<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Biodiversität</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/tag/biodiversitat/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Naturschutz im Spannungsfeld</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/15/naturschutz-im-spannungsfeld/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/15/naturschutz-im-spannungsfeld/#comments</comments> <pubDate>Tue, 15 Nov 2011 09:34:36 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Agrotreibstoff]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=667</guid> <description><![CDATA[Naturschutz im Spannungsfeld]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Kommentierte <a href="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2011/11/Naturschutz-im-Spannungsfeld.pdf">Präsentation</a> zu einem am 10. November 2011 im Rahmen des <a href="http://www.informationsbuero-nicaragua.org/neu/index.php?option=com_content&#038;view=category&#038;layout=blog&#038;id=95&#038;Itemid=169&#038;lang=de">Wuppertaler Nord-Süd-Kolloquiums</a> gehaltenen Vortrag.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/11/15/naturschutz-im-spannungsfeld/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Fragwürdige Nachhaltigkeit: Naturschutzgebiete im Süden</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/02/05/fragwurdig-nachhaltigkeit-naturschutzgebiete-im-suden/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/02/05/fragwurdig-nachhaltigkeit-naturschutzgebiete-im-suden/#comments</comments> <pubDate>Sat, 05 Feb 2011 07:26:25 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=529</guid> <description><![CDATA[Präsentation zu einem Vortrag, der am 01.02.2011 im Rahmen der Vortragsreihe &#8220;Einstieg in Nachhaltige Entwicklung&#8221; an der Humboldt-Universität Berlin gehalten wurde.]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><a href='http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2011/02/Fragwuerdige-Nachhaltigkeit-Naturschutzgebiete-im-Sueden.pdf'>Präsentation</a> zu einem Vortrag, der am 01.02.2011 im Rahmen der Vortragsreihe &#8220;<a href="http://www.nachhaltigkeitsinitiative.de/">Einstieg in Nachhaltige Entwicklung</a>&#8221; an der Humboldt-Universität Berlin gehalten wurde.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/02/05/fragwurdig-nachhaltigkeit-naturschutzgebiete-im-suden/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Naturschutz im Kolonialstil</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/06/09/naturschutz-im-kolonialstil/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/06/09/naturschutz-im-kolonialstil/#comments</comments> <pubDate>Wed, 09 Jun 2010 00:01:29 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Afrika]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category> <category><![CDATA[Kolonialismus]]></category> <category><![CDATA[Naturschutz]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=418</guid> <description><![CDATA[Erschienen in “junge Welt” vom 09.06.2010 Peter Clausing Naturschutz hat – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sein positives Image bis zum heutigen Tag bewahrt. Naturschutz scheint von rassistischen und kolonialistischen Ideologien weit entfernt zu sein. Das liegt vermutlich daran, daß beispielsweise der bayerische Nationalpark oder das Biosphärenreservat Schorfheide nicht unbedingt kolonial-rassistische Assoziationen erzeugen. Ferner kann [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in “junge Welt” vom 09.06.2010<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p>Naturschutz hat – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sein positives Image bis zum heutigen Tag bewahrt. Naturschutz scheint von rassistischen und kolonialistischen Ideologien weit entfernt zu sein. Das liegt vermutlich daran, daß beispielsweise der bayerische Nationalpark oder das Biosphärenreservat Schorfheide nicht unbedingt kolonial-rassistische Assoziationen erzeugen. Ferner kann es einem so vorkommen, als ob Naturschutzgebiete nicht mit Rassismus und Kolonialismus in Verbindung gebracht werden können, weil sie scheinbar nicht mit Menschen zu tun haben. Ein Blick in die Geschichte zeigt, daß beide Annahmen nicht zutreffen.</p><p>Naturschützer wie Hans-Dieter Knapp, Leiter der Naturschutzakademie Vilm, behaupten unter Bezugnahme auf den Yellowstone-Nationalpark unreflektiert, daß Nationalparks heute die international erfolgreichste Schutzgebietskategorie seien. Dabei ignorieren sie das zutiefst koloniale Erbe des Modells »Nationalpark«, das in den USA »erfunden« wurde. Einer der ersten, der Yellowstone-Nationalpark, erwies sich in mehrfacher Hinsicht als Prototyp: Seine Schaffung war mit der gewaltsamen Vertreibung der dort lebenden Bevölkerung verbunden, er entsprach von Anbeginn dem Schema »Natur als Erlebnis« (heute kritisch als Disneyfizierung von Natur bezeichnet), und er wurde – ähnlich anderen Schutzgebieten – Ende des 20. Jahrhunderts zum Betätigungsfeld für Biopiraten.1</p><p>Zum Zeitpunkt seiner Gründung (1872) wurde der Yellowstone von Shoshonen bewohnt und von einer Reihe anderer Ethnien genutzt – Crow, Bannock, Blackfeet und Nez Perce. Die Nutzung des Yellowstone-Gebiets durch die amerikanischen Ureinwohner spielte eine wichtige Rolle bei der Formung seiner vermeintlich »natürlichen« Landschaft, die dann als so schützenswert empfunden wurde. Im Jahr 1879 erfolgte die endgültige Vertreibung der Shoshonen aus dem Park. Auch die anderen amerikanischen Ureinwohner wurden von der US Army verjagt, damit der Yellowstone-Nationalpark seiner Bestimmung gerecht werden konnte, die laut Gründungsdekret von 1872 darin besteht, » (…) öffentlicher Park oder Erholungsfläche zum Nutzen und zur Erbauung des Volkes« zu sein. Zum »Volk« gehörten die amerikanischen Ureinwohner im Yellowstone-Nationalpark ebensowenig wie auf weiteren »Erholungsflächen«, z.B. dem 1864 gegründeten Yosemite-Nationalpark in Kalifornien, der nach einem erbitterten Krieg gegen die Miwok-Indianer entstand. Die Liste ließe sich fortsetzen, denn für nahezu alle wichtigen Nationalparks der USA machen heute die Native Americans, wenngleich bislang wenig erfolgreich, alte Rechte geltend.</p><p><strong>Mit Bibel und Flinte</strong></p><p>Diese Art der Entstehung von Naturschutzgebieten war jedoch nicht auf Nordamerika beschränkt. »Wie schon das Begriffspaar von ›Nation‹ und ›Park‹ verrät, ist die Institution des Nationalparks einer europäischen Vorstellungswelt entsprungen«, schreibt der Züricher Umwelthistoriker Patrick Kupper.2 Als Ende des 19. Jahrhunderts der Naturschutz in »Deutsch-Ostafrika« eingeführt wurde, ging es ebenfalls darum, künftigen Generationen, in diesem Fall der Deutschen, die Möglichkeit zur »Erholung« zu bieten. Was dabei mit Erholung gemeint war und welches Segment der »künftigen deutschen Generationen« in den Genuß dieser Erholung kommen sollte, eröffnet uns ein Blick auf die Website der deutschen Delegation des International Council for Game and Wildlife Conservation (CIC), eines 1930 gegründeten Clubs von Großwildjägern, der sich in der Tradition eines Hermann von Wissmann sieht. Dieser dekretierte im Jahr 1896 als Gouverneur von »Deutsch-Ostafrika« die erste Wildtierverordnung mit der Bemerkung: »Ich fühle mich verpflichtet, diese Verordnung für unsere künftigen Generationen zu verabschieden, um die Wildtiere zu schützen und zu verhindern, daß diese Tierarten aussterben.«</p><p>Seinen Posten als Gouverneur verdiente sich der später geadelte Major Wissmann mit der blutigen Niederschlagung des »Araberaufstandes« in den Jahren 1889/1890. Diese militärische Strafaktion erfolgte auf der Grundlage des »Gesetzes, betreffend den Schutz der deutschen Interessen und die Bekämpfung des Sklavenhandels in Ostafrika«. Der Name dieses Gesetzes schuf den Mythos, Wissmann habe gegen die Sklaverei gekämpft. Abgesehen davon, daß die Wissmannsche Sklavenbefreiung keine war, denn um 1900 gab es in der Kolonie »Deutsch-Ostafrika« noch immer 400000 Sklaven (zirka zehn Prozent der Bevölkerung), war der eigentliche Grund für die Niederschlagung des »Araberaufstandes« die Durchsetzung der Interessen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, deren Handelshäuser mit denen der arabischen Oberschicht in Konkurrenz standen.</p><p>Doch der Mythos von der Sklavenbefreiung lebt offenbar fort. Im Rahmen der Bemühungen, eine Umbenennung der Wissmannstraße in Berlin-Neukölln zu erwirken, fand dort im Jahr 2006 eine Podiumsdiskussion statt, die der selbsternannte Historiker und pensionierte Pfarrer Christoph Sehmsdorf für ein subtiles prokoloniales Plädoyer zu nutzen versuchte. Man müsse Wissmanns Taten historisch kontextualisieren, und es sei »hochproblematisch«. Dabei stellt die angebliche Nichtanwendbarkeit »unseres ethischen Systems« auf unsere Großeltern einen weiteren Mythos dar, denn einem Teil der deutschen Bevölkerung waren die kolonialen Verbrechen bereits Ende des 19. Jahrhunderts bewußt. Dies läßt sich unter anderem mit dem im »Demokratischen Liederbuch« von 1898 enthaltenen, kritischen Liedtext »Mit Bibel und Flinte« belegen, vor allem aber mit den antikolonialen Schriften Rosa Luxemburgs.</p><p>Weiter heißt es im Protokoll der Podiumsdiskussion: Die »Niederschlagung des Aufstandes der arabischen Clans setzte neue Maßstäbe der Kriegführung. (…) Zum ersten Mal wurde in einem deutschen Kolonialkrieg die Taktik der ›verbrannten Erde‹ konsequent angewandt (…).«3 Wissmann, der diese Taktik einführte, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als »Deutschlands größter Afrikaner« gefeiert und in der Nazizeit ideologisch vermarktet. Unbeschadet dieser historischen Last tragen in mindestens 21 westdeutschen Städten Straßen und Plätze den Namen Wissmann – die Wissmann-Straßen in Erfurt, Leipzig und Frankfurt/Oder wurden zu DDR-Zeiten umbenannt. Weiterhin gibt es mehrere Denkmäler, deren prominentestes vor der Hamburger Universität stand und während der 68er Studentenbewegung gestürzt wurde. Dieses Denkmal war die zentrale Anlaufstelle für die Kolonialnostalgie der Traditionsverbände von der Weimarer Republik bis zum Ende der Nazizeit. Diese zentrale Anlaufstelle bildet heute das Wissmann-Denkmal in Bad Lauterbach (Harz), wo sich alljährlich der Traditionsverband ehemaliger Schutz- und Überseetruppen trifft. Die kürzlich erfolgte Anbringung einer Gedenktafel im Selous Wildreservat (Tansania) durch die deutsche Delegation des CIC wirft ein Licht auf die Geisteshaltung dieser Organisation. In der Mitteilung auf der CIC-Webseite heißt es: »Das Reservat ist eine deutsche Gründung. Sie wurde im Jahre 1896 durch Gouverneur Hermann von Wissmann veranlaßt und ist damit das älteste Naturschutzgebiet in Afrika. (…) Hermann von Wissmann war ein passionierter Jäger. Er hatte frühzeitig erkannt, daß unkontrollierte Ausbeutung der natürlichen Ressource Wild ihre Ausrottung zur Folge hat.«4 Die von Wissmann betriebene Ausrottung von Menschen, scheint die deutsche Delegation des CIC nicht weiter zu kümmern.</p><p>Heute ist das Selous-Wildreservat mit 50000 Quadratkilometern das größte Naturschutzgebiet der Welt. Ohne »nachhaltigen Jagdtourismus könnte dieses ›Weltkulturerbe‹ der Vereinten Nationen nicht existieren. Die Jagd erbringt 90 Prozent aller Einnahmen und erst dies ermöglicht den Schutz«, verkündet die CIC-Website. In Tansania sind 40 Prozent der Landesfläche unter Naturschutz gestellt. Mit fünf Prozent der Landesfläche hat das Selous-Wildreservat daran einen signifikanten Anteil. Vertreibung bzw. Zwangsumsiedlungen von Teilen der Bevölkerung zugunsten eines »weißen« Konzepts von Naturschutz, die sich auch nach Ende der Kolonialzeit fortsetzen und sogar noch verstärkten, waren und sind integraler Bestandteil der globalen Naturschutzpolitik. Kupper kommt zu der Schlußfolgerung, daß Wissmanns Hang zum Naturschutz »durch jene eurozentrisch und sozialdarwinistisch imprägnierte Weltsicht (getragen wurde), die von einem universell gültigen, räumlich aber in unterschiedlichem Tempo fortschreitenden Zivilisationsprozeß ausging. (…) Außerhalb Europas galt es daher zu schützen, was in Europa bereits verlorengegangen war. Dies erklärt sowohl die hohe Aufmerksamkeit, die der Megafauna auch von jagdfernen Kreisen zuteil wurde, als auch die Bemühungen gewisser Naturschützer, ›primitive Völker‹ im ›Naturzustand‹ zu konservieren.«5</p><p><strong>Auf Kosten von Natur und Mensch</strong></p><p>Seine Liebe zum »Naturschutz« teilte Wissmann mit einem anderen Kolonialverbrecher, dem britisch-amerikanischen »Afrikaforscher« Henry Morton Stanley, der im Auftrag von Leopold II. das Kongo-Gebiet für die belgische Krone eroberte. Auf Anregung der beiden und unter ihrer Teilnahme fand im Mai 1900 in London eine Konferenz statt, mit der eine Regelung zum Wildschutz für ganz Afrika herbeigeführt werden sollte. Das Protokoll dieser Konferenz wurde am 9. Mai 1900 unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. Den Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden Wildschutzbemühungen war das exzessive Abschlachten von Elefanten, Nashörnern und Flußpferden vorangegangen, das durch Wissmann mit verursacht wurde.</p><p>Der schottische Geologe Joseph Thomson beschrieb aus eigener Anschauung die Bedrohung des Elefantenbestandes in den 1880er Jahren folgendermaßen: »Das Abschlachten der Elefanten durch weiße Jäger, besonders im südlichen Afrika, war erschütternd. Ein gut ausgerüsteter Jäger konnte während einer einzigen Safari mehr als 200 Elefanten schießen, und mehrere tausend, wenn er es beruflich betrieb. Manche Jäger töteten so viele Elefanten, daß ihre Fahrzeuge das Elfenbein nicht tragen konnten, so daß es im Gebüsch zurückgelassen wurde.«</p><p>In einem kritischen Rückblick bezeugt 1972 Henry Fosbroke, der pensionierte Chef des Ngorongoro-Nationalparks: »Ein Grund für das Verschwinden (der Nashörner – P.C.) ist der Abschuß, aus Vergnügen oder aus Profitgründen. Sir John Willoughby und seine drei Brüder, alle Offiziere der britischen Armee in Indien, schossen innerhalb von vier Monaten 66 Stück in der Taveta Region am Kilimandscharo. Graf Teleki und seine Gruppe erlegten 99 im Laufe ihrer Safari. Von einer weiteren Jagdgruppe wurde berichtet, daß sie im Jahr 1893 in der Umgebung von Machakos in weniger als drei Monaten 80 getötet hätten. Weitere Fälle auf der deutschen Seite der Grenze (zwischen den deutschen und englischen Kolonialgebieten) waren Dr. Kolb, der 150 tötete, bevor er selbst von einem getötet wurde, Herr von Bastineller (140), Herr von Eltz (60) usw.«</p><p>Im tansanischen Tarangire-Nationalpark lebten dereinst Tausende schwarzer Nashörner. Heute gibt es dort keine mehr. Gleichermaßen gab es dort eine große Zahl von Elefanten, die von europäischen Jägern nahezu ausgerottet wurden. Den Hazda, einer in dieser Region lebenden Ethnie, aber wurde verboten, das zu jagen, was traditionell ihnen gehörte, und sie wurden pauschal als »Wilderer« gebrandmarkt. In der heutigen Zeit erfolgt ein »nachhaltiger« Abschuß (Safari auf Quotenbasis) in Gegenden, wo sich die Bestände von den Massakern der früheren Jahrzehnte erholt haben. Nicht wenige afrikanische Regierungen profitieren finanziell und rhetorisch vom Wildtierschutz. Es wird argumentiert, daß seine Durchsetzung politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Zwecken diene. Doch Teile der Einkünfte, die aus dem Tourismusgeschäft entstehen, fließen in die Kassen millionenschwerer Unternehmen bzw. in die Taschen von Regierungsmitarbeitern und kommen der Bevölkerung nicht zugute. Zugleich steht die lokale Bevölkerung nach wie vor unter dem Generalverdacht der Wilderei.