<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?> <rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/" ><channel><title>Welt-Ernährung &#187; Biolandbau</title> <atom:link href="http://www.welt-ernaehrung.de/tag/biolandbau/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.welt-ernaehrung.de</link> <description>Den Ursachen des Hungers auf der Spur.</description> <lastBuildDate>Wed, 11 Jan 2012 04:53:53 +0000</lastBuildDate> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <generator>http://wordpress.org/?v=</generator> <item><title>Neoliberale Scheinlösungen (Rezension)</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/#comments</comments> <pubDate>Tue, 09 Aug 2011 04:31:49 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=605</guid> <description><![CDATA[Der britische Gentechnik-Befürworter Paul Collier degradiert La Via Campesina und und die Verfasser des Weltagrarberichts zum Fußvolk aristokratischer Umweltromantiker wie Prinz Charles]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><b>Der Gentechnik-Befürworter Paul Collier macht Vorschläge zur Rettung der Welt</b></p><p><i>Peter Clausing</i></p><p>Der britische Ökonomieprofessor Paul Collier nimmt in seinem im Mai in deutscher Übersetzung erschienenen Buch »Der hungrige Planet« für sich in Anspruch, »Ideen aus der präzisen, aber schwer verständlichen Sprache der modernen Wirtschaftswissenschaft in eine Form zu übersetzen, die auch außerhalb des engen Zirkels von Fachleuten gelesen werden kann« (S. 14). Das ist ihm gelungen: Der Vereinfachungsgrad des Buches liegt auf BILD-Niveau. In dem Werk wimmelt es von simplen Antworten auf noch simplere Fragen – vermutlich mit ein Grund, warum Collier zu den Bestsellerautoren im Sachbuchbereich gehört. Doch bei falsch gestellten Fragen werden die Antworten auch nicht richtiger, trotz der ausgefeilten Computersimulationen, auf die Collier so häufig Bezug nimmt. Ab und zu werden korrekt beschriebene Sachverhalte mit weniger korrekten Schlußfolgerungen gekoppelt, so daß man unwillkürlich an Georg Christoph Lichtenbergs Aphorismus »Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt« denken muß.</p><p>Meist geht es im Buch also sehr einfach zu. Die Ökonomen zerfallen in zwei Lager – Utilitaristen und Ethiker –, die Menschheit insgesamt in drei: Umweltplünderer, die von Collier als »Ignoranten« etikettiert werden; Umweltschützer, die er als »Romantiker« bezeichnet und zu deren wichtigstem Protagonisten er Prinz Charles auserkoren hat, sowie die »kritische Masse der Bürger«, die durch eine von ihm vorgeschlagene »Charta für natürliche Ressourcen« geläutert werden soll. Diesen Läuterungsprozeß betrachtet er deshalb als erfolgversprechend, weil er von »drei politischen Riesen aus rohstoffreichen Ländern« geleitet wird, zu denen er unter anderem den früheren mexikanischen Präsidenten Ernesto Zedillo zählt. Mit dieser »glaubwürdigen Führung«, so Collier, »gleicht die Charta durch Autorität aus, was ihr an institutioneller Macht fehlt« (S. 239). Kennern der Verhältnisse in Mexiko dürften bei dieser Offenbarung die Haare zu Berge stehen.</p><p><b>Korruption als Mysterium</b></p><p>Im Mittelpunkt von Colliers Erörterungen stehen der von ihm so genannte Ressourcenfluch und seine These von der »mißverstandenen Natur«. Mit ersterem umschreibt er die Beobachtung, daß zahlreiche Länder des Südens rohstoffreich, aber bