<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Lateinamerika</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/category/lateinamerika-hungerproteste/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/#comments</comments> <pubDate>Mon, 14 Nov 2011 08:53:57 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[industrielle Landwirtschaft]]></category> <category><![CDATA[Mexiko]]></category> <category><![CDATA[Pestizide]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=661</guid> <description><![CDATA[Mexiko-Lateinamerika: Tödliche Pestizide]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>von Alfredo Acedo*</p><p>(Quito, 14. Oktober 2011, alai).- Der grün und ockerfarben gemusterte Teppich des Valle del Yaqui ist zwar schön anzusehen, er verbirgt jedoch eine Tragödie, die sich in dieser Region abspielt. Unter dem kapitalistischen Landwirtschaftsmodell wurden hier über 50 Jahre intensiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt, wodurch Wasser, Böden und Luft verschmutzt und die Region damit praktisch zerstört wurde. Doch nicht nur die Natur trägt die verheerenden Konsequenzen. Die unverantwortlichen Praktiken haben auch Menschenleben gefordert.</p><p><strong>Vergiftungssymptome nach der Feldarbeit</strong><br /> Das im Süden des nordöstlichen Bundesstaats Sonora gelegene Tal erstreckt sich über ein Gebiet von mehr als 225.000 Hektar und wird hauptsächlich schwerkraftbewässert. Dort werden vor allem Weizen (65 Prozent der mexikanischen Weizenproduktion), Mais, Wolle, Gemüse und Grünfutter angebaut. Ich bin in einem kleinen Dorf südlich der Stadt Obregón inmitten der Anbauflächen geboren und habe bis zur Pubertät dort gelebt. Oft sah ich meinen Vater mit Vergiftungssymptome von der Arbeit heimkehren. Er arbeitete mit verschiedenen Maschinen, wie zum Beispiel Traktoren, die Pestizide, Entlaubungsmittel und Dünger auf den Äckern verteilten. Er starb im Alter von nur 61 Jahren an einem Gehirntumor. Das bösartige Gliom hat sein Leben innerhalb von weniger als sechs Monaten ausgelöscht und wir als Familie konnten dem nur tatenlos zusehen.</p><p><strong>Unkenntnis bei LandarbeiterInnen</strong><br /> Die Unverantwortlichkeit der HerstellerInnen und VerkäuferInnen dieser Gifte ist ein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss. Angesichts komplett fehlender Informationen unter den LandarbeiterInnen und der Bevölkerung, reicht ein simples Warnschild nicht aus, um die Menschen davor zu warnen, mit welchen Stoffen sie da in Berührung kommen. Die Gifte werden ohne jeglichen Schutz versprüht, die Behälter einfach auf den Feldern stehen gelassen. PilotInnen schütten das verschmutzte Wasser nach dem Auswaschen der Sprühtanks einfach auf den Boden, und dies selbst in bewohnten Gegenden.</p><p>Selbst Kinder verdingen sich für gerade einmal ein paar Pesos in den Anbaugebieten, sobald sie groß genug sind, um die Sprühtanks auf dem Rücken zu tragen, oder die nötige Kraft haben, um den Sprühflugzeugen mit einem Fähnchen den Weg zu weisen. In beiden Fällen sind sie stundenlang in eine Giftwolke gehüllt. Selbst wenn sie nicht sofort an Vergiftungserscheinungen leiden, zeigen sich die verheerenden Spätfolgen der Giftakkumulation nur wenig später. Der fürchterliche Gestank dieser Entlaubungsmittel bleibt auch mir wie eine makabre Nostalgie in Erinnerung.</p><p><strong>Gift in der Muttermilch</strong><br /> Es wird immer wieder gesagt, dass Muttermilch für ein Baby am besten ist. Das ist medizinisch sicher richtig, gilt jedoch nicht für Kinder, die im Valle del Yaqui aufwachsen. Seit mehr als 20 Jahren werden chlororganische Pestizide in der Muttermilch der Bewohnerinnen des Valle nachgewiesen. Laut einer Studie des Kommissariats der Gemeinde Cajeme aus dem Jahr 1990 wurden bei 85,71 Prozent der untersuchten Muttermilchproben im Dorf Yaqui ein bis drei Pestizide nachgewiesen. Dazu zählen Aldrin, HCH, (Lindan), DDT und pp-DDE mit einer durchschnittlichen Konzentration von jeweils 0,11, 0,17, 0,27 und 1,90 Teile einer Million (parts por million, ppm). Der Untersuchung zufolge liegen die Lindan-, DDT- und pp-DDE-Werte über den von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation erlassenen Grenzwerten.