</p><p>Ein von H. Jürgen Wächter veröffentlichtes Buch mit dem vielversprechenden Titel »Naturschutz in den deutschen Kolonien in Afrika (1884–1918)«, das zwar 2008 in einer Reihe mit dem Titel »Europas Übersee – Historische Studien« erschienen ist, aber mehr einer mit Jagdstatistiken garnierten Sammlung kolonialer Verwaltungsvorschriften gleicht, bringt immerhin ein entlarvendes Zitat von Carl Georg Schillings. Dieser als Pionier des Naturschutzes und der Nachtfotografie (von Tieren) geltende »passionierte Jäger«, der Ostafrika zwischen 1896 und 1903 viermal bereiste, schrieb in seinem Bestseller »Mit Blitzlicht und Büchse im Zauber des Eleléscho«: »Die den Eingeborenen auferlegte Hüttensteuer trieb sie dazu, der Tierwelt weit über den eigenen Bedarf nachzustellen, um durch Verkauf an Händler den Betrag der Steuer entrichten zu können.« Diese Hüttensteuer aber war in der Kolonie Deutsch-Ostafrika vom »Naturschützer« und Kolonialverbrecher Wissmann vorbereitet worden. Mit anderen Worten, der gleiche, der einen Prozeß in Gang zu setzen half, mit der der lokalen Bevölkerung im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, führte Abgaben ein, die die Bevölkerung zwangen, mehr Wild zu schießen, um ihre Steuerschuld gegenüber den Kolonialherren zu begleichen. Wissmann hatte Afrika kurz vor der Jahrhundertwende aus gesundheitlichen Gründen für immer den Rücken gekehrt, doch die Hüttensteuer war 1905 mit ein Grund für den Ausbruch des Maji-Maji-Aufstandes, bei dem nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 75000 und 300000 Afrikaner (und 16 Deutsche) ihr Leben verloren.</p><p>Patrick Kupper schrieb dazu: »Außerhalb Europas oktroyierten die Kolonialherren Umsiedlungen und Nutzungseinschränkungen, wobei das Schicksal der Lokalbevölkerung davon abhängen konnte, ob sie von den Parkplanern zur Zivilisation oder zur Natur gezählt wurden – mit entsprechenden Erwartungen an das Verhalten der zu ›Naturvölkern‹ erklärten Gesellschaften.«6 Wächter hingegen konzentrierte seine Betrachtungen auf die Auswirkungen der Jagd auf den Wildbestand und resümierte im Abschnitt »Jagd für die Eigenversorgung« bezüglich der »Afrikaner«, daß »durch die Einführung von Feuerwaffen das bis dahin vermutete Gleichgewicht zwischen Jägern und Wildtieren empfindlich gestört wurde«, während er den Europäern neutral bescheinigte, daß sie sich der Jagd für die eigene Versorgung bedienten.7</p><p><strong>Bewohner raus, Touristen rein</strong></p><p>Die von Kupper beschriebene »sozialdarwinistisch imprägnierte Weltsicht« hatte ihren Fortbestand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So durften auch in dem von den britischen Kolonialherren eingerichteten Serengeti-Nationalpark ab 1955 nur noch jene Menschen bleiben, die bereit waren, »primitiv« zu leben. Wörtlich wurde von der damaligen Leitung formuliert, daß der Park »als natürlicher Lebensraum für Wild und Menschen in ihrem primitiven Zustand reserviert« sei. Für die Naturschützer waren die im Park lebenden Massai koloniales Eigentum und so als »Teil der Fauna« schützenswert.</p><p>Nach Erlangung der Unabhängigkeit wurden die Regierungseliten der afrikanischen Länder bald zum wichtigen Ziel für die westliche Naturschutzlobby. Im Ergebnis dieser Aktivitäten dürften allein in Afrika bis zum Ende des 20. Jahrhunderts 14 Millionen Menschen im Namen des Naturschutzes vertrieben worden sein. Das Schicksal der in Tansania lebenden Massai ist ein eklatantes Beispiel. Im Jahr 1959 wurde der ursprünglich zum Serengeti-Nationalpark gehörende Ngorongoro-Krater aus diesem ausgegliedert und den Massai als Reservat zugewiesen. Die gesamte in der Serengeti beheimatete Bevölkerung wurde kurzerhand in das erheblich kleinere Gebiet des Ngorongoro-Kraters umgesiedelt. Doch die Disneyfizierung der afrikanischen Savannen nahm ihren Lauf – der Ngorongoro-Krater wurde in den 1970ern zum »Weltnaturerbe« erklärt, und die 15 Jahre zuvor dorthin verfrachteten Massai waren nicht mehr erwünscht. Zwischen 10000 und 50000 Menschen wurden gewaltsam vertrieben. Vor wenigen Wochen erschien die Meldung, daß der Ngorongoro-Krater in Tansania Gefahr läuft, den Titel »Weltnaturerbe« aberkannt zu bekommen, falls menschliche Aktivitäten das ökologische Gleichgewicht weiterhin gefährden sollten. Im Laufe der letzten Jahrzehnte sickerten die Massai »illegal« in das umstrittene Gebiet zurück. Inzwischen leben im Krater und den angrenzenden Gebieten 65000 Menschen. Zur Debatte steht nun ihre erneute Zwangsumsiedlung. Shamsa Mwangunga, Tansanias Tourismusministerin, sorgt sich, daß »kein Tourist mehr hierherkommt«, wenn die UNESCO das Naturschutzgebiet erst einmal von der Weltnaturerbe-Liste streicht. Die ökologischen Auswirkungen der jährlich über 400000 Touristen, die in täglich bis zu 400 Geländewagen durch den Krater gekarrt werden, sind nicht Gegenstand der Sorge. Die Auslandsverschuldung des Landes, die bei sieben Milliarden US-Dollar liegt (Stand 2009), dürfte eine wichtige Rolle bei den Bemühungen spielen, die Deviseneinnahmen aus dem Tourismus (insgesamt etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes), nicht aufs Spiel zu setzen.</p><p><strong>Marktvermittelter Umweltschutz</strong></p><p>All diese Fakten belegen, daß die verbreitete Annahme, mit der Einrichtung von Naturschutzgebieten würde »unberührte«, menschenleere Natur vor dem Eindringen des Menschen geschützt, ein Trugschluß ist. In aller Regel lebten dort Menschen, die klar definierbaren westlichen Interessen weichen mußten. Während der Kolonialzeit, waren es Wildschutzgebiete, die eingerichtet wurden, um den Massenabschlachtungen von Nashörnern, Elefanten und anderen »Trophäenträgern« Refugien entgegenzusetzen. In heutiger Zeit werden Menschen aus den designierten Biosphärenreservaten und Nationalparks gewaltsam entfernt, weil es die Zwänge des »freien« Marktes erfordern: Schutzgebiete im Süden werden als Ausgleichsflächen für die globale profit- und wachstumsbedingte Naturzerstörung benötigt. Zugleich unterliegt der moderne Naturschutz vielfach dem grundsätzlichen Dogma des Neoliberalismus – der Markt soll es regeln.</p><p>Selbst das dafür getroffene völkerrechtliche Abkommen – die Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) folgt dieser Lesart. Nach Ansicht der Anthropologin Cori Hayden von der Universität Berkeley, Kalifornien, »fördert und billigt (die CBD) explizit eine marktvermittelte Vision von Biodiversitätsschutz. Die Konvention baut buchstäblich auf die Life-Science-Industrie und den immer breiteren Umfang an Patenten auf Lebensformen als Zugpferde, um der Biodiversität ›Wert‹ zu verleihen. Naturschutz wird somit unersetzlich für eine Vision von nachhaltiger Entwicklung, bei der biologische Vielfalt als eine produktive Ressource betrachtet wird, die ›sich selbst bezahlt‹. (…) Die CBD liefert den Ländern des Südens Anreize dafür, ihre Wälder lieber zu schützen als sie abzuholzen. Aus dieser Perspektive ist (dieses) Abkommen kein Mechanismus zur Förderung sozialer Gerechtigkeit, sondern es wurde in erster Linie als Anreizstruktur geschaffen.« Im Ergebnis dessen befindet sich die lokale Bevölkerung in vielen Ländern des Südens nunmehr in der Zange zwischen Naturschutzgebieten, Baum- und Energiepflanzenplantagen sowie großflächig aufgekauften Ländereien, die von Investoren mit industriemäßigen Methoden bewirtschaftet werden. Mit anderen Worten, für Wanderfeldbauer, Hirten und Waldbewohner ist kein Platz mehr in der schönen neuen Welt.