutzfläche häufig mit der Zerstörung von Wäldern einher. Parallel dazu spielt sich eine stille Katastrophe sozusagen direkt unter unseren Füßen ab: Schätzungen zufolge sind weltweit 25 Prozent des Bodens von Degradation betroffen. <sup><small>1</small></sup> Dieser ernüchternden Statistik zum Trotz ist Weltuntergangsstimmung fehl am Platz. In seinem jüngsten Bericht an die UN-Vollversammlung schreibt der Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, dass die Kleinbauern des Südens, also dort, wo chronischer Hunger am stärksten präsent ist, innerhalb von zehn Jahren ihre Nahrungsmittelproduktion verdoppeln könnten, und zwar auf umweltverträgliche Weise.<sup><small>2</small></sup> Um dies zu ermöglichen, wäre ein entsprechender politischer Wille vonnöten. Das würde auch Maßnahmen zur Bodenverbesserung einschließen, deren Dringlichkeit nicht überbetont werden kann.</p><p><b>Boden unter Druck</b></p><p>Erosion, Bodenverdichtung, Verlust an organischer Substanz, Kontamination, Versalzung und Erdrutsche haben im Laufe der letzten 100 Jahre deutlich zugenommen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktivität. Den Löwenanteil am degradationsbedingten Flächenverlust hat laut einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WGBU) die Erosion. Wasser und Wind tragen weltweit jährlich 75 Milliarden Tonnen Boden ab – 85 Prozent aller degradierten Flächen (16,4 Millionen Quadratkilometer) sind von Erosion betroffen. Das Phänomen der Erosion gab es schon, bevor Menschen auf der Erde existierten. Vor Jahrtausenden boten die durch Wasser abgetragenen und an anderer Stelle wieder angeschwemmten fruchtbaren Erdmengen die Voraussetzung für die Entstehung von Zivilisationen – erinnert sei an das Nildelta und die Flussläufe von Euphrat und Tigris. Das Problem ist also nicht die Erosion an sich, sondern das Tempo, mit der sie heute vonstatten geht. Wenn einer jährlichen Bodenbildungsrate von einer Tonne pro Hektar eine Erosionsrate von über 5 Tonnen pro Hektar Jahr gegenüber steht, wie es zum Beispiel in Teilen von Südspanien, Südfrankreich, Italien und Griechenland der Fall ist, dann ergeben sich daraus mittelfristig Probleme für die Produktivität. Wenn jedoch die Erosionsraten durchschnittlich 30-40 Tonnen pro Hektar und Jahr betragen, was in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas dem Durchschnitt entspricht, dann ist die Situation dramatisch.</p><p>Daten über den Schweregrad der Degradation sind im globalen Maßstab nicht sonderlich präzise. So verwundert es nicht, dass unter den Experten zwar Einigkeit herrscht, dass die Schädigung der Böden ernste Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktivität haben wird. Es divergieren jedoch die Ansichten über zeitliche Horizonte und das Ausmaß. Auch in dem 2009 veröffentlichten Weltagrarbericht wird beklagt, dass aufgrund fehlender Daten die Schätzungen über Auswirkungen auf die Produktivität stark divergieren. Eindeutig äußern sich die Verfasser dieses Berichts hingegen in Bezug auf andere interessante Details. Dazu zählt die Feststellung, dass 25 Prozent der bisherigen Bodenzerstörung durch die landwirtschaftliche Produktion selbst verursacht wurde. Umgekehrt kommt der Überweidung, die von anderen Autoren vielfach als einer der wichtigsten Gründe für die Bodenzerstörung hervorgehoben wird, offenbar ein deutlich geringerer Stellenwert zu. Der Effekt der Überweidung ist oftmals sekundärer Natur. Die Ausdehnung des Ackerbaus auf Böden mit schlechter Qualität führt dazu. dass Hirten, die in diesem Gebiet ursprünglich eine nachhaltige Weidewirtschaft betrieben, in noch marginalere Bereiche verdrängt werden, wo ihre Herden dann allerdings über kurz