</p><p>Später durchgeführte Studien bestätigten diesen dramatischen Fund nicht nur, sondern ergänzten ihn um ein weiteres verheerendes Detail. Vor drei Jahren fand man im Rahmen einer anderen Studie an Bewohnerinnen von Pueblo Yaqui heraus, dass Schädlingsbekämpfungsmittel aus deren Plazenta auf das Neugeborene übertragen wurden. Im Blut, Fruchtwasser und in der Nabelschnur der Mütter fand man die Insektizide alfa-HCH, gamma-HCH (Lindan), HCB, Dieldrin, Endrin und DDE.<br /> Im Blut von drei Monate alten Säuglingen dieser Gemeinde waren die gleichen Insektizide enthalten. Ab einem Alter von sechs Monaten tauchten die Substanzen permanent auf, teilweise als Abbauprodukte, wobei die entsprechenden Lindan- und Dieldrin-Werte die von Personen überstiegen, die dem Gift nicht übermäßig ausgesetzt waren. Vor weniger als drei Jahren überschritten die Schwermetall-Werte in Wasserproben in den Gemeinden Bácum, Pueblo Yaqui und Quetchehueca die offiziell in Mexiko zugelassenen Grenzwerte. Im Abwasser der beiden zuletzt genannten Gemeinden wurden zudem chlororganische Pestizide wie Malathion und Methylparathion gefunden.</p><p><strong>300.000 Tote durch Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln</strong><br /> Verschiedenen zuverlässigen Studien zufolge führt der dauerhafte Kontakt mit den Giftstoffen, bereits in geringen Dosen, zu schweren Gesundheitsschäden, wie Krebs, Erbgutveränderungen, kongenitalen Anomalien, Beeinträchtigungen des Nervensystems und Hormonstörungen.</p><p>Angesichts des öffentlichen Drucks haben einige Regierungs- und Bildungsinstitutionen erst vor kurzem begonnen, die Situation zu untersuchen und die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären – wenn auch ohne große Überzeugung. Zudem wurden spezielle Mülldeponien für die sichere Aufbewahrung der giftigen Behälter eingerichtet. Problematisch ist allerdings, dass trotz dieser Maßnahmen keine Sicherheit für LandarbeiterInnen, LandbewohnerInnen und KonsumentInnen der dort erzeugten Produkte gewährleistet ist.</p><p>Die versprühten Gifte verschmutzen unausweichlich Flüsse, das Grundwasser, die Küste, Luft, Boden und Lebensmittel. Sie werden von den Menschen über die Atemwege, die Nahrungsaufnahme oder durch direkten Kontakt aufgenommen. Jedes Jahr erleiden weltweit drei Millionen Menschen schwere Vergiftungserscheinungen durch Pflanzenschutzmittel, mindestens 300.000 Menschen sterben daran. 99 Prozent der Vergiftungsfälle ereignen sich in Entwicklungsländern.</p><p><strong>Nobelpreis für die grüne Revolution</strong><br /> Es erscheint absurd, dass trotz dieser ökologischen und menschlichen Tragödie ein Friedensnobelpreis vergeben wurde. Der Preisträger Norman Ernest Borlaug, ein US-amerikanischer Agrarforscher, gilt als Initiator der „Grünen Revolution“. Mit einer speziellen Technik entwickelte er Hochleistungsweizensorten und züchtete auf Testfeldern mitten im Valle Yaqui mit Unterstützung der mexikanischen Regierung (in Form des Centro de Investigaciones Agrícolas del Noroeste) den so genannten Mexiko-Weizen.</p><p>Das von Borlaug eingeführte Landwirtschaftsmodell wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts umgesetzt und hat seitdem die intensive Nutzung von Hybridsamen, chemischen Düngern, Insektiziden und den umfassenden Einsatz von Maschinen auf den Feldern etabliert. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg sicherte die Ausweitung des Agrobusiness jenen Industrien die Gewinne, die zuvor fürs Militär produziert hatten. Bomben wurden durch Stickstoffdünger, tödliche Gase durch Pestizide und Kriegsgeschütz durch Traktoren ersetzt.