</p><p><strong>Anmerkungen</strong></p><p>1 Für den »zu Nutz und Frommen des Volkes« geschaffenen Yellowstone Nationalpark schlossen die US-Biotechfirma Diversa und der US National Parks Service im August 1997 in aller Stille ein Abkommen, in dem der Firma die geistigen Eigentumsrechte an den hitzestabilen Mikroorganismen der Geysire übertragen wurden. Nachdem dieser Fall von Biopiraterie öffentlich bekannt geworden war, wurde der Bioprospektionsvertrag im März 1999 durch ein US-Gericht annulliert.</p><p>2 Patrick Kupper: Nationalparks in der europäischen Geschichte, 2008: www.europa.clio-online.de/site/lang__en/ItemID__330/mid__11428/40208214/default.aspx</p><p>3 Die Wissmannstraße. Erinnerung auf der Probe. Protokoll eines Podiumsgesprächs am 6.12.2006</p><p>4 www.cic-wildlife.de/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=58: gedenk</p><p>5 Kupper, a.a.O.</p><p>6 Ebd.</p><p>7 H. Jürgen Wächter, Naturschutz in den deutschen Kolonien in Afrika (1884–1918), Berlin 2008, S. 23f.</p><p><em>Peter Clausing ist Beiratsmitglied der Informationsstelle Militarisierung e.V. und veröffentlichte 2008 im Münsteraner Unrast Verlag unter dem Pseudonym Klaus Pedersen das Buch »Naturschutz und Profit«</em></p><p>URL: http://www.jungewelt.de/2010/06-09/017.php</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/06/09/naturschutz-im-kolonialstil/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Reale Alternativen</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/#comments</comments> <pubDate>Wed, 18 Nov 2009 12:00:35 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Betriebsgröße]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Ertragspotential]]></category> <category><![CDATA[IAASTD]]></category> <category><![CDATA[Produktivität]]></category> <category><![CDATA[Stickstoff]]></category> <category><![CDATA[Weltagrarbericht]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=211</guid> <description><![CDATA[Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 18.11.2009 Peter Clausing Hintergrund. Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 18.11.2009<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p><i>Hintergrund. Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels</i></p><p>Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von Agrar- und Biotechnologiekonzernen, lebensmittelverarbeitender Industrie und Handelsketten so groß. Doch auch die Sackgasse, in die diese Entwicklung führt, war noch nie so deutlich erkennbar. So wächst vor dem Hintergrund der globalen kapitalistischen Krise und einer steigenden Zahl hungernder Menschen die Notwendigkeit, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Internationale Bewegungen wie Via Campesina, die solche Alternativen einfordern und praktizieren, finden zunehmend Gehör. Nationale Initiativen wie die brasilianische Bewegung der Landlosen (MST in portugiesischer Abkürzung) sind auf der Basis jahrelanger Kampferfahrung fest etabliert und können beachtliche Erfolge vorweisen.<sup>1</sup> <span id="more-211"></span>Seit 2008 gibt es mit dem Weltagrarbericht erstmalig ein umfassendes Dokument, das von einer institutionell-wissenschaftlichen Position aus eine radikale Wende in der globalen Landwirtschafts- und Ernährungspolitik fordert.<sup>2</sup> Sein Kernstück, der »Globale Bericht«, ein von über 400 Wissenschaftlern erarbeitetes, 600seitiges Dokument, wurde von 61 Regierungen unterschrieben (inklusive sieben EU-Staaten, unter Vorbehalt auch von Australien, Kanada und USA, nicht aber von Deutschland). Hinzu kommen ausführliche Teilberichte, die sich mit den regionalen Problemen der Welt befassen, die zu diesem Zweck in fünf Wirtschaftsregionen unterteilt wurde. Der Weltagrarbericht stellt somit einen wichtigen Bezugspunkt in der Diskussion über die Perspektiven von Landwirtschaft und Welternährung dar oder ist, wie es Uwe Hoering auf seinem Blog <a href="http://www.globe-spotting.de" target="_blank">www.globe-spotting.de</a> ausdrückt, zu einer »Art Bibel für die Kritiker der globalen Agrarindustrie« geworden. Am 9. Oktober 2009 wurde die deutsche Übersetzung der umfangreichen Zusammenfassung des Berichts der Öffentlichkeit präsentiert.<sup>3</sup></p><p><b>Kein »Weiter so!«</b></p><p>Trotz dieser ermutigenden Entwicklung sollte man sich keinen Illusionen hingeben – auf dem Welternährungsgipfel wird man die Stimmen der vom 13. bis 17. November ebenfalls in Rom stattfindenden Alternativkonferenz, dem People’s Food Sovereignty Forum, voraussichtlich ignorieren und ein »Weiter so!« als Rezept zur vermeintlichen Lösung der Welternährungskrise beschließen. Also genau das, wovon der Weltagrarbericht dringend abrät. Hinter dem »Weiter so!« verbirgt sich in erster Linie die Fortsetzung einer auf Agrochemikalien basierenden Steigerung der Hektarerträge von Monokulturen, anstatt auf eine umfassende Unterstützung kleinbäuerlicher Betriebe in den Ländern des Südens umzuschwenken, um so eine ökologisch und sozial verträgliche Produktionssteigerung zu erreichen, die den Begriff »nachhaltig« tatsächlich verdienen würde. Dabei ist die Zeit für eine solche radikale Agrarwende nicht nur reif, sondern auch knapp. Mehrfach ist im Weltagrarbericht davon die Rede, daß wir uns an einer »Weggabelung der Geschichte« befinden und daß die jetzt zu treffenden Entscheidungen bestimmen werden, »auf welche Weise wir unsere Erde erhalten und unsere Zukunft sichern« – oder eben auch nicht. Eine umfassende Förderung und verbindliche Umsetzung eines alternativen Weges, der in Wirklichkeit eine Vielzahl miteinander verflochtener Wege darstellt, würde zu einer raschen Verbreitung von Erprobtem und Bewährtem beitragen und darüber hinaus zahlreiche neue Möglichkeiten erschließen, die teils kurzfristig erreichbar und teils langfristig zu erarbeiten wären. Es geht also darum, daß »ökologische Nachhaltigkeit maximiert und bäuerliche Familienbetriebe wirtschaftlich so stark gemacht werden, daß sie in vorderster Linie die Armutsverringerung vorantreiben können«. (Weltagrarbericht)</p><p>Im vorliegenden Beitrag geht es um die inhaltliche Skizzierung solcher Alternativen. Ihre gegenwärtige politische Durchsetzbarkeit bleibt dahingestellt. Es ist aber wichtig, diese Alternativen zu kennen, denn auch im linken Spektrum wird »Fortschritt« im landwirtschaftlichen Bereich gelegentlich mit der Ausweitung und »Verfeinerung« agroindustrieller Produktionsmethoden gleichgesetzt. Von dieser Seite werden kleinbäuerliche Betriebe in den Ländern des Südens als überlebte Wirtschaftsform und somit als Ursache der Ernährungskrise eingestuft. Doch wie sollen ökologisch und sozial nachhaltige Alternativen gegen Konzerninteressen durchgesetzt werden, wenn selbst in linken Kreisen an ihrer Validität gezweifelt wird?</p><p>Wenn Landwirtschaft und Welternährung am Scheideweg stehen und – wie im Weltagrarbericht formuliert – ein »Weiter so!« keine rationale Option mehr darstellt, dann betrifft das einerseits die Anerkennung der Grenzen, an die die derzeitige landwirtschaftliche Strategie stößt und andererseits das Durchbrechen dieser Grenzen, um auf der Basis neuer Handlungsoptionen der fortschreitenden Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen Einhalt zu gebieten und einer deutlichen Linderung, wenn nicht Abschaffung von Armut und Hunger den Weg zu ebnen. Dabei trifft die bereits 1968 in einer Studie der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler getroffene Feststellung weiterhin zu, daß »ohne einschneidende wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Veränderungen alle wissenschaftlich-technischen Maßnahmen gegen den Hunger zum Scheitern verurteilt sind«. Charakteristisch für das herrschende Gesellschaftssystem ist allerdings, daß diese vor 40 Jahren gewonnene Erkenntnis bis heute keine praktische Umsetzung erfahren hat.