<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Industrielle Landwirt.</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/category/industrielle_landwirtschaft/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/#comments</comments> <pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:53:57 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[industrielle Landwirtschaft]]></category> <category><![CDATA[Mexiko]]></category> <category><![CDATA[Pestizide]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=661</guid> <description><![CDATA[Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>von Alfredo Acedo*</p><p>(Quito, 14. Oktober 2011, alai).- Der grün und ockerfarben gemusterte Teppich des Valle del Yaqui ist zwar schön anzusehen, er verbirgt jedoch eine Tragödie, die sich in dieser Region abspielt. Unter dem kapitalistischen Landwirtschaftsmodell wurden hier über 50 Jahre intensiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt, wodurch Wasser, Böden und Luft verschmutzt und die Region damit praktisch zerstört wurde. Doch nicht nur die Natur trägt die verheerenden Konsequenzen. Die unverantwortlichen Praktiken haben auch Menschenleben gefordert.</p><p><strong>Vergiftungssymptome nach der Feldarbeit</strong><br /> Das im Süden des nordöstlichen Bundesstaats Sonora gelegene Tal erstreckt sich über ein Gebiet von mehr als 225.000 Hektar und wird hauptsächlich schwerkraftbewässert. Dort werden vor allem Weizen (65 Prozent der mexikanischen Weizenproduktion), Mais, Wolle, Gemüse und Grünfutter angebaut. Ich bin in einem kleinen Dorf südlich der Stadt Obregón inmitten der Anbauflächen geboren und habe bis zur Pubertät dort gelebt. Oft sah ich meinen Vater mit Vergiftungssymptome von der Arbeit heimkehren. Er arbeitete mit verschiedenen Maschinen, wie zum Beispiel Traktoren, die Pestizide, Entlaubungsmittel und Dünger auf den Äckern verteilten. Er starb im Alter von nur 61 Jahren an einem Gehirntumor. Das bösartige Gliom hat sein Leben innerhalb von weniger als sechs Monaten ausgelöscht und wir als Familie konnten dem nur tatenlos zusehen.</p><p><strong>Unkenntnis bei LandarbeiterInnen</strong><br /> Die Unverantwortlichkeit der HerstellerInnen und VerkäuferInnen dieser Gifte ist ein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss. Angesichts komplett fehlender Informationen unter den LandarbeiterInnen und der Bevölkerung, reicht ein simples Warnschild nicht aus, um die Menschen davor zu warnen, mit welchen Stoffen sie da in Berührung kommen. Die Gifte werden ohne jeglichen Schutz versprüht, die Behälter einfach auf den Feldern stehen gelassen. PilotInnen schütten das verschmutzte Wasser nach dem Auswaschen der Sprühtanks einfach auf den Boden, und dies selbst in bewohnten Gegenden.</p><p>Selbst Kinder verdingen sich für gerade einmal ein paar Pesos in den Anbaugebieten, sobald sie groß genug sind, um die Sprühtanks auf dem Rücken zu tragen, oder die nötige Kraft haben, um den Sprühflugzeugen mit einem Fähnchen den Weg zu weisen. In beiden Fällen sind sie stundenlang in eine Giftwolke gehüllt. Selbst wenn sie nicht sofort an Vergiftungserscheinungen leiden, zeigen sich die verheerenden Spätfolgen der Giftakkumulation nur wenig später. Der fürchterliche Gestank dieser Entlaubungsmittel bleibt auch mir wie eine makabre Nostalgie in Erinnerung.</p><p><strong>Gift in der Muttermilch</strong><br /> Es wird immer wieder gesagt, dass Muttermilch für ein Baby am besten ist. Das ist medizinisch sicher richtig, gilt jedoch nicht für Kinder, die im Valle del Yaqui aufwachsen. Seit mehr als 20 Jahren werden chlororganische Pestizide in der Muttermilch der Bewohnerinnen des Valle nachgewiesen. Laut einer Studie des Kommissariats der Gemeinde Cajeme aus dem Jahr 1990 wurden bei 85,71 Prozent der untersuchten Muttermilchproben im Dorf Yaqui ein bis drei Pestizide nachgewiesen. Dazu zählen Aldrin, HCH, (Lindan), DDT und pp-DDE mit einer durchschnittlichen Konzentration von jeweils 0,11, 0,17, 0,27 und 1,90 Teile einer Million (parts por million, ppm). Der Untersuchung zufolge liegen die Lindan-, DDT- und pp-DDE-Werte über den von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation erlassenen Grenzwerten.</p><p>Später durchgeführte Studien bestätigten diesen dramatischen Fund nicht nur, sondern ergänzten ihn um ein weiteres verheerendes Detail. Vor drei Jahren fand man im Rahmen einer anderen Studie an Bewohnerinnen von Pueblo Yaqui heraus, dass Schädlingsbekämpfungsmittel aus deren Plazenta auf das Neugeborene übertragen wurden. Im Blut, Fruchtwasser und in der Nabelschnur der Mütter fand man die Insektizide alfa-HCH, gamma-HCH (Lindan), HCB, Dieldrin, Endrin und DDE.<br /> Im Blut von drei Monate alten Säuglingen dieser Gemeinde waren die gleichen Insektizide enthalten. Ab einem Alter von sechs Monaten tauchten die Substanzen permanent auf, teilweise als Abbauprodukte, wobei die entsprechenden Lindan- und Dieldrin-Werte die von Personen überstiegen, die dem Gift nicht übermäßig ausgesetzt waren. Vor weniger als drei Jahren überschritten die Schwermetall-Werte in Wasserproben in den Gemeinden Bácum, Pueblo Yaqui und Quetchehueca die offiziell in Mexiko zugelassenen Grenzwerte. Im Abwasser der beiden zuletzt genannten Gemeinden wurden zudem chlororganische Pestizide wie Malathion und Methylparathion gefunden.</p><p><strong>300.000 Tote durch Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln</strong><br /> Verschiedenen zuverlässigen Studien zufolge führt der dauerhafte Kontakt mit den Giftstoffen, bereits in geringen Dosen, zu schweren Gesundheitsschäden, wie Krebs, Erbgutveränderungen, kongenitalen Anomalien, Beeinträchtigungen des Nervensystems und Hormonstörungen.</p><p>Angesichts des öffentlichen Drucks haben einige Regierungs- und Bildungsinstitutionen erst vor kurzem begonnen, die Situation zu untersuchen und die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären – wenn auch ohne große Überzeugung. Zudem wurden spezielle Mülldeponien für die sichere Aufbewahrung der giftigen Behälter eingerichtet. Problematisch ist allerdings, dass trotz dieser Maßnahmen keine Sicherheit für LandarbeiterInnen, LandbewohnerInnen und KonsumentInnen der dort erzeugten Produkte gewährleistet ist.</p><p>Die versprühten Gifte verschmutzen unausweichlich Flüsse, das Grundwasser, die Küste, Luft, Boden und Lebensmittel. Sie werden von den Menschen über die Atemwege, die Nahrungsaufnahme oder durch direkten Kontakt aufgenommen. Jedes Jahr erleiden weltweit drei Millionen Menschen schwere Vergiftungserscheinungen durch Pflanzenschutzmittel, mindestens 300.000 Menschen sterben daran. 99 Prozent der Vergiftungsfälle ereignen sich in Entwicklungsländern.</p><p><strong>Nobelpreis für die grüne Revolution</strong><br /> Es erscheint absurd, dass trotz dieser ökologischen und menschlichen Tragödie ein Friedensnobelpreis vergeben wurde. Der Preisträger Norman Ernest Borlaug, ein US-amerikanischer Agrarforscher, gilt als Initiator der „Grünen Revolution“. Mit einer speziellen Technik entwickelte er Hochleistungsweizensorten und züchtete auf Testfeldern mitten im Valle Yaqui mit Unterstützung der mexikanischen Regierung (in Form des Centro de Investigaciones Agrícolas del Noroeste) den so genannten Mexiko-Weizen.</p><p>Das von Borlaug eingeführte Landwirtschaftsmodell wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts umgesetzt und hat seitdem die intensive Nutzung von Hybridsamen, chemischen Düngern, Insektiziden und den umfassenden Einsatz von Maschinen auf den Feldern etabliert. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg sicherte die Ausweitung des Agrobusiness jenen Industrien die Gewinne, die zuvor fürs Militär produziert hatten. Bomben wurden durch Stickstoffdünger, tödliche Gase durch Pestizide und Kriegsgeschütz durch Traktoren ersetzt.</p><p><strong>Monokulturen, Arbeitslosigkeit und Landflucht</strong><br /> Der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird immer wieder mit der Bekämpfung von Hunger durch höhere Erträge gerechtfertigt. Doch nicht nur auf den Feldern werden die Gifte verwendet. Auch in der Industrie und in Privathaushalten kommen sie zum Einsatz und dienen selbst in Gesundheitseinrichtungen der Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria. Das Agrobusiness bringt verschiedene negative Folgen mit sich. Neben der Ausweitung von Monokulturen stärkt es die politische Macht der GroßproduzentInnen, Arbeitskräfte werden zunehmend ausgebeutet, die Landflucht erhöht sich und die Arbeitslosigkeit in ländlichen Gebieten steigt.</p><p>Gleichzeitig beschert das Agrobusiness GroßgrundbesitzerInnen und Großkonzernen aus der Chemie-, Metall- und Biotechnologiebranche immer größere Gewinne. Die Regierung sowie wissenschaftliche und technische Institutionen haben das Agrobusiness von Anfang an unterstützt. Hinzu kam die Unterstützung in Form weltweiter Vorgaben, wonach Großkonzerne mit öffentlichen Geldern subventioniert werden sollten.</p><p><strong>Der „Agro-Titan“ Borlaug</strong><br /> Ist die Rede vom Mythos der so genannten „Agro-Titanen“ – angeblichen Vorreitern bei der Einführung von Bewässerung und Anbau im Valle del Yaqui – wird der Name Borlaug hervorgehoben. Der Nobelpreisträger ist mittlerweile zu einer Art Kultfigur unter den LandwirtInnen in der Region geworden; Straßen, Statuen und andere Gebäude sind ihm zu Ehren mit seinem Namen geschmückt.</p><p>Ich habe Borlaug vor einigen Jahren, kurz vor seinem Tod, gefragt, ob die Grüne Revolution tatsächlich den Hunger bekämpfen könne. Er räumte ein, dass wir bei der Steigerung der Einnahmen mithilfe seiner landwirtschaftlichen Methode an unsere Grenzen gelangt sind und dass wir das Problem nun mit politischen Entscheidungen lösen müssen. Das war Anfang der neunziger Jahre. Heute liegt es noch deutlicher auf der Hand, dass der Hunger nicht mit technischen Lösungen bekämpft werden kann. Es bedarf vielmehr einer radikalen Reform der Produktion, der Verteilung und des Konsums von Nahrungsmitteln. Hinsichtlich der Umweltschäden, die im Zuge seiner Grünen Revolution durch Pflanzenschutzmittel hervorgerufen werden, äußerte Borlaug keine großen Bedenken.</p><p><strong>Pestizidstudie im Valle de Yaqui</strong><br /> Mittlerweile gibt es weltweit ungefähr 20 große FabrikantInnen derartiger Pflanzenschutzmittel mit einem jährlichen Absatzvolumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar und einer Produktion von 2,5 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Hersteller sind Syngenta, Bayer, Monsanto, Dow Agrosciences und Du Pont. Lateinamerika ist ein wichtiger und wachsender Markt, in dem der Verkaufsumsatz der Giftstoffe zwischen 2006 und 2007 um 18,6 Prozent und zwischen 2007 und 2008 um 36,2 Prozent gewachsen ist.</p><p>Eine Studie zu den zwischen 1995 und 1999 im Valle del Yaqui verwendeten Pestiziden und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der BewohnerInnen ergab, dass die zumeist eingesetzten Gifte Herbizide (34 Prozent), Carbamat (27,53 Prozent), Phosphorsäureester (27,53 Prozent), Fungizide, chlororganische Gifte und Pyrethroide sind. Insgesamt wurden im Zeitraum 3.146.616 kg Pestizide im Tal eingesetzt. Im Jahr 1998 kam es zum größten Pestizideinsatz in einer Größenordnung von 806.123 kg. Die häufigsten damit verbundenen Krankheiten waren Knochenmark-Aplasie, schwere Leukämie und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). (Valenzuela Gómez, L. 2000. Abschlussarbeit. ITSON. Obregón, Sonora.)</p><p><strong>Illusorische Grenzwerte</strong><br /> Nach Angaben eines im Beruf tätigen Agraringenieurs, der anonym bleiben möchte, sei das momentan meist verwendete Insektengift das von Monsanto hergestellte Glyphosat. Es wird in der Region als Faena, in anderen Regionen als Roundup verkauft. Laut einer aktuellen Studie rufen die Produkte und Stoffwechselprodukte von Glyphosat beim Menschen selbst in geringen Dosen den Tod von Embryonen, Plazentas und Nabelschnurzellen im Reagenzglas hervor.</p><p>Im Valle del Yaqui werden laut der anonymen Quelle weiterhin Parathion und Malathion angewendet. Parathion ist extrem giftig und in verschiedenen Ländern ausdrücklich durch das Rotterdamer Übereinkommen verboten. Die US-amerikanische Bundesbehörde zur Durchsetzung des Arbeitsschutzgesetzes OSHA (Occupational Safety and Health Administration) hat für Malathion einen Grenzwert von 15 mg pro Kubikmeter Luft bei einer Arbeitszeit von acht Stunden in einer 40-Stunden-Woche festgesetzt. Diese Empfehlungen sind praktisch unmöglich einzuhalten.</p><p><strong>Aufklärungskampagne „Los agrotóxicos matan“</strong><br /> Agrargifte können als in der industriellen Landwirtschaft verwendete giftige, chemische Substanzen definiert werden, die es in Form von Insektiziden, Entlaubungsmitteln, Herbiziden und Fungiziden gibt. Wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt werden auch Düngemittel in diese Kategorie gezählt. Sie vergiften die Böden und ihre Komponenten gelangen in Gebieten wie Lagunen und Buchten in die Nahrungsmittelkette. Genetisch veränderte Samen für den intensiven Einsatz von krebserregenden Pestiziden wie Glyphosat und von Pflanzen, die eigene Insektizide bilden, sollten ebenfalls dazugezählt werden.</p><p>Auf Grundlage dieser Definition und weiterer umfassende Informationen zum Ausmaß des Agrobusiness und der Macht der Verantwortlichen widmeten sich RepräsentantInnen aller Mitgliedsländer der Koordinationsstelle von kleinbäuerlichen und indigenen Organisationen in Lateinamerika CLOC (Coordinadora Latinoamericana de Organizaciones del Campo) bei einem Treffen in einem bäuerlichen Fortbildungszentrum des Nationalen Vereinigten Landwirtschaftlichen Gewerkschaftsverbands FENSUAGRO (Federación Nacional Sindical Unitaria Agropecuaria) in Viotá, Kolumbien, der Analyse dieses Problems, das in allen Regionen der CLOC allgegenwärtig ist: im Cono Sur, in der Andenregion, in Mittelamerika, in Mexiko und der Karibik.