</p><p><strong>Monokulturen, Arbeitslosigkeit und Landflucht</strong><br /> Der verstärkte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird immer wieder mit der Bekämpfung von Hunger durch höhere Erträge gerechtfertigt. Doch nicht nur auf den Feldern werden die Gifte verwendet. Auch in der Industrie und in Privathaushalten kommen sie zum Einsatz und dienen selbst in Gesundheitseinrichtungen der Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria. Das Agrobusiness bringt verschiedene negative Folgen mit sich. Neben der Ausweitung von Monokulturen stärkt es die politische Macht der GroßproduzentInnen, Arbeitskräfte werden zunehmend ausgebeutet, die Landflucht erhöht sich und die Arbeitslosigkeit in ländlichen Gebieten steigt.</p><p>Gleichzeitig beschert das Agrobusiness GroßgrundbesitzerInnen und Großkonzernen aus der Chemie-, Metall- und Biotechnologiebranche immer größere Gewinne. Die Regierung sowie wissenschaftliche und technische Institutionen haben das Agrobusiness von Anfang an unterstützt. Hinzu kam die Unterstützung in Form weltweiter Vorgaben, wonach Großkonzerne mit öffentlichen Geldern subventioniert werden sollten.</p><p><strong>Der „Agro-Titan“ Borlaug</strong><br /> Ist die Rede vom Mythos der so genannten „Agro-Titanen“ – angeblichen Vorreitern bei der Einführung von Bewässerung und Anbau im Valle del Yaqui – wird der Name Borlaug hervorgehoben. Der Nobelpreisträger ist mittlerweile zu einer Art Kultfigur unter den LandwirtInnen in der Region geworden; Straßen, Statuen und andere Gebäude sind ihm zu Ehren mit seinem Namen geschmückt.</p><p>Ich habe Borlaug vor einigen Jahren, kurz vor seinem Tod, gefragt, ob die Grüne Revolution tatsächlich den Hunger bekämpfen könne. Er räumte ein, dass wir bei der Steigerung der Einnahmen mithilfe seiner landwirtschaftlichen Methode an unsere Grenzen gelangt sind und dass wir das Problem nun mit politischen Entscheidungen lösen müssen. Das war Anfang der neunziger Jahre. Heute liegt es noch deutlicher auf der Hand, dass der Hunger nicht mit technischen Lösungen bekämpft werden kann. Es bedarf vielmehr einer radikalen Reform der Produktion, der Verteilung und des Konsums von Nahrungsmitteln. Hinsichtlich der Umweltschäden, die im Zuge seiner Grünen Revolution durch Pflanzenschutzmittel hervorgerufen werden, äußerte Borlaug keine großen Bedenken.</p><p><strong>Pestizidstudie im Valle de Yaqui</strong><br /> Mittlerweile gibt es weltweit ungefähr 20 große FabrikantInnen derartiger Pflanzenschutzmittel mit einem jährlichen Absatzvolumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar und einer Produktion von 2,5 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Hersteller sind Syngenta, Bayer, Monsanto, Dow Agrosciences und Du Pont. Lateinamerika ist ein wichtiger und wachsender Markt, in dem der Verkaufsumsatz der Giftstoffe zwischen 2006 und 2007 um 18,6 Prozent und zwischen 2007 und 2008 um 36,2 Prozent gewachsen ist.</p><p>Eine Studie zu den zwischen 1995 und 1999 im Valle del Yaqui verwendeten Pestiziden und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der BewohnerInnen ergab, dass die zumeist eingesetzten Gifte Herbizide (34 Prozent), Carbamat (27,53 Prozent), Phosphorsäureester (27,53 Prozent), Fungizide, chlororganische Gifte und Pyrethroide sind. Insgesamt wurden im Zeitraum 3.146.616 kg Pestizide im Tal eingesetzt. Im Jahr 1998 kam es zum größten Pestizideinsatz in einer Größenordnung von 806.123 kg. Die häufigsten damit verbundenen Krankheiten waren Knochenmark-Aplasie, schwere Leukämie und Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). (Valenzuela Gómez, L. 2000. Abschlussarbeit. ITSON. Obregón, Sonora.)