<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Lateinamerika</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/category/ernaehrungssouveraenitaet/ernaehrungssouverenitaet-lateinamerika/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Kuba: Revolution der Nachhaltigkeit</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/#comments</comments> <pubDate>Thu, 05 Aug 2010 03:53:14 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category> <category><![CDATA[Sortenvielfalt]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=441</guid> <description><![CDATA[Aus: land &#038; wirtschaft, junge Welt-Beilage vom 04.08.2010 Peter Clausing Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase, auch wegen der Schlüsselposition, die ihr im Rahmen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung beigemessen wird. Staatspräsident Raul Castro sprach von einer »Frage der nationalen Sicherheit«. Angesichts der rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die derzeit noch jährlich für Lebensmittelimporte ausgegeben [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Aus: land &#038; wirtschaft, <em>junge Welt</em>-Beilage vom 04.08.2010<br /> Peter Clausing</p><p>Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase, auch wegen der Schlüsselposition, die ihr im Rahmen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung beigemessen wird. Staatspräsident Raul Castro sprach von einer »Frage der nationalen Sicherheit«. Angesichts der rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die derzeit noch jährlich für Lebensmittelimporte ausgegeben werden müssen, überrascht es nicht, daß dem Ziel der Ernährungssouveränität so hohe Priorität eingeräumt wird. Und Kuba hat günstige Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen – trotz wetterbedingter Ernteverluste (im Jahr 2008 wurde zum Beispiel ein Drittel der gesamten Ernte durch Hurrikans vernichtet). Denn das Land verfügt über optimale natürliche Rahmenbedingungen und die nötige Infrastruktur für schnelle Wissensvermittlung. Daß dies mit einer umweltverträglichen und damit wirklich nachhaltigen Produktionsweise möglich ist, haben die über 200000 kleinbäuerlichen Familienbetriebe unter Beweis gestellt, die auf inzwischen 41 Prozent der Ackerfläche bereits 70 Prozent des landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukts erzeugen. Rund die Hälfte von ihnen betreibt Biolandbau.</p><p>Diese »Revolution der Nachhaltigkeit« wird von progressiven Agrarwissenschaftlern bewundert und fand im Mai bei der diesjährigen Verleihung des als »Grüner Nobelpreis« betrachteten Goldman Environmental Prize an Humberto Rios Labrada internationale Anerkennung. Auch wenn Rios, Koordinator für Lokale Landwirtschaftliche Innovation am Nationalen Institut der Landwirtschaftswissenschaften, zu bedenken gibt, daß Kubas landwirtschaftliches System »noch immer auf industriellen Prinzipien basiert«, kann er sich nicht vorstellen, daß man in nennenswertem Umfang zur Nutzung von Agrochemie zurückkehren wird, die die kubanische Landwirtschaft in den 1980er Jahren beherrschten – schon aus Kostengründen.</p><p>Die Gefahr für eine nachhaltige Landwirtschaft in Kuba kommt aus einer anderen Ecke. Einerseits hat sich die kubanische Biotechnologie in den vergangenen Jahrzehnten große Verdienste sowohl bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln als auch bei der Unterstützung biologischer Anbaumethoden in der Landwirtschaft erworben, letzteres insbesondere durch die Praxiseinführung stickstoffbindender Bodenmikroben als biologische Düngemethode (z.B. Azospirillium rhizobium) und durch die Produktion von Biopestiziden in den landesweit 220 Centros de la Reproducción de los Entomofages y Entomopatógenos (Zentren zur Vermehrung von Insektenfressern und Lebewesen, die bei Insekten Krankheiten verursachen). Andererseits verfügt das Flaggschiff der kubanischen Biotechnologie, das renommierte Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIBG) in Havanna, über eine Abteilung für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, die verstärkt von sich reden macht. In diesem Jahr wurde auf ihr Betreiben erstmals auf 2600 Hektar in der Provinz Sancti Spíritus Genmais angebaut. Carlos Borroto, stellvertretender Direktor des CIBG und wohl einer der einflußreichsten Gentechnikbefürworter in Kuba, verkündete vor einiger Zeit, es sei politischer Wille, die Grüne Gentechnik zu nutzen.</p><p>Die seit kurzem entbrannte Diskussion zu diesem Thema ist zumindest dadurch gekennzeichnet, daß Befürworter und Gegner der Gentechnik noch ernsthaft miteinander reden. Immerhin würdigte Borroto auf der diesjährigen Buchmesse in Havanna in einem überfüllten Saal das dort vorgestellte erste in Kuba erschienene gentechnikkritische Buch einen wichtigen Beitrag zur Debatte. Und auf einen Beitrag in der Online-Zeitschrift Rebelión antwortete er ausführlich. Narciso Aguilera Marín, Mitglied der Asociación Cubana de Técnicos Agrícolas y Forestales (ACTAF), hatte in Rebelión am 16. Mai unter dem Titel »Ökologischer Alarm gegen die Verbreitung von transgenem Mais in Kuba« vor den Risiken der Gentechnik gewarnt. Aber Borrotos Argumentation ähnelt den stereotypen Antworten der Agrarkonzerne: Die Technologie sei sicher, alles werde strengstens kontrolliert, und Gentechnik sei zur Ertragssteigerung dringend nötig. Der einzig neue – und sicher zutreffende Hinweis des CIBG-Direktors ist der, daß in Kuba keine Profitinteressen hinter der Gentechnik stünden.</p><p>Die Frage ist, ob nicht auch wissenschaftlicher Ehrgeiz ausreichen könnte, um allen verfügbaren persönlichen Einfluß geltend zu machen, um begründete Bedenken gegen die Risikotechnologie zu unterdrücken. Die unkontrollierte Ausbreitung von Genmaispollen dürfte in Kuba kaum leichter zu verhindern sein als anderswo. Gleichermaßen unklar ist, welchen Beitrag die gentechnische Veränderung einzelner Merkmale (zum Beispiel die Resistenz gegen den Maisschädling Palomilla) tatsächlich für die Ernährungssouveränität leisten könnte, und ob eine Vielfalt lokal angepaßter Sorten nicht besser geeignet wäre, insbesondere auch von Witterungsunbilden verursachte Schäden zu begrenzen. Denn eine weitere Gefahr der Nutzung gentechnischer Sorten, ist die damit verbundene Verringerung der Artenvielfalt.</p><p>Unabhängig davon macht jedoch die Transformation der industriell geprägten Landwirtschaft Kubas in eine, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird, Fortschritte. Denn auch für diese Entwicklung existiert der politische Wille. Kuba verfügt über erhebliche Flächenreserven, deren landwirtschaftliche Nutzung durch das 2008 erlassene Gesetz Nr. 259 erleichtert wird. Mit diesem Gesetz ermöglichte die kubanische Regierung Familien, die in die Landwirtschaft wechseln wollen, die Bewirtschaftung von bis zu 13,42 Hektar Land. Inzwischen sind nach Angaben des kubanischen Wirtschaftsministers Marino Murillo 920000 Hektar Land zur Bewirtschaftung übergeben worden.