</p><p><strong>Schaffung einer Informationsplattform</strong><br /> Dabei wurde entschieden, eine Kampagne für ganz Lateinamerika zu starten unter dem Motto „Tödliche Agrargifte“ (Los agrotóxicos matan). Die Kampagne soll die Gesellschaft aufklären und für das Thema sensibilisieren. Dem Mythos der sicheren Verwendung von Pflanzenschutzmitteln soll ein Ende bereitet und ein endgültiges Verbot der Gifte erreicht werden. Die Kampagne zielt auf eine Abkehr von der Ideologie des Agrobusiness ab und richtet sich vor allem an Gemeinden und Familien. Außerdem soll sie eine vereinte Plattform für UmweltschützerInnen, Bauern und Bäuerinnen, ArbeiterInnen, StudentInnen, KonsumentInnen und alle Personen bilden, die sich für eine gesunde und umweltschonende Nahrungsmittelproduktion einsetzen.</p><p>Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln müssen wir klarmachen, dass unsere Länder das Potential haben, auf Basis der ökologischen Landwirtschaft diversifizierte und gesunde Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren, und dass es höchste Zeit ist, dieses Modell durchzusetzen. Gleichzeitig müssen die HerstellerInnen und HändlerInnen von Agrargiften zur Rechenschaft gezogen werden. Die Gesellschaft muss verstehen, dass das derzeitige Landwirtschaftsmodell, das giftige Nahrungsmittel produziert, die Umwelt zerstört und nur einigen Wenigen Reichtum beschert, ausgedient hat.</p><p><strong>3. Dezember: Weltweiter Tag gegen den Pestizideinsatz</strong><br /> Dafür wurde eine Organisation für jede Region damit beauftragt – im Fall von Mexiko ist das der Nationale Verband der autonomen, regionalen Bauernorganisationen, UNORCA – in verschiedenen Regionen Ausschüsse und Unterausschüsse zu bilden, an denen alle Organisationen der CLOC beteiligt sind. Darüber hinaus sollen die einzelnen Organisationen Koordinationsteams zusammenstellen, die von der Kommunikationsstelle des Operativen Sekretariats in Quito, Ecuador, bei ihrer Arbeit unterstützt werden.<br /> Die Kampagne soll am 3. Dezember, anlässlich des „Weltweiten Tages gegen den Pestizideinsatz“ starten. Im Vorfeld wird sie bereits im November auf dem Internationalen Kongress für Agroökologie in Havanna eingeleitet.<br /> Es ist an der Zeit, den verheerenden Teufelskreis landwirtschaftlicher Produktion zu durchbrechen, in dem ein und dasselbe Unternehmen – vielleicht in Begleitung eines Tochterunternehmens – die Samen produziert, die Gifte vertreibt und am Ende sogar die falsche Medizin dafür verkauft. Und gemeinsam sorgen sie dafür, dass das Gift auf unseren Tellern landet.</p><p>* Alfredo Acedo ist Direktor im Bereich der sozialen Kommunikation und Berater des Landesverbands der autonomen, regionalen Bauernorganisationen UNORCA (Unión Nacional de Organizaciones Regionales Campesinas Autónomas), Mexiko</p><p>Dieser Beitrag erschien bei <a href="http://www.npla.de/de/poonal/3594-toedliche-pestizide">Poonal</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Neoliberale Scheinlösungen (Rezension)</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/#comments</comments> <pubDate>Tue, 09 Aug 2011 04:31:49 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=605</guid> <description><![CDATA[Der britische Gentechnik-Befürworter Paul Collier degradiert La Via Campesina und und die Verfasser des Weltagrarberichts zum Fußvolk aristokratischer Umweltromantiker wie Prinz Charles]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Gentechnik-Befürworter Paul Collier macht Vorschläge zur Rettung der Welt</b></p><p><i>Peter Clausing</i></p><p>Der britische Ökonomieprofessor Paul Collier nimmt in seinem im Mai in deutscher Übersetzung erschienenen Buch »Der hungrige Planet« für sich in Anspruch, »Ideen aus der präzisen, aber schwer verständlichen Sprache der modernen Wirtschaftswissenschaft in eine Form zu übersetzen, die auch außerhalb des engen Zirkels von Fachleuten gelesen werden kann« (S. 14). Das ist ihm gelungen: Der Vereinfachungsgrad des Buches liegt auf BILD-Niveau. In dem Werk wimmelt es von simplen Antworten auf noch simplere Fragen – vermutlich mit ein Grund, warum Collier zu den Bestsellerautoren im Sachbuchbereich gehört. Doch bei falsch gestellten Fragen werden die Antworten auch nicht richtiger, trotz der ausgefeilten Computersimulationen, auf die Collier so häufig Bezug nimmt. Ab und zu werden korrekt beschriebene Sachverhalte mit weniger korrekten Schlußfolgerungen gekoppelt, so daß man unwillkürlich an Georg Christoph Lichtenbergs Aphorismus »Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt« denken muß.</p><p>Meist geht es im Buch also sehr einfach zu. Die Ökonomen zerfallen in zwei Lager – Utilitaristen und Ethiker –, die Menschheit insgesamt in drei: Umweltplünderer, die von Collier als »Ignoranten« etikettiert werden; Umweltschützer, die er als »Romantiker« bezeichnet und zu deren wichtigstem Protagonisten er Prinz Charles auserkoren hat, sowie die »kritische Masse der Bürger«, die durch eine von ihm vorgeschlagene »Charta für natürliche Ressourcen« geläutert werden soll. Diesen Läuterungsprozeß betrachtet er deshalb als erfolgversprechend, weil er von »drei politischen Riesen aus rohstoffreichen Ländern« geleitet wird, zu denen er unter anderem den früheren mexikanischen Präsidenten Ernesto Zedillo zählt. Mit dieser »glaubwürdigen Führung«, so Collier, »gleicht die Charta durch Autorität aus, was ihr an institutioneller Macht fehlt« (S. 239). Kennern der Verhältnisse in Mexiko dürften bei dieser Offenbarung die Haare zu Berge stehen.</p><p><b>Korruption als Mysterium</b></p><p>Im Mittelpunkt von Colliers Erörterungen stehen der von ihm so genannte Ressourcenfluch und seine These von der »mißverstandenen Natur«. Mit ersterem umschreibt er die Beobachtung, daß zahlreiche Länder des Südens rohstoffreich, aber bitterarm sind. Der Professor kommt zu der nicht ganz taufrischen Erkenntnis, daß die Ausplünderung natürlicher Ressourcen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas mit Korruption einhergeht. An der einen oder anderen Stelle fällt ihm sogar auf, daß es neben den Bestochenen auch jene gibt, die das Geld zur Verfügung stellen. Colliers ausgiebige Erörterung des Themas Korruption ist jedoch von einer bemerkenswert ahistorischen Betrachtungsweise gekennzeichnet, die den Beitrag westlicher Regierungen zur Entstehung korrupter Regimes komplett ausblendet. Das betrifft deren geheimdienstlich betriebene Installierung (erinnert sei hier an John Perkins’ Buch »Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia«) und jahrzehntelange Unterstützung durch Länder mit »guter Regierungsführung«. Auch die fortdauernde Blockade eines gerechteren Weltwirtschaftssystems durch die westlichen Länder kommt mit keinem Wort zur Sprache. Für Collier ist Korruption ein fast mystisches Geschehen: »Es ist oft wahrscheinlich, daß Regierungsmitglieder, gemeinsam mit den natürlichen Ressourcen, von privaten Interessen vereinnahmt werden« (S. 77). Dieser Prozeß wird nicht beleuchtet, denn schuld sind eigentlich nicht die »privaten Interessen«, deren konkrete Benennung Collier strikt vermeidet, sondern die natürlichen Ressourcen selbst: »Sierra Leones Diamanten haben den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zerstört; Nigerias Öl hat die Korruption der politischen Klasse genährt« (S. 53). Diesem Dilemma setzt er die sanktionsfreien Selbstverpflichtungen der Extractive Industry Transparency Initiative (EITI) als Problemlösung entgegen. Abgesehen davon, daß neun Jahre nach deren Beginn bislang nur zehn Länder »EITI-zertifiziert« sind, werden die ökologischen und sozialen Problemen in den rohstoffreichen Ländern von der Initiative ungenügend berücksichtigt. Kein Thema für Collier. Statt dessen verlangt er unter anderem, die »Waldbewohner« Brasiliens sollten »keine Rechte auf das Öl unter dem Wald haben«, eine Forderung, die mit den Bestimmungen der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO über die Rechte indigener Völker kollidiert (S. 50).</p><p><b>Skandalöse Ignoranz</b></p><p>Collier propagiert auch die These, der Einmarsch der USA in den Irak 2003 sei in der Absicht erfolgt, »die Demokratie in den rohstoffreichen Nahen Osten (zu) bringen« (S.65), nur sei die »neokonservative Agenda naiv« gewesen. Denn, man höre und staune: Der Ölreichtum Iraks vereitelte den Aufbau einer guten Regierungspraxis.</p><p>Colliers Lamento über die Ressourcenplünderung beschränkt sich auf das Anprangern der Verschwendung der dabei erzielten Erlöse: Wert gleich Marktwert. Gebrauchswerte und der stoffliche Verlust von Ressourcen sowie dessen ökologische Konsequenzen haben im Denken Colliers keinen Platz. Er ist unbekümmert, denn: »Im 19.Jahrhundert war die britische Regierung besorgt, ihr könnten die hohen Bäume für Schiffsmasten ausgehen. Was passierte, war natürlich, daß Schiffe irgendwann keine Masten mehr brauchten« (S. 110). Demagogie oder Einfalt? Das Land, das heute keine Schiffsmasten mehr braucht, hat einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Papier von über 200 Kilogramm pro Jahr und würde mit den acht Prozent Wald, die ihm noch verblieben sind, gerade mal die Hälfte dieses Bedarfs decken können, wenn man den Wald komplett dafür nutzen würde.</p><p>In diesem Stil geht es weiter: Collier schlägt »eine gegenseitige Deeskalation der Dummheit« vor. »Im Austausch gegen Europas Aufhebung des selbstzerstörerischen Verbots von gentechnisch veränderten Lebensmitteln könnte Amerika seine selbstzerstörerischen Subventionen für Biokraftstoffe aufheben.« (S. 213) Der Autor vermittelt so den Eindruck, Agrotreibstoffe seien in Europa kein Thema. Der EU droht also die Selbstzerstörung durch das – längst aufgeweichte – Gentechnikverbot von 1996. Schuld daran ist in Colliers Kosmos Prinz Charles, der Anführer der Biobauern der Welt. Diese massive Verzerrung – umfassende wissenschaftliche Argumente gegen Agrogentechnik und beispielsweise »La Via Campesina«, die globale politische Bewegung der Kleinbauern, unerwähnt zu lassen und ihre Vertreter damit stillschweigend in einen Topf mit aristokratischen Umweltromantikern zu stecken – ist einer der besonders ärgerlichen Aspekte des Buches. Als würden der 2008 von 400 Experten veröffentlichte Weltagrarbericht und die wichtigen Publikationen renommierter Agrarökologen nicht existieren.</p><p>Das ganze Kapitel ist ein Skandal: Proteste gegen Hunger bilden die »klassische politische Basis für Demagogie«; in Brüssel wütet eine »Agrarlobby«, womit Collier allerdings Greenpeace und ähnliche Organisationen meint. Seine Behauptung, die europäische Getreideproduktion sei wegen des Gentechnikverbots ab 1996 um jährlich ein bis zwei Prozent gesunken, läßt sich mit offiziellen Statistiken widerlegen. Afrikas Kleinbauern vergleicht der Ökonom mit Straßenhändlern, »die man dort an jeder Ecke trifft« und die er durch die Errichtung von Supermärkten verschwinden lassen will. Wohin, verrät er nicht. Auch die Kleinbauern scheinen sich einfach in Luft aufzulösen, wenn Afrikas Landwirtschaft eines Tages durchmechanisiert ist, denn sie werden nicht weiter erwähnt.</p><p>Das Bedenklichste an diesem fadenscheinigen Plädoyer für eine nicht nachhaltige, neoliberale Scheinlösung großer Weltprobleme ist, daß sich – betrachtet man die Verkaufszahlen und die Rezeption des Buches in Medien wie Deutschlandfunk und Welt – kaum jemand daran zu stören scheint.</p><p>Paul Collier: Der hungrige Planet. Wie können wir Wohlstand mehren, ohne die Erde auszuplündern. Aus dem Englischen von Martin Richter, Siedler Verlag, München 2011, 272 S., 22,99 Euro</p><p>Rezension erschienen in:<br /> junge Welt, Beilage &#8220;land &#038; wirtschaft&#8221; vom 03.08.2011</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Vielfalt oder Monopol?</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/vielfalt-oder-monopol/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/vielfalt-oder-monopol/#comments</comments> <pubDate>Mon, 02 May 2011 09:36:39 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=579</guid> <description><![CDATA[Europäische Saatgutaktionstage: Teilnehmer kritisieren Gesetzesvorhaben als Gelddrucklizenz für Konzerne und fordern Umdenken Peter Clausing, Brüssel Das Kulturzentrum in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek hatte sich am Sonntag in eine Saatguttauschbörse verwandelt. Dreißig Erhaltungsinitiativen für bedrohte, nichtkommerzielle Gemüse- und Getreidesorten aus zwölf europäischen Ländern sowie der Türkei und Indien waren bei den [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Europäische Saatgutaktionstage: Teilnehmer kritisieren Gesetzesvorhaben als Gelddrucklizenz für Konzerne und fordern Umdenken<br /> </strong></p><p>Peter Clausing, Brüssel</p><p>Das Kulturzentrum in der Maison de la Paix im Brüsseler Stadtteil Molenbeek hatte sich am Sonntag in eine Saatguttauschbörse verwandelt. Dreißig Erhaltungsinitiativen für bedrohte, nichtkommerzielle Gemüse- und Getreidesorten aus zwölf europäischen Ländern sowie der Türkei und Indien waren bei den ersten Europäischen Saatgutaktionstagen präsent. Sie diskutierten die möglichen Folgen einer verschärften Gesetzgebung und Strategien, wie diese verhindert werden kann. Am Montag wurden Gespräche geführt, Kontakte zwischen den Teilnehmern geknüpft bzw. vertieft. Vor allem aber wurde demonstriert: Ein Protestmarsch führte die Teilnehmer zu den Brüsseler Vertretungen des Bayer-Konzerns, der Vereinigung der Europäischen Saatgutfirmen sowie zum Sitz des Europa-Parlaments. 51416 Unterschriften von Bürgern aus 20 Ländern wurden dort übergeben und sorgten dafür, diesem drängenden Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.</p><p>Anlaß für die Mobilisierung ist die drohende Verschärfung des europäischen Saatgutrechts. Diesem Anliegen war bereits eine zweijährige Kampagne mit Veranstaltungen und Unterschriftenaktionen vorausgegangen.</p><p>Andreas Riekeberg von der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie hob in Brüssel sieben Gefahrenpunkte hervor, die der 2009 verabschiedete EU-Aktionsplan zur Bewertung der nationalen gesetzlichen Regelungen für die Vermarktung von Saatgut erkennen läßt. Dazu zählte er unter anderem den Transfer der Prüfung von der öffentlichen Hand zur Industrie und ihren Serviceagenturen, die beabsichtigte Integration der Saatgutverkehrszulassung in die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), eine Institution, die wegen ihrer Verfilzung mit der Saatgutindustrie berüchtigt ist, und die eventuelle Schaffung einer Inspektionsbehörde, die einer europäischen Saatgutpolizei gleichkäme.</p><p>All das werde, so die nicht unbegründete Befürchtung, zu einer Illegalisierung der Nutzung und Verbreitung freier Sorten führen – mit erheblichen negativen Auswirkungen auf bäuerliche und gärtnerische Saatgutarbeit, die dem Erhalt einer Sortenvielfalt dient. Da die europäische Gesetzgebung auf diesem Gebiet bereits in der Vergangenheit internationale Abkommen und nationale Gesetze in außereuropäischen Staaten beeinflußt hatte, gab es auch Interesse von bäuerlicher Organisationen aus nichteuropäischen Staaten an der politischen Manifestation in Brüssel. So erlaubt ein neues türkisches Gesetz zwar die Wiederverwendung selbsterzeugten Saatgutes, verbietet aber dessen Weiterverkauf – eine Regelung, dem sich unter anderem der 44000 Mitglieder umfassende Kleinbauernverband Cifci-sen widersetzt. In Indien wird es ähnlich aussehen, wenn die Endfassung des seit 2004 verhandelten bilateralen Freihandelsabkommens mit der EU die bislang vorgesehenen Klauseln enthalten sollte.</p><p>Am Ende des geplanten einheitlichen europäischen Saatgutgesetzes und seiner vertraglich vermittelten Expansion in Länder des Südens würde ein erheblich vergrößerter Handlungsspielraum für die Konzerne stehen. Ein wichtiger Punkt dieser Regelungen ist das immer wiederkehrende Verkaufs- und Tauschverbot für offiziell nicht registrierte Sorten. Unter dem Vorwand einer angeblichen Qualitätssicherung wird der Markt exklusiv für die Angebote der kommerziellen Vermarkter reserviert. Das schafft Abhängigkeiten von zunehmend monopolistisch strukturierten »Wertschöpfungsketten«. Die ist zwar schon jetzt gegeben, aber in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Insbesondere in Polen, wo noch anderthalb Millionen kleinbäuerliche Wirtschaften existieren, werden von einem neuen europäischen Gesetz drastische Auswirkungen befürchtet. Zwar sägen die Züchtungskonzerne mit den angestrebten gesetzlichen Änderungen am eigenen Ast. Aber das wird zugunsten einer zeitweiligen Verbesserung der Profitmarge sehenden Auges in Kauf genommen.</p><p>Die Sortenvielfalt, die seit eh und je die genetische Basis für züchterische Verbesserungen darstellt, wird ernsthaft bedroht und künftigen Generationen vorenthalten. Dabei ist Sortenvielfalt wichtiger denn je. Eine Landwirtschaft der Zukunft muß von den scheinbaren Hochleistungssorten wegkommen, die ihre Erträge nur mit Hilfe erheblicher erdölbasierter Inputs (Pestiziden, Kunstdünger) erbringen. Weltagrarbericht und eine wachsende Zahl an wissenschaftlichen Publikationen belegen, daß die Zukunft einer Vielfalt lokal angepaßter Sorten gehört, die den Herausforderungen des Klimawandels und schwindender Erölreserven gewachsen sind und mit agroökologischen Methoden hohe Erträge produzieren können.</p><p>Mit der Übergabe der Unterschriften an EU-Parlamentarier wird die Forderung verbunden, eine Studie in Auftrag zu geben, die die Auswirkungen der Saatgutgesetzgebung auf das von den Vereinten Nationen verbriefte Menschenrecht auf Nahrung untersucht. Dieses Anliegen wird auch vom zuständigen UN-Sonderberichterstatter Olivier de Schutter unterstützt.</p><p>Erschienen in <a href="http://www.jungewelt.de/2011/04-19/029.php">junge Welt vom 19.04.2011</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/05/02/vielfalt-oder-monopol/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kein Hohelied &#8211; Eine Replik auf Marianna Schauzu</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/01/20/kein-hohelied-eine-replik-auf-marianna-schauzu/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/01/20/kein-hohelied-eine-replik-auf-marianna-schauzu/#comments</comments> <pubDate>Thu, 20 Jan 2011 00:01:29 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Afrika]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=489</guid> <description><![CDATA[von Peter Clausing Am vergangenen Donnerstag kam an dieser Stelle Marianna Schauzu in einem Artikel über den Einsatz gentechnisch modifizierter (GM-)Baumwolle in Burkina Faso zu der Schlußfolgerung: »Das Beispiel Burkina Fasos zeigt, daß eine Zusammenarbeit mit multinationalen Konzernen wie Monsanto möglich ist, ohne den eigenen Entwicklungsplan preisgeben zu müssen …«. In ihrem Text bezieht sie [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>von Peter Clausing</em></p><p>Am vergangenen Donnerstag kam an dieser Stelle Marianna Schauzu in einem <a href="http://www.jungewelt.de/2011/01-13/005.php" target="_blank">Artikel</a> über den Einsatz gentechnisch modifizierter (GM-)Baumwolle in Burkina Faso zu der Schlußfolgerung: »Das Beispiel Burkina Fasos zeigt, daß eine Zusammenarbeit mit multinationalen Konzernen wie Monsanto möglich ist, ohne den eigenen Entwicklungsplan preisgeben zu müssen …«. In ihrem Text bezieht sie sich auf eine 30prozentigen Ertragssteigerung bei GM-Baumwolle im Vergleich zu 50 bis 70prozentigen Ertragsausfällen bei konventioneller Baumwolle in den 1990er Jahren aufgrund von Insektizidresistenzen gegenüber Pyrethroiden. In ihrem Beitrag suggeriert sie, daß das einzige Problem beim Einsatz von Gentechnik die Monopolmacht der Konzerne sei. Die stelle aber eigentlich auch kein Problem dar, wenn die Regierungen des Südens »die Zusammenarbeit mit Monsanto … an einige Bedingungen (knüpften).« Mehr noch: »Es (gibt) keine Alternativen zur Zusammenarbeit des Landes mit dem Gentechnikriesen«, läßt sie zwei Baumwollbauern aus Burkina Faso verkünden, was impliziert, daß der Einsatz von Gentechnik an sich erst recht alternativlos ist. Als Kronzeugen bemüht sie »bereits gute Erfahrungen«, die Indien und China mit der von Monsanto entwickelten, das Bt-Toxin enthaltenden Baumwolle gemacht hätten.</p><p>Man könnte glauben, die zahlreichen Gentechnikskandale – von unerwünschten Auskreuzungen, über die Unterdrückung unliebsamer Forschungsergebnisse bis hin zum Politikfilz – hätte es nie gegeben oder seien lediglich dem Mangel an ausreichend präzise formulierten Bedingungen im Umgang mit den Konzernen geschuldet. Doch die Mißtöne im Hohelied auf Monsantos GM-Baumwolle sind nicht darauf beschränkt. Geradezu bizarr muten die Behauptungen an, daß in Burkina Faso die landwirtschaftliche Selbstversorgung »mehr oder weniger gelungen« sei und daß die Einführung der Gentechnik »als Fortführung des von Sankara (Thomas, 1987 gestürzter Präsident, d.Red.) propagierten Kampfes gegen die Armut angesehen werden (kann).« Im Januar 2009 stellte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen fest: »Etwa die Hälfte der Bevölkerung des Landes hat unzureichenden Zugang zu der Nahrung, die notwendig wäre, um den Mindestbedarf an Energie zu decken. Es gibt besorgniserregende Anzeichen für eine wachsende Verbreitung und Häufigkeit von Unterernährung in Burkina Faso.« Ist die Politik von Präsident Blaise Compaoré als Fortführung des Kampfes von Thomas Sankara gegen die Armut anzusehen, der ermordet wurde als sich Compaoré 1987 an die Macht putschte? Nein, die Politik von Compaoré basiert auf den Strukturanpassungsprogrammen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Teil dieser Programme war die Einführung von GM-Baumwolle, die, wie Francoise Gérard in Le Monde Diplomatique (Ausgabe: 13.2.2009) erwähnt, zum Teil unter Polizeieinsatz erfolgte. Nach Angaben der Welternährungsorganisation liegen die Saatgut-Preise für GM-Baumwolle zwei- bis fünfmal so hoch wie bei konventionellem Saatgut. Die Einführung dieses teuren Saatguts war aus der Perspektive des jW-Beitrags vom vorigen Donnerstag wegen der Pestizid-Resistenzen der 90er Jahre ein kluger Schritt. Die »guten Erfahrungen« ­Indiens und Chinas mit GM-Baumwollen, auf die sich Frau Schauzu beruft, sind durch Resistenzerscheinungen gegenüber dem Bt_Toxin in GM-Baumwolle innerhalb von vier Jahren nach seiner Einführung, durch vermehrtes Auftreten unbekämpfbarer Sekundärschädlinge und, im Fall von Indien, durch eine Selbstmordwelle Zehntausender hochverschuldeter Bauern charakterisiert. Letzteres führte im Mai 2005 im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh immerhin zu einem teilweisen Verbot von Bt-Baumwolle.</p><p>Gehören Alternativen zu Monsantos GM-Baumwolle in das Reich der Phantasie? Nein! Trotz des Drucks von seiten der Gentechniklobby behaupten sich in Burkina Faso sowohl das Biobaumwolleprojekt der Schweizer Initiative Helveta als auch das von der Deutschen Welthungerhilfe unterstützte Projekt »Cotton made in Africa« – sicher nicht ohne Probleme. Eine im November 2010 veröffentlichte Studie des Evangelischen Entwicklungsdienstes hebt hervor: »Rückgang bei der Bio-Baumwolle (von ca. 6000 Produzenten in 2009 auf 3000 in 2010) ist eher auf die von der nationalen Politik forcierte und von den Baumwollgesellschaften gern gesehene Einführung der Genbaumwolle zurückzuführen.« Global wird Baumwolle auf drei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut und beansprucht 25 Prozent der weltweit ausgebrachten Pestizide. Die propagierte Verringerung des Pestizidaufwandes durch Gentechnik hat sich aufgrund von Bt-Resistenz und Sekundärschädlingen als Farce erwiesen. Die vermeintliche Alternativlosigkeit zur GM-Baumwolle in Burkina Faso (und anderswo) ist Ausdruck von Machtpolitik und ähnlich unverrückbar wie die Behauptung, daß es keine Alternative zum neoliberalen Wirtschaftsmodell gäbe.</p><p>Erschienen in: <a href="http://www.jungewelt.de/2011/01-20/010.php">junge Welt vom 20.01.2011</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/01/20/kein-hohelied-eine-replik-auf-marianna-schauzu/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>&#8220;Wir haben es satt&#8221; &#8211; Aufruf zur Demo am 22.1.2011</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/12/09/wir-haben-es-satt-aufruf-zur-demo-am-22-1-2011/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/12/09/wir-haben-es-satt-aufruf-zur-demo-am-22-1-2011/#comments</comments> <pubDate>Thu, 09 Dec 2010 01:10:21 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[industrielle Landwirtschaft]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=475</guid> <description><![CDATA[&#8220;Wir haben es satt!&#8221; &#8211; Demonstrieren Sie mit! Sagen Sie Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten! Während der Messe »Grüne Woche« in Berlin treffen sich am 22. Januar 2011 Landwirtschaftsminister aus aller Welt und internationale Agrarkonzerne auf Einladung der Bundesregierung. Das Ziel von Monsanto, Müller Milch, BASF und Co.: die Industrialisierung der Landwirtschaft voran zu [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;Wir haben es satt!&#8221; &#8211; Demonstrieren Sie mit!</p><p></strong><em>Sagen Sie Nein zu Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporten!</em></p><p>Während der Messe »Grüne Woche« in Berlin treffen sich am 22. Januar 2011 Landwirtschaftsminister aus aller Welt und internationale Agrarkonzerne auf Einladung der Bundesregierung.</p><p>Das Ziel von Monsanto, Müller Milch, BASF und Co.: die Industrialisierung der Landwirtschaft voran zu treiben.</p><p>Das heißt: Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporte.</p><p>Weitere Informationen unter <a href="http://www.wir-haben-es-satt.de" target="_blank">www.wir-haben-es-satt.de</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/12/09/wir-haben-es-satt-aufruf-zur-demo-am-22-1-2011/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Das Recht auf Vielfalt &#8211; Der Kampf um krisensicheres Saatgut</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/10/15/das-recht-auf-vielfalt-der-kampf-um-krisensicheres-saatgut/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/10/15/das-recht-auf-vielfalt-der-kampf-um-krisensicheres-saatgut/#comments</comments> <pubDate>Fri, 15 Oct 2010 09:40:39 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=460</guid> <description><![CDATA[Die Transformation der Landwirtschaft. Über die Geschäftspraktiken der ­internationalen Saatgutindustrie. Teil II (und Schluß): Der Kampf um krisensicheres Saatgut Von Anne Schweigler und Peter Clausing Den im Laufe des 20. Jahrhunderts entstandenen Saatgutkonzernen gelang es Schritt für Schritt, ihre Monopolmacht zu etablieren und juristisch abzusichern – ein bis heute andauernder Prozeß. Das betrifft sowohl die [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Die Transformation der Landwirtschaft. Über die Geschäftspraktiken der ­internationalen Saatgutindustrie. Teil II (und Schluß): Der Kampf um krisensicheres Saatgut</p><p><em>Von Anne Schweigler und Peter Clausing</em></p><p>Den im Laufe des 20. Jahrhunderts entstandenen Saatgutkonzernen gelang es Schritt für Schritt, ihre Monopolmacht zu etablieren und juristisch abzusichern – ein bis heute andauernder Prozeß. Das betrifft sowohl die Bemühungen, die bestehende monopolfreundliche Gesetzgebung auszuweiten als auch die Verdrängung alter Kulturpflanzen, Landsorten genannt, in jenen Teilen der Erde, wo industrielle Landwirtschaft und das dazugehörige Saatgut noch nicht durchgesetzt worden sind. Die Länder des Südens haben aus Sicht der Konzerne in beiden Punkten den größten »Nachholbedarf« und sind demzufolge besonders verletzlich.</p><p>Doch diese Entwicklung ist weder alternativlos, noch bleibt sie unwidersprochen. Der 2008 veröffentlichte, von zahlreichen Regierungen gebilligte Weltagrarbericht belegt nicht nur, daß die Welternährung anders als auf industrielle Weise gesichert werden kann, sondern mehr noch: Es wird darauf hingewiesen, daß dieser alternative Weg der einzig gangbare ist, denn das bisherige System »ist nicht geeignet, um einen Übergang zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen«.1 Zum anderen regt sich Widerstand gegen die Macht der Konzerne, und der agiert zunehmend global und koordiniert.</p><p>Noch gewinnen weltweit zirka 70 Prozent der Bäuerinnen und Bauern ihr Saatgut aus der eigenen Ernte bzw. tauschen es untereinander. Wenn es der Industrie gelingen sollte, auch nur einen Teil dieses Potentials für sich nutzbar zu machen, würde dies eine enorme Markterweiterung bedeuten – sowohl für den Absatz des kommerziellen Saatguts selbst als auch für die dazugehörigen Agrochemikalien. Die Methoden zur Erreichung dieses Zieles sind unterschiedlich und reichen von unverhohlenen Eingriffen in die Gesetzgebung militärisch besetzter Länder bis zu Transformationsversuchen in Form von »Entwicklungshilfe«.</p><p><strong>Agroimperialismus</strong></p><p>Eine der medial am stärksten beachteten Maßnahmen war vermutlich der »Erlaß 81«2, den der US-amerikanische »Zivil«verwalter Paul Bremer im Juni 2004, kurz bevor er den Irak verließ, dekretierte. Dieser Erlaß, der das irakische Patentgesetz aus dem Jahr 1970 ablösen sollte, regelt auch den Umgang mit Saatgut. Zusammen mit »Focus on the Global South« alarmierte im Oktober 2004 die Nichtregierungsorganisation GRAIN die Weltöffentlichkeit, weil damit das uralte System der Wiederaussaat eines Teils der Ernte im Irak faktisch über Nacht verboten wurde. Nach Darstellung der US-Besatzer ein notwendiger Schritt, um die Versorgung des Landes mit hochwertigem Getreide zu sichern. Nicht einmal das im ersten Teil dieses Beitrags erwähnte Nachbaurecht blieb den irakischen Bauern erhalten. Das Dekret verbietet unter Strafandrohung jegliche Wiederaussaat von »geschützten« Sorten und überträgt die Rechte auf Produktion, Reproduktion und Handel den Saatgutkonzernen. Gleichzeitig wurde mit dem Erlaß die Ausbringung gentechnisch manipulierter (GM) Sorten ermöglicht. Allerdings wird nach Einschätzung von Joachim Guilliard, Koordinator der deutschen Irak-Tribunal-Initiative, dieser Erlaß in der Praxis nicht angewendet – zu groß wäre wohl die Empörung in der Bevölkerung. Doch wie alle Bremer-Dekrete, die nicht explizit im nachhinein vom irakischen Parlament außer Kraft gesetzt wurden, gilt der Erlaß 81 noch heute, verbunden mit der latenten Gefahr seiner Durchsetzung zu einem späteren Zeitpunkt.</p><p>Kaum überraschend wurde auch in Afghanistan – im Jahr 2006 – ein neues Gesetz mit monopolfreundlichem Inhalt vorgelegt3. Paragraph 10 schreibt die Schaffung einer Agentur für Saatgutzertifizierung vor, Paragraph 11 die Etablierung eines zentralen Labors zur Saatguttestung. Paragraph 16 ermächtigt die Mitarbeiter dieser Agentur, zu jeder Zeit und an jedem Ort Proben zu entnehmen, wenn der Verdacht auf einen Verstoß gegen das Saatgutgesetz vorliegt. Zumindest auf dem Papier können sich die Besitzer von Saatgutlizenzen in Afghanistan sicher fühlen. Wenn jemand die Absicht hat, GM-Saatgut nach Afghanistan einzuführen, ist laut Saatgutgesetz das Landwirtschaftsministerium zu informieren– von einer Genehmigungspflicht ist in dem Papier keine Rede.</p><p>Ein weiteres Land, in dem in den letzten Jahren die entsprechende Gesetzgebung verschärft wurde, ist die Türkei, wo im Oktober 2006 die alte, aus dem Jahr 1963 stammende Regelung durch eine neue ersetzt wurde. Dieses neue Gesetz Nr.5553 paßte die türkischen Verhältnisse an die europäische Saatgutgesetzgebung an und verlangt seitdem für Sorten, die gehandelt werden sollen, eine obligatorische Registrierung und Zertifizierung, verbunden mit dem auch in der EU bislang noch gültigen Landwirteprivileg Tausch und Produktion für den Eigenbedarf (siehe Teil1). Die Novellierung der türkischen Saatgutgesetzgebung ist offensichtlich ein Element des Strebens nach der EU-Mitgliedschaft.4</p><p>Ein beliebter »Türöffner« für die Konzerne ist die Nahrungsmittelhilfe in Ländern, die von Hunger (und Unruhen) bedroht sind. Insbesondere das weitgehend von den Vereinigten Staaten kontrollierte Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und die offizielle Entwicklungshilfe der USA (USAID) sind daran beteiligt, Hybrid- und zunehmend auch GM-Sorten in die betroffenen Länder einzuführen. Auch die Konzerne unterstützten »großzügig« diese Hilfe: Weil nach dem verheerenden Erdbeben Anfang dieses Jahres, die haitianischen Bäuerinnen und Bauern ihren eigentlich für die Wiederaussaat aufbewahrten Mais als Lebensmittel verteilten, fehlte dieser später bei der Bestellung der Felder. In einer am 13. Mai 2010 veröffentlichten Pressemitteilung verkündete Agrarmulti Monsanto eine »großzügige Spende« von Hybridsaatgut (Mais und Gemüse) an die haitianische Regierung. Sechzig Tonnen davon wurden sofort geschickt, die Lieferung weiterer 415 Tonnen in Aussicht gestellt. Die Bereitstellung der für den Anbau notwendigen Agrochemikalien – ein Teil vermutlich bei Monsanto gekauft – übernahm USAID (im Rahmen seines Haiti-spezifischen Programms WINNER). Und der Transport der »milden Gabe« von Monsanto in die ländlichen Gegenden Haitis erfolgt– ebenfalls als »Spende«– durch den transnationalen Logistik-Konzern Kuehne + Nagel, mit Hauptquartier im Schweizer Kanton Schwyz. Zeitgleich zur Pressemitteilung wurde auf www.monsantoblog.com behauptet, daß Hybridsorten vor dreißig Jahren auf Haiti schon einmal verbreitet waren. Monsanto witterte offenbar die Chance zu einem Comeback. Allein, die haitianischen Bauern waren, wie weiter unten zu lesen ist, nicht recht glücklich über solcherart Großzügigkeit.</p><p><strong>Kampf um Afrikas Märkte</strong></p><p>Die erste »Grüne Revolution« der 1960er und 1970er Jahre hatte Afrika nicht erreicht. So bietet sich dem Agrobusineß heute fast ein ganzer Kontinent mit neuen Märkten. Deren »Erschließung« nahm konkrete Formen an, als im Jahr 2005 die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung gemeinsam mit der Rockefeller-Stiftung ankündigte, Millionen afrikanischen Kleinbauern dabei helfen zu wollen, sich aus Armut und Hunger zu erheben. Es entstand die »Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika« (AGRA), der sich 2008 die Weltbank anschloß. Das erklärte Ziel der Allianz ist es, die Kleinbauern Afrikas mit Hochertragssorten und den dazugehörigen chemischen Inputs zu versorgen, um die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in die »Wertschöpfungskette« zu integrieren. Die AGRA versucht, die Öffentlichkeit bezüglich ihrer Pläne für den Anbau von GM-Pflanzen zu beruhigen – z.T. auch zu täuschen. Aber Preisverleihungen an erklärte Gentechnikbefürworter legen beredtes Zeugnis von den wahren Absichten dieses »philanthropischen« Projekts ab. Vorgehen und Strategie der Protagonisten dieser »zweiten Grünen Revolution« unterscheiden sich kaum von denen der ersten.</p><p>In Übereinstimmung mit dem Wertschöpfungsketten-Diskurs ist ein Programm zur Ausbildung von Agrarhändlern wesentlicher Bestandteil des Vorhabens der AGRA. Das Programm bietet Training, Kapital und Kredite für die Gründung und Stärkung von 10000 kleinen Agrarhändlern, die gut vernetzt werden sollen mit Grossisten, Saatgutfirmen und Marktinformationsberatern. Die Folge: Industrielles Saatgut verdrängt das bäuerliche, und die Bauern geraten in die komplette Abhängigkeit einer von Agrarkonzernen kontrollierten kapitalintensiven Landwirtschaft.</p><p><strong>Vernetzter Widerstand</strong></p><p>Zum Glück verlaufen derartige Entwicklungen nicht so reibungslos, wie es sich das Agrobusineß wünscht. Die von Weltbank und Internationalem Währungsfonds im Rahmen der »Strukturanpassungsprogramme« der 1980er Jahre erzwungene »Verschlankung« der Agrarpolitik in vielen Ländern des Südens, hatte auch eine Schwächung der Abhängigkeiten der ländlichen Strukturen zur Folge, die damals in vielen Staaten des Südens verbreitet waren. Zuvor waren die Organisationen oftmals nicht unabhängig, sondern von den staatstragenden Parteien vereinnahmt. Dadurch entstanden neue Bauernorganisationen, die stärker autonom waren und mit radikaleren Forderungen auftraten. Im Laufe der 1990er Jahre erwuchs daraus ein ursprünglich lateinamerikanisches Netzwerk, »La Via Campesina« (deutsch: der bäuerliche Weg), das mittlerweile von vielen als die wichtigste transnationale soziale Bewegung überhaupt angesehen wird und inzwischen bäuerliche Basisbewegungen beider amerikanischer Kontinente, Süd- und Ostasiens, Europas und neuerdings auch von zwei Regionen Afrikas vereint. Derzeit hat »La Via Campesina« 148 Mitgliedsorganisationen in 69 Staaten und repräsentiert somit etwa 500 Millionen ländliche Familien weltweit.5 Anläßlich des 1996er Welternährungsgipfels brachte »La Via Campesina« das Konzept der Ernährungssouveränität in die öffentliche Debatte ein. Dieses beschränkt sich nicht auf die Forderung nach Verfügbarkeit einer ausreichenden Menge an Nahrungsmitteln (»Ernährungssicherheit«), sondern schließt das Recht auf Selbstbestimmung und gesamtgesellschaftliche Transformationen ein, inklusive dem Recht auf Nahrungsmittelproduktion mit lokal angepaßtem, für alle verfügbarem Saatgut sowie Zugang zu Land. Vor knapp einem Jahr wurde an dieser Stelle im Detail beschrieben, daß und warum kleinbäuerliche Betriebe – gemessen am Gesamtertrag und unter Berücksichtigung der Energiebilanz – die deutlich effizientere Form der Landwirtschaft sind (»Reale Alternativen«, jW-Thema vom 18.11.2009).</p><p>Oft sind es Mitgliedsorganisationen von »La Via Campesina«, die an den Brennpunkten des Geschehens sicht- und hörbar sind. So auch in Haiti, als am 4.Juni 2010 zehntausend Bäuerinnen und Bauern gegen das »tödliche« Geschenk von Monsanto, den Hybridsamen (siehe oben) demonstrierten. Zu den Kundgebungen hatten ländliche soziale Bewegungen mobilisiert, einschließlich der »La Via Campesina«-Mitgliedsorganisation Papaye Bauernbewegung (MPP). Bei den Protesten waren unter anderem Slogans zu hören wie »Lang lebe das einheimische Maissaatgut« und »Monsantos Genpflanzen und Hybridsaatgut schädigen die bäuerliche Landwirtschaft«. Die Protestierenden waren empört, daß die Regierung in Port-au-Prince versuchte, die Krisensituation nach dem Erdbeben zu nutzen, um das Land an transnationale Konzerne zu verkaufen und damit haitianische Bäuerinnen und Bauern in die Abhängigkeitsfalle von Hybridsamen und industrieller Landwirtschaft zu zwingen. Diese Proteste strafen das von den Mainstream-Medien gern kolportierte Bild eines im »dunklen Chaos« versunkenen Haiti Lügen.</p><p><strong>Konzernfreundliche EU-Richtlinie</strong></p><p>Ähnlich wie die Türkei über einen EU-Beitritt verhandelt, sind afrikanische Länder mit der EU im Gespräch über ein Freihandelsabkommen. Regelungen zu Eigentumsrechten und Handelsfragen bei Saatgut sind Teil der Gespräche. Doch mittlerweile gibt es in Afrika große Proteste gegen das geplante Abkommen6. Der Widerstand dürfte von der im Jahr 2007 in Nyeleni, Mali, durchgeführten Konferenz zur Ernährungssouveränität einen kräftigen Stimulus erhalten haben. An dem von »La Via Campesina« organisierten Treffen nahmen zahlreiche ländliche Organisationen aus Afrika teil.</p><p>Während in den Entwicklungsländern Zehntausende zu den Protestaktionen kommen, sind es in Europa bislang nur Hunderte. Zu sehr hat sich das Modell der industriellen Landwirtschaft durchgesetzt, und nur wenige Bauern und Saatguterhaltungsinitiativen in Deutschland haben bisher ein Problembewußtsein dafür entwickelt.</p><p>Genügend Anlaß zum Protest gäbe es. Wenn zum Beispiel die EU-Richtlinie vom Juni 2008 »Erhaltungsrichtlinie« genannt wird, sollte man meinen, daß diese zum Ziel haben müßte, die Erhaltung vom Aussterben bedrohter Nutzpflanzen zu erleichtern, um so dem weiteren Sortenverlust etwas entgegenzusetzen. Doch das erweist sich als Trugschluß. Durch eine Reihe von Vorgaben erschwert die Richtlinie den Anbau von Erhaltungssorten. Dazu zählen Registrierungspflicht und örtliche Begrenzung. Der Artikel 14 schützt die industriellen Sorten vor möglicher Konkurrenz durch bäuerliche oder freie Sorten (d.h. Sorten, deren Schutz erloschen ist) mittels einer mengenmäßigen Beschränkung. Im jeweiligen Land darf pro Erhaltungssorte höchstens ein halbes Prozent des insgesamt verwendeten Saatguts der betreffenden Pflanze in Verkehr gebracht werden. Theoretisch könnten aber immer noch ganz viele verschiedene Erhaltungssorten mit ihren jeweils 0,5 Prozent einen großen Marktanteil beanspruchen. Um das zu verhindern, hat die EU eine zusätzliche Beschränkung eingeführt: Alle diese Sorten, zum Beispiel von Weizen, dürfen in Summe nicht mehr als zehn Prozent des landesweiten Weizensaatguts ausmachen. Per Gesetz wird traditionelles bäuerliches Saatgut vorsorglich zur musealen Ausnahme definiert, das Saatgut der Konzerne dagegen bekommt einen garantierten Marktanteil von 90 Prozent.</p><p><strong>Ein Kompromiß</strong></p><p>Schon 2007 ließ sich erahnen, daß das ungeregelte Nischendasein von Erhaltungsinitiativen in Eu­ropa bald ein Ende haben sollte. Der französische Verein Kokopelli, der seit vielen Jahren anerkannte Arbeit auf diesem Gebiet leistet, war wegen Inverkehrbringens von illegalem Saatgut verklagt worden. Der Saatgut-Händler Baumaux hatte Kokopelli »unlauteren Wettbewerb« vorgeworfen, da viele der vom Verein vertriebenen Gemüsesorten nicht im französischen Sortenkatalog verzeichnet waren. Kokopelli habe sich durch die erzielte Kostenersparnis einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil erschlichen.</p><p>Im Januar 2008 verurteilte das oberste französische Gericht Kokopelli schließlich zu 12000Euro Schadensersatz an Baumaux und 17500Euro Strafe für das ungenehmigte Inverkehrbringen von Saatgut. Das Urteil rief frankreich- und europaweit große Proteste hervor, immerhin mit dem Ergebnis, daß es bis heute nicht vollstreckt wurde8.</p><p>Erste Schwierigkeiten mit der neuen Erhaltungsrichtlinie und der darin festgeschriebenen Beschränkung von Sorten auf ihre Ursprungsregion hatte die schweizerische Erhaltungsinitiative Pro Specie Rara. Die Schweiz ist zwar kein EU-Land, setzte die Richtlinie aber als erstes um. Als die Initiative Anfang 2009 vierzehn Kartoffelsorten in die Schweizer Erhaltungsliste eintragen lassen wollte, wurden fünf davon abgelehnt, was einem Verbot des Anbaus von und des Handels mit diesem Pflanzgut gleichkam. Die betroffenen Sorten (Corne de gatte, Vitelotte noire, Roosevelt, Highland Burgandy Red und Patates Verrayes) hätten keine starke regionale Bindung an die Schweiz, war die Begründung der zuständigen Behörde. Pro Specie Rara befürchtete, daß die Ablehnung der fünf Kartoffelsorten nur die Spitze des Eisberges sei, startete die Protestkampagne »Vielfalt für alle« und hatte Erfolg. Sie konnte der Schweizer Regierung einen Kompromiß abringen, indem »Nischensorten« und »Amateurbereich« unterschieden und unterschiedlich behandelt werden9.</p><p><strong>Die Saatgutkampagne</strong></p><p>Um auf die zentrale Bedeutung von Saatgut und die Zusammenhänge zwischen geistigen Eigentumsrechten an Sorten, den Restriktionen im Interesse der Konzerne und den durch die industriemäßige Landwirtschaft hervorgerufenen globalen Problemen aufmerksam zu machen, haben sich mehrere europäische Saatgut- und Erhaltungsinitiativen zu einer Saatgutkampagne entschlossen, in deren Rahmen Unterschriften für entsprechende Forderungen gesammelt werden (siehe www.saatgutkampagne.org). Die Kampagne fordert:</p><p>– das Recht, Saatgut aus eigener Ernte gewinnen, nachbauen und weitergeben zu können;</p><p>– die regionale Sortenvielfalt durch Unterstützung von Erhaltungsinitiativen und Züchtern traditioneller bäuerlicher Sorten zu fördern;</p><p>– Gentechnik in der Landwirtschaft zu verbieten;</p><p>– keine Patente auf Pflanzen zuzulassen;</p><p>– ein neues Saatgutzulassungsverfahren zu etablieren, das gentechnisch manipulierte Pflanzen und chemieintensive Sorten ausschließt;</p><p>– Maßnahmen einzuleiten, die den hohen Energie­verbrauch in der Landwirtschaft verringern, der durch Einsatz von Industriesorten entsteht, die ohne Kunstdünger und Pestizide nicht auskommen, sowie durch Monokulturen und damit verbundene weite Transporte.</p><p>Die Kampagne will dabei an bestehende Aktivitäten und Modelle anknüpfen. In Teilen Frankreichs und Großbritanniens sind Saatguttauschbörsen inzwischen zur sozialen Alltagspraxis geworden – die »Seedy Sundays« in England sind ein Beispiel. Dabei scheren sich die Menschen in ihrer Praxis nicht darum, ob der pflanzliche Samen »legal« oder »illegal« ist. Wichtig ist ihnen lokal angepaßtes, fruchtbares, nachbaubares Saatgut, das nicht von erdölbasierten Inputs (synthetischer Dünger, Pestizide) abhängig ist. Somit wird über Tauschbörsen »krisensicheres« Saatgut unter die Leute gebracht und gleichzeitig auf dessen Bedeutung und die sozialen und klimatischen Zusammenhänge aufmerksam gemacht.</p><p><strong>Systemwandel nötig</strong></p><p>Auch in Deutschland wächst seit einiger Zeit das Interesse an »urbanen Gärten«, Gemeinschaftsgärten, Transition-Town-Gruppen und Stadt-Land-Projekten, die über die klassischen Schrebergärten hinausgehen. Tausch von Saatgut, gemeinsames Gärtnern und das Kümmern um lokale Nahrungsmittelproduktion sind Schritte im Sinne des Konzepts von »La Via Campesina« zur Ernährungssouveränität.</p><p>Mit dieser Praxis könnte auch in unseren Breiten etwas wiederbelebt werden, »das nicht Ergebnis und Bestandteil formaler Wissenschaft ist und heute etwas hilflos oder auch herablassend als ›traditionelles‹ bzw. ›lokales‹ Wissen bezeichnet (wird). Dieses praktische Wissen ist das wichtigste Handwerkszeug von Land- und Forstwirten, Hirten, Fischern, Heilern und Indigenen, aber auch von Hausfrauen, Gärtnern und Handwerkern in aller Welt. Es ist historisch gewachsen und erfaßt auf eigene Art häufig komplexe Zusammenhänge, die monokausal denkende Naturwissenschaftler bis heute überfordern können«9. Hier geht es um etwas, das beim üblichen Gang in den Supermarkt kaum ins Bewußtsein vordringt– das »Ende des industriellen Produktivismus, (der) die verfügbaren natürlichen Ressourcen unseres Planeten in unvertretbarem, weil nicht nachhaltigem Maße aus (beutet). Seine Grundstrategie, mit Großtechnik und Agrarchemie den Einsatz menschlicher Arbeit durch fossile Energie zu ersetzen, erweist sich in Zeiten des Klimawandels und schwindender Ölreserven als Sackgasse.« Diese Sichtweise rüttelt allerdings – ohne es direkt auszusprechen – an den Grundfesten des herrschenden Systems, denn die scheinbare Effizienz der kapitalistischen Marktwirtschaft beruht seit über einem Jahrhundert auf nichts anderem als der fortschreitenden Substitution menschlicher Arbeitskraft durch fossile Energie. Eine Abkehr von diesem »Automatismus« ist nur mit einem grundsätzlichen Systemwandel und »krisensicherem Saatgut« möglich.</p><p>1 IAASTD (2009): Synthesis Report. A Synthesis of the Global and Sub-Global IAASTD Reports</p><p>2 Order 81 on »Patent, Industrial Design, Undisclosed Information, Integrated Circuits and Plant Variety«, dt.: Erlaß 81 über Patente, Industriedesign, Geheiminformationen, integrierte Schaltungen und Pflanzenvielfalt</p><p>3 Seed Law. Islamic Republic of Afghanistan (Final Draft), Kabul, August 2006</p><p>4 GRAIN: Turkey’s new seed law. Seedling, April 2007</p><p>5 Martínez-Torres, M.E. und P. M. Rosset (2010): Journal of Peasant Studies 37: S. 149–175. In Deutschland ist die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL, <a href="http://www.abl-ev.de">www.abl-ev.de</a>) Mitglied von »La Via Campesina«</p><p>6 Evangelischer Entwicklungsdienst: Die Enthüllung der Grünen Revolution für Afrika. Motive, Akteure und Kräftespiel, Bonn, Juni 2008</p><p>7 <a href="http://www.kokopelli-blog.org">www.kokopelli-blog.org</a></p><p>8 Mehr Informationen und eine Unterschriftenliste zum Protestieren gegen die Verschärfung der Schweizer Saatgutverordnung findet sich unter: <a href="http://www.vielfalt-fuer-alle.ch">www.vielfalt-fuer-alle.ch</a></p><p>9 Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse des Welt­agrarberichts und seine Botschaften für eine Landwirtschaft von morgen, AbL-Verlag 2009</p><p>Anne Schweigler ist Ethnologin, Mitglied der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie und der Saatgutkampagne. Peter Clausing, ebenfalls Mitglied der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie, veröffentlichte unter dem Pseudonym Klaus Pedersen »Naturschutz und Profit« (Unrast Verlag, Münster 2008)</p><p>Erschienen in: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/10-15/016.php">Junge Welt vom 15.10.2010</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/10/15/das-recht-auf-vielfalt-der-kampf-um-krisensicheres-saatgut/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Im Griff der Monopole</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/10/14/im-griff-der-monopole/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/10/14/im-griff-der-monopole/#comments</comments> <pubDate>Thu, 14 Oct 2010 09:25:14 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=454</guid> <description><![CDATA[Die Transformation der Landwirtschaft. Über die Geschäftspraktiken der internationalen Saatgutindustrie. Teil I: Die Durchsetzung der Konzernmacht und deren juristische Absicherung. von Anne Schweigler und Peter Clausing Am 16. Oktober 1945 wurde die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations) als Sonderorganisation der UNO gegründet. Laut ihren Statuten hat sie die [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Die Transformation der Landwirtschaft. Über die Geschäftspraktiken der internationalen Saatgutindustrie. Teil I: Die Durchsetzung der Konzernmacht und deren juristische Absicherung.</p><p><em>von Anne Schweigler und Peter Clausing</em></p><p>Am 16. Oktober 1945 wurde die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations) als Sonderorganisation der UNO gegründet. Laut ihren Statuten hat sie die Aufgabe, die Produktion und die Verteilung von landwirtschaftlichen Produkten im allgemeinen und Nahrungsmitteln im besonderen weltweit zu verbessern, um die Ernährung sicherzustellen und den Lebensstandard zu verbessern. Seit 1979 wird der 16. Oktober als Welternährungstag begangen. Dem aktuellen Welthungerindex zufolge, der anläßlich des am Montag in Rom begonnenen Welternährungsgipfels vorgestellt wurde, leiden aktuell etwa eine Milliarde Menschen an Hunger und Unterernährung. Der Anteil der internationalen Saatgutkonzerne an der Permanenz der globalen Hungerkrise ist Gegenstand des folgenden Beitrags. (jW)</p><p>Hungrige Männer hören nur auf die, die ein Stück Brot haben. Nahrung ist ein Werkzeug&#8230;«, so formulierte US-Agrarminister Earl Butz die Erkenntnis, daß Nahrungsmittel sich als Waffe der Unterdrückung benutzen lassen.</p><p>Saatgut ist neben Boden und Wasser das grundlegende Produktionsmittel für die heutige und zukünftige Lebensmittelversorgung – weltweit. Wer dieses kontrolliert, besitzt einen Schlüssel zur Kontrolle der Nahrungsmittel und damit zugleich ein Unterpfand für krisensichere Gewinne– denn essen müssen alle, immer.</p><p>Solange Nahrungsmittel als »Waffe« oder politisches Werkzeug instrumentalisiert werden, ist die Permanenz der Hungerkrise programmiert. Deren Überwindung braucht Zeit, aber in erster Linie bräuchte sie einen radikalen Bruch mit dem derzeit herrschenden Paradigma.</p><p><strong>Vom Allgemeingut zur Ware</strong></p><p>Für das globale bäuerliche Netzwerk »La Via Campesina« ist der Welternährungstag am 16.Oktober ein internationaler Aktionstag gegen die Machenschaften des Agrobusineß – ein guter Anlaß, um die zentrale Bedeutung von kleinen Samenkörnern zu betrachten und eine europaweite Kampagne für Saatgutsouveränität vorzustellen.</p><p>Jahrtausende lang züchteten Bauern und Bäuerinnen Saatgut, sie gewannen es aus ihrer Ernte, tauschten und entwickelten es weiter, ohne daß es die Warenform annahm. Es war und es ist in vielen Regionen der Welt noch immer ein Allgemeingut, dessen Erhalt und Nutzung regional angepaßt und kulturell geprägt ist. Lange Zeit galt es aufgrund seiner natürlichen Reproduzierbarkeit als unsicherer Kandidat für Kapitalinteressen. Deshalb mußte dafür zunächst überhaupt erst ein Markt geschaffen und dieser dann, gemäß den Interessen der Konzerne, gestaltet werden.</p><p>Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Saatgut zur Ware, und es entstanden Firmen, die sich auf Saatgutzüchtung spezialisierten. Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse hatten sich die Züchtungsmöglichkeiten verändert, die Industrialisierung der Landwirtschaft stellte mit ihrer Produktionsweise neue Anforderungen an die Eigenschaften landwirtschaftlicher Nutzpflanzen (beispielsweise mußten alle Getreidehalme gleich lang sein, um mit Mähdreschern geerntet werden zu können). Und die Chemieindustrie hatte großes Interesse an der Entwicklung neuer Sorten, die gut auf Kunstdünger und Pestizide reagieren, um sich so einen Absatzmarkt für ihre agrochemischen Produkte zu sichern. Folgerichtig sind heute viele der großen Saatgutfirmen wie Monsanto, Syngenta und Bayer gleichzeitig Chemieunternehmen.</p><p>Ein großer Schritt zur Durchsetzung der Warenförmigkeit (Kommodifizierung) pflanzlicher Samen, war Mitte des 20. Jahrhunderts die Entwicklung von Hybridsaatgut. Die »Hochertragssorten« lieferten in Kombination mit Agrochemikalien und Bewässerung gesteigerte Erträge– aber nur, wenn sie jedes Jahr erneut gekauft wurden. Die Leistungsfähigkeit des durch Kreuzung von Inzuchtlinien erzeugten Hybridsaatguts kommt nur in der ersten Nachfolgegeneration zum Tragen. Die Besitzer der Inzuchtlinien – die Konzerne – sicherten sich so auf »technische« Weise einen dauerhaften Markt. Das aus den angebauten Hybriden gewonnene Saatgut ist zwar nicht biologisch steril, aber aufgrund seines Minderertrages ökonomisch wertlos. In Europa stellen industriell betriebene Landwirtschaft und Hybridsorten heute das normale Agrarmodell dar.</p><p>In den Ländern Asiens und Lateinamerikas wurden Hybridsorten mit den dazugehörigen Agrochemikalien ab den 1950er Jahren eingeführt. Ziel war es, mit dieser »Grünen Revolu­tion« durch gesteigerte Nahrungsmittelproduktion ein Gegengewicht zu den sich anbahnenden »roten Revolutionen« zu schaffen und auf längere Sicht die ländlichen Regionen in die Marktökonomie einzubinden. Die technischen Hilfsprogramme der Welternährungsorganisation (FAO) liefen zeitgleich mit dem von US-Präsident Harry S. Truman verkündeten Ziel an, durch Hebung des Lebensstandards in den »unterentwickelten« Ländern einem weiteren »Vordringen des Kommunismus« Einhalt zu gebieten. Tatsächlich konnten die Erträge in vielen Regionen der Welt mit Hybridsorten und den notwendigen Inputs deutlich gesteigert werden, was in breiten Kreisen zu einem positiven Image der Grünen Revolution führte.</p><p><strong>Technische Abhängigkeit</strong></p><p>Die Entwicklung von gentechnisch modifizierten (GM) Pflanzen war ein weiterer Schritt der Industrie, um ihre Macht über die Nahrungsmittelproduktion auszubauen und dabei die »technische« Abhängigkeit der Landwirte zu verstärken. Da man dem Samenkorn nicht ansieht, ob es von einer GM-Pflanze abstammt, werden zum Nachweis spezifische »Gentests« von der Industrie benötigt – sei es, um gegebenenfalls als Biobäuerin oder -bauer zu belegen, daß die eigene Ernte nicht gentechnisch kontaminiert ist, oder um sich in der konventionellen Landwirtschaft der latenten Drohung einer Anklage wegen Diebstahls zu erwehren, wenn – wie in Nordamerika inzwischen gang und gäbe – Beauftragte der Saatgutkonzerne Proben auf den Feldern sammeln, um patentierte Gene zu ermitteln.</p><p>Noch mehr »technische Abhängigkeit« soll die Entwicklung von sogenanntem »Terminator«-Saatgut bringen. Mit dieser Genetic Use Restriction Technology (GURT) genannten Methode wäre der Samen ganz steril – eine Art »biologischer Kopierschutz«. Als Ende der 1990er Jahre die Industrie diese sich noch im Forschungsstadium befindende Technologie erstmals propagierte, wurde dies mit der technischen Sicherung ihrer Interessen in Ländern begründet, in denen keine »geistigen Eigentumsrechte« auf Pflanzensorten gelten. Nach großer weltweiter Empörung und Protesten gelang es im Rahmen der Verhandlungen über die Konvention der Biologischen Vielfalt (CBD) im Jahr 2000, ein Moratorium für die Terminatortechnologie zu verabschieden. 