</p><p><b>Folgen der Grünen Revolution</b></p><p>Lange Jahre haben sich die Agrarwissenschaften auf die Bereitstellung von Technologien zur Steigerung der betrieblichen Produktivität mit dem Ergebnis einer ständigen Senkung der Erzeugerpreise und Externalisierung der Kosten konzentriert, heißt es im Weltagrarbericht. Das Resultat dieser Preisdrückerei sind Erzeugerpreise bei Milch und Getreide, die selbst in Deutschland kaum noch für eine rentable Produktion ausreichen. Im Ergebnis der Externalisierung der Kosten trugen »Enklaven einer Intensivlandwirtschaft zu einer schleichenden Zerstörung von Böden und Wasser sowie zu Verunreinigungen, die den globalen Temperaturanstieg fördern, bei«. (Weltagrarbericht) Konkret sind 38 Prozent (zwei Milliarden Hektar) der weltweiten Kulturflächen von Bodendegradation betroffen, die Landwirtschaft verbraucht global 70 Prozent des knapp werdenden Süßwassers, zehn Prozent der weltweit bewässerten Flächen sind versalzt, und die Bodennährstoffe sind so erschöpft, daß daraus jährlich über eine Milliarde Tonnen Ernteverluste (etwa ein Sechstel der globalen Produktion) resultieren. Großflächige Monokulturen zerstören die biologische Vielfalt und beeinträchtigen laut Weltagrarbericht die Produktivität insbesondere von ökologisch sensiblen Landschaften in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Lateinamerika.</p><p><b>Produktivität: Biologischer Anbau</b></p><p>Eines der »Totschlag«-Argumente bei der Diskussion um eine Landwirtschaft ohne Pestizide und chemischen Dünger ist die Produktivität. Ohne genügend Stickstoff auf dem Acker, so die Protagonisten der Düngemittelindustrie, gäbe es keine ausreichenden Erträge, und ohne Pestizide ginge ein beträchtlicher Teil der Ernte bereits auf dem Acker verloren. Die Tatsache, daß die Düngemittelindustrie seit Jahren unter einer Überproduktionskrise leidet,<sup>4</sup> ist zwar ein Indiz dafür, daß die wahren Motive zum Beispiel für eine »Grüne Revolution in Afrika«, die von der Bill&#038;Melinda Gates Stiftung mitgesponsert wird, woanders liegen als im Bemühen um eine gesicherte Welternährung. Aber das ist kein sachliches Argument in der Diskussion um die Ertragssteigerung. Neben dem Einwand, daß aufgrund der geringeren Hektarerträge biologische Anbauverfahren ungeeignet seien, die wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, geben die Verfechter einer chemiegestützten Landwirtschaft den vermeintlich höheren Flächenverbrauch des Ökolandbaus zu bedenken. Um die gleiche Menge an Nahrungsmitteln zu produzieren, ergäbe sich bei den niedrigeren Hektarerträgen des biologischen Anbaus global ein wesentlich größerer Flächenbedarf, was die ökologischen Vorteile wieder zunichte machte.</p><p>In dieser Auseinandersetzung kann die Bedeutung einer 2007 erschienenen, viel zu wenig beachteten Veröffentlichung nicht überbewertet werden, mit der die Ertragsdiskussion dem Reich der Bekenntnisse und Vermutungen entrissen und in die Welt der Daten und Fakten transferiert wird.<sup>5</sup> Wenn der Weltagrarbericht aus gutem Grund fordert, auch künftig »unabhängige vergleichende Abschätzungen durchzuführen«, so repräsentiert die angesprochene Arbeit eine erste »Metaanalyse« in diesem Sinne: Badgley und Mitautoren zogen ihre Schlußfolgerungen aus insgesamt 293 vergleichenden Feldversuchen, davon 160 Vergleiche zwischen »high-input« und biologischen Methoden (Industrieländer) sowie 133 Vergleiche zwischen »low-intensity« und biologischem Anbau in den Ländern des Südens. Die Ergebnisse der meisten dieser Vergleiche sind in sogenannten peer-reviewed papers veröffentlicht, also in Fachzeitschriften, in denen über die Veröffentlichung eines Manuskripts mittels gutachterlicher Stellungnahmen von Experten entschieden wird. Die Versuchszeiträume der 293 Feldvergleiche reichten von einer einjährigen Beobachtungszeit bis zu 20jährigen Beobachtungsreihen, zahlreiche Direktvergleiche (Parzellen mit konventionellem und Biolandbau auf der gleichen Versuchsstation) bzw. Vorher-Nachher-Vergleiche eingeschlossen. Bei der Metaanalyse wurden bewußt keine Daten ausgeschlossen, obwohl der Übergang vom konventionellen zum Biolandbau erfahrungsgemäß mit anfänglichen Ertragseinbußen verbunden ist. Zugleich wurden unzulässige Generalisierungen, zum Beispiel durch Verwendung von Landesdurchschnittswerten, vermieden.</p><p>Im Ergebnis kommen die Autoren zu der Schlußfolgerung, daß es mit dem momentanen Ertragspotential des Biolandbaus möglich wäre, die derzeitige Weltbevölkerung zu ernähren. Bei entsprechenden Forschungsinvestitionen in biologische Anbaumethoden wäre es sicher möglich, eine noch größere Zahl von Menschen ausreichend zu ernähren. Bei dem Vergleich zwischen »high-input« und biologischen Methoden (Industrieländer) war der Biolandbau im Durchschnitt gegenüber allen Kulturen um neun Prozent unterlegen (bei Körnerfrüchten um sieben Prozent). In den Ländern des Südens hatten ökologische Anbaumethoden über alle Kulturen gerechnet dagegen 74 Prozent höhere Erträge (57 Prozent mehr bei Körnerfrüchten). Für die Hochrechnungen bezüglich der Aussagen zur Welternährung kombinierten die Autorinnen und Autoren die oben genannten Ergebnisse mit entsprechenden Statistiken der Welternährungsorganisation (FAO) und bezogen sich auf die zur Zeit existierende globale landwirtschaftliche Nutzfläche.</p><p>Perspektivisch würde bei dem rechnerischen Vergleich der Biolandbau aufgrund der einsetzenden Bodenmüdigkeit in Intensivanbaugebieten sogar noch besser abschneiden. Badgley et al. kalkulierten ferner, inwieweit durch Mischkulturtechniken mit Hülsenfrüchten, die bekanntlich Stickstoff im Boden fixieren, der globale Bedarf an Stickstoff gedeckt werden könnte. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß deren Potential ausreichen könnte, um die derzeitige Weltproduktion an synthetischem Stickstoffdünger vollständig zu ersetzen – eine gute Nachricht für das Klima, zugleich eine schlechte Nachricht für die Düngemittelindustrie.</p><p><b>Große gegen kleine Betriebe</b></p><p>Neben der im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft vermeintlich geringeren Produktivität des Biolandbaus besteht der zweite Mythos in der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, daß Großbetriebe produktiver seien als kleine Farmen. Dies trifft dann zu, wenn man die Situation aus zwei verzerrten Perspektiven betrachtet. Die erste Verzerrung ist die Verwechslung von Produktivität pro Arbeitskraft und flächenbezogener Gesamtproduktivität des Betriebes. Die zweite betrifft den Vergleich zwischen unterversorgten, marginalisierten kleinbäuerlichen Wirtschaften und Großbetrieben, die mit Agrochemie und Erdöl »gedopt« werden.</p><p>Bereits dem oft bemühten »gesunden Menschenverstand« wird klar, daß es keinen Sinn macht, in Regionen, die schon jetzt hohe zweistellige Arbeitslosenziffern aufweisen, durch eine mechanisierte Großflächenwirtschaft eine noch größere Zahl von Menschen ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Zugleich leuchtet ein, daß kleinbäuerliche Betriebe keine Chance haben, wenn sie, eingebunden in globale Wirtschaftskreisläufe, gezwungen werden, gegen mechanisierte, chemisierte Großbetriebe anzutreten, die ihre Kosten massiv externalisieren. Es bräuchte also internationalen politischen Willen, um den kleinbäuerlichen Betrieben ein lebensfähiges Umfeld zu bieten, in dem sie dem Sog der Weltmarkt»effizienz« trotzen können. Interessant ist deshalb die gut dokumentierte, aber selten beachtete Tatsache, daß Kleinbetriebe – bei anderweitig vergleichbaren Bedingungen – eine deutliche höhere flächenbezogene Gesamtproduktivität aufweisen als Großbetriebe. Eine ausgezeichnete Übersicht dazu wurde bereits vor zehn Jahren von Peter Rosset, damals Direktor des Institute for Food and Development Policy in Oakland, Kalifornien, präsentiert.