oder lang den Boden zerstören. Zur dieser Verdrängung kommt es unter anderem durch den Anbau bestimmter Energiepflanzen zur Gewinnung von Agrotreibstoffen. Die Verfasser des Weltagrarberichts sprechen sich nachdrücklich dafür aus, degradierte Agrarflächen zu restaurieren statt unter Vernichtung von Wäldern neue Agrarflächen hinzu zu gewinnen. Methoden zur Restaurierung – Anreicherung des Bodens mit organischer Masse, eventuell verbunden mit einer zurückhaltenden Anwendung anorganischer Dünger – stehen zur Verfügung, finden aber ungenügende politische Unterstützung. Vielfach können solche Maßnahmen den Prozess der Bodendegradation rückgängig machen. Weitere vom Agrarbericht empfohlene Mittel sind eine Diversifizierung der Fruchtfolge und eine als „Agroforstwirtschaft“ bezeichnete Strategie, der besonders in Afrika gute Chancen eingeräumt werden, um mit einfachen Mitteln Prozesse der Umweltzerstörung umzukehren. Letztlich ist das Thema Bodendegradation vollständig in die Diskussion integriert, welchem landwirtschaftlichen Modell die Zukunft gehört – einem nachhaltigen kleinbäuerlich-biologischen Anbau oder einer industriemäßigen Großflächenwirtschaft mit massiven erdölbasierten Inputs.</p><p>Mit agroökologischen Methoden wurden Böden, verbunden mit beeindruckenden Ertragssteigerungen, erfolgreich restauriert. Jedoch ist deren Anwendung bislang so sporadisch, das dies auf den Satellitenbildern gar nicht sichtbar wird. Eindrucksvolle Beispiele werden unter anderem in einem Bericht von Uwe Hoering präsentiert.<sup><small>3</small></sup> Selbst Extremfälle von Erosion konnten rückgängig gemacht werden: Gullies – metertiefe Ersosionsrinnen – entstehen, wenn oberflächlich abfließendes Wasser die Erde mitreißt. Hoering berichtet, wie tansanische KleinbäuerInnen innerhalb von zehn Jahren einen drei Meter tiefen Gully wieder füllten, indem sie oben, wo der Gully noch schmal war, Gräben zogen und Barrieren aus Stöcken und Elefantengras anlegten, um die Erde zurückzuhalten, während das Wasser weiter fließen konnte. Mit der Zeit, war die Menge zurückgehaltener Erde groß genug, um sie zu bepflanzen, unter anderem mit Bananenstauden, die als zusätzliche, früchtetragende Barrieren dienten. „Heute wächst dort, wo früher nur unfruchtbarer Kies war, eine dichte Mischvegetation aus Bananen, einheimischen Bäumen, Orangen und Zitronen, Papayas, Mais, Hirse, Süßkartoffeln, Maniok und Erbsen. In einem Teich tummeln sich Fische, die im Dorf verkauft werden“, berichtet Hoering. Eine Verfünffachung der Erträge, zum Beispiel bei Hirse, wurde zudem durch einen lokal entwickelten organischen Dünger ermöglicht. Nachhaltige Erfolge sind nur von der vervielfachten Anwendung solcher zukunftsweisender, lokal verwurzelter Strategien zu erwarten.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li>Global Assessment of land degradation and improvement – GLADA Report 5, Wageningen 2008, <a href="http://www.kurzlink.de/glada" target="_blank">www.kurzlink.de/glada</a></li><li><a href="http://www.klimaretter.info/politik/nachricht/8135" target="_blank">www.klimaretter.info/politik/nachricht/8135</a></li><li>Uwe Hoering: Wer ernährt die Welt? Bäuerliche Landwirtschaft hat Zukunft. Bonn 2008, <a href="http://www.kurzlink.de/hoering" target="_blank">www.kurzlink.de/hoering</a></li></ol></div><p><i>Erschienen in:<br /> Der Rabe Ralf. Berliner Umweltzeitung, Nr. 22 (Juni/Juli 2011).