2006 wurde dieses noch einmal bestätigt, nichtsdestotrotz läuft die Terminatorforschung in öffentlichen und privatwirtschaftlichen Projekten weiter. An den meisten Agrarfakultäten der Universitäten lernen die Studierenden GURT als eine weitere Methode der modernen Züchtungsmöglichkeiten kennen, ohne daß die massive Kritik daran oder das Moratorium Erwähnung fänden.</p><p>Langfristig kann das Modell einer industriellen Landwirtschaft mit Hybrid- und GM-Sorten keine Zukunft haben, zu offensichtlich sind die vielen negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen: massiver Verlust an biologischer Vielfalt, Vergiftung der Böden und des Wassers, stark abnehmende Bodenfruchtbarkeit, Erschöpfung der Wasservorräte, ländliche Arbeitslosigkeit, Landflucht und Konzentration des Landeigentums. Hinzu kommt die verheerende Energiebilanz dieser Sorten. Neben den auf fossiler Energie basierenden Agrochemikalien und dem aufgeblähten Transportvolumen eines globalen Agrarhandels kommt es auch zu direkten Emissionen klimaschädlicher Gase: Das aus Stickstoffdünger freigesetzte Lachgas ist 300mal klimaschädlicher als Kohlendioxid.</p><p><strong>Patente für den Profit</strong></p><p>Auf der rechtlichen Ebene hat es die Agrarindustrie früh verstanden, Einfluß auf Gesetzgebung und zahlreiche internationale Abkommen zu nehmen, um so ihre Interessen abzusichern. Das bekannteste und umstrittenste »internationale Recht« ist wahrscheinlich das Patentrecht auf Pflanzen bzw. »genetische Ressourcen«. 1995 unterschrieben die Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) das sogenannte TRIPs-Abkommen (Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights), das die Patentierbarkeit unter anderem von Pflanzen und Tieren bzw. ihrer Gene und Eigenschaften festlegt. Dies geschah gegen den Willen von vielen »ärmeren« Ländern– arm an Geld, aber oft reich an Biodiversität und Ressourcen –, die sich aber letztlich dem Druck der Industriestaaten beugen mußten. Vom besseren Schutz geistigen Eigentums profitieren vor allem die reichen Länder des Nordens und die dort angesiedelten transnationalen Konzerne, die heute über 95 Prozent aller Patente in diesem Bereich halten. Allein beim Beispiel Mais gab es 2005 laut Devinder Sharma, Agrarwissenschaftler und Vorsitzender des Forums für Biotechnologie und Ernährungssicherheit in Neu-Delhi, über 2100 Patentanträge auf Gensequenzen von Mais, wobei die fünf führenden Unternehmen 85 Prozent abdeckten.</p><p>Die Life-Sciences-Industrie argumentiert, daß sie ihre Erfindungen schützen müsse, um ihre Investitionskosten zu amortisieren. Dies würde dann weitere Investitionen und Forschungen ankurbeln. Genau das Gegenteil sei der Fall, sagen kritische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Publikationen würden blockiert, da zunächst die patentrechtliche Situation geklärt werden müsse. Außerdem gibt es mittlerweile so viele Patente, daß bei Forschungvorhaben oftmals zuerst mit dem Patentinhaber verhandelt werden muß, ob und zu welchem Preis dieser die Forschung überhaupt zuläßt. Allerdings haben die sechs größten Konzerne untereinander Kooperationsabkommen über gegenseitige Patentnutzungen und bilden so einen oligopolen Interessensblock.1</p><p>Saatgutfirmen wie Monsanto verwenden die im Patentrecht festgeschriebenen exklusiven Eigentums- und Nutzungsrechte auch, um Landwirte beim Kauf von Saatgut Verträge unterschreiben zu lassen, in denen z. B. bestimmt wird, an wen sie ihre Ernte verkaufen müssen. Immer weiter gefaßte Patentanträge beinhalten z.T. absurde »Ansprüche«. So beansprucht beispielsweise Monsanto geistige Eigentumsrechte an »Schinken und Schnitzel«, wie es Greenpeace formulierte. In dem bei der Weltpatentbehörde in Genf angemeldeten Patent WO 2009097403 wird behauptet, daß Fleisch von Schweinen, die mit Monsantos GM-Mais gefüttert wurden, »Teil der Erfindung« dieser GM-Technologie sei.</p><p>Das Europäische Patentamt (EPA) hat, ganz im Interesse der multinationalen Konzerne, in den letzten Jahren die Patentierbarkeit von biologischen Entitäten immer stärker ausgeweitet und bestehende Verbote unterlaufen. Entsprechend der 1998 erlassenen europäischen Biopatent-Richtlinie (98/44/EG), mit der das TRIPs-Abkommen in europäisches Recht umgesetzt wurde, dürfen eigentlich nur gentechnisch veränderte Samen bzw. Pflanzen patentiert werden. Trotzdem hat das EPA zahlreiche Patente auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen erteilt, so beispielsweise 2002 ein »Brokkoli-Patent« (EP 1069819), das sowohl die konventionelle Züchtungsmethode als auch die Samen und die eßbaren Pflanzen, die durch diese Züchtungsmethoden gewonnen wurden, umfaßt. Aktuell befaßt sich die Große Beschwerdekammer des EPA anhand dieses Falls mit der Grundsatzfrage, wo die Grenzen der Patentierbarkeit liegen, d. h. ob auch konventionelle Pflanzen, wie im US-amerikanischen Recht der Fall, patentierbar sein können. Interessanterweise waren es zwei der weltweit größten Saatgutkonzerne, Syngenta und Limagrain, die die Beschwerde einreichten, wohl um offensiv Rechtssicherheit für diese erweiterte Auslegung des Patentrechts in Eu­ropa zu schaffen.2</p><p>Patentiert wird alles, was in naher Zukunft oder mittelfristig Profit verspricht. Laut einer Studie der internationalen Nichtregierungsorganisation etc-group haben Monsanto, BASF, DuPont, Syngenta, Bayer und Dow 532 Patente auf »climate ready genes«, d. h. auf Gene und Eigenschaften, die besondere Streßtoleranz z.B. gegenüber Trockenheit, Hitze, Kälte und hoher Salzkonzentration im Boden vorweisen, angemeldet. Monsanto (größter Saatgutkonzern) und BASF (größter Chemiekonzern) haben sich dabei auf eine 1,5-Milliarden-Dollar-Kooperation geeinigt, mit dem Ziel, »klimaresistente« Sorten zu entwickeln. Beide Konzerne besitzen zusammen etwa zwei Drittel aller »climate ready genes- Patente.3</p><p><strong>Umkämpfte Sorten</strong></p><p>Weniger bekannt und weniger umstritten als die Patentgesetze sind bisher die Sortenschutzgesetze, die Mitte letzten Jahrhunderts in einigen europäischen Ländern geschaffen wurden. Diese dienten als Vorlage für das erste »Internationale Übereinkommen zum Schutz von Pflanzenzüchtungen« (UPOV), das 1961 auf Initiative von Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien vereinbart wurde.</p><p>Das UPOV-Abkommen wurde mehrfach revidiert und dabei verschärft. Was Jahrtausende lang selbstverständliche bäuerliche Praxis war, wurde mit UPOV ’61 zum »Landwirteprivileg«, also zu etwas, was man erteilt, aber auch wieder wegnehmen kann. In der überarbeiteten Version von 1991 wurde dieses »Privileg« des Nachbaus eingeschränkt: Beim Nachbau von Sorten, die dem Sortenschutz unterliegen, müssen an die Sortenschutzinhaber Lizenzgebühren gezahlt werden. Dagegen wehrt sich in Deutschland seit 1998 die »Interessengemeinschaft gegen die Nachbaugesetze und Nachbaugebühren«.4 Die nächste UPOV-Revision ist für 2011 angekündigt. Bäuerliche und entwicklungspolitische Organisationen befürchten eine weitere Verschärfung.</p><p>Ähnlich wie 1961 könnte es bewußte Strategie sein, die europäische Saatgutgesetzgebung, die seit 2008 überarbeitet wird, für die geplante UPOV-’11-Version wiederum als Vorlage zu nutzen, um anschließend die Regelungen auf alle Unterzeichnerstaaten auszudehnen.</p><p>Die heutigen europäischen Saatgutgesetze bestehen aus zwei Teilen. Der privatrechtliche Teil, der »Sortenschutz«, regelt die Eigentums- und Nutzungsrechte an neuen Züchtungen. Setzt sich die Industrie hier mit ihren Interessen durch, werden die geistigen Eigentumsrechte des Sortenschutzes den Monopolansprüchen des Patentrechts angeglichen.</p><p><strong>Konzentrationsprozesse</strong></p><p>Das Saatgut-Verkehrsgesetz, der öffentlich rechtliche Teil des europäischen Saatgutrechts, regelt das »In-Verkehrbringen« von Saatgut. Bis vor kurzem bezog sich das Gesetz nur auf kommerzielle, registrierte Sorten. Das Tauschen, Weitergeben oder Verkaufen von bäuerlichem Saatgut und Erhaltungssorten war gesetzlich nicht geregelt. Eine 2008 im Zuge der Überarbeitung der europäischen Saatgutgesetze verabschiedete EU-Richtlinie zu Erhaltungssorten hat dies geändert – zuungunsten der biologischen Vielfalt und auf Kosten landwirtschaftlicher Modelle, die auf einer nichtkommerziellen Vermehrung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen basieren (mehr dazu in Teil II).</p><p>Um eine Sorte verkaufen zu dürfen, muß sie registriert und in die Sortenliste aufgenommen werden. Die hohen Kosten dafür führen zu einer Begrenzung der Anmeldungen auf jene Sorten, die ökonomisch relevant erscheinen. Außerdem muß die angemeldete Sorte die sogenannten DUS-Kriterien (Unterscheidbarkeit, Homogenität und Stabilität) erfüllen – Kriterien, die den Eigenschaften industrieller Sorten entsprechen.</p><p>Der Vorteil von regionalen Landsorten ist aber gerade, daß sie diese Kriterien nicht erfüllen. Sie sind weder homogen noch stabil, sondern anpassungsfähig, weil sie ein bestimmtes Maß an genetischer Variabilität besitzen. Nicht nur wegen des Klimawandels werden anpassungsfähige Sorten benötigt. Diese sind auch für eine erfolgreiche »Agrarwende« hin zu umweltverträglichen, chemiefreien Anbauformen wichtig, die auf regional angepaßten widerstandsfähigen Sorten basieren. Bäuerliche Landsorten sind das unverzichtbare Ausgangsmaterial für züchterische Verbesserungen.</p><p>Mit umfassender Hilfe von internationalen Institutionen wie Weltbank, Internationalem Währungsfonds und UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), von Regierungen der Industriestaaten und großen Stiftungen wie der Rockefeller Foundation, ist es dem Agrarbusineß Schritt für Schritt gelungen, die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Weichen auf Industrialisierung der Landwirtschaft zu stellen. Das Ergebnis ist eine unglaubliche Machtkonzentration in diesem Bereich. Seit dem kommerziellen Anbau von transgenen Sorten Mitte der 90er Jahre wird der Markt vor allem von Monsanto, Syngenta, DuPont und Bayer Crop Science beherrscht, die unzählige von kleinen und mittleren Saatgutfirmen aufkauften oder Kooperationen mit ihnen starteten. Für 2008 schätzte man, daß die vier größten Saatgut-Konzerne 56 Prozent des weltweiten Marktes kontrollieren, während es bei den vier größten Pestizid-Konzernen 59 Prozent sind.5</p><p>Mit 11,7 Milliarden Dollar Umsatz 2009 ist der in den USA beheimatete transnationale Konzern Monsanto die weltweit größte Saatgutfirma. Er allein kontrolliert ein Fünftel des globalen Saatgutmarktes und hält 90 Prozent aller Patente im Bereich der landwirtschaftlichen Biotechnologie. PR-Agenturen und Heerscharen von Lobbyisten sind von Biotech- und Agrarkonzernen beauftragt, Einfluß auf die öffentliche Meinung und die der Politiker zu nehmen. Industrielle Landwirtschaft, gentechnisch veränderte Pflanzen und Weltmarktorientierung werden von ihnen zur alleinigen Möglichkeit für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung erklärt.</p><p><strong>Unterm Preisdiktat der Multis</strong></p><p>Am effektivsten ist die Einflußnahme allerdings, wenn die Industrie die Gesetze selbst schreibt. Dieses Vorgehen bezeichnet die französische Journalistin Marie-Monique Robin als das Prinzip der »revolving doors«, als Drehtüreffekt. Konzernmitarbeiter wechseln zwischen ihren Arbeitsplätzen in der Industrie, in der Politik und in den gesetzgebenden Institutionen hin und her.6 Ein aktuelles Beispiel für diese Praxis in Europa ist Suzy Renckens, frühere Abteilungsleiterin für Gentechnik (verantwortlich für die Zulassung von GM-Pflanzen) in der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA), die Anfang 2010 direkt zu Syngenta wechselte. Dagegen wechselt Diana Banati, die EFSA-Chefin, nicht hin und her, ihr Engagement für die Industrie ist quasi nebenberuflich: Sie hat gleichzeitig eine führende Position beim ILSI (International Life Science Institute). Das Institut gibt sich zwar gemeinnützig, ist aber faktisch ein – zwar verkappter, aber riesiger – Lebensmittellobbyist. Das ILSI vertritt die Interessen von Konzernen wie Monsanto, Syngenta, BASF, Dupont, Coca Cola, Nestlé, Unilever, Groupe Danone (siehe hierzu Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Pressemitteilung vom 30. September 2010).</p><p>Die Welternährung ist mittlerweile ein attraktives, krisensicheres Geschäft. Auch wenn die Verdopplung bis Verdreifachung der Weltmarktpreise von 2008 (im Vergleich zu 2007) inzwischen Vergangenheit ist, sind sich die FAO, das International Food and Policy Research Institute (IFPRI) und andere Institutionen einig, daß die Weltmarktpreise für Lebensmittel dauerhaft und deutlich über dem Niveau früherer Jahre bleiben werden. Dies steht in unmittelbarem Zusammenhang mit den langjährigen Bemühungen der Saatgut- und Agrochemiebranche, diesen Bereich umfassend zu kontrollieren, was den Hebel für ein entsprechendes Preisdiktat bildet. Das Saatgut hat eine Schlüsselposition: Wer dieses kontrolliert, hat die industrielle landwirtschaftliche Produktion weitestgehend im Griff. Wie gezeigt wurde, arbeitet die Industrie, um das zu erreichen, auf drei Ebenen: erstens auf der biologisch-technischen Ebene, indem sie Saatgut erzeugt, das bei Wiedergewinnung (Nachbau) stark geminderte Erträge bringt oder perspektivisch völlig steril sein könnte; zweitens auf der juristischen Ebene, mit Gesetzen zu geistigen Eigentumsrechten und Abkommen zur Standardisierung und Normierung für gehandelten pflanzlichen Samen, und drittens auf der Ebene des Marktes mit dem Bemühen, »Landsorten« im globalen Maßstab zu verdrängen.</p><p>Der zweite Teil dieses Beitrags wird sich mit der Verdrängung der Landsorten befassen, mit den Bemühungen, die Standardisierung und Normierung der Sorten weiter auszubauen, aber auch mit den Initiativen und Kämpfen für bäuerliches »krisensicheres« Saatgut, d. h. der in diesem Bereich einzigen ernsthaften Möglichkeit, den Hunger in der Welt zu bekämpfen, dem Monopoldiktat zu trotzen und langfristig ausreichende, gesunde Nahrungsmittel für alle zugänglich zu machen.