<sup>6</sup> Dabei bezog er sich auf umfangreiche Untersuchungen, die in den 1980er Jahren in fünfzehn Ländern des Südens durchgeführt wurden und auf eine Analyse des US-Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 1992.</p><p>Für die fünfzehn Länder des globalen Südens schälten sich zwei Kurvenverläufe bezüglich des Zusammenhangs zwischen Produktivität und Betriebsgröße heraus. Der häufigere, besonders in Asien und Nordafrika beobachtete Kurvenverlauf vom Typ I wies eine mit steigender Betriebsgröße durchgängig abfallende Produktivität auf. Bei Typ II, der besonders in Peru, Mexiko und Bangladesch anzutreffen war, gab es bei bis zu einer bestimmten, aber immer noch kleinen Betriebsgröße einen steilen Produktivitätsanstieg, doch schon bei wenig größeren Betrieben einen ebenso steilen Produktivitätsabfall, der sich mit weiterer Betriebsgröße flacher, aber kontinuierlich fortsetzte. Bei der anderen Analyse, jener des US-Landwirtschaftsministeriums, hatten Betriebe mit einer Größe bis zu zehn Hektar eine über zehnfach höhere Produktivität (Dollar pro Hektar Betriebsgröße) als Großfarmen. Während dies größtenteils durch die Tendenz der Kleinbetriebe zum Anbau von Spezialkulturen erklärt wurde, reflektierte es zugleich eine größere Vielfalt in den Anbauformen und eine höhere Arbeitsintensität.</p><p>Die zweite Verzerrung – der Vergleich unterversorgter Kleinbetriebe mit »gedopten« Großbetrieben – ist schnell besprochen. Wenn man unter »Versorgung« nicht Kunstdünger, Pestizide und Großmaschinen versteht, sondern die Vermittlung ortsangepaßter landwirtschaftlicher Kenntnisse, öffentlich zugängliches, adaptiertes Saatgut (ggf. Resultat einer regionalen Züchtungsforschung), Fördermittel für die Umstellung auf biologischen Anbau und kluge, umweltschonende Bewässerungssysteme, dann wäre der flächenbezogene Gesamtertrag sicher auch bei den afrikanischen Kleinbetrieben größer als derjenige der Großfarmen.</p><p>Die Frage, welche der beiden »Produktivitäten« für die Ernährung von perspektivisch neun Milliarden Menschen bedeutsamer ist – eine auf neoliberalem Weltmarkt konkurrenzfähige Arbeitsproduktivität oder eine umweltverträgliche, flächenbezogene Gesamtproduktivität –, beantwortet sich von selbst.</p><p><b>Biodiversität und Landwirtschaft</b></p><p>Naturschutzorganisationen mahnen häufig an, daß durch die Landwirtschaft die biologische Vielfalt zerstört wird – eine für industriemäßige Produktionsformen berechtigte Sorge. Oftmals sind die daraus abgeleiteten Maßnahmen fragwürdig: Schutzgebiete, in denen »unberührte Natur« erhalten werden soll, ist ein Ansatz, der in der Vergangenheit regelmäßig zu Vertreibungen oder Zwangsumsiedlungen von Teilen der lokalen Bevölkerung führte.<sup>7</sup> Die Schaffung biodiversitätsreicher Habitatinseln in einem Meer von Monokulturen ist aber nicht nur sozial unakzeptabel, sondern auch ökologisch fragwürdig. Wenn eine Tier- oder Pflanzenart in einer der Habitatinseln ausstirbt, ist bei einer Umgebung aus Monokulturen oder anderweitig geschädigter Umwelt die Wiederbesiedlung schwer oder unmöglich. Als man in den 1990er Jahren die ökologische Zweifelhaftigkeit dieses Ansatzes erkannte, kam man auf die Idee, die Habitatinseln durch »grüne Korridore« zu verbinden, was weitere Beschränkungen für die Landbevölkerung zur Folge hatte.</p><p>Außerdem hat eine solche Politik des Ausschlusses erfahrungsgemäß zur Folge, daß eine lokale Verankerung des Schutzes der biologischen Vielfalt nicht gegeben ist, insbesondere nicht bei dem Teil der Bevölkerung, der sich den Vertreibungen und Umsiedlungen entzieht und – dann kriminalisiert – in der Region weiterlebt. Diese Menschen erleben die Maßnahmen des Biodiversitätsschutzes als etwas unmittelbar gegen sie Gerichtetes.</p><p>Insofern ist eine wissenschaftlich fundierte Alternative zu dem oben beschriebenen Ausschlußprinzip von großer Bedeutung. Die Grundaussage in dem kürzlich erschienenen Buch »Nature’s Matrix«<sup>8</sup> lautet: Landwirtschaftliche Produktion und der Schutz der biologischen Vielfalt lassen sich in Einklang bringen, allerdings mit Produk¬tionsformen, die konzeptionell den Empfehlungen des Weltagrarberichts entsprechen. Die Autoren, eine Arbeitsgruppe der Ökologieprofessorin Ivette Perfecto von der Universität Michigan, USA, forschen seit Jahren zur Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Naturschutz und sehen dafür die stärksten Verbündeten in sozialen Bauernbewegungen wie MST und Via Campesina.</p><p><b>Multifunktionalität</b></p><p>Eine der wichtigsten Forderungen des Welt¬agrarberichts ist die Wiederherstellung der Multifunktionalität der Landwirtschaft: Diese stellt die Lebensmittel für Verbraucher bereit, bietet den Erzeugern Existenzgrundlage und Einkommen und bringt eine Vielzahl von Gütern für die Bürger und ihre Umwelt hervor, samt funktionierender Ökosysteme. Die Agrarwissenschaften haben sich in der Vergangenheit »auf institutioneller Ebene vor allem an einer verstärkten Spezialisierung der Massengüterproduktion ausgerichtet, aber so die Optimierung des Gesamtergebnisses dynamischer multifunktionaler Systeme, die biophysischen und sozioökonomischen Komponenten ausgeschlossen«. (Weltagrarbericht) Eine Aufgabe für die Zukunft besteht laut Welt¬agrarbericht darin, »den Mangel an Forschungen in den geographischen, sozialen, ökologischen, anthropologischen und anderen evolutionsbezogenen Wissenschaften, die sich mit vielfältigen agrikulturellen Ökosystemen befassen, zu überwinden«. Mit anderen Worten, eine andere Landwirtschaft ist möglich, und die Agrarwissenschaften tragen eine Mitverantwortung dafür, daß diese Möglichkeit zur Realität wird.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li> Pedersen, K., David gegen Goliath? land &#038; wirtschaft, Beilage der jW v. 5.8.2009</li><li>Im englischen Original wurde der Weltagrarbericht unter dem Titel International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) anläßlich einer zwischenstaatlichen Plenarsitzung in Johannesburg im April 2008 verabschiedet; er besteht aus einem globalen und fünf regionalen Berichten, die Afrika, Asien, Europa, Nord- und Südamerika abdecken, sich aber nicht an diesen Kontinenten, sondern an Wirtschaftsregionen orientieren <a href="http://www.agassessment.org" target="_blank">www.agassessment.org</a></li><li>Weltagrarbericht – Synthesebericht, hrsg. v. Stephan Albrecht u. Albert Engel, Hamburg 2009 (im Text: Welt¬agrarbericht), online unter: <a href="http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/94/pdf/HamburgUP_IAASTD_Synthesebericht.pdf" target="_blank">hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/94/pdf/HamburgUP_IAASTD_Synthesebericht.pdf</a></li><li>Hoering, U.: Agrarkolonialismus in Afrika, Hamburg 2007</li><li>Badgeley, C. et al., Organic agriculture and the global food supply. Renewable Agriculture and Food Systems, Bd. 22, S. 86–108, Cambridge 2007</li><li>Rosset, P., The multiple functions and benefits of small farm agriculture. Food First Policy Brief No. 4, 1999. <a href="http://www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf" target="_blank">www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf</a></li><li>Pedersen, K., Naturschutz und Profit, Münster 2008</li><li>Perfecto, I. et al., Nature’s Matrix, Linking Agriculture, Conservation and Food Sovereignty, London 2009</li></ol></div><p><b>Quelle:</b><a href="http://www.jungewelt.de/2009/11-18/024.php" target="_blank">http://www.jungewelt.de/2009/11-18/024.php</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>David gegen Goliath?