</p><p><strong>Illusorische Grenzwerte</strong><br /> Nach Angaben eines im Beruf tätigen Agraringenieurs, der anonym bleiben möchte, sei das momentan meist verwendete Insektengift das von Monsanto hergestellte Glyphosat. Es wird in der Region als Faena, in anderen Regionen als Roundup verkauft. Laut einer aktuellen Studie rufen die Produkte und Stoffwechselprodukte von Glyphosat beim Menschen selbst in geringen Dosen den Tod von Embryonen, Plazentas und Nabelschnurzellen im Reagenzglas hervor.</p><p>Im Valle del Yaqui werden laut der anonymen Quelle weiterhin Parathion und Malathion angewendet. Parathion ist extrem giftig und in verschiedenen Ländern ausdrücklich durch das Rotterdamer Übereinkommen verboten. Die US-amerikanische Bundesbehörde zur Durchsetzung des Arbeitsschutzgesetzes OSHA (Occupational Safety and Health Administration) hat für Malathion einen Grenzwert von 15 mg pro Kubikmeter Luft bei einer Arbeitszeit von acht Stunden in einer 40-Stunden-Woche festgesetzt. Diese Empfehlungen sind praktisch unmöglich einzuhalten.</p><p><strong>Aufklärungskampagne „Los agrotóxicos matan“</strong><br /> Agrargifte können als in der industriellen Landwirtschaft verwendete giftige, chemische Substanzen definiert werden, die es in Form von Insektiziden, Entlaubungsmitteln, Herbiziden und Fungiziden gibt. Wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt werden auch Düngemittel in diese Kategorie gezählt. Sie vergiften die Böden und ihre Komponenten gelangen in Gebieten wie Lagunen und Buchten in die Nahrungsmittelkette. Genetisch veränderte Samen für den intensiven Einsatz von krebserregenden Pestiziden wie Glyphosat und von Pflanzen, die eigene Insektizide bilden, sollten ebenfalls dazugezählt werden.</p><p>Auf Grundlage dieser Definition und weiterer umfassende Informationen zum Ausmaß des Agrobusiness und der Macht der Verantwortlichen widmeten sich RepräsentantInnen aller Mitgliedsländer der Koordinationsstelle von kleinbäuerlichen und indigenen Organisationen in Lateinamerika CLOC (Coordinadora Latinoamericana de Organizaciones del Campo) bei einem Treffen in einem bäuerlichen Fortbildungszentrum des Nationalen Vereinigten Landwirtschaftlichen Gewerkschaftsverbands FENSUAGRO (Federación Nacional Sindical Unitaria Agropecuaria) in Viotá, Kolumbien, der Analyse dieses Problems, das in allen Regionen der CLOC allgegenwärtig ist: im Cono Sur, in der Andenregion, in Mittelamerika, in Mexiko und der Karibik.</p><p><strong>Schaffung einer Informationsplattform</strong><br /> Dabei wurde entschieden, eine Kampagne für ganz Lateinamerika zu starten unter dem Motto „Tödliche Agrargifte“ (Los agrotóxicos matan). Die Kampagne soll die Gesellschaft aufklären und für das Thema sensibilisieren. Dem Mythos der sicheren Verwendung von Pflanzenschutzmitteln soll ein Ende bereitet und ein endgültiges Verbot der Gifte erreicht werden. Die Kampagne zielt auf eine Abkehr von der Ideologie des Agrobusiness ab und richtet sich vor allem an Gemeinden und Familien. Außerdem soll sie eine vereinte Plattform für UmweltschützerInnen, Bauern und Bäuerinnen, ArbeiterInnen, StudentInnen, KonsumentInnen und alle Personen bilden, die sich für eine gesunde und umweltschonende Nahrungsmittelproduktion einsetzen.</p><p>Mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln müssen wir klarmachen, dass unsere Länder das Potential haben, auf Basis der ökologischen Landwirtschaft diversifizierte und gesunde Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren, und dass es höchste Zeit ist, dieses Modell durchzusetzen. Gleichzeitig müssen die HerstellerInnen und HändlerInnen von Agrargiften zur Rechenschaft gezogen werden. Die Gesellschaft muss verstehen, dass das derzeitige Landwirtschaftsmodell, das giftige Nahrungsmittel produziert, die Umwelt zerstört und nur einigen Wenigen Reichtum beschert, ausgedient hat.