</p><p>1 Philip Howard: Visualizing Consolidation in the Global Seed Industry, 1996–2008 5 <a href="http://www.mdpi.com/2071-1050/1/4/1266">www.mdpi.com/2071-1050/1/4/1266</a> und ETC -Group:Who Owns Nature? Corporate Power and the Final Frontier in the Commodifica­tion of Life, 2008</p><p>2 mehr Infos unter: <a href="http://www.no-patents-on-seeds.org">www.no-patents-on-seeds.org<br /> </a><br /> 3 Report: Patenting »Climate Genes« and Capturing the Climate Agenda, www.etc-group.org</p><p>4 Mehr dazu unter <a href="http://www.ig-nachbau.de">www.ig-nachbau.de<br /> </a><br /> 5 siehe Fußnote 1</p><p>6 Marie-Monique Robin: »Mit Gift und Genen – Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert«, München 2009</p><p>Anne Schweigler ist Ethnologin und aktiv in der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie und in der Saatgutkampagne (www.saatgutkampagne.org). Peter Clausing, ebenfalls Mitglied der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie, veröffentlichte unter dem Pseudonym Klaus Pedersen »Naturschutz und Profit« (Unrast Verlag, Münster 2008)</p><p>Erschienen in: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/10-14/017.php?sstr=">Junge Welt vom 14.10.2010</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/10/14/im-griff-der-monopole/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kuba: Revolution der Nachhaltigkeit</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/#comments</comments> <pubDate>Thu, 05 Aug 2010 03:53:14 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category> <category><![CDATA[Sortenvielfalt]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=441</guid> <description><![CDATA[Aus: land &#038; wirtschaft, junge Welt-Beilage vom 04.08.2010 Peter Clausing Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase, auch wegen der Schlüsselposition, die ihr im Rahmen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung beigemessen wird. Staatspräsident Raul Castro sprach von einer »Frage der nationalen Sicherheit«. Angesichts der rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die derzeit noch jährlich für Lebensmittelimporte ausgegeben [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Aus: land &#038; wirtschaft, <em>junge Welt</em>-Beilage vom 04.08.2010<br /> Peter Clausing</p><p>Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase, auch wegen der Schlüsselposition, die ihr im Rahmen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung beigemessen wird. Staatspräsident Raul Castro sprach von einer »Frage der nationalen Sicherheit«. Angesichts der rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die derzeit noch jährlich für Lebensmittelimporte ausgegeben werden müssen, überrascht es nicht, daß dem Ziel der Ernährungssouveränität so hohe Priorität eingeräumt wird. Und Kuba hat günstige Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen – trotz wetterbedingter Ernteverluste (im Jahr 2008 wurde zum Beispiel ein Drittel der gesamten Ernte durch Hurrikans vernichtet). Denn das Land verfügt über optimale natürliche Rahmenbedingungen und die nötige Infrastruktur für schnelle Wissensvermittlung. Daß dies mit einer umweltverträglichen und damit wirklich nachhaltigen Produktionsweise möglich ist, haben die über 200000 kleinbäuerlichen Familienbetriebe unter Beweis gestellt, die auf inzwischen 41 Prozent der Ackerfläche bereits 70 Prozent des landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukts erzeugen. Rund die Hälfte von ihnen betreibt Biolandbau.</p><p>Diese »Revolution der Nachhaltigkeit« wird von progressiven Agrarwissenschaftlern bewundert und fand im Mai bei der diesjährigen Verleihung des als »Grüner Nobelpreis« betrachteten Goldman Environmental Prize an Humberto Rios Labrada internationale Anerkennung. Auch wenn Rios, Koordinator für Lokale Landwirtschaftliche Innovation am Nationalen Institut der Landwirtschaftswissenschaften, zu bedenken gibt, daß Kubas landwirtschaftliches System »noch immer auf industriellen Prinzipien basiert«, kann er sich nicht vorstellen, daß man in nennenswertem Umfang zur Nutzung von Agrochemie zurückkehren wird, die die kubanische Landwirtschaft in den 1980er Jahren beherrschten – schon aus Kostengründen.</p><p>Die Gefahr für eine nachhaltige Landwirtschaft in Kuba kommt aus einer anderen Ecke. Einerseits hat sich die kubanische Biotechnologie in den vergangenen Jahrzehnten große Verdienste sowohl bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln als auch bei der Unterstützung biologischer Anbaumethoden in der Landwirtschaft erworben, letzteres insbesondere durch die Praxiseinführung stickstoffbindender Bodenmikroben als biologische Düngemethode (z.B. Azospirillium rhizobium) und durch die Produktion von Biopestiziden in den landesweit 220 Centros de la Reproducción de los Entomofages y Entomopatógenos (Zentren zur Vermehrung von Insektenfressern und Lebewesen, die bei Insekten Krankheiten verursachen). Andererseits verfügt das Flaggschiff der kubanischen Biotechnologie, das renommierte Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIBG) in Havanna, über eine Abteilung für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, die verstärkt von sich reden macht. In diesem Jahr wurde auf ihr Betreiben erstmals auf 2600 Hektar in der Provinz Sancti Spíritus Genmais angebaut. Carlos Borroto, stellvertretender Direktor des CIBG und wohl einer der einflußreichsten Gentechnikbefürworter in Kuba, verkündete vor einiger Zeit, es sei politischer Wille, die Grüne Gentechnik zu nutzen.</p><p>Die seit kurzem entbrannte Diskussion zu diesem Thema ist zumindest dadurch gekennzeichnet, daß Befürworter und Gegner der Gentechnik noch ernsthaft miteinander reden. Immerhin würdigte Borroto auf der diesjährigen Buchmesse in Havanna in einem überfüllten Saal das dort vorgestellte erste in Kuba erschienene gentechnikkritische Buch einen wichtigen Beitrag zur Debatte. Und auf einen Beitrag in der Online-Zeitschrift Rebelión antwortete er ausführlich. Narciso Aguilera Marín, Mitglied der Asociación Cubana de Técnicos Agrícolas y Forestales (ACTAF), hatte in Rebelión am 16. Mai unter dem Titel »Ökologischer Alarm gegen die Verbreitung von transgenem Mais in Kuba« vor den Risiken der Gentechnik gewarnt. Aber Borrotos Argumentation ähnelt den stereotypen Antworten der Agrarkonzerne: Die Technologie sei sicher, alles werde strengstens kontrolliert, und Gentechnik sei zur Ertragssteigerung dringend nötig. Der einzig neue – und sicher zutreffende Hinweis des CIBG-Direktors ist der, daß in Kuba keine Profitinteressen hinter der Gentechnik stünden.</p><p>Die Frage ist, ob nicht auch wissenschaftlicher Ehrgeiz ausreichen könnte, um allen verfügbaren persönlichen Einfluß geltend zu machen, um begründete Bedenken gegen die Risikotechnologie zu unterdrücken. Die unkontrollierte Ausbreitung von Genmaispollen dürfte in Kuba kaum leichter zu verhindern sein als anderswo. Gleichermaßen unklar ist, welchen Beitrag die gentechnische Veränderung einzelner Merkmale (zum Beispiel die Resistenz gegen den Maisschädling Palomilla) tatsächlich für die Ernährungssouveränität leisten könnte, und ob eine Vielfalt lokal angepaßter Sorten nicht besser geeignet wäre, insbesondere auch von Witterungsunbilden verursachte Schäden zu begrenzen. Denn eine weitere Gefahr der Nutzung gentechnischer Sorten, ist die damit verbundene Verringerung der Artenvielfalt.</p><p>Unabhängig davon macht jedoch die Transformation der industriell geprägten Landwirtschaft Kubas in eine, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird, Fortschritte. Denn auch für diese Entwicklung existiert der politische Wille. Kuba verfügt über erhebliche Flächenreserven, deren landwirtschaftliche Nutzung durch das 2008 erlassene Gesetz Nr. 259 erleichtert wird. Mit diesem Gesetz ermöglichte die kubanische Regierung Familien, die in die Landwirtschaft wechseln wollen, die Bewirtschaftung von bis zu 13,42 Hektar Land. Inzwischen sind nach Angaben des kubanischen Wirtschaftsministers Marino Murillo 920000 Hektar Land zur Bewirtschaftung übergeben worden.</p><p>Aber rund die Hälfte dieser Fläche wird derzeit nicht oder nur ungenügend genutzt. Hier gilt das Gleiche wie bei anderen Bodenreformprojekten: Die Übertragung von Landnutzungsrechten ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für landwirtschaftliche Produktion. Denn die Landwirte brauchen über das Produktionsmittel Boden hinaus Landtechnik, Geräte, Materialien, Transport- und Lagermöglichkeiten. Entsprechend kritisch waren die Stimmen auf dem 10. Kongreß des Nationalen Kleinbauernverbandes (ANAP), der am 15. und 16. Mai 2010 in Havanna stattfand, aber auch auf einem Kooperativentreffen am 5. Juni 2010. In der digitalen Ausgabe von Juventud Rebelde, der Zeitung des kommunistischen Jugendverbandes, wird am 8. Juni Yuniel Gonzalez, ein junger Bauer, zitiert. Er kritisierte die bürokratischen Hürden bei der Beschaffung von Material und Gerätschaften in deutlichen Worten. Unterdessen kündigte Wirtschaftsminister Murillo an, daß die Landwirte in der Mehrzahl der 169 Landkreise Kubas die Möglichkeit bekommen sollen, ihren Bedarf durch direkten Einkauf zu decken. Bislang sind aufwendige Antrags- und Genehmigungsverfahren nötig. Generell ist die Beseitigung bürokratischer Hürden im Bemühen, die landwirtschaftliche Produktion durch die Förderung von Initiative und Verantwortung anzukurbeln, ein probates Mittel. Bleibt zu hoffen, daß mit diesen Maßnahmen nicht eine schleichende allgemeine Privatisierung der Wirtschaft eingeleitet wird.</p><p>URL: http://www.jungewelt.de/beilage/art/2387</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kommentiert: The Coming Food Coups by Natsios &amp; Doley</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/31/kommentiert-the-coming-food-coups-by-natsios-doley/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/31/kommentiert-the-coming-food-coups-by-natsios-doley/#comments</comments> <pubDate>Mon, 31 Aug 2009 00:00:47 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Agrotreibstoffe]]></category> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Nahrungskrise]]></category> <category><![CDATA[Ernährungskrise]]></category> <category><![CDATA[Food Riots]]></category> <category><![CDATA[Hungersnot]]></category> <category><![CDATA[Lebensmittelpreise]]></category> <category><![CDATA[Preisexplosion]]></category> <category><![CDATA[Subventionen]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=72</guid> <description><![CDATA[In ihrem Beitrag &#8220;The Coming Food Coups&#8221;, der im Januar 2009 im Washington Quartely erschien, das vom Center for Strategic and International Studies herausgegeben wird, befassen sich Natsios und Doley mit den humanitären, politischen und Sicherheitskonsequenzen der Preisexplosionen bei Nahrungsmitteln. Dabei ist für sie die Famine Theory ein hilfreiches Werkzeug, also die Theorie von den [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>In ihrem Beitrag <a href="http://www.twq.com/09winter/docs/09jan_NatsiosDoley.pdf">&#8220;The Coming Food Coups&#8221;</a>, der im Januar 2009 im Washington Quartely erschien, das vom <em>Center for Strategic and International Studies</em> herausgegeben wird, befassen sich Natsios und Doley mit den humanitären, politischen und Sicherheitskonsequenzen der Preisexplosionen bei Nahrungsmitteln. Dabei ist für sie die <em>Famine Theory</em> ein hilfreiches Werkzeug, also die Theorie von den Hungersnöten, &#8220;<em>a body of knowledge about the microeconomic dynamics of famines, the vulnerability of people to food price shocks, and the common patterns of behavior people use to try to survive in different stages of a famine</em>&#8220;.</p><p>Ihrer Meinung nach müssen Politiker ausgerüstet sein, um die Sicherheits- (und andere) Konsequenzen derartiger Entwicklungen zu minimieren. Dabei betrachten sie &#8211; im Gegensatz zu Paul Collier (vgl. <a href="http://www.jpberlin.de/online-ag/?p=144">Medien-Offensive des Agrobusiness [1]</a>) &#8211;  die Rücknahme von Subventionen (z.B. für Agrotreibstoffe) in einer bürgerlichen Demokratie als unrealistisch.</p><blockquote><p>»The likelihood of a substantial reduction in U.S. corn-based ethanol subsidies is unlikely. Once democratic governments begin to subsidize something, withdrawing the subsidy becomes politically very difficult, mainly because the subsidies create constituencies which make a great deal of money and wield substantial political power.«</p></blockquote><p>Im Abschnitt »What We Know About Famine« führen uns die Autoren zu folgender erstaunlicher Erkenntnis:</p><blockquote><p>»Famines are seldom caused by the absence of food, but rather by an individual’s inability to access food that is available.«</p></blockquote><p>So weit so gut. Zugleich wird uns aber mitgeteilt, dass die Hungersnot in dem Maße abnimmt, in dem sich die Zahl der zu stopfenden Mäuler durch den Tod des schwächeren Teils der Bevölkerung verringert:</p><blockquote><p>»Famine is &#8230; climaxing in widespread mortality, and then followed by reduced mortality as the death of the most vulnerable people reduces the number of mouths to feed.«</p></blockquote><p>Liegt es also doch an der Menge der verfügbaren Nahrungsmittel ? So richtig schlau wird man aus der zynischen Betrachtungsweise der Autoren nicht.</p><p>Ausgehend von der Feststellung, dass das Horten von Nahrungsmitteln die Versorgungssituation verschlimmert, kommen die Autoren unter bemerkenswerter Ignorierung der Tatsache, dass die Spekulation an den Rohstoffbörsen, also Horten in globalem Maßstab, maßgeblich zur 2008er Preisexplosion beigetragen hat, zu der frappierenden Einsicht:</p><blockquote><p>»Market-based interventions work best to stop hoarding.«</p></blockquote><p>Interessant für eine Publikation aus dem <em>Center for Strategic and International Studies</em> ist das Eingeständnis, <em>&#8220;The Iraqi insurgency was partially fueled by the migration of destitute young men from rural areas&#8221;</em> auch wenn schützend die Behauptung hinzugefügt wird <em>&#8220;where the agricultural economy had collapsed before the Iraq war had begun.