</i><br /> In leicht veränderter Form erschienen in:<br /> <a href="http://www.dnr.de/downloads/ua2011-08-spezial.pdf">umwelt aktuell</a> August/September 2011, Seite 37/38 </i></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/07/19/im-wettlauf-gegen-die-zeit/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Für den Erhalt des freien Saatguts</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/fur-den-erhalt-des-freien-saatguts/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/fur-den-erhalt-des-freien-saatguts/#comments</comments> <pubDate>Mon, 02 May 2011 09:42:31 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=591</guid> <description><![CDATA[Aktivisten überreichen 50 000 Unterschriften gegen Reform in Brüssel. Am 17. und 18. April fanden in Brüssel die ersten europäischen Saatguttage statt. (Hinweis: am Ende waren es 58.000 Unterschriften) Von Peter Clausing Es wimmelte am Sonntag in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Das Kulturzentrum hatte sich für einen Tag in die [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aktivisten überreichen 50 000 Unterschriften gegen Reform in Brüssel. Am 17. und 18. April fanden in Brüssel die ersten europäischen Saatguttage statt.</strong> (Hinweis: am Ende waren es 58.000 Unterschriften)</p><p>Von Peter Clausing</p><p>Es wimmelte am Sonntag in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek. Das Kulturzentrum hatte sich für einen Tag in die erste europäische Saatguttauschbörse verwandelt und beherbergte ferner einen halbtägigen internationalen Meinungsaustausch zum Thema Saatgutgesetzgebung. 30 Erhaltungsinitiativen für bedrohte, nichtkommerzielle Gemüse- und Getreidesorten aus zwölf europäischen Ländern, der Türkei und Indien hatten ihre Stände aufgebaut, rund 500 Besucher und Teilnehmer folgten der Einladung.</p><p>Der Grund für die Mobilisierung ist die drohende Verschärfung des europäischen Saatgutrechts, die zu einer Illegalisierung der Verbreitung freier Sorten führen könnte. Der zum Teil erhebliche Einfluss, den die europäische Saatgutgesetzgebung bereits in der Vergangenheit auf internationale Abkommen und nationale Gesetze außereuropäischer Länder hatte, erklärt das Interesse von BäuerInnenorganisationen aus der Türkei und Indien. Das neue türkische Saatgutgesetz, dem sich unter anderem die Mitglieder des Kleinbauernverbandes Cifci-sen widersetzen, erlaubt den Bauern zwar die Wiederverwendung selbst erzeugten Saatgutes, verbietet aber dessen Weiterverkauf. Ähnlich ist es in Indien, wo die Europäische Union seit 2004 versucht, in einem bilateralen Freihandelsabkommen Klauseln unterzubringen, die eine Verschärfung des indischen Saatgutgesetzes nach sich ziehen würden.</p><p>Der 2009 verabschiedete Aktionsplan der EU zur Bewertung der nationalen gesetzlichen Regelungen für die Vermarktung von Saatgut zielt in die gleiche Richtung. Am Ende soll ein einheitliches europäisches Saatgutgesetz stehen, in dem sich der Handlungsspielraum für die Saatgutkonzerne weiter vergrößert haben wird. So wird mit dem Verkaufs- und Tauschverbot für offiziell nicht registrierte Sorten, das einer angeblichen Qualitätssicherung dienen soll, der Saatgutmarkt exklusiv für kommerzielle Sorten reserviert. Das schafft Abhängigkeiten von zunehmend monopolistisch beherrschten »Wertschöpfungsketten«. Diese Abhängigkeit ist zwar schon jetzt vorhanden, aber in den einzelnen EU-Ländern sehr unterschiedlich ausgeprägt. Insbesondere in Polen, wo noch anderthalb Millionen kleinbäuerliche Wirtschaften existieren, werden von einem neuen europäischen Saatgutgesetz drastische Auswirkungen befürchtet. Zugunsten einer zeitweiligen Verbesserung der Profitmarge im Saatgutgeschäft wird die Sortenvielfalt ernsthaft bedroht und somit die Breite der genetischen Basis für züchterische Verbesserungen künftiger Generationen weiter eingeschränkt.