</p><p><strong>3. Dezember: Weltweiter Tag gegen den Pestizideinsatz</strong><br /> Dafür wurde eine Organisation für jede Region damit beauftragt – im Fall von Mexiko ist das der Nationale Verband der autonomen, regionalen Bauernorganisationen, UNORCA – in verschiedenen Regionen Ausschüsse und Unterausschüsse zu bilden, an denen alle Organisationen der CLOC beteiligt sind. Darüber hinaus sollen die einzelnen Organisationen Koordinationsteams zusammenstellen, die von der Kommunikationsstelle des Operativen Sekretariats in Quito, Ecuador, bei ihrer Arbeit unterstützt werden.<br /> Die Kampagne soll am 3. Dezember, anlässlich des „Weltweiten Tages gegen den Pestizideinsatz“ starten. Im Vorfeld wird sie bereits im November auf dem Internationalen Kongress für Agroökologie in Havanna eingeleitet.<br /> Es ist an der Zeit, den verheerenden Teufelskreis landwirtschaftlicher Produktion zu durchbrechen, in dem ein und dasselbe Unternehmen – vielleicht in Begleitung eines Tochterunternehmens – die Samen produziert, die Gifte vertreibt und am Ende sogar die falsche Medizin dafür verkauft. Und gemeinsam sorgen sie dafür, dass das Gift auf unseren Tellern landet.</p><p>* Alfredo Acedo ist Direktor im Bereich der sozialen Kommunikation und Berater des Landesverbands der autonomen, regionalen Bauernorganisationen UNORCA (Unión Nacional de Organizaciones Regionales Campesinas Autónomas), Mexiko</p><p>Dieser Beitrag erschien bei <a href="http://www.npla.de/de/poonal/3594-toedliche-pestizide">Poonal</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/14/mexiko-lateinamerika-todliche-pestizide/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kubas grünes Projekt</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/#comments</comments> <pubDate>Tue, 04 May 2010 06:10:43 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=366</guid> <description><![CDATA[Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 05.05.2010 Peter Clausing Reformierte Landwirtschaft: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischer Anbau und urbane Gemüseproduktion Am 16. März 2010 verstörte eine Meldung mit der Überschrift &#8220;Kuba schließt 100 Agrarunternehmen&#8221; [1] die Leser. Während sich jW auf diese Meldung beschränkte, beeilten sich andere Medien hinzuzufügen, dass Kuba 60 bis 70 [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 05.05.2010<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p>Reformierte Landwirtschaft: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischer Anbau und urbane Gemüseproduktion</p><p>Am 16. März 2010 verstörte eine Meldung mit der Überschrift &#8220;Kuba schließt 100 Agrarunternehmen&#8221; [1] die Leser. Während sich jW auf diese Meldung beschränkte, beeilten sich andere Medien hinzuzufügen, dass Kuba 60 bis 70 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren müsse. Präsident Raúl Castro suche nach &#8220;Rezepten&#8221;, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Derartige Meldungen entkoppeln die Fakten vom Kontext, zeichnen ein einseitiges Bild und ignorieren die Tatsache, dass die gesuchten &#8220;Rezepte&#8221; längst praktiziert werden. Die Mitteilung, dass 100 Betriebe geschlossen werden sollen und 40.000 Beschäftigte einen neuen Job finden müssen, kam vom kubanischen Landwirtschaftsminister Ulises Rosales del Toro, der Mitte März in Villa Clara an der Plenarsitzung des 10. Provinz-Kongresses des Nationalen Kleinbauernverbandes teilnahm.</p><p>Während von progressiven Agrarwissenschaftlern die kubanische Landwirtschaft als erfolgreiches Experiment gepriesen wird, veröffentlichte Dennis Avery im April 2009 einen Artikel mit dem Titel &#8220;Cubans Starve on a Diet of Lies&#8221; [2] (Die Kubaner verhungern an einer Nahrung aus Lügen), der von politischen Gegnern des Landes begierig aufgegriffen und im Internet verbreitet wurde. Avery ist Direktor des Center for Global Food Issues am Hudson Institute in Washington, einer konservative Denkfabrik, die unter anderem von Firmen wie Monsanto, Syngenta und Cargill finanziert wird. In seiner Veröffentlichung behauptet Avery, dass die kubanische Lebensmittelversorgung nach wie vor zu über 80 Prozent von Importen abhängen würde und dass die Erfolgsgeschichte des biologischen Anbaus in Kuba eine &#8220;große kommunistische Lüge&#8221; sei.