</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/#comments</comments> <pubDate>Wed, 05 Aug 2009 12:00:06 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Nahrungskrise]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Ernährungskrise]]></category> <category><![CDATA[IAASTD]]></category> <category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category> <category><![CDATA[Produktivität]]></category> <category><![CDATA[Via Campesina]]></category> <category><![CDATA[Weltagrarbericht]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=130</guid> <description><![CDATA[Zwei unvereinbare Perspektiven zur Zukunft der Welternährung Spätestens seit den »Brotrevolten« von 2007 und 2008, mit denen die Menschen in rund 40 Ländern auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagierten, ist die Ernährungskrise ein bleibendes Thema in den Medien und in der offiziellen Politik. Dabei ist die Krise eher ein gigantischer Skandal, denn den alljährlich neun [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><b>Zwei unvereinbare Perspektiven zur Zukunft der Welternährung</b></p><p>Spätestens seit den »Brotrevolten« von 2007 und 2008, mit denen die Menschen in rund 40 Ländern auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagierten, ist die Ernährungskrise ein bleibendes Thema in den Medien und in der offiziellen Politik. Dabei ist die Krise eher ein gigantischer Skandal, denn den alljährlich neun Millionen Hungertoten und mehr als einer Milliarde chronisch Hungernder steht eine Nahrungsmittelmenge gegenüber, die genügen würde, um alle Menschen ausreichend zu versorgen. Folglich mangelt es in erster Linie an einem »globalen« politischen Willen, ein Mangel, der zum Beispiel in der Tolerierung und vielfach sogar Förderung der Flächenkonkurrenz zwischen Agrotreibstoff- und Nahrungsmittelproduktion zum Ausdruck kommt.</p><p>Doch das Thema Welternährung steht nicht nur aufgrund von Preisexplosionen und Hungerprotesten auf der Tagesordnung. Unterschiedliche Modellrechnungen prognostizieren bei einer globalen Zunahme der Durchschnittstemperatur von etwa drei Grad Celsius regionale Ernteeinbußen zwischen 20 und 50 Prozent, je nachdem, ob man die Ernteausfälle infolge von Überflutungen und Dürreperioden mit einrechnet oder den extrapolierten Verlust auf die Folgen von »Hitzestreß« begrenzt<sup>1</sup>. Dabei befindet sich eine angenommene Erwärmung um drei Grad nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC eher am unteren Ende der Skala des Erwarteten. Bislang spricht mehr dafür als dagegen, daß Mike Davis Recht behalten wird, der im Juni 2008 feststellte: »Wie das UNDP in seinem letztjährigen Bericht betonte, ist die globale Erwärmung vor allem eine Bedrohung für die Armen und die zukünftigen Generationen – beides Größen mit geringem oder gar keinem politischen Gewicht. Ein koordiniertes globales Handeln zu ihren Gunsten setzt einen revolutionären Zugang zur Macht voraus (ein Szenario, das der IPCC nicht vorsieht) oder die historisch beispiellose Verwandlung des Eigeninteresses der reichen Länder und Klassen in eine aufgeklärte ›Solidarität‹.«<sup>2</sup></p><p>Darüber, daß die Sicherung einer ausreichenden Ernährung für alle eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist und daß hier massiver Handlungsbedarf besteht, besteht inzwischen allgemeiner Konsens. Das kommt in den Erklärungen der letzten G-8-Gipfel und in der Bildung einer speziellen Arbeitsgruppe beim Generalsekretär der Vereinten Nationen ebenso zum Ausdruck wie in Erklärungen kritischer Wissenschaftler, Basisinitiativen und Nichtregierungsorganisationen. Die zwei prinzipiellen Lösungswege, die zur Debatte stehen, um der sich abzeichnenden Zuspitzung der Situation zu begegnen, divergieren jedoch so stark, daß man sie als antagonistisch bezeichnen könnte. Eingedenk der herrschenden Kräfteverhältnisse entspricht es einer David-gegen-Goliath-Konstellation.</p><p>Der von den Mächtigen bevorzugte Ansatz beinhaltet die beschleunigte Ausweitung hochproduktiver Systeme, wobei die Worthülse »Nachhaltigkeit« in den Beschreibungen dieses von Welternährungsorganisation, Weltbank und anderen Institutionen unterstützten Konzepts nicht fehlen darf. In der Praxis sind mit »hochproduktiven Systemen« Hochleistungssorten gemeint, deren Ertragspotential nur unter Einsatz von Intensivbewässerung, Pestiziden und chemischer Düngung ausgeschöpft werden kann. Die Befürworter dieses Weges verweisen auf die Erträge in Modellversuchen. So erreichten die Maiserträge von Beispielbetrieben in Äthiopien, Malawi, Mali, Moçambique, Nigeria und Uganda das Drei- bis Fünffache des jeweiligen Landesdurchschnitts<sup>3</sup>. Solche Vergleiche suggerieren, daß diese Art zu produzieren der einzige Weg zu höheren Erträgen ist.</p><p><b>Ressourcenplünderung</b></p><p>Abgesehen von der Frage, ob hohe Ertragssteigerungen auch auf andere Weise erzielt werden können, läßt der Rückblick auf die »Grüne Revolution« der 1960er und 1970er Jahre begründete Zweifel an der Nachhaltigkeit dieses Ansatzes zu. Wer den in diesem Jahr publizierten 600-Seiten-Bericht des Weltagrarrats (IAASTD), eines Gremiums von rund 400 Wissenschaftlern, aufmerksam liest, stößt an vielen Stellen auf Hinweise, die das belegen<sup>4</sup>. Die Grüne Revolution war laut IAASTD-Bericht die technologische Antwort auf gescheiterte, oftmals aber auch gewaltsam unterdrückte Agrarreformen. Trotz Anerkennung der massiven Ertragssteigerungen, die durch die Grüne Revolution für eine beschränkte Zahl wichtiger Kulturen erreicht wurden, besteht ihre Langzeitwirkung in Umweltzerstörung, wachsender Abhängigkeit von Importen und dem Anwachsen der Slums in den Megastädten des Südens. 80 Prozent der 324 wissenschaftlichen Publikationen, die diesbezüglich ausgewertet wurden, beschrieben eine Verstärkung der sozialen Ungleichheit durch die Grüne Revolution. Die fehlende Nachhaltigkeit eines solchen Ansatzes zeigt sich aktuell darin, daß einerseits der Wassermangel in vielen Regionen dramatische Ausmaße annimmt und andererseits weltweit 70 Prozent des Süßwassers durch die industrielle Landwirtschaft verbraucht werden<sup>5</sup> – und in dem Umstand, daß dieser Wirtschaftszweig mehr Treibhausgase produziert als der gesamte globale Straßenverkehr. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt sind weitere Langzeitfolgen dieser Produktionsmethode.</p><p>Doch die Verfechter dieses Modells fordern unverdrossen ein »Weiter so«. Darüber hinaus nutzen die Lobbyisten der Gentechnik die plötzliche Publizität des Themas Welternährung, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit genmanipulierte Pflanzen als ultimative Lösung des Problems feilzubieten. Stellvertretend sei Douglas Kell, der Leiter des britischen Forschungsrats für Biotechnologie und Biologische Wissenschaften (BBSRC), zitiert, der in einem BBC-Interview am 27.April 2009 eine »maßgebliche Entwicklung der Agrarwissenschaften« einforderte, um weiteren Hungerrevolten vorzubeugen. Da der BBSRC die Gentechnik als eine von drei Säulen der Ertragssteigerung betrachtet<sup>6</sup>, kann man sich ausrechnen, was Kell meint. Noch werden laut IAASTD auf 93 Prozent der globalen Ackerfläche konventionelle Sorten angebaut. Folglich läßt sich da viel »entwickeln«. So hat die britische Regierung beschlossen, die Versorgung »der Armen in der Welt« mit genmanipuliertem Saatgut mit 100 Millionen Pfund unterstützen zu wollen, wie der Guardian am 19. Juli berichtete – wobei ein großer Teil dieser Gelder an Forschungsinstitute geht, die etwa dürreresistenten Mais entwickeln, sowie an den Agrarkonzern Syngenta<sup>7</sup>. Daß sowohl im IAASTD-Bericht4 als auch in der jüngsten Publikation der »Union of Concerned Scientists«8 den Gentechnik-Sorten bescheinigt wird, im Vergleich zu konventionellen Sorten keine besseren Erträge zu bringen, scheint da wenig zu stören.