<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Global</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/category/ernaehrungssouveraenitaet/ernaehrungssouverenitaet-global/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Zukunft säen – Vielfalt ernten</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/12/27/zukunft-saen-%e2%80%93-vielfalt-ernten/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/12/27/zukunft-saen-%e2%80%93-vielfalt-ernten/#comments</comments> <pubDate>Sun, 27 Dec 2009 12:00:47 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Alternativen]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Saatgutkampagne]]></category> <category><![CDATA[Sortenvielfalt]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=238</guid> <description><![CDATA[Wir rufen zu einer europaweiten Kampagne auf: für gentechnikfreies Saatgut, für die Erhaltung des bäuerlichen Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, für Transparenz im Saatgutbereich und für langfristige Ernährungssouveränität. Wir wehren uns gegen die Monopolisierung des Saatgutes durch transnationale Konzerne und eine weitere Verschärfung geistiger Eigentumsrechte auf Pflanzen. Weitgehend [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Wir rufen zu einer europaweiten Kampagne auf: für gentechnikfreies Saatgut, für die Erhaltung des bäuerlichen Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, für Transparenz im Saatgutbereich und für langfristige Ernährungssouveränität. Wir wehren uns gegen die Monopolisierung des Saatgutes durch transnationale Konzerne und eine weitere Verschärfung geistiger Eigentumsrechte auf Pflanzen.</em></p><p>Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die EU-Kommission 2008 begonnen, das EU-Saatgutverkehrsrecht zu überarbeiten. Die Änderungen sollen Ende 2010 in Kraft treten. Unter der Bezeichnung »Better Regulation« will sie beim Saatgutrecht Bürokratie abbauen und die Gesetze vereinheitlichen. Zwölf Richtlinien regeln bisher den Saatgutverkehr in der EU. Jedes Mitgliedsland setzt sie unterschiedlich um. Die EU übertrug die Evaluation der derzeitigen Gesetzgebung privaten Firmen unter Leitung des Consultingbüros »Arcadia«, das bereits mehrfach für die Gentechnik-Industrie tätig war.Nach Inkrafttreten der ersten Saatgutverkehrs- gesetze in den 1960er Jahren hat das internationale Business den Saatgutmarkt entdeckt. Inzwischen kontrollieren die zehn führenden Saatgutkonzerne − unter ihnen Bayer, Monsanto, Syngenta, Limagrain − 67% dieses weltweiten Marktes. Sie üben auf die Änderungsvorhaben der EU entscheidenden Einfluss aus.</p><p><strong>Neue Bürokratie für alte Sorten</strong></p><p>Bisher unterlag der Markt nicht eingetragener Sorten in den meisten Ländern keiner Kontrolle. Deshalb hat die EU-Kommission im Juni 2008 eine Richtlinie für die Erhaltung von Getreide und Kartoffeln vorgelegt, welche die Vermarktung von Landsorten, regional angepassten oder vom Aussterben bedrohten Sorten regeln soll. Dazu zählen auch die meisten Sorten aus biologischer Züchtung, sowie von Bauern und Bäuerinnen selbst gewonnenes Saatgut und Sortengemische. Eine entsprechende Richtlinie für Gemüse soll folgen.Organisationen, die sich für die Erhaltung und Entwicklung der Pflanzenvielfalt und für ökologische Landwirtschaft einsetzen, wurden in der Vorbereitung zwar angehört, aber von ihren Vorschlägen ist kaum etwas übrig geblieben. Die sogenannte „Erhaltungsrichtlinie“ verfehlt das selbstgesteckte Ziel, den Verlust biologischerVielfalt in der Landwirtschaft aufzuhalten und das Saatgutrecht zu vereinfachen. Zwar ermöglicht sie Züchtern und Züchterinnen endlich regionale Sorten und solche für die biologische Landwirtschaft einzutragen. Sie errichtet aber bürokratische Hürden für die Eintragung und droht die Verbreitung nicht registrierter Sorten zu unterbinden. Alle EU-Länder müssen diese Richtlinie in nationales Recht umsetzen.</p><p><strong>Drei Anforderungen sind besonders absurd und mit enormem Kontroll-Aufwand verbunden:</strong></p><ul><li>der Nachweis über die Bedeutung einerSorte für die Erhaltung der Pflanzenvielfalt;</li><li>die starke regionale Bindung der Sorten an ihr Herkunftsgebiet;</li><li>die quantitative Beschränkung ihres Anbaus prozentual zu den üblichen Handels- sorten.</li></ul><p><img class="rechtsbild" src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2009/12/Saatgutboerse.jpg" alt="Saatgutbörse" width="230" height="314" align="right" />Diese Anforderungen sollen verhindern, dass die Saatgutindustrie auch nur einen Teil des Marktes an alternatives Saatgut abgeben muss. Wir er- warten, dass nur wenige Sorten, für die sich der bürokratische Aufwand wirtschaftlich lohnt, ein- getragen werden. Alle andern sind dann illegal. Besonders betroffen sind Länder wie die Türkei oder Rumänien, in denen ein großer Teil der gebräuchlichen Kulturpflanzen nicht auf den Listen der EU-Staaten steht, weil Bauern, Bäuerinnen und GärtnerInnen das regionale Saatgut selbst gewinnen und vermarkten. Dort drohen durch diese Richtlinie verheerende Auswirkungen.UPOV, der internationale Verband zum Rechtsschutz von Pflanzenzüchtungen, vertritt auf allen Kontinenten die Interessen der europäischen Saatgutindustrie. Setzt dieser mächtige Verband seine Interessen durch, so kann aus der EU-Erhaltungs-Richtlinie bei sinngemäßer Anwendung außerhalb Europas eine regelrechte Verbots-Richtlinie für alles einheimische Saatgut werden.</p><p><strong>Geistige Eigentumsrechte auf alle Kulturpflanzen?</strong></p><p>Die Saatgutkonzerne fordern die Ausweitung ihrer Privilegien. Ihnen entgehen noch gut 40% des potentiellen Marktes durch »illegalen Nachbau«, wie sie es nennen, und den Anbau von nicht zugelassenen Sorten.Die Gentechnik bietet für die Industrie eine ideale Lösung, sich geistige Eigentumsrechte zu sichern, weil gentechnisch verändertes Saatgut patentiert und auf den Feldern eindeutig feststellbar ist. Gentech-Konzerne nehmen Bauern und Bäuerinnen unter Vertrag und klagen gegen Landwirte wegen illegalem Nachbau, wenn sie auf deren Feldern Spuren ihrer Patente nach- weisen können. Die Monsanto-Prozesse gegen Percy und Louise Schmeiser in Kanada sind von vielen Fällen in Nordamerika die bekanntesten.Obwohl Gentechnik in Europa auf breite Ablehnung der Bevölkerung stößt, üben die Agrochemie-Konzerne Druck aus, um Gentechnik durchzusetzen. Sie weigern sich, die Haftung für Schäden durch GVOs zu übernehmen und beharren auf Schwellenwerten, die gentechnische Verunreinigungen in Saatgut ohne Kennzeichnung erlauben.Da der Widerstand gegen Gentechnik wächst, sucht die Saatgutindustrie nun nach anderen Wegen. Sie fordert in den Verhandlungen um ein neues Saatgutverkehrsgesetz die Identifizierung der Sorten durch eine Gensequenz, genannt genetische Marker. Obwohl diese Forderung den Sortenschutz und nicht den Saatgutverkehr betrifft, soll sie hier schon gesetzlich verankert werden. Mit genetischen Markern wollen die Konzerne den Nachweis ihrer Sorten auf den Feldern und im Erntegut erbringen und Nachbau verhindern. Allerdings lässt sich eine Gensequenz auch bei unbeabsichtigten Einkreuzungen in Nachbars Getreide nachweisen.</p><p>Patente auf Sorten</p><p>Auch auf nicht gentechnisch manipulierte Pflanzen haben Saatgutfirmen bereits Patente angemeldet. Beispiele dafür sind die »Antischrumpeltomate« (EP 1211926 B1), antikarzinogen wirkender Brokkoli (EP 1069819 B1) und eine Melone mit besonders hohem Zuckergehalt (EP 1587933 B1). Gegen all diese Patenteintragungen gibt es breite Proteste. Durch die Einführung molekularer Marker würden alle Kulturpflanzen mit einem Schlag patentierbar, der Widerstand gegen einzelne Patente wäre sinnlos.</p><p><strong>Die Konzerne wollen die Vorteile von Patenten auf Pflanzen auch ohne Gentechnik nutzen. Sie fordern von der EU: </strong></p><ul><li>den bisherigen Sortenschutz durch Funktionen der Patentrechte zu ergänzen und die Identifikation aller Sorten durch molekulare Marker zu ermöglichen;</li><li>der Saatgutindustrie die Prüfung für die Zulassung der Sorten zu überlassen;</li><li>bäuerliches Saatgut und Nachbau wegen Wettbewerbsverzerrung und sanitärer Gefahren zu verbieten;</li><li>ihre Monopolrechte auf eine zugelassene Sorte von 25 auf 30 Jahre auszudehnen.</li></ul><p><img src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2009/12/Maehdrescher.jpg" alt="Großfelder mit Mähdreschern" width="460" height="345" /></p><p>Die Landwirtschaft würde so in völlige Abhängigkeit zu wenigen Saatgutfirmen geraten, die − nicht zufällig − mit den transnationalen Agrochemiekonzernen identisch oder eng verflochten sind. Ihr Saatgut benötigt chemische Dünger, Pestizide und Bewässerung, erfordert also eine energie- und erdölintensive Landwirtschaft. Bauern, die sich auf diese Abhängigkeit eingelassen haben, geben heute bereits fünfmal mehr für Kunstdünger und Spritzmittel aus, als für das Saatgut selbst.</p><p><strong>Die weltweite Situation zwingt uns zum Umdenken</strong></p><p><em>Die in Brüssel ausstehenden Entscheidungen zum Saatgut betreffen nicht nur die Saatgutkonzerne und Landwirte, sie betreffen unser aller Ernährung. Deshalb wollen wir mit unseren Vorschlägen eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit beginnen.</em></p><p>Samen sind Ursprung des Lebens. Jahrtausendelang hat die Vielfalt der Kulturpflanzen die Menschheit ernährt. Für unsere Ernährungssouveränität sind die an uns weitergegebenen Saaten der größte Schatz. Diesen zu hüten und zu entfalten muss Ziel der neuen Saatgutgesetzgebung sein.Anstatt energiefressende Monokulturen mit chemieabhängigen Pflanzen muss die EU regional angepasste Sorten fördern. Sie muss die Vielfalt regionaler Landsorten gegenüber dem Weltmarkt weniger Industriesorten bevorzugen. Landsorten dürfen nicht in abgegrenzte Regionen verbannt und aus dem Wirtschaftsleben ausgeschlossen werden. Für ihre Züchtung sollen Förderungen bereit- stehen.Für eine Wende in der Agrarpolitik: Auch weil das Erdöl knapp wird, hat die industrielle Landwirtschaft keine Zukunft. Die Landwirtschaft muss aus dem hohen Energieverbrauch mit Hilfe der Kulturpflanzenvielfalt aussteigen. Sie muss die Bodenfruchtbarkeit wie- der in den Mittelpunkt stellen, anstatt durch Überdüngung den Boden zu zerstören und klimaschädliche Lachgase freizusetzen.Allein gentechnikfreies Saatgut erzeugt gentechnikfreie Nahrung. Deshalb fordern wir Nulltoleranz für GVO-Verunreinigungen in gentechnikfreiem Saatgut und das VerursacherInnenprinzip.In der Überarbeitung des Saatgutverkehrsrechts liegt auch die Chance, mehr Transparenz zu schaffen. Alle gentechnischen und sonstigen Methoden, die bei der Züchtung einer Sorte verwendet wurden, sollen bei ihrer Registrierung bekannt gegeben werden. Die so informierte Öffentlichkeit kann sich auf diese Weise vor unbekannten Folgen schützen.Das sind hochgesteckte Ziele. Ihre Umsetzung beginnt mit der Einhaltung des Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen und zu vermarkten. Die Vielfalt wurde nicht im Chemielabor geschaffen, sondern durch Menschen auf der ganzen Welt, die auf ihren Feldern und in ihren Gärten den Pflanzen helfen, sich an lokale Bedingungen und Klimaveränderungen anzupassen. Unsere Zukunft liegt in der Vielfalt. Die kultivierte Pflanzenvielfalt muss wieder zu einer Grundlage unserer Ernährung werden. Das wollen wir in der europäischen Saatgutgesetzgebung verankern.Die UPOV muss ihre Politik ändern und die bäuerlichen Rechte respektieren, die im Internationaler UN-Vertrag über Pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (ITPGR-FA) festgeschrieben sind. Dieser Vertrag wurde von der EU und allen Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Vierzig Jahre lang hat die Chemie- und Saatgutindustrie behauptet, dass sie den Hunger in der Welt bekämpft. Doch die Zahl der Hungernden ist gestiegen, obwohl die Landwirtschaft immer mehr industrialisiert wurde. Vor einem Jahr endlich hat der von Weltbank und UNO in Auftrag gegebene Weltagrarbericht IAASTD festgestellt, dass Kleinbauern und -bäuerinnen den größten Beitrag zur Welternährung leisten. Die vierhundert WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt, die den Bericht erarbeitet haben, empfehlen eine Wende in der Landwirtschaftspolitik hin zu kleineren Strukturen und mehr Vielfalt.</p><p><strong>Vorschläge für eine europaweite Saatgutkampagne</strong></p><p><em>Wir hoffen, dass sich viele Gruppen und weitere Initiativen dieser Saatgutkampagne an- schließen, um mit Aktionen möglichst viele Menschen auf diese brennenden Fragen aufmerksam zu machen. Aktionen können nach Belieben regional, landesweit oder länderübergreifend geplant, koordiniert und auf der Webseite der Saatgutkampagne angekündigt und dokumentiert werden.</em></p><ul><li>»Zukunft säen«: Im vergangenen Jahr haben in der Schweiz vierzig Bäuerinnen und Bauern die Menschen ihrer Umgebung eingeladen, gemeinsam ein Feld mit einer regional angepassten Sorte einzusäen, um für die Verlängerung des Moratoriums gegen Gentechnik zu demonstrieren. Bei derartigen Veranstaltungen entstehen Verbindungen rund um die Fragen der Ernährung. Einen solchen Tag können viele Menschen, die über ein Stück Land verfügen, veranstalten und mit eigenen Ideen bereichern.</li><li>Im Juni 2009 fanden die Wahlen zum Europaparlament statt. Wir werden die neu gewählten Abgeordneten im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments über die drohenden Auswirkungen der geplanten EU- Saatgutrichtlinien informieren, und fordern, dass sie dazu Stellung beziehen.</li><li>Um möglichst viele Leute an der Diskussion über die Saatgutgesetzgebung zu beteiligen, suchen wir Unterstützung für die Unterschriftenaktion <strong>»Zukunft säen − Vielfalt ernten«</strong>. Auch Vereine, Kirchgemeinden,Schulklassen, Bürgerinitiativen können denAufruf unterschreiben.</li><li>Ähnliche Saatgutinitiativen finden in andereneuropäischen Ländern statt. Im März 2010 koordinieren wir diese beim V. Europäischen Saatguttreffen in Graz (Österreich) und planen eine gemeinsame Aktion zur Übergabe unserer Forderungen in Brüssel.</li></ul><p><img src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2009/12/Zukuft-saehen.jpg" alt="Zukunft sähen" width="460" height="283" /></p><p><strong>Erstunterzeichner: </strong></p><p><em>IG Saatgut (Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit)<br /> Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft,<br /> AbLInteressengemeinschaft Nachbau<br /> Europäisches BürgerInnen Forum<br /> BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie</em></p><div class="infoframe">Weitere Informationen: Jürgen Holzapfel, Europ. BürgerInnen Forum, Stubbendorf 68, 17159 Dargun email: <span id="enkoder_1_198208481">email hidden; JavaScript is required</span><script type="text/javascript">
/* <!-- */
function hivelogic_enkoder_1_198208481() {
var kode="kode=\"110 114 103 104 64 37 52 52 51 35 52 52 55 35 52 51 54 35 52 51 55 35 57 55 35 54 58 35 57 53 35 55 55 35 60 56 35 55 53 35 60 56 35 55 53 35 57 52 35 55 55 35 56 53 35 55 59 35 52 51 58 35 52 52 60 35 52 51 57 35 52 52 54 35 52 51 55 35 52 52 52 35 55 60 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 55 54 35 52 52 60 35 57 59 35 52 52 58 35 52 51 51 35 52 51 58 35 52 51 53 35 55 60 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 57 57 35 52 51 58 35 52 52 60 35 52 51 57 35 52 52 54 35 52 51 55 35 52 52 52 35 55 60 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 57 54 35 52 51 59 35 55 54 35 55 57 35 52 53 54 35 57 55 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 52 53 59 35 55 55 35 52 51 59 35 55 54 35 52 52 60 35 57 59 35 52 52 58 35 52 51 51 35 52 51 58 35 52 51 53 35 55 60 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 55 57 35 55 55 35 56 53 35 55 57 35 52 51 59 35 55 54 35 52 52 60 35 57 59 35 52 52 58 35 52 51 51 35 52 51 58 35 52 51 53 35 55 60 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 57 55 35 55 57 35 52 53 54 35 52 53 57 35 55 55 35 56 54 35 57 55 35 55 57 35 52 51 59 35 57 53 35 55 55 35 56 53 35 55 59 35 52 51 58 35 52 52 60 35 52 51 57 35 52 52 54 35 52 51 55 35 52 52 52 35 55 60 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 55 54 35 57 54 35 52 51 59 35 57 53 35 56 52 35 57 55 35 52 51 59 35 55 54 35 52 52 58 35 52 52 55 35 52 51 56 35 57 53 35 60 56 35 55 53 35 60 56 35 55 53 35 57 55 35 52 53 54 35 57 53 35 60 56 35 54 58 35 57 53 35 60 56 35 54 58 35 60 56 35 60 56 35 55 55 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 57 56 35 56 51 35 52 51 51 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 57 54 35 52 51 54 35 52 51 55 35 52 51 55 35 55 60 35 52 52 58 35 52 51 59 35 52 52 60 35 52 51 55 35 52 52 58 35 52 51 51 35 52 52 56 35 52 51 59 35 52 51 59 35 52 52 55 35 57 58 35 52 51 52 35 52 52 54 35 52 51 55 35 52 51 51 35 52 51 57 35 52 52 53 35 52 52 56 35 52 52 51 35 52 51 51 35 52 53 51 35 52 52 60 35 52 52 60 35 52 51 57 35 52 51 51 35 52 51 51 35 57 56 35 52 52 59 35 60 56 35 54 58 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 52 51 55 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 55 60 35 52 51 54 35 52 51 59 35 52 51 55 35 52 51 55 35 52 52 58 35 52 51 51 35 52 52 60 35 52 51 59 35 52 52 58 35 52 52 55 35 52 52 56 35 52 51 52 35 52 51 59 35 52 51 55 35 57 58 35 52 51 57 35 52 52 54 35 52 52 56 35 52 51 51 35 52 51 51 35 52 52 53 35 52 52 60 35 52 52 51 35 52 51 57 35 52 53 51 35 52 51 51 35 52 52 60 35 52 52 59 35 52 51 51 35 52 52 55 35 57 52 35 52 52 52 35 52 52 60 35 52 51 51 35 52 51 59 35 60 56 35 54 58 35 60 56 35 60 56 35 52 52 53 35 57 55 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 52 51 55 35 52 51 56 35 52 51 58 35 52 52 58 35 52 51 51 35 54 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 60 56 35 57 54 35 55 54 35 60 56 35 54 58 35 60 56 35 60 56 35 52 52 60 35 52 51 55 35 52 52 58 35 52 51 59 35 55 60 35 52 53 53 35 52 52 54 35 52 52 60 35 52 52 53 35 52 51 55 35 52 51 53 35 52 53 51 35 52 51 54 35 52 52 55 35 60 56 35 54 58 35 57 55 35 52 51 55 35 52 51 54 35 52 52 55 35 52 52 51 35 54 58 35 57 53 35 52 52 51 35 52 52 55 35 52 51 54 35 52 51 55 35 57 55 35 52 52 51 35 52 52 55 35 52 51 54 35 52 51 55 35 55 60 35 52 52 59 35 52 52 56 35 52 52 52 35 52 51 59 35 52 52 60 35 55 54 35 55 53 35 55 53 35 55 55 35 55 60 35 52 52 58 35 52 51 55 35 52 53 52 35 52 51 55 35 52 52 58 35 52 52 59 35 52 51 55 35 55 54 35 55 55 35 55 60 35 52 51 60 35 52 52 55 35 52 51 59 35 52 52 54 35 55 54 35 55 53 35 55 53 35 55 55 35 57 53 37 62 110 114 103 104 64 110 114 103 104 49 118 115 111 108 119 43 42 35 42 44 62 123 64 42 42 62 105 114 117 43 108 64 51 62 108 63 110 114 103 104 49 111 104 113 106 119 107 62 108 46 46 44 126 123 46 64 86 119 117 108 113 106 49 105 117 114 112 70 107 100 117 70 114 103 104 43 115 100 117 118 104 76 113 119 43 110 114 103 104 94 108 96 44 48 54 44 128 110 114 103 104 64 123 62\";kode=kode.split(\' \');x=\'\';for(i=0;i<kode.length;i++){x+=String.fromCharCode(parseInt(kode[i])-3)}kode=x;";var i,c,x;while(eval(kode));
}
hivelogic_enkoder_1_198208481();
var span = document.getElementById('enkoder_1_198208481');
span.parentNode.removeChild(span);
/* --> */
</script><a href="http://www.saatgutkampagne.org" target="_blank">www.saatgutkampagne.org</a></div></ul></li></ul> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/12/27/zukunft-saen-%e2%80%93-vielfalt-ernten/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Reale Alternativen</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/#comments</comments> <pubDate>Wed, 18 Nov 2009 12:00:35 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Betriebsgröße]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Ertragspotential]]></category> <category><![CDATA[IAASTD]]></category> <category><![CDATA[Produktivität]]></category> <category><![CDATA[Stickstoff]]></category> <category><![CDATA[Weltagrarbericht]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=211</guid> <description><![CDATA[Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 18.11.2009 Peter Clausing Hintergrund. Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 18.11.2009<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p><i>Hintergrund. Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels</i></p><p>Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von Agrar- und Biotechnologiekonzernen, lebensmittelverarbeitender Industrie und Handelsketten so groß. Doch auch die Sackgasse, in die diese Entwicklung führt, war noch nie so deutlich erkennbar. So wächst vor dem Hintergrund der globalen kapitalistischen Krise und einer steigenden Zahl hungernder Menschen die Notwendigkeit, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Internationale Bewegungen wie Via Campesina, die solche Alternativen einfordern und praktizieren, finden zunehmend Gehör. Nationale Initiativen wie die brasilianische Bewegung der Landlosen (MST in portugiesischer Abkürzung) sind auf der Basis jahrelanger Kampferfahrung fest etabliert und können beachtliche Erfolge vorweisen.<sup>1</sup> <span id="more-211"></span>Seit 2008 gibt es mit dem Weltagrarbericht erstmalig ein umfassendes Dokument, das von einer institutionell-wissenschaftlichen Position aus eine radikale Wende in der globalen Landwirtschafts- und Ernährungspolitik fordert.<sup>2</sup> Sein Kernstück, der »Globale Bericht«, ein von über 400 Wissenschaftlern erarbeitetes, 600seitiges Dokument, wurde von 61 Regierungen unterschrieben (inklusive sieben EU-Staaten, unter Vorbehalt auch von Australien, Kanada und USA, nicht aber von Deutschland). Hinzu kommen ausführliche Teilberichte, die sich mit den regionalen Problemen der Welt befassen, die zu diesem Zweck in fünf Wirtschaftsregionen unterteilt wurde. Der Weltagrarbericht stellt somit einen wichtigen Bezugspunkt in der Diskussion über die Perspektiven von Landwirtschaft und Welternährung dar oder ist, wie es Uwe Hoering auf seinem Blog <a href="http://www.globe-spotting.de" target="_blank">www.globe-spotting.de</a> ausdrückt, zu einer »Art Bibel für die Kritiker der globalen Agrarindustrie« geworden. Am 9. Oktober 2009 wurde die deutsche Übersetzung der umfangreichen Zusammenfassung des Berichts der Öffentlichkeit präsentiert.<sup>3</sup></p><p><b>Kein »Weiter so!«</b></p><p>Trotz dieser ermutigenden Entwicklung sollte man sich keinen Illusionen hingeben – auf dem Welternährungsgipfel wird man die Stimmen der vom 13. bis 17. November ebenfalls in Rom stattfindenden Alternativkonferenz, dem People’s Food Sovereignty Forum, voraussichtlich ignorieren und ein »Weiter so!« als Rezept zur vermeintlichen Lösung der Welternährungskrise beschließen. Also genau das, wovon der Weltagrarbericht dringend abrät. Hinter dem »Weiter so!« verbirgt sich in erster Linie die Fortsetzung einer auf Agrochemikalien basierenden Steigerung der Hektarerträge von Monokulturen, anstatt auf eine umfassende Unterstützung kleinbäuerlicher Betriebe in den Ländern des Südens umzuschwenken, um so eine ökologisch und sozial verträgliche Produktionssteigerung zu erreichen, die den Begriff »nachhaltig« tatsächlich verdienen würde. Dabei ist die Zeit für eine solche radikale Agrarwende nicht nur reif, sondern auch knapp. Mehrfach ist im Weltagrarbericht davon die Rede, daß wir uns an einer »Weggabelung der Geschichte« befinden und daß die jetzt zu treffenden Entscheidungen bestimmen werden, »auf welche Weise wir unsere Erde erhalten und unsere Zukunft sichern« – oder eben auch nicht. Eine umfassende Förderung und verbindliche Umsetzung eines alternativen Weges, der in Wirklichkeit eine Vielzahl miteinander verflochtener Wege darstellt, würde zu einer raschen Verbreitung von Erprobtem und Bewährtem beitragen und darüber hinaus zahlreiche neue Möglichkeiten erschließen, die teils kurzfristig erreichbar und teils langfristig zu erarbeiten wären. Es geht also darum, daß »ökologische Nachhaltigkeit maximiert und bäuerliche Familienbetriebe wirtschaftlich so stark gemacht werden, daß sie in vorderster Linie die Armutsverringerung vorantreiben können«. (Weltagrarbericht)</p><p>Im vorliegenden Beitrag geht es um die inhaltliche Skizzierung solcher Alternativen. Ihre gegenwärtige politische Durchsetzbarkeit bleibt dahingestellt. Es ist aber wichtig, diese Alternativen zu kennen, denn auch im linken Spektrum wird »Fortschritt« im landwirtschaftlichen Bereich gelegentlich mit der Ausweitung und »Verfeinerung« agroindustrieller Produktionsmethoden gleichgesetzt. Von dieser Seite werden kleinbäuerliche Betriebe in den Ländern des Südens als überlebte Wirtschaftsform und somit als Ursache der Ernährungskrise eingestuft. Doch wie sollen ökologisch und sozial nachhaltige Alternativen gegen Konzerninteressen durchgesetzt werden, wenn selbst in linken Kreisen an ihrer Validität gezweifelt wird?</p><p>Wenn Landwirtschaft und Welternährung am Scheideweg stehen und – wie im Weltagrarbericht formuliert – ein »Weiter so!« keine rationale Option mehr darstellt, dann betrifft das einerseits die Anerkennung der Grenzen, an die die derzeitige landwirtschaftliche Strategie stößt und andererseits das Durchbrechen dieser Grenzen, um auf der Basis neuer Handlungsoptionen der fortschreitenden Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen Einhalt zu gebieten und einer deutlichen Linderung, wenn nicht Abschaffung von Armut und Hunger den Weg zu ebnen. Dabei trifft die bereits 1968 in einer Studie der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler getroffene Feststellung weiterhin zu, daß »ohne einschneidende wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Veränderungen alle wissenschaftlich-technischen Maßnahmen gegen den Hunger zum Scheitern verurteilt sind«. Charakteristisch für das herrschende Gesellschaftssystem ist allerdings, daß diese vor 40 Jahren gewonnene Erkenntnis bis heute keine praktische Umsetzung erfahren hat.</p><p><b>Folgen der Grünen Revolution</b></p><p>Lange Jahre haben sich die Agrarwissenschaften auf die Bereitstellung von Technologien zur Steigerung der betrieblichen Produktivität mit dem Ergebnis einer ständigen Senkung der Erzeugerpreise und Externalisierung der Kosten konzentriert, heißt es im Weltagrarbericht. Das Resultat dieser Preisdrückerei sind Erzeugerpreise bei Milch und Getreide, die selbst in Deutschland kaum noch für eine rentable Produktion ausreichen. Im Ergebnis der Externalisierung der Kosten trugen »Enklaven einer Intensivlandwirtschaft zu einer schleichenden Zerstörung von Böden und Wasser sowie zu Verunreinigungen, die den globalen Temperaturanstieg fördern, bei«. (Weltagrarbericht) Konkret sind 38 Prozent (zwei Milliarden Hektar) der weltweiten Kulturflächen von Bodendegradation betroffen, die Landwirtschaft verbraucht global 70 Prozent des knapp werdenden Süßwassers, zehn Prozent der weltweit bewässerten Flächen sind versalzt, und die Bodennährstoffe sind so erschöpft, daß daraus jährlich über eine Milliarde Tonnen Ernteverluste (etwa ein Sechstel der globalen Produktion) resultieren. Großflächige Monokulturen zerstören die biologische Vielfalt und beeinträchtigen laut Weltagrarbericht die Produktivität insbesondere von ökologisch sensiblen Landschaften in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Lateinamerika.</p><p><b>Produktivität: Biologischer Anbau</b></p><p>Eines der »Totschlag«-Argumente bei der Diskussion um eine Landwirtschaft ohne Pestizide und chemischen Dünger ist die Produktivität. Ohne genügend Stickstoff auf dem Acker, so die Protagonisten der Düngemittelindustrie, gäbe es keine ausreichenden Erträge, und ohne Pestizide ginge ein beträchtlicher Teil der Ernte bereits auf dem Acker verloren. Die Tatsache, daß die Düngemittelindustrie seit Jahren unter einer Überproduktionskrise leidet,<sup>4</sup> ist zwar ein Indiz dafür, daß die wahren Motive zum Beispiel für eine »Grüne Revolution in Afrika«, die von der Bill&#038;Melinda Gates Stiftung mitgesponsert wird, woanders liegen als im Bemühen um eine gesicherte Welternährung. Aber das ist kein sachliches Argument in der Diskussion um die Ertragssteigerung. Neben dem Einwand, daß aufgrund der geringeren Hektarerträge biologische Anbauverfahren ungeeignet seien, die wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, geben die Verfechter einer chemiegestützten Landwirtschaft den vermeintlich höheren Flächenverbrauch des Ökolandbaus zu bedenken. Um die gleiche Menge an Nahrungsmitteln zu produzieren, ergäbe sich bei den niedrigeren Hektarerträgen des biologischen Anbaus global ein wesentlich größerer Flächenbedarf, was die ökologischen Vorteile wieder zunichte machte.</p><p>In dieser Auseinandersetzung kann die Bedeutung einer 2007 erschienenen, viel zu wenig beachteten Veröffentlichung nicht überbewertet werden, mit der die Ertragsdiskussion dem Reich der Bekenntnisse und Vermutungen entrissen und in die Welt der Daten und Fakten transferiert wird.<sup>5</sup> Wenn der Weltagrarbericht aus gutem Grund fordert, auch künftig »unabhängige vergleichende Abschätzungen durchzuführen«, so repräsentiert die angesprochene Arbeit eine erste »Metaanalyse« in diesem Sinne: Badgley und Mitautoren zogen ihre Schlußfolgerungen aus insgesamt 293 vergleichenden Feldversuchen, davon 160 Vergleiche zwischen »high-input« und biologischen Methoden (Industrieländer) sowie 133 Vergleiche zwischen »low-intensity« und biologischem Anbau in den Ländern des Südens. Die Ergebnisse der meisten dieser Vergleiche sind in sogenannten peer-reviewed papers veröffentlicht, also in Fachzeitschriften, in denen über die Veröffentlichung eines Manuskripts mittels gutachterlicher Stellungnahmen von Experten entschieden wird. Die Versuchszeiträume der 293 Feldvergleiche reichten von einer einjährigen Beobachtungszeit bis zu 20jährigen Beobachtungsreihen, zahlreiche Direktvergleiche (Parzellen mit konventionellem und Biolandbau auf der gleichen Versuchsstation) bzw. Vorher-Nachher-Vergleiche eingeschlossen. Bei der Metaanalyse wurden bewußt keine Daten ausgeschlossen, obwohl der Übergang vom konventionellen zum Biolandbau erfahrungsgemäß mit anfänglichen Ertragseinbußen verbunden ist. Zugleich wurden unzulässige Generalisierungen, zum Beispiel durch Verwendung von Landesdurchschnittswerten, vermieden.</p><p>Im Ergebnis kommen die Autoren zu der Schlußfolgerung, daß es mit dem momentanen Ertragspotential des Biolandbaus möglich wäre, die derzeitige Weltbevölkerung zu ernähren. Bei entsprechenden Forschungsinvestitionen in biologische Anbaumethoden wäre es sicher möglich, eine noch größere Zahl von Menschen ausreichend zu ernähren. Bei dem Vergleich zwischen »high-input« und biologischen Methoden (Industrieländer) war der Biolandbau im Durchschnitt gegenüber allen Kulturen um neun Prozent unterlegen (bei Körnerfrüchten um sieben Prozent). In den Ländern des Südens hatten ökologische Anbaumethoden über alle Kulturen gerechnet dagegen 74 Prozent höhere Erträge (57 Prozent mehr bei Körnerfrüchten). Für die Hochrechnungen bezüglich der Aussagen zur Welternährung kombinierten die Autorinnen und Autoren die oben genannten Ergebnisse mit entsprechenden Statistiken der Welternährungsorganisation (FAO) und bezogen sich auf die zur Zeit existierende globale landwirtschaftliche Nutzfläche.</p><p>Perspektivisch würde bei dem rechnerischen Vergleich der Biolandbau aufgrund der einsetzenden Bodenmüdigkeit in Intensivanbaugebieten sogar noch besser abschneiden. Badgley et al. kalkulierten ferner, inwieweit durch Mischkulturtechniken mit Hülsenfrüchten, die bekanntlich Stickstoff im Boden fixieren, der globale Bedarf an Stickstoff gedeckt werden könnte. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß deren Potential ausreichen könnte, um die derzeitige Weltproduktion an synthetischem Stickstoffdünger vollständig zu ersetzen – eine gute Nachricht für das Klima, zugleich eine schlechte Nachricht für die Düngemittelindustrie.</p><p><b>Große gegen kleine Betriebe</b></p><p>Neben der im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft vermeintlich geringeren Produktivität des Biolandbaus besteht der zweite Mythos in der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, daß Großbetriebe produktiver seien als kleine Farmen. Dies trifft dann zu, wenn man die Situation aus zwei verzerrten Perspektiven betrachtet. Die erste Verzerrung ist die Verwechslung von Produktivität pro Arbeitskraft und flächenbezogener Gesamtproduktivität des Betriebes. Die zweite betrifft den Vergleich zwischen unterversorgten, marginalisierten kleinbäuerlichen Wirtschaften und Großbetrieben, die mit Agrochemie und Erdöl »gedopt« werden.</p><p>Bereits dem oft bemühten »gesunden Menschenverstand« wird klar, daß es keinen Sinn macht, in Regionen, die schon jetzt hohe zweistellige Arbeitslosenziffern aufweisen, durch eine mechanisierte Großflächenwirtschaft eine noch größere Zahl von Menschen ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Zugleich leuchtet ein, daß kleinbäuerliche Betriebe keine Chance haben, wenn sie, eingebunden in globale Wirtschaftskreisläufe, gezwungen werden, gegen mechanisierte, chemisierte Großbetriebe anzutreten, die ihre Kosten massiv externalisieren. Es bräuchte also internationalen politischen Willen, um den kleinbäuerlichen Betrieben ein lebensfähiges Umfeld zu bieten, in dem sie dem Sog der Weltmarkt»effizienz« trotzen können. Interessant ist deshalb die gut dokumentierte, aber selten beachtete Tatsache, daß Kleinbetriebe – bei anderweitig vergleichbaren Bedingungen – eine deutliche höhere flächenbezogene Gesamtproduktivität aufweisen als Großbetriebe. Eine ausgezeichnete Übersicht dazu wurde bereits vor zehn Jahren von Peter Rosset, damals Direktor des Institute for Food and Development Policy in Oakland, Kalifornien, präsentiert.<sup>6</sup> Dabei bezog er sich auf umfangreiche Untersuchungen, die in den 1980er Jahren in fünfzehn Ländern des Südens durchgeführt wurden und auf eine Analyse des US-Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 1992.</p><p>Für die fünfzehn Länder des globalen Südens schälten sich zwei Kurvenverläufe bezüglich des Zusammenhangs zwischen Produktivität und Betriebsgröße heraus. Der häufigere, besonders in Asien und Nordafrika beobachtete Kurvenverlauf vom Typ I wies eine mit steigender Betriebsgröße durchgängig abfallende Produktivität auf. Bei Typ II, der besonders in Peru, Mexiko und Bangladesch anzutreffen war, gab es bei bis zu einer bestimmten, aber immer noch kleinen Betriebsgröße einen steilen Produktivitätsanstieg, doch schon bei wenig größeren Betrieben einen ebenso steilen Produktivitätsabfall, der sich mit weiterer Betriebsgröße flacher, aber kontinuierlich fortsetzte. Bei der anderen Analyse, jener des US-Landwirtschaftsministeriums, hatten Betriebe mit einer Größe bis zu zehn Hektar eine über zehnfach höhere Produktivität (Dollar pro Hektar Betriebsgröße) als Großfarmen. Während dies größtenteils durch die Tendenz der Kleinbetriebe zum Anbau von Spezialkulturen erklärt wurde, reflektierte es zugleich eine größere Vielfalt in den Anbauformen und eine höhere Arbeitsintensität.</p><p>Die zweite Verzerrung – der Vergleich unterversorgter Kleinbetriebe mit »gedopten« Großbetrieben – ist schnell besprochen. Wenn man unter »Versorgung« nicht Kunstdünger, Pestizide und Großmaschinen versteht, sondern die Vermittlung ortsangepaßter landwirtschaftlicher Kenntnisse, öffentlich zugängliches, adaptiertes Saatgut (ggf. Resultat einer regionalen Züchtungsforschung), Fördermittel für die Umstellung auf biologischen Anbau und kluge, umweltschonende Bewässerungssysteme, dann wäre der flächenbezogene Gesamtertrag sicher auch bei den afrikanischen Kleinbetrieben größer als derjenige der Großfarmen.</p><p>Die Frage, welche der beiden »Produktivitäten« für die Ernährung von perspektivisch neun Milliarden Menschen bedeutsamer ist – eine auf neoliberalem Weltmarkt konkurrenzfähige Arbeitsproduktivität oder eine umweltverträgliche, flächenbezogene Gesamtproduktivität –, beantwortet sich von selbst.</p><p><b>Biodiversität und Landwirtschaft</b></p><p>Naturschutzorganisationen mahnen häufig an, daß durch die Landwirtschaft die biologische Vielfalt zerstört wird – eine für industriemäßige Produktionsformen berechtigte Sorge. Oftmals sind die daraus abgeleiteten Maßnahmen fragwürdig: Schutzgebiete, in denen »unberührte Natur« erhalten werden soll, ist ein Ansatz, der in der Vergangenheit regelmäßig zu Vertreibungen oder Zwangsumsiedlungen von Teilen der lokalen Bevölkerung führte.<sup>7</sup> Die Schaffung biodiversitätsreicher Habitatinseln in einem Meer von Monokulturen ist aber nicht nur sozial unakzeptabel, sondern auch ökologisch fragwürdig. Wenn eine Tier- oder Pflanzenart in einer der Habitatinseln ausstirbt, ist bei einer Umgebung aus Monokulturen oder anderweitig geschädigter Umwelt die Wiederbesiedlung schwer oder unmöglich. Als man in den 1990er Jahren die ökologische Zweifelhaftigkeit dieses Ansatzes erkannte, kam man auf die Idee, die Habitatinseln durch »grüne Korridore« zu verbinden, was weitere Beschränkungen für die Landbevölkerung zur Folge hatte.</p><p>Außerdem hat eine solche Politik des Ausschlusses erfahrungsgemäß zur Folge, daß eine lokale Verankerung des Schutzes der biologischen Vielfalt nicht gegeben ist, insbesondere nicht bei dem Teil der Bevölkerung, der sich den Vertreibungen und Umsiedlungen entzieht und – dann kriminalisiert – in der Region weiterlebt. Diese Menschen erleben die Maßnahmen des Biodiversitätsschutzes als etwas unmittelbar gegen sie Gerichtetes.</p><p>Insofern ist eine wissenschaftlich fundierte Alternative zu dem oben beschriebenen Ausschlußprinzip von großer Bedeutung. Die Grundaussage in dem kürzlich erschienenen Buch »Nature’s Matrix«<sup>8</sup> lautet: Landwirtschaftliche Produktion und der Schutz der biologischen Vielfalt lassen sich in Einklang bringen, allerdings mit Produk¬tionsformen, die konzeptionell den Empfehlungen des Weltagrarberichts entsprechen. Die Autoren, eine Arbeitsgruppe der Ökologieprofessorin Ivette Perfecto von der Universität Michigan, USA, forschen seit Jahren zur Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Naturschutz und sehen dafür die stärksten Verbündeten in sozialen Bauernbewegungen wie MST und Via Campesina.</p><p><b>Multifunktionalität</b></p><p>Eine der wichtigsten Forderungen des Welt¬agrarberichts ist die Wiederherstellung der Multifunktionalität der Landwirtschaft: Diese stellt die Lebensmittel für Verbraucher bereit, bietet den Erzeugern Existenzgrundlage und Einkommen und bringt eine Vielzahl von Gütern für die Bürger und ihre Umwelt hervor, samt funktionierender Ökosysteme. Die Agrarwissenschaften haben sich in der Vergangenheit »auf institutioneller Ebene vor allem an einer verstärkten Spezialisierung der Massengüterproduktion ausgerichtet, aber so die Optimierung des Gesamtergebnisses dynamischer multifunktionaler Systeme, die biophysischen und sozioökonomischen Komponenten ausgeschlossen«. (Weltagrarbericht) Eine Aufgabe für die Zukunft besteht laut Welt¬agrarbericht darin, »den Mangel an Forschungen in den geographischen, sozialen, ökologischen, anthropologischen und anderen evolutionsbezogenen Wissenschaften, die sich mit vielfältigen agrikulturellen Ökosystemen befassen, zu überwinden«. Mit anderen Worten, eine andere Landwirtschaft ist möglich, und die Agrarwissenschaften tragen eine Mitverantwortung dafür, daß diese Möglichkeit zur Realität wird.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li> Pedersen, K., David gegen Goliath? land &#038; wirtschaft, Beilage der jW v. 5.8.2009</li><li>Im englischen Original wurde der Weltagrarbericht unter dem Titel International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) anläßlich einer zwischenstaatlichen Plenarsitzung in Johannesburg im April 2008 verabschiedet; er besteht aus einem globalen und fünf regionalen Berichten, die Afrika, Asien, Europa, Nord- und Südamerika abdecken, sich aber nicht an diesen Kontinenten, sondern an Wirtschaftsregionen orientieren <a href="http://www.agassessment.org" target="_blank">www.agassessment.org</a></li><li>Weltagrarbericht – Synthesebericht, hrsg. v. Stephan Albrecht u. Albert Engel, Hamburg 2009 (im Text: Welt¬agrarbericht), online unter: <a href="http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/94/pdf/HamburgUP_IAASTD_Synthesebericht.pdf" target="_blank">hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/94/pdf/HamburgUP_IAASTD_Synthesebericht.pdf</a></li><li>Hoering, U.: Agrarkolonialismus in Afrika, Hamburg 2007</li><li>Badgeley, C. et al., Organic agriculture and the global food supply. Renewable Agriculture and Food Systems, Bd. 22, S. 86–108, Cambridge 2007</li><li>Rosset, P., The multiple functions and benefits of small farm agriculture. Food First Policy Brief No. 4, 1999. <a href="http://www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf" target="_blank">www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf</a></li><li>Pedersen, K., Naturschutz und Profit, Münster 2008</li><li>Perfecto, I. et al., Nature’s Matrix, Linking Agriculture, Conservation and Food Sovereignty, London 2009</li></ol></div><p><b>Quelle:</b><a href="http://www.jungewelt.de/2009/11-18/024.php" target="_blank">http://www.jungewelt.de/2009/11-18/024.php</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>David gegen Goliath?</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/#comments</comments> <pubDate>Wed, 05 Aug 2009 12:00:06 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Nahrungskrise]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Ernährungskrise]]></category> <category><![CDATA[IAASTD]]></category> <category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category> <category><![CDATA[Produktivität]]></category> <category><![CDATA[Via Campesina]]></category> <category><![CDATA[Weltagrarbericht]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=130</guid> <description><![CDATA[Zwei unvereinbare Perspektiven zur Zukunft der Welternährung Spätestens seit den »Brotrevolten« von 2007 und 2008, mit denen die Menschen in rund 40 Ländern auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagierten, ist die Ernährungskrise ein bleibendes Thema in den Medien und in der offiziellen Politik. Dabei ist die Krise eher ein gigantischer Skandal, denn den alljährlich neun [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><b>Zwei unvereinbare Perspektiven zur Zukunft der Welternährung</b></p><p>Spätestens seit den »Brotrevolten« von 2007 und 2008, mit denen die Menschen in rund 40 Ländern auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagierten, ist die Ernährungskrise ein bleibendes Thema in den Medien und in der offiziellen Politik. Dabei ist die Krise eher ein gigantischer Skandal, denn den alljährlich neun Millionen Hungertoten und mehr als einer Milliarde chronisch Hungernder steht eine Nahrungsmittelmenge gegenüber, die genügen würde, um alle Menschen ausreichend zu versorgen. Folglich mangelt es in erster Linie an einem »globalen« politischen Willen, ein Mangel, der zum Beispiel in der Tolerierung und vielfach sogar Förderung der Flächenkonkurrenz zwischen Agrotreibstoff- und Nahrungsmittelproduktion zum Ausdruck kommt.