</p><p><strong>Deutliche Steigerungsraten</strong></p><p>Die Statistik der Welternährungsorganisation (FAO), die aktuell bis zum Jahr 2005 reicht, spricht eine andere Sprache. Bei den wichtigsten Grundnahrungsmitteln lag die Eigenproduktion in den Jahren 2002 bis 2005 um das Zwei- bis Dreifache höher als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 1994 &#8211; der Sonderperiode nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftsraums. Diese Steigerungsraten betreffen sowohl die wichtigsten Getreidearten (Reis, Mais) als auch stärkehaltige Wurzelfrüchte (Kartoffel, Süßkartoffel, Maniok). Daten zu einzelnen Fruchtarten für 2006 und 2007 lassen ein weiteres Wachstum der Selbstversorgung erkennen und die Erntevorhersagen der FAO für 2009 sprachen von einer Rekordernte für Reis sowie überdurchschnittlichen Erträgen bei Mais.</p><p>Eine Gruppe von Autoren, die sich unter Federführung des kubanischen Agrarökologen Fernando Funes die Mühe gemacht haben, die von Avery in die Welt gesetzten Fehlinformationen zu zerpflücken, verweisen darauf, dass von 1996 bis 2005 die Pro-Kopf-Produktion bei Nahrungsmitteln insgesamt um jährlich 4,2 Prozent gesteigert wurde. Die tägliche Kalorienversorgung war in den kritischsten Jahren der Sonderperiode auf 2.300 bis 2.400 Kilokalorien (kcal) pro Person abgesunken, und die Kubaner hatten im statistischen Mittel neun Kilogramm an Körpergewicht verloren. Seit 2002 werden die Werte der 80er Jahre übertroffen und liegen seither auf über 3.200 kcal pro Person und Tag. Die Kalorien aus tierischen Produkten blieben dabei im Bereich von 300 bis 400 kcal &#8211; in den 80er Jahre lagen sie bei über 600 kcal. Statt dessen kommt der Gesundheit der Bevölkerung zugute, dass heute der Durchschnittskubaner täglich 800 Gramm Obst und Gemüse verzehrt (verglichen mit sieben Gramm pro Person und Tag im Jahr 1993).</p><p>Nachdem durch das Verschwinden des sozialistischen Lagers faktisch über Nacht sowohl die Exporteinnahmen als auch die Versorgung des Landes mit Erdöl, chemischen Düngemitteln und Pestiziden weggebrochen waren, durchlief Kuba &#8211; zunächst unfreiwillig &#8211; eine &#8220;grüne Revolution&#8221;, die diesen Namen tatsächlich verdient. Im Gegensatz zur allgemein bekannten &#8220;Grünen Revolution&#8221;, die eigentlich eine agrochemische und Exportrevolution darstellte, setzt die kubanische Umwälzung auf Biolandbau und lokale Produktion. Der Erfolg dieser Entwicklung, die &#8211; wie bei Revolutionen üblich &#8211; nicht ohne Widersprüche verläuft, ist der Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, dem hohen Bildungsniveau in Kuba (verbunden mit flächendeckenden Kampagnen) und einem Programm zur urbanen Landwirtschaft zu verdanken.</p><p>Die Hälfte der heute rund 200.000 bäuerlichen Familienbetriebe betreibt biologischen Anbau. Insgesamt werden von diesen Betrieben auf nur 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche mehr als 65 Prozent der nationalen Produktion erzeugt. Mit dem im Juli 2008 verabschiedeten &#8220;Gesetz 259&#8243; ermöglichte die Regierung Familien, die in die Landwirtschaft wechseln wollen, die Bewirtschaftung von bis zu 13,42 Hektar Land. Inzwischen wurden rund 100.000 Landnutzungsanträge eingereicht. Das Ziel ist die agroökologische Bewirtschaftung von 1,5 Millionen Hektar, womit die Insel nach Schätzungen von Agrarwissenschaftlern den Status der vollen Ernährungssouveränität erreichen könnte. Außerdem verfügt Kuba über ausreichend Landreserven, die urbar gemacht werden können. Laut FAO wurde von 2008 zu 2009 die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 30 Prozent erhöht, und die Regierung beabsichtigt, die Reis- und Bohnenimporte innerhalb der nächsten fünf Jahre zu halbieren.