&#8221;</em></p><p>Für Afghanistan sehen es die Autoren ähnlich:<em> »&#8230;(T)he increase in food prices in Afghanistan, &#8230; may contribute to an increase in the number of Taliban recruits.«</em>, was in Anbetracht der Tatsache, dass trotz zig Milliarden &#8220;Entwicklungshilfe&#8221; (militärischer und ziviler Art) 35% der 26.6 Millionen Afghanen chronisch hungern, nicht verwunderlich ist. Im ersten Halbjahr 2008 hat es 12 bewaffnete Überfälle auf Nahrungsmittelkonvois des World Food Program (WFP) gegeben, im Jahr 2007 waren es insgesamt 30 (Zur Instrumentalisierung des eigentlich der UNO unterstehenden WFP für die US-amerikanische Außenpolitik siehe <a href="http://www.jpberlin.de/online-ag/?p=142">hier</a>).</p><p>Das sicherste Mittel gegen Hungersnöte, so schlussfolgern Natsios &#038; Doley, ist eine gut funktionierende bürgerliche Demokratie. Ihr schlagkräftigster Beweis ist, dass es in Indien seit Einführung der Demokratie keine Hungersnot mehr gegeben habe. Mehrere Hundert Millionen chronisch Hungernder fallen da offenbar ebenso wenig ins Gewicht wie die Tatsache, dass sowohl während der Hungersnöte in Indien im 19. Jahrhundert als auch während der <em>Great Irish Famine </em>(1845-1852) ein Nettoexport von Lebensmitteln ins demokratische &#8220;Mutter&#8221;land Großbritannien stattfand. Diese Hungersnöte hielten übrigens den Kriterien von Natsios &#038; Doley stand &#8211; es waren solche, bei denen sich an ein »Klimaxstadium verbreiteter Mortalität eine Periode abnehmender Mortalität« anschloss.</p><p>Die Autoren, die Food Riots und die daraus resultierenden Sicherheitskonsequenzen fürchten, greifen am Ende ihres Beitrages in die Kiste mit den guten Ratschlägen, um im Abschnitt »<em>What to do</em>« mit einer »<strong>Vier-Zinken-Strategie</strong> künftigen Preisanstiegen entgegen zu wirken«.</p><p><strong>Zinke 1:</strong> Investitionen in landwirtschaftliche Entwicklungsprogramme, einschließlich 1,2 Milliarden Dollar von der Weltbank; Verdopplung des Budgets der Consultative Groups on International Agricultural Research (CGIAR); verstärkte Investitionen in gentechnisch modifizierte (GM-) Sorten; Grüne Revolution für Afrika; und <strong>eine Gegenoffensive gegen die anti-Biotechnologie und anti-GM-Kampagnen</strong>.</p><p><strong>Zinke 2:</strong> Etablierung eines Frühwarnsystems »<em>to meet rapid increases in food prices with new tools, new market-based approaches, and improvements in existing tools</em>«, ähnlich dem »<em>Famine Early Warning Systems Network</em>« (FEWS NET) von USAID, FEWS NET sollte über die bisherigen 25 Länder hinaus ausgedehnt werden.</p><p><strong>Zinke 3:</strong> Marktinterventionen (wieso das jetzt plötzlich ?).</p><p><strong>Zinke 4:</strong> Einstampfen der Subventionen für die Herstellung von Agrotreibstoffen aus Getreide (nun also doch !?).</p><p><b>Quelle:</b></p><p><i>Klaus Pedersen</i>, 31.8.2009 &middot; Mit freundlicher Genehmigung des Autors.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/31/kommentiert-the-coming-food-coups-by-natsios-doley/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kommentiert: »The Politics of Hunger« by Paul Collier</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/22/kommentiert-the-politics-of-hunger-by-paul-collier/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/22/kommentiert-the-politics-of-hunger-by-paul-collier/#comments</comments> <pubDate>Sat, 22 Aug 2009 00:00:02 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Agrotreibstoffe]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Im Norden]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Agrotreibstoff]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[industrielle Landwirtschaft]]></category> <category><![CDATA[Monsanto]]></category> <category><![CDATA[Via Campesina]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=66</guid> <description><![CDATA[Innerhalb der letzten 12 Monate sind mehrere einflussreiche Publikationen der Befürworter von Gentechnik und industrieller Landwirtschaft erschienen Hier werfen wir einen Blick auf den ersten dieser Beiträge, den Walden Bello in seinem Text &#8220;The global food price crisis: A critique of orthodox perspectives“ als „Perhaps the most influential orthodox view on the causes, dynamics, and [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Innerhalb der letzten 12 Monate sind mehrere einflussreiche Publikationen der Befürworter von Gentechnik und industrieller Landwirtschaft erschienen Hier werfen wir einen Blick auf den ersten dieser Beiträge, den Walden Bello in seinem Text &#8220;The global food price crisis: A critique of orthodox perspectives“ als „Perhaps the most influential orthodox view on the causes, dynamics, and solution to the food price crisis“ bezeichnet (<a href="http://www.worldhunger.org/articles/09/editorials/bello.htm">http://www.worldhunger.org/articles/09/editorials/bello.htm</a>). Kaum überraschend, wird Colliers Beitrag vom World Food Program als Informationsquelle angeboten <a href="http://www.wfp.org/content/politics-hunger-foreign-affairs">(http://www.wfp.org/content/politics-hunger-foreign-affairs)</a>.</p><p>Der Text von <strong>Paul Collier</strong>, Ökonomie-Professor und Direktor des Center for the Study of African Economies an der Universität Oxford, erschien 2008 in der November-Ausgabe von <em>Foreign Affairs</em> mit dem Titel <strong>&#8220;The Politics of Hunger“</strong>.</p><p>In seiner Analyse ermittelt Collier drei Bedrohungen für die Welternährung: die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die US-Subventionen für Agrosprit (der dort fast ausschließlich aus Mais gewonnen wird) und die europäische Zurückhaltung bei der Nutzung von gentechnisch modifizierten (GM-) Sorten. Sein Lösungsvorschlag: Die rasche Ausdehnung der industriellen Landwirtschaft und sofortige Abschaffung der US-Subventionen für Agrosprit. Später dann (weil die Entwicklung einer neuen GM-Sorte etwa 15 Jahre in Anspruch<span> </span>nimmt) der große Befreiungsschlag: Gentechnik für alle und überall. Mit den ersten beiden Maßnahmen schlägt er vor Zeit zu schinden, bis die ultimative Lösung dann greift.</p><blockquote><p><em>The three policies &#8212; expanding large commercial farms, ending the GM-crop ban, and doing away with the U.S. subsidies on ethanol &#8212; fit together both economically and politically. Lifting the ethanol subsidies would probably puncture the present ballooning of prices. The expansion of commercial farms could, over the next decade, raise world output by a further few percentage points. Both measures would buy the time needed for GM crops to deliver on their potential (the time between starting research and the mass application of its results is around 15 years). Moreover, the expansion of commercial farming in Africa would encourage global GM-crop research on Africa-suited crops, and innovations would find a ready market not so sensitive to political interference.</em></p></blockquote><p>Collier&#8217;s Strategie wäre in ihrer Simplizität fast zu belächeln, würde dahinter nicht der bittere Ernst von Millionen Dollar u.a. der Melinda &amp; Bill Gates-Stiftung für eine &#8220;Neue Grüne (gentechnische) Revolution<span> </span>in Afrika&#8221; stehen. Zu den amüsanteren Passagen gehört seine Erklärung, worauf die europäischen Gegnerschaft zur Gentechnik zurückzuführen ist – auf einen tief sitzenden Antiamerkanismus. Den gordischen Knoten durchschlägt er mit &#8220;Opferbereitschaft&#8221;: einerseits müssen die amerikanischen Agrospritsubventionen geopfert werden, weil es aus seiner Sicht bessere Lösungen gibt …</p><blockquote><p><em>If the United States wants to run off of agrofuel instead of oil, then Brazilian sugar cane is the answer.</em></p></blockquote><p>… zum anderen als Zeichen des guten Willens gegenüber Europa &#8211; &#8220;Wir opfern etwas, also opfert auch Ihr etwas&#8221; &#8211; gebt Eure negative Einstellung zu GM-Sorten auf!</p><blockquote><p><em>One such message concerns the scope for international reciprocity. Although Americans are attracted to homegrown fuel, they are infuriated by the European ban on GM crops. They see the ban for what it is: a standard piece of anti-American protectionism. Europeans, for their part, cling to the illusory comfort of the ban on high-tech crops, but they are infuriated by the American subsidies on ethanol… the difficulties of reaching a deal on the mutual de-escalation of recent environmental follies is scarcely daunting: the United States would agree to scrap its ethanol subsidies in return for Europe&#8217;s lifting the ban on GM crops.</em></p></blockquote><p>Interessant ist der Vorschlag, wie die Herzen und Köpfe der Gentechnik-Gegner gewonnen werden könnten: Ausgehend von der Feststellung, dass Millionen anständiger Bürger, sowohl in den USA als auch in Europa, sich Sorgen um den globalen Hunger machen, beklagt er, dass viele dieser anständigen Bürger leider gleichzeitig der Kleinbauern-Romantik verfallen seien. Wenn diese erstmal begriffen haben, dass die Gentechnik die Probleme des globalen Hungers lösen kann, werden sie zu Gentechnikbefürwortern konvertieren, wobei ähnlich wie in anderen Publikationen dieser Art, „Gentechnik“ und „wissenschaftliche Landwirtschaft“ synonym verwendet werden.</p><blockquote><p><em>How might the romantic hostility toward commercial and scientific agriculture be countered politically? The answer is to educate the vast community of concern for the poorest countries on the bitter realities of the food crisis. In both the United States and Europe, millions of decent citizens are appalled by global hunger. Each time a famine makes it to television screens, the popular response is overwhelming, and there is a large overlap between the constituency that responds to such crises and the constituency attracted by the idea of preserving organic peasant lifestyles. The cohabitation of these concerns needs to be challenged. Many people will need to agonize over their priorities. Some will decide that the vision articulated by Prince Charles is the more important one: a historical lifestyle must be preserved regardless of the consequences. But however attractive that vision, these people must come face-to-face with the prospect of mass malnutrition and stunted children and realize that the vital matter for public policy is to increase food supplies. Commercial agriculture may be irredeemably unromantic, but if it fills the stomachs of the poor, then it should be encouraged.</em></p></blockquote><p>Wenn es Collier bzw. der Gentechnik-Lobby gelingen sollte, einem Teil der entpolitisierten Gutmenschen diesen Unfug unterzujubeln, könnten tatsächlich einige von ihnen zur Gentechnik &#8220;bekehrt&#8221; werden.</p><p>Im Rest des knapp 12-seitigen Beitrags geißelt er vor allem die &#8220;Kleinbauern-Romantik&#8221;, wobei es ihm unter völliger Ausblendung der großen sozialen Bewegungen wie MST und Via Campesina um den Biobauern Prince Charles und die „Liebesaffäre der Mittel- und Oberschicht mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft geht.</p><blockquote><p><em>The first giant that must be slain is the middle- and upper-class love affair with peasant agriculture. With the near-total urbanization of these classes in both the United States and Europe, rural simplicity has acquired a strange allure. Peasant life is prized as organic in both its literal and its metaphoric sense. (Prince Charles is one of its leading apostles.) In its literal sense, organic agricultural production is now a premium product, a luxury brand. (Indeed, Prince Charles has his own such brand, Duchy Originals.) In its metaphoric sense, it represents the antithesis of the large, hierarchical, pressured organizations in which the middle classes now work. (Prince Charles has built a model peasant village, in traditional architectural style.) Peasants, like pandas, are to be preserved.</em></p></blockquote><blockquote><p><em>Although Monsanto, the main innovator in GM-seed technology, has undertaken never to market a seed that is incapable of reproducing itself, skeptics propagated a widespread belief that farmers will be trapped into annual purchases of &#8220;terminator&#8221; seeds from a monopoly supplier. Thus were laid the political foundations for a winning coalition: onto the base of national agricultural protectionism was added the anti-Americanism of the left and the paranoia of health-conscious consumers.</em></p></blockquote><p>Auch sonst strotzt der Beitrag vor Weisheiten. Hungeraufstände sind die Basis für die hässliche Wiederauferstehung populistischer Politik (<em>For centuries, sudden hunger in slums has provoked the same response: riots. This is the classic political base for populist politics, … , and the food crisis may provoke its ugly resurgence</em>), der Reichtum der westlichen Gesellschaften ist dem Unternehmergeist einer Minderheit zu verdanken (<em>In successful economies, entrepreneurship is a minority pursuit; most people opt for wage employment so that others can have the worry and grind of running a business</em>), große Firmen (wie Monsanto, K.P.) internalisieren bestimmte Verluste, die von der bäuerlichen Landwirtschaft der Gesellschaft aufgebürdet werden (<em>Large organizations can internalize the effects that in peasant agriculture are localized externalities</em>) und so geht es fort.</p><p><b>Quelle:</b></p><p>Klaus Pedersen, 22.08.2009<br /> URL: <a href="http://www.foreignaffairs.com/articles/64607/paul-collier/the-politics-of-hunger" target="_blank">http://www.foreignaffairs.com/articles/64607/paul-collier/the-politics-of-hunger</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/22/kommentiert-the-politics-of-hunger-by-paul-collier/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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