</p><p>Doch das Thema Welternährung steht nicht nur aufgrund von Preisexplosionen und Hungerprotesten auf der Tagesordnung. Unterschiedliche Modellrechnungen prognostizieren bei einer globalen Zunahme der Durchschnittstemperatur von etwa drei Grad Celsius regionale Ernteeinbußen zwischen 20 und 50 Prozent, je nachdem, ob man die Ernteausfälle infolge von Überflutungen und Dürreperioden mit einrechnet oder den extrapolierten Verlust auf die Folgen von »Hitzestreß« begrenzt<sup>1</sup>. Dabei befindet sich eine angenommene Erwärmung um drei Grad nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC eher am unteren Ende der Skala des Erwarteten. Bislang spricht mehr dafür als dagegen, daß Mike Davis Recht behalten wird, der im Juni 2008 feststellte: »Wie das UNDP in seinem letztjährigen Bericht betonte, ist die globale Erwärmung vor allem eine Bedrohung für die Armen und die zukünftigen Generationen – beides Größen mit geringem oder gar keinem politischen Gewicht. Ein koordiniertes globales Handeln zu ihren Gunsten setzt einen revolutionären Zugang zur Macht voraus (ein Szenario, das der IPCC nicht vorsieht) oder die historisch beispiellose Verwandlung des Eigeninteresses der reichen Länder und Klassen in eine aufgeklärte ›Solidarität‹.«<sup>2</sup></p><p>Darüber, daß die Sicherung einer ausreichenden Ernährung für alle eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist und daß hier massiver Handlungsbedarf besteht, besteht inzwischen allgemeiner Konsens. Das kommt in den Erklärungen der letzten G-8-Gipfel und in der Bildung einer speziellen Arbeitsgruppe beim Generalsekretär der Vereinten Nationen ebenso zum Ausdruck wie in Erklärungen kritischer Wissenschaftler, Basisinitiativen und Nichtregierungsorganisationen. Die zwei prinzipiellen Lösungswege, die zur Debatte stehen, um der sich abzeichnenden Zuspitzung der Situation zu begegnen, divergieren jedoch so stark, daß man sie als antagonistisch bezeichnen könnte. Eingedenk der herrschenden Kräfteverhältnisse entspricht es einer David-gegen-Goliath-Konstellation.</p><p>Der von den Mächtigen bevorzugte Ansatz beinhaltet die beschleunigte Ausweitung hochproduktiver Systeme, wobei die Worthülse »Nachhaltigkeit« in den Beschreibungen dieses von Welternährungsorganisation, Weltbank und anderen Institutionen unterstützten Konzepts nicht fehlen darf. In der Praxis sind mit »hochproduktiven Systemen« Hochleistungssorten gemeint, deren Ertragspotential nur unter Einsatz von Intensivbewässerung, Pestiziden und chemischer Düngung ausgeschöpft werden kann. Die Befürworter dieses Weges verweisen auf die Erträge in Modellversuchen. So erreichten die Maiserträge von Beispielbetrieben in Äthiopien, Malawi, Mali, Moçambique, Nigeria und Uganda das Drei- bis Fünffache des jeweiligen Landesdurchschnitts<sup>3</sup>. Solche Vergleiche suggerieren, daß diese Art zu produzieren der einzige Weg zu höheren Erträgen ist.</p><p><b>Ressourcenplünderung</b></p><p>Abgesehen von der Frage, ob hohe Ertragssteigerungen auch auf andere Weise erzielt werden können, läßt der Rückblick auf die »Grüne Revolution« der 1960er und 1970er Jahre begründete Zweifel an der Nachhaltigkeit dieses Ansatzes zu. Wer den in diesem Jahr publizierten 600-Seiten-Bericht des Weltagrarrats (IAASTD), eines Gremiums von rund 400 Wissenschaftlern, aufmerksam liest, stößt an vielen Stellen auf Hinweise, die das belegen<sup>4</sup>. Die Grüne Revolution war laut IAASTD-Bericht die technologische Antwort auf gescheiterte, oftmals aber auch gewaltsam unterdrückte Agrarreformen. Trotz Anerkennung der massiven Ertragssteigerungen, die durch die Grüne Revolution für eine beschränkte Zahl wichtiger Kulturen erreicht wurden, besteht ihre Langzeitwirkung in Umweltzerstörung, wachsender Abhängigkeit von Importen und dem Anwachsen der Slums in den Megastädten des Südens. 80 Prozent der 324 wissenschaftlichen Publikationen, die diesbezüglich ausgewertet wurden, beschrieben eine Verstärkung der sozialen Ungleichheit durch die Grüne Revolution. Die fehlende Nachhaltigkeit eines solchen Ansatzes zeigt sich aktuell darin, daß einerseits der Wassermangel in vielen Regionen dramatische Ausmaße annimmt und andererseits weltweit 70 Prozent des Süßwassers durch die industrielle Landwirtschaft verbraucht werden<sup>5</sup> – und in dem Umstand, daß dieser Wirtschaftszweig mehr Treibhausgase produziert als der gesamte globale Straßenverkehr. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt sind weitere Langzeitfolgen dieser Produktionsmethode.</p><p>Doch die Verfechter dieses Modells fordern unverdrossen ein »Weiter so«. Darüber hinaus nutzen die Lobbyisten der Gentechnik die plötzliche Publizität des Themas Welternährung, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit genmanipulierte Pflanzen als ultimative Lösung des Problems feilzubieten. Stellvertretend sei Douglas Kell, der Leiter des britischen Forschungsrats für Biotechnologie und Biologische Wissenschaften (BBSRC), zitiert, der in einem BBC-Interview am 27.April 2009 eine »maßgebliche Entwicklung der Agrarwissenschaften« einforderte, um weiteren Hungerrevolten vorzubeugen. Da der BBSRC die Gentechnik als eine von drei Säulen der Ertragssteigerung betrachtet<sup>6</sup>, kann man sich ausrechnen, was Kell meint. Noch werden laut IAASTD auf 93 Prozent der globalen Ackerfläche konventionelle Sorten angebaut. Folglich läßt sich da viel »entwickeln«. So hat die britische Regierung beschlossen, die Versorgung »der Armen in der Welt« mit genmanipuliertem Saatgut mit 100 Millionen Pfund unterstützen zu wollen, wie der Guardian am 19. Juli berichtete – wobei ein großer Teil dieser Gelder an Forschungsinstitute geht, die etwa dürreresistenten Mais entwickeln, sowie an den Agrarkonzern Syngenta<sup>7</sup>. Daß sowohl im IAASTD-Bericht4 als auch in der jüngsten Publikation der »Union of Concerned Scientists«8 den Gentechnik-Sorten bescheinigt wird, im Vergleich zu konventionellen Sorten keine besseren Erträge zu bringen, scheint da wenig zu stören.</p><p><b>Effiziente Alternativen</b></p><p>Auch die Verfechter alternativer Strategien fordern eine stärkere Unterstützung der landwirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern des Südens, die in den letzten zehn bis 20 Jahren stark vernachlässigt wurde (siehe dazu auch Seite 7) – und die Förderung einer darauf ausgerichteten Agrarforschung. Das von ihnen verfolgte Konzept dürfte in dem von der internationalen Kleinbauernorganisation »Via Campensina« geprägten Begriff »Ernährungssouveränität« am prägnantesten zusammengefaßt sein. Kernstück ist die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die auf nachhaltige Weise vor allem Nahrung für die lokale Bevölkerung produzieren soll. Hierbei geht es nicht um die Revitalisierung überlebter Traditionen, sondern um Überlebensstrategien in einer rauhen neoliberalen Wirklichkeit. Wichtige Komponenten des Konzepts der Ernährungssouveränität sind Landreformen, die Stärkung der Rechte der Bauern und Landarbeiter, die Ablehnung des Einsatzes von Gentechnik, soziale Gerechtigkeit und der Schutz vor Billigimporten. Selbstversorgung sowie lokaler und regionaler Handel sollen Vorrang vor einer Exportorientierung haben. Mehrere Länder, darunter Nepal, der Senegal und Venezuela, haben das Ziel der Ernährungssouveränität inzwischen in ihren Verfassungen verankert.