</p><p>Doch Sortenvielfalt ist wichtiger denn je, da sind sich Agrarexperten und Aktivisten einig, denn die Landwirtschaft der Zukunft müsse wegkommen von scheinbaren Hochleistungssorten, die ihre Erträge nur mit Hilfe erheblicher erdölbasierter Inputs (Pestiziden, Kunstdünger) erbringen. Die Zukunft gehöre einer Vielfalt lokal angepasster Sorten, die mit agroökologischen Methoden hohe Erträge produzieren können.</p><p>Die Saatgutaktionstage in Brüssel dienten dazu, dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Schlusspunkt war die Übergabe von 50 000 Unterschriften an Vertreter des Europaparlaments, verbunden mit der Forderung, eine Studie in Auftrag zu geben, in der die Auswirkungen der Saatgutgesetzgebung auf das von den Vereinten Nationen verbriefte Menschenrecht auf Nahrung untersucht wird, eine Forderung, die auch von Olivier de Schutter, dem UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, unterstützt wird.</p><p>Erschienen in <a href="http://www.neues-deutschland.de/artikel/195800.fuer-den-erhalt-des-freien-saatguts.html">Neues Deutschland vom 19. 04. 2011</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/fur-den-erhalt-des-freien-saatguts/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Vielfalt oder Monopol?</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/vielfalt-oder-monopol/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/vielfalt-oder-monopol/#comments</comments> <pubDate>Mon, 02 May 2011 09:36:39 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=579</guid> <description><![CDATA[Europäische Saatgutaktionstage: Teilnehmer kritisieren Gesetzesvorhaben als Gelddrucklizenz für Konzerne und fordern Umdenken Peter Clausing, Brüssel Das Kulturzentrum in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek hatte sich am Sonntag in eine Saatguttauschbörse verwandelt. Dreißig Erhaltungsinitiativen für bedrohte, nichtkommerzielle Gemüse- und Getreidesorten aus zwölf europäischen Ländern sowie der Türkei und Indien waren bei den [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäische Saatgutaktionstage: Teilnehmer kritisieren Gesetzesvorhaben als Gelddrucklizenz für Konzerne und fordern Umdenken<br /> </strong></p><p>Peter Clausing, Brüssel</p><p>Das Kulturzentrum in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek hatte sich am Sonntag in eine Saatguttauschbörse verwandelt. Dreißig Erhaltungsinitiativen für bedrohte, nichtkommerzielle Gemüse- und Getreidesorten aus zwölf europäischen Ländern sowie der Türkei und Indien waren bei den ersten Europäischen Saatgutaktionstagen präsent. Sie diskutierten die möglichen Folgen einer verschärften Gesetzgebung und Strategien, wie diese verhindert werden kann. Am Montag wurden Gespräche geführt, Kontakte zwischen den Teilnehmern geknüpft bzw. vertieft. Vor allem aber wurde demonstriert: Ein Protestmarsch führte die Teilnehmer zu den Brüsseler Vertretungen des Bayer-Konzerns, der Vereinigung der Europäischen Saatgutfirmen sowie zum Sitz des Europa-Parlaments. 51416 Unterschriften von Bürgern aus 20 Ländern wurden dort übergeben und sorgten dafür, diesem drängenden Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.</p><p>Anlaß für die Mobilisierung ist die drohende Verschärfung des europäischen Saatgutrechts. Diesem Anliegen war bereits eine zweijährige Kampagne mit Veranstaltungen und Unterschriftenaktionen vorausgegangen.</p><p>Andreas Riekeberg von der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie hob in Brüssel sieben Gefahrenpunkte hervor, die der 2009 verabschiedete EU-Aktionsplan zur Bewertung der nationalen gesetzlichen Regelungen für die Vermarktung von Saatgut erkennen läßt. Dazu zählte er unter anderem den Transfer der Prüfung von der öffentlichen Hand zur Industrie und ihren Serviceagenturen, die beabsichtigte Integration der Saatgutverkehrszulassung in die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), eine Institution, die wegen ihrer Verfilzung mit der Saatgutindustrie berüchtigt ist, und die eventuelle Schaffung einer Inspektionsbehörde, die einer europäischen Saatgutpolizei gleichkäme.