</p><p><strong>Urbane Landwirtschaft</strong></p><p>Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen sind die 50.000 Hektar urbaner Landwirtschaft, auf denen jährlich über 1,5 Millionen Tonnen Obst und Gemüse erzeugt werden. Etwa 380.000 Kubaner beteiligen sich an diesem Projekt. Die Spitzenerträge liegen bei 20 Kilogramm essbarer Produkte pro Quadratmeter, und Städte wie Havanna und Santa Clara versorgen sich bei Gemüse zu über 70 Prozent aus eigener Produktion. Das geschieht nahezu ohne Verbrauch an fossilen Energieträgern, die in anderen Ländern für Transport, Landmaschinen, Düngemittel und Pestizide verpulvert werden. Im Zuge der Überwindung der kritischen Phase der &#8220;Sonderperiode&#8221; in den 90er Jahren wurde Kuba zum Musterland nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion. Innerhalb eines Jahrzehnts erfolgte die Konversion eines hochspezialisierten, exportorientierten Landwirtschaftsmodells, das massiv von importierten chemischen Inputs abhing, in ein Modell, das in großem Maßstab auf agroökologischen Prinzipien basiert.</p><p>Hier wird biologischer Anbau nicht zertifiziert. Es geht nicht darum, über Ökolabels Vorteile auf dem Weltmarkt zu erhaschen, sondern um die Sicherung der Ernährung eines ganzen Landes mit einer diversifizierten Produktion, die selbst unter den ungünstigen klimatischen Bedingungen von Hurrikans eine bemerkenswerte Elastizität aufweist. Ohne dass bislang weitere Details bekannt sind, könnte die oben erwähnte Ankündigung, 100 ineffiziente Agrarunternehmen schließen zu wollen, auf eine weitere Stärkung des Biolandbaus hindeuten.</p><p><strong>Streit um Gentechnik</strong></p><p>Die Erfolgskurve der ökologischen Landwirtschaft in Kuba kam weder von selbst noch verläuft die landwirtschaftliche Entwicklung ohne Widersprüche. Der Agrarökologe Fernando Funes verwies unlängst darauf, dass es in Kuba nach wie vor kein in sich geschlossenes Programm zur Förderung des biologischen Anbaus gibt, machte aber zugleich deutlich, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen zwanzig Jahre für die Ausbreitung biologischer Anbaumethoden sehr förderlich waren.</p><p>Zu den Widersprüchen zählt ferner die Tatsache, dass sich ein Teil der landwirtschaftlichen Produzenten die konventionellen Anbaumethoden zurückwünschen. Auch die Entwicklung gentechnisch veränderter Sorten zählt zu den Widersprüchen. Im Februar 2009 trat das Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIBG) in Havanna mit der Meldung [4] an die Öffentlichkeit, dass erstmalig in Kuba drei Hektar mit Genmais bepflanzt worden seien &#8211; von besserer Resistenz gegen den Erreger Palomilla del maíz und erhöhter Toleranz gegen Pestizide war die Rede. Die Debatte zu diesem Thema ist inzwischen entbrannt: Die Vorstellung des kritischen Buches &#8220;Genmanipulationen. Was gewinnen wir? Was verlieren wir?&#8221; [4] von F. R. Funes-Monzotes erwies sich als Publikumsmagnet auf der diesjährigen Buchmesse in Havanna.</p><p>[1] <a href="http://www.jungewelt.de/2010/03-16/053.php">http://www.jungewelt.de/2010/03-16/053.php</a><br /> [2]<a href="http://cgfi.org/2009/04/cubans-starve-on-diet-of-lies-by-dennis-t-avery/">http://cgfi.org/2009/04/cubans-starve-on-diet-of-lies-by-dennis-t-avery/</a><br /> [3] <a href="http://www.soel.de/service/nachrichtenarchiv/2009/maerz.html#6">http://www.soel.de/service/nachrichtenarchiv/2009/maerz.html#6</a><br /> [4] <a href="http://www.buchmesse.de/de/blog/kuba/2010/02/22/in-kuba">http://www.buchmesse.de/de/blog/kuba/2010/02/22/in-kuba</a></p><p>Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/05-05/036.php">http://www.jungewelt.de/2010/05-05/036.php</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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