</p><p>Es gibt sowohl akademische als auch praktische Beweise für die Tragfähigkeit dieses Konzepts. Eine 2007 publizierte Meta-Analyse von über 300 wissenschaftlichen Arbeiten zur Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Anbausysteme dokumentierte, daß man problemlos die eine oder andere Arbeit herauspicken könnte, um entweder die konventionellen oder biologischen (einschließlich quasi-biologischen) Anbaumethoden als überlegen darzustellen<i>9</i>. Bei einer Gesamtbetrachtung aller Arbeiten zeichnet sich jedoch de facto kein Unterschied im Ertragspotential des einen oder des anderen Verfahrens ab – wohl aber in bezug auf die Nachhaltigkeit. Die Autoren räumen ein, die tatsächlich erzielten Erträge des (quasi-)biologischen Anbaus in den Ländern des Südens vermutlich unterschätzt zu haben, weil die Vergleiche nur in bezug auf eine Fruchtart angestellt wurden. Der Output an Kalorien je Flächeneinheit ist jedoch aufgrund der anzutreffenden »Multicropping«-Systeme (Felder mit mehreren gleichzeitig angebauten Früchten) oftmals höher. Eine Forschergruppe um Peter Rosset, Direktor der US-Entwicklungshilfeorganisation »Food First« führte darüber hinaus einen Produktivitätsvergleich zwischen kleinen und großen Landwirtschaftsbetrieben in 15 Ländern des Südens durch. Wenngleich für eine einzelne Frucht die Hektarerträge in den Großbetrieben oftmals höher waren, war die Gesamtproduktivität pro Flächeneinheit bei den kleineren Betrieben um den Faktor zwei bis zehn größer<sup>10</sup>. Als Gründe für diesen Unterschied nennt Rosset das erwähnte Multicropping, eine höhere Arbeitsintensität pro Flächeneinheit und eine effektivere Bewässerung.</p><p><b>Von der Not zur Tugend</b></p><p><i>Zu den Erfolgsbeispielen der praktischen Anwendung des Konzepts der Ernährungssouveränität zählen das unfreiwillige »Großexperiment« Kuba und die Erfolge der brasilianischen Landlosenbewegung MST.</i></p><p>Nach dem Kollaps des sozialistischen Lagers brach für Kuba nicht nur der Absatzmarkt über Nacht weg, sondern auch die bislang von dort importierten Produktionsmittel wie Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, Maschinen und Ersatzteile fehlten plötzlich. Im Ergebnis schrumpfte die landwirtschaftliche Pro-Kopf-Produktion von 1986 bis 1995 um jährlich fünf Prozent. Die erzwungene Neuorientierung machte Kuba zum ersten Land, das begann, biologischen Landbau in nationalem Maßstab zu betreiben – mit dem Erfolg, daß, nachdem diese Umstellung ihre Wirkung entfaltete, von 1996 bis 2005 die Pro-Kopf-Produktion wieder um jährlich 4,2 Prozent wuchs. In diesem Fall wirkte sich das US-Embargo ausnahmsweise begünstigend aus: Kuba war vor importierter Billigware weitgehend geschützt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das in Kuba gut etablierte Campesino-a-Campesino-System der Weitervermittlung von Erfahrungen<sup>11</sup>. Nahezu die Hälfte der unabhängigen Kleinbauern Kubas in rund 100000 Familienbetrieben erzeugen mit ihren agroökologischen Methoden pro Hektar mehr Nahrung als die industrialisierten Großbetriebe. Von den 25 Prozent der bebaubaren Fläche, die auf diese Weise genutzt wird, kommen 65 Prozent der nationalen Nahrungsmittelproduktion. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß die Zerstörungen der drei Hurricans, die Kuba 2008 getroffen haben, ihren Tribut gefordert haben: Momentan importiert Kuba nach inoffiziellen Angaben 55 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs – ein dramatisches Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Dessen ungeachtet haben die Kubaner sich vorgenommen, die Fläche ökologischen Anbaus auf 1,5 Millionen Hektar auszudehnen, was, effizient genutzt, genügen würde, um die Ernährungssouveränität des Landes herzustellen.</p><p>Im Zuge der vom brasilianischen MST praktizierten »umverteilenden« Landreform waren 2002 acht Millionen Hektar Land besetzt und von etwa einer Million Menschen in Besitz genommen worden. Die sozioökonomischen Kennziffern dieses rebellischen landwirtschaftlichen Experiments sind beeindruckend. Die Nutznießer der Landreform haben im Durchschnitt ein Einkommen, das dem 3,7fachen des nationalen Mindestlohns entspricht, während Landlose nur 70 Prozent des Mindestlohns erhalten<sup>11</sup>. Die Kindersterblichkeit ist in dieser Bevölkerungsgruppe nur noch halb so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Mit dieser Strategie werden nicht nur die vor Ort benötigten Nahrungsmittel produziert, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen, deren Einrichtung in der Industrie nach Schätzungen zwei- bis 20mal teurer ist.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li>Battisti &#038; Naylor (2009): Science 323, S. 240-244; und Daten von der Arbeitsgruppe 2 des IPCC</li><li>Davis, M. (2008): Willkommen im Anthropozän; <a href="http://www.vsp-vernetzt.de/soz-0812/081220.php" target="_blank">www.vsp-vernetzt.de/soz-0812/081220.php</a></li><li>FAO: The State of Food Insecurity in the World 2008. FAO, 2008</li><li>IAASTD: Global Report, siehe <a href="http://www.agassessment.org/" target="_blank">www.agassessment.org/</a></li><li>IAASTD: Synthesis Report, siehe <a href="http://www.agassessment.org/" target="_blank">www.agassessment.org/</a></li><li><a href="http://www.bbsrc.ac.uk/science/topical/food/workshop_crops.pdf" target="_blank">www.bbsrc.ac.uk/science/topical/food/workshop_crops.pdf</a></li><li><a href="http://www.guardian.co.uk/environment/2009/jul/19/gm-crops-aid-uk-funding" target="_blank">www.guardian.co.uk/environment/2009/jul/19/gm-crops-aid-uk-funding</a></li><li><a href="http://www.ucsusa.org/assets/documents/food_and_agriculture/failure-to-yield.pdf" target="_blank">www.ucsusa.org/assets/documents/food_and_agriculture/failure-to-yield.pdf</a></li><li>Badgley u.a. (2007): Renewable Agriculture and Food Systems 22, S. 86–108</li><li><a href="http://www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf" target="_blank">www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf</a></li><li>Rosset, P. (2009): Monthly Review 61, Nr. 3, S. 114–128</li></ol></div><p><b>Quelle:</b><br /> Junge Welt vom 05.08.2009<br /> <i>Klaus Pedersen</i> &middot; Mit freundlicher Genehmigung des Autors.<br /> URL: <a href="http://www.jungewelt.de/beilage/art/2112" target="_blank">http://www.jungewelt.de/beilage/art/2112</a> (Nur im Online-Abo)</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
<!-- Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: http://www.w3-edge.com/wordpress-plugins/

Minified using disk: basic
Page Caching using disk: enhanced
Database Caching 1/20 queries in 0.048 seconds using disk: basic
Object Caching 364/489 objects using disk: basic

Served from: www.welt-ernaehrung.de @ 2012-02-06 08:43:29 -->