</p><p>All das werde, so die nicht unbegründete Befürchtung, zu einer Illegalisierung der Nutzung und Verbreitung freier Sorten führen – mit erheblichen negativen Auswirkungen auf bäuerliche und gärtnerische Saatgutarbeit, die dem Erhalt einer Sortenvielfalt dient. Da die europäische Gesetzgebung auf diesem Gebiet bereits in der Vergangenheit internationale Abkommen und nationale Gesetze in außereuropäischen Staaten beeinflußt hatte, gab es auch Interesse von bäuerlicher Organisationen aus nichteuropäischen Staaten an der politischen Manifestation in Brüssel. So erlaubt ein neues türkisches Gesetz zwar die Wiederverwendung selbsterzeugten Saatgutes, verbietet aber dessen Weiterverkauf – eine Regelung, dem sich unter anderem der 44000 Mitglieder umfassende Kleinbauernverband Cifci-sen widersetzt. In Indien wird es ähnlich aussehen, wenn die Endfassung des seit 2004 verhandelten bilateralen Freihandelsabkommens mit der EU die bislang vorgesehenen Klauseln enthalten sollte.</p><p>Am Ende des geplanten einheitlichen europäischen Saatgutgesetzes und seiner vertraglich vermittelten Expansion in Länder des Südens würde ein erheblich vergrößerter Handlungsspielraum für die Konzerne stehen. Ein wichtiger Punkt dieser Regelungen ist das immer wiederkehrende Verkaufs- und Tauschverbot für offiziell nicht registrierte Sorten. Unter dem Vorwand einer angeblichen Qualitätssicherung wird der Markt exklusiv für die Angebote der kommerziellen Vermarkter reserviert. Das schafft Abhängigkeiten von zunehmend monopolistisch strukturierten »Wertschöpfungsketten«. Die ist zwar schon jetzt gegeben, aber in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Insbesondere in Polen, wo noch anderthalb Millionen kleinbäuerliche Wirtschaften existieren, werden von einem neuen europäischen Gesetz drastische Auswirkungen befürchtet. Zwar sägen die Züchtungskonzerne mit den angestrebten gesetzlichen Änderungen am eigenen Ast. Aber das wird zugunsten einer zeitweiligen Verbesserung der Profitmarge sehenden Auges in Kauf genommen.</p><p>Die Sortenvielfalt, die seit eh und je die genetische Basis für züchterische Verbesserungen darstellt, wird ernsthaft bedroht und künftigen Generationen vorenthalten. Dabei ist Sortenvielfalt wichtiger denn je. Eine Landwirtschaft der Zukunft muß von den scheinbaren Hochleistungssorten wegkommen, die ihre Erträge nur mit Hilfe erheblicher erdölbasierter Inputs (Pestiziden, Kunstdünger) erbringen. Weltagrarbericht und eine wachsende Zahl an wissenschaftlichen Publikationen belegen, daß die Zukunft einer Vielfalt lokal angepaßter Sorten gehört, die den Herausforderungen des Klimawandels und schwindender Erölreserven gewachsen sind und mit agroökologischen Methoden hohe Erträge produzieren können.</p><p>Mit der Übergabe der Unterschriften an EU-Parlamentarier wird die Forderung verbunden, eine Studie in Auftrag zu geben, die die Auswirkungen der Saatgutgesetzgebung auf das von den Vereinten Nationen verbriefte Menschenrecht auf Nahrung untersucht. Dieses Anliegen wird auch vom zuständigen UN-Sonderberichterstatter Olivier de Schutter unterstützt.</p><p>Erschienen in <a href="http://www.jungewelt.de/2011/04-19/029.php">junge Welt vom 19.04.2011</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/vielfalt-oder-monopol/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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