</p><p>Aber rund die Hälfte dieser Fläche wird derzeit nicht oder nur ungenügend genutzt. Hier gilt das Gleiche wie bei anderen Bodenreformprojekten: Die Übertragung von Landnutzungsrechten ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für landwirtschaftliche Produktion. Denn die Landwirte brauchen über das Produktionsmittel Boden hinaus Landtechnik, Geräte, Materialien, Transport- und Lagermöglichkeiten. Entsprechend kritisch waren die Stimmen auf dem 10. Kongreß des Nationalen Kleinbauernverbandes (ANAP), der am 15. und 16. Mai 2010 in Havanna stattfand, aber auch auf einem Kooperativentreffen am 5. Juni 2010. In der digitalen Ausgabe von Juventud Rebelde, der Zeitung des kommunistischen Jugendverbandes, wird am 8. Juni Yuniel Gonzalez, ein junger Bauer, zitiert. Er kritisierte die bürokratischen Hürden bei der Beschaffung von Material und Gerätschaften in deutlichen Worten. Unterdessen kündigte Wirtschaftsminister Murillo an, daß die Landwirte in der Mehrzahl der 169 Landkreise Kubas die Möglichkeit bekommen sollen, ihren Bedarf durch direkten Einkauf zu decken. Bislang sind aufwendige Antrags- und Genehmigungsverfahren nötig. Generell ist die Beseitigung bürokratischer Hürden im Bemühen, die landwirtschaftliche Produktion durch die Förderung von Initiative und Verantwortung anzukurbeln, ein probates Mittel. Bleibt zu hoffen, daß mit diesen Maßnahmen nicht eine schleichende allgemeine Privatisierung der Wirtschaft eingeleitet wird.</p><p>URL: http://www.jungewelt.de/beilage/art/2387</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kubas grünes Projekt</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/#comments</comments> <pubDate>Tue, 04 May 2010 06:10:43 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=366</guid> <description><![CDATA[Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 05.05.2010 Peter Clausing Reformierte Landwirtschaft: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischer Anbau und urbane Gemüseproduktion Am 16. März 2010 verstörte eine Meldung mit der Überschrift &#8220;Kuba schließt 100 Agrarunternehmen&#8221; [1] die Leser. Während sich jW auf diese Meldung beschränkte, beeilten sich andere Medien hinzuzufügen, dass Kuba 60 bis 70 [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 05.05.2010<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p>Reformierte Landwirtschaft: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischer Anbau und urbane Gemüseproduktion</p><p>Am 16. März 2010 verstörte eine Meldung mit der Überschrift &#8220;Kuba schließt 100 Agrarunternehmen&#8221; [1] die Leser. Während sich jW auf diese Meldung beschränkte, beeilten sich andere Medien hinzuzufügen, dass Kuba 60 bis 70 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren müsse. Präsident Raúl Castro suche nach &#8220;Rezepten&#8221;, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Derartige Meldungen entkoppeln die Fakten vom Kontext, zeichnen ein einseitiges Bild und ignorieren die Tatsache, dass die gesuchten &#8220;Rezepte&#8221; längst praktiziert werden. Die Mitteilung, dass 100 Betriebe geschlossen werden sollen und 40.000 Beschäftigte einen neuen Job finden müssen, kam vom kubanischen Landwirtschaftsminister Ulises Rosales del Toro, der Mitte März in Villa Clara an der Plenarsitzung des 10. Provinz-Kongresses des Nationalen Kleinbauernverbandes teilnahm.</p><p>Während von progressiven Agrarwissenschaftlern die kubanische Landwirtschaft als erfolgreiches Experiment gepriesen wird, veröffentlichte Dennis Avery im April 2009 einen Artikel mit dem Titel &#8220;Cubans Starve on a Diet of Lies&#8221; [2] (Die Kubaner verhungern an einer Nahrung aus Lügen), der von politischen Gegnern des Landes begierig aufgegriffen und im Internet verbreitet wurde. Avery ist Direktor des Center for Global Food Issues am Hudson Institute in Washington, einer konservative Denkfabrik, die unter anderem von Firmen wie Monsanto, Syngenta und Cargill finanziert wird. In seiner Veröffentlichung behauptet Avery, dass die kubanische Lebensmittelversorgung nach wie vor zu über 80 Prozent von Importen abhängen würde und dass die Erfolgsgeschichte des biologischen Anbaus in Kuba eine &#8220;große kommunistische Lüge&#8221; sei.</p><p><strong>Deutliche Steigerungsraten</strong></p><p>Die Statistik der Welternährungsorganisation (FAO), die aktuell bis zum Jahr 2005 reicht, spricht eine andere Sprache. Bei den wichtigsten Grundnahrungsmitteln lag die Eigenproduktion in den Jahren 2002 bis 2005 um das Zwei- bis Dreifache höher als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 1994 &#8211; der Sonderperiode nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftsraums. Diese Steigerungsraten betreffen sowohl die wichtigsten Getreidearten (Reis, Mais) als auch stärkehaltige Wurzelfrüchte (Kartoffel, Süßkartoffel, Maniok). Daten zu einzelnen Fruchtarten für 2006 und 2007 lassen ein weiteres Wachstum der Selbstversorgung erkennen und die Erntevorhersagen der FAO für 2009 sprachen von einer Rekordernte für Reis sowie überdurchschnittlichen Erträgen bei Mais.</p><p>Eine Gruppe von Autoren, die sich unter Federführung des kubanischen Agrarökologen Fernando Funes die Mühe gemacht haben, die von Avery in die Welt gesetzten Fehlinformationen zu zerpflücken, verweisen darauf, dass von 1996 bis 2005 die Pro-Kopf-Produktion bei Nahrungsmitteln insgesamt um jährlich 4,2 Prozent gesteigert wurde. Die tägliche Kalorienversorgung war in den kritischsten Jahren der Sonderperiode auf 2.300 bis 2.400 Kilokalorien (kcal) pro Person abgesunken, und die Kubaner hatten im statistischen Mittel neun Kilogramm an Körpergewicht verloren. Seit 2002 werden die Werte der 80er Jahre übertroffen und liegen seither auf über 3.200 kcal pro Person und Tag. Die Kalorien aus tierischen Produkten blieben dabei im Bereich von 300 bis 400 kcal &#8211; in den 80er Jahre lagen sie bei über 600 kcal. Statt dessen kommt der Gesundheit der Bevölkerung zugute, dass heute der Durchschnittskubaner täglich 800 Gramm Obst und Gemüse verzehrt (verglichen mit sieben Gramm pro Person und Tag im Jahr 1993).</p><p>Nachdem durch das Verschwinden des sozialistischen Lagers faktisch über Nacht sowohl die Exporteinnahmen als auch die Versorgung des Landes mit Erdöl, chemischen Düngemitteln und Pestiziden weggebrochen waren, durchlief Kuba &#8211; zunächst unfreiwillig &#8211; eine &#8220;grüne Revolution&#8221;, die diesen Namen tatsächlich verdient. Im Gegensatz zur allgemein bekannten &#8220;Grünen Revolution&#8221;, die eigentlich eine agrochemische und Exportrevolution darstellte, setzt die kubanische Umwälzung auf Biolandbau und lokale Produktion. Der Erfolg dieser Entwicklung, die &#8211; wie bei Revolutionen üblich &#8211; nicht ohne Widersprüche verläuft, ist der Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, dem hohen Bildungsniveau in Kuba (verbunden mit flächendeckenden Kampagnen) und einem Programm zur urbanen Landwirtschaft zu verdanken.</p><p>Die Hälfte der heute rund 200.000 bäuerlichen Familienbetriebe betreibt biologischen Anbau. Insgesamt werden von diesen Betrieben auf nur 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche mehr als 65 Prozent der nationalen Produktion erzeugt. Mit dem im Juli 2008 verabschiedeten &#8220;Gesetz 259&#8243; ermöglichte die Regierung Familien, die in die Landwirtschaft wechseln wollen, die Bewirtschaftung von bis zu 13,42 Hektar Land. Inzwischen wurden rund 100.000 Landnutzungsanträge eingereicht. Das Ziel ist die agroökologische Bewirtschaftung von 1,5 Millionen Hektar, womit die Insel nach Schätzungen von Agrarwissenschaftlern den Status der vollen Ernährungssouveränität erreichen könnte. Außerdem verfügt Kuba über ausreichend Landreserven, die urbar gemacht werden können. Laut FAO wurde von 2008 zu 2009 die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 30 Prozent erhöht, und die Regierung beabsichtigt, die Reis- und Bohnenimporte innerhalb der nächsten fünf Jahre zu halbieren.</p><p><strong>Urbane Landwirtschaft</strong></p><p>Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen sind die 50.000 Hektar urbaner Landwirtschaft, auf denen jährlich über 1,5 Millionen Tonnen Obst und Gemüse erzeugt werden. Etwa 380.000 Kubaner beteiligen sich an diesem Projekt. Die Spitzenerträge liegen bei 20 Kilogramm essbarer Produkte pro Quadratmeter, und Städte wie Havanna und Santa Clara versorgen sich bei Gemüse zu über 70 Prozent aus eigener Produktion. Das geschieht nahezu ohne Verbrauch an fossilen Energieträgern, die in anderen Ländern für Transport, Landmaschinen, Düngemittel und Pestizide verpulvert werden. Im Zuge der Überwindung der kritischen Phase der &#8220;Sonderperiode&#8221; in den 90er Jahren wurde Kuba zum Musterland nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion. Innerhalb eines Jahrzehnts erfolgte die Konversion eines hochspezialisierten, exportorientierten Landwirtschaftsmodells, das massiv von importierten chemischen Inputs abhing, in ein Modell, das in großem Maßstab auf agroökologischen Prinzipien basiert.</p><p>Hier wird biologischer Anbau nicht zertifiziert. Es geht nicht darum, über Ökolabels Vorteile auf dem Weltmarkt zu erhaschen, sondern um die Sicherung der Ernährung eines ganzen Landes mit einer diversifizierten Produktion, die selbst unter den ungünstigen klimatischen Bedingungen von Hurrikans eine bemerkenswerte Elastizität aufweist. Ohne dass bislang weitere Details bekannt sind, könnte die oben erwähnte Ankündigung, 100 ineffiziente Agrarunternehmen schließen zu wollen, auf eine weitere Stärkung des Biolandbaus hindeuten.</p><p><strong>Streit um Gentechnik</strong></p><p>Die Erfolgskurve der ökologischen Landwirtschaft in Kuba kam weder von selbst noch verläuft die landwirtschaftliche Entwicklung ohne Widersprüche. Der Agrarökologe Fernando Funes verwies unlängst darauf, dass es in Kuba nach wie vor kein in sich geschlossenes Programm zur Förderung des biologischen Anbaus gibt, machte aber zugleich deutlich, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen zwanzig Jahre für die Ausbreitung biologischer Anbaumethoden sehr förderlich waren.</p><p>Zu den Widersprüchen zählt ferner die Tatsache, dass sich ein Teil der landwirtschaftlichen Produzenten die konventionellen Anbaumethoden zurückwünschen. Auch die Entwicklung gentechnisch veränderter Sorten zählt zu den Widersprüchen. Im Februar 2009 trat das Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIBG) in Havanna mit der Meldung [4] an die Öffentlichkeit, dass erstmalig in Kuba drei Hektar mit Genmais bepflanzt worden seien &#8211; von besserer Resistenz gegen den Erreger Palomilla del maíz und erhöhter Toleranz gegen Pestizide war die Rede. Die Debatte zu diesem Thema ist inzwischen entbrannt: Die Vorstellung des kritischen Buches &#8220;Genmanipulationen. Was gewinnen wir? Was verlieren wir?&#8221; [4] von F. R. Funes-Monzotes erwies sich als Publikumsmagnet auf der diesjährigen Buchmesse in Havanna.</p><p>[1] <a href="http://www.jungewelt.de/2010/03-16/053.php">http://www.jungewelt.de/2010/03-16/053.php</a><br /> [2]<a href="http://cgfi.org/2009/04/cubans-starve-on-diet-of-lies-by-dennis-t-avery/">http://cgfi.org/2009/04/cubans-starve-on-diet-of-lies-by-dennis-t-avery/</a><br /> [3] <a href="http://www.soel.de/service/nachrichtenarchiv/2009/maerz.html#6">http://www.soel.de/service/nachrichtenarchiv/2009/maerz.html#6</a><br /> [4] <a href="http://www.buchmesse.de/de/blog/kuba/2010/02/22/in-kuba">http://www.buchmesse.de/de/blog/kuba/2010/02/22/in-kuba</a></p><p>Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/05-05/036.php">http://www.jungewelt.de/2010/05-05/036.php</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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