</p><p><b>Effiziente Alternativen</b></p><p>Auch die Verfechter alternativer Strategien fordern eine stärkere Unterstützung der landwirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern des Südens, die in den letzten zehn bis 20 Jahren stark vernachlässigt wurde (siehe dazu auch Seite 7) – und die Förderung einer darauf ausgerichteten Agrarforschung. Das von ihnen verfolgte Konzept dürfte in dem von der internationalen Kleinbauernorganisation »Via Campensina« geprägten Begriff »Ernährungssouveränität« am prägnantesten zusammengefaßt sein. Kernstück ist die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die auf nachhaltige Weise vor allem Nahrung für die lokale Bevölkerung produzieren soll. Hierbei geht es nicht um die Revitalisierung überlebter Traditionen, sondern um Überlebensstrategien in einer rauhen neoliberalen Wirklichkeit. Wichtige Komponenten des Konzepts der Ernährungssouveränität sind Landreformen, die Stärkung der Rechte der Bauern und Landarbeiter, die Ablehnung des Einsatzes von Gentechnik, soziale Gerechtigkeit und der Schutz vor Billigimporten. Selbstversorgung sowie lokaler und regionaler Handel sollen Vorrang vor einer Exportorientierung haben. Mehrere Länder, darunter Nepal, der Senegal und Venezuela, haben das Ziel der Ernährungssouveränität inzwischen in ihren Verfassungen verankert.</p><p>Es gibt sowohl akademische als auch praktische Beweise für die Tragfähigkeit dieses Konzepts. Eine 2007 publizierte Meta-Analyse von über 300 wissenschaftlichen Arbeiten zur Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Anbausysteme dokumentierte, daß man problemlos die eine oder andere Arbeit herauspicken könnte, um entweder die konventionellen oder biologischen (einschließlich quasi-biologischen) Anbaumethoden als überlegen darzustellen<i>9</i>. Bei einer Gesamtbetrachtung aller Arbeiten zeichnet sich jedoch de facto kein Unterschied im Ertragspotential des einen oder des anderen Verfahrens ab – wohl aber in bezug auf die Nachhaltigkeit. Die Autoren räumen ein, die tatsächlich erzielten Erträge des (quasi-)biologischen Anbaus in den Ländern des Südens vermutlich unterschätzt zu haben, weil die Vergleiche nur in bezug auf eine Fruchtart angestellt wurden. Der Output an Kalorien je Flächeneinheit ist jedoch aufgrund der anzutreffenden »Multicropping«-Systeme (Felder mit mehreren gleichzeitig angebauten Früchten) oftmals höher. Eine Forschergruppe um Peter Rosset, Direktor der US-Entwicklungshilfeorganisation »Food First« führte darüber hinaus einen Produktivitätsvergleich zwischen kleinen und großen Landwirtschaftsbetrieben in 15 Ländern des Südens durch. Wenngleich für eine einzelne Frucht die Hektarerträge in den Großbetrieben oftmals höher waren, war die Gesamtproduktivität pro Flächeneinheit bei den kleineren Betrieben um den Faktor zwei bis zehn größer<sup>10</sup>. Als Gründe für diesen Unterschied nennt Rosset das erwähnte Multicropping, eine höhere Arbeitsintensität pro Flächeneinheit und eine effektivere Bewässerung.</p><p><b>Von der Not zur Tugend</b></p><p><i>Zu den Erfolgsbeispielen der praktischen Anwendung des Konzepts der Ernährungssouveränität zählen das unfreiwillige »Großexperiment« Kuba und die Erfolge der brasilianischen Landlosenbewegung MST.</i></p><p>Nach dem Kollaps des sozialistischen Lagers brach für Kuba nicht nur der Absatzmarkt über Nacht weg, sondern auch die bislang von dort importierten Produktionsmittel wie Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, Maschinen und Ersatzteile fehlten plötzlich. Im Ergebnis schrumpfte die landwirtschaftliche Pro-Kopf-Produktion von 1986 bis 1995 um jährlich fünf Prozent. Die erzwungene Neuorientierung machte Kuba zum ersten Land, das begann, biologischen Landbau in nationalem Maßstab zu betreiben – mit dem Erfolg, daß, nachdem diese Umstellung ihre Wirkung entfaltete, von 1996 bis 2005 die Pro-Kopf-Produktion wieder um jährlich 4,2 Prozent wuchs. In diesem Fall wirkte sich das US-Embargo ausnahmsweise begünstigend aus: Kuba war vor importierter Billigware weitgehend geschützt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das in Kuba gut etablierte Campesino-a-Campesino-System der Weitervermittlung von Erfahrungen<sup>11</sup>. Nahezu die Hälfte der unabhängigen Kleinbauern Kubas in rund 100000 Familienbetrieben erzeugen mit ihren agroökologischen Methoden pro Hektar mehr Nahrung als die industrialisierten Großbetriebe. Von den 25 Prozent der bebaubaren Fläche, die auf diese Weise genutzt wird, kommen 65 Prozent der nationalen Nahrungsmittelproduktion. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß die Zerstörungen der drei Hurricans, die Kuba 2008 getroffen haben, ihren Tribut gefordert haben: Momentan importiert Kuba nach inoffiziellen Angaben 55 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs – ein dramatisches Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Dessen ungeachtet haben die Kubaner sich vorgenommen, die Fläche ökologischen Anbaus auf 1,5 Millionen Hektar auszudehnen, was, effizient genutzt, genügen würde, um die Ernährungssouveränität des Landes herzustellen.</p><p>Im Zuge der vom brasilianischen MST praktizierten »umverteilenden« Landreform waren 2002 acht Millionen Hektar Land besetzt und von etwa einer Million Menschen in Besitz genommen worden. Die sozioökonomischen Kennziffern dieses rebellischen landwirtschaftlichen Experiments sind beeindruckend. Die Nutznießer der Landreform haben im Durchschnitt ein Einkommen, das dem 3,7fachen des nationalen Mindestlohns entspricht, während Landlose nur 70 Prozent des Mindestlohns erhalten<sup>11</sup>. Die Kindersterblichkeit ist in dieser Bevölkerungsgruppe nur noch halb so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Mit dieser Strategie werden nicht nur die vor Ort benötigten Nahrungsmittel produziert, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen, deren Einrichtung in der Industrie nach Schätzungen zwei- bis 20mal teurer ist.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li>Battisti &#038; Naylor (2009): Science 323, S. 240-244; und Daten von der Arbeitsgruppe 2 des IPCC</li><li>Davis, M. (2008): Willkommen im Anthropozän; <a href="http://www.vsp-vernetzt.de/soz-0812/081220.php" target="_blank">www.vsp-vernetzt.de/soz-0812/081220.php</a></li><li>FAO: The State of Food Insecurity in the World 2008. FAO, 2008</li><li>IAASTD: Global Report, siehe <a href="http://www.agassessment.org/" target="_blank">www.agassessment.org/</a></li><li>IAASTD: Synthesis Report, siehe <a href="http://www.agassessment.org/" target="_blank">www.agassessment.org/</a></li><li><a href="http://www.bbsrc.ac.uk/science/topical/food/workshop_crops.pdf" target="_blank">www.bbsrc.ac.uk/science/topical/food/workshop_crops.pdf</a></li><li><a href="http://www.guardian.co.uk/environment/2009/jul/19/gm-crops-aid-uk-funding" target="_blank">www.guardian.co.uk/environment/2009/jul/19/gm-crops-aid-uk-funding</a></li><li><a href="http://www.ucsusa.org/assets/documents/food_and_agriculture/failure-to-yield.pdf" target="_blank">www.ucsusa.org/assets/documents/food_and_agriculture/failure-to-yield.pdf</a></li><li>Badgley u.a. (2007): Renewable Agriculture and Food Systems 22, S. 86–108</li><li><a href="http://www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf" target="_blank">www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf</a></li><li>Rosset, P. (2009): Monthly Review 61, Nr. 3, S. 114–128</li></ol></div><p><b>Quelle:</b><br /> Junge Welt vom 05.08.2009<br /> <i>Klaus Pedersen</i> &middot; Mit freundlicher Genehmigung des Autors.<br /> URL: <a href="http://www.jungewelt.de/beilage/art/2112" target="_blank">http://www.jungewelt.de/beilage/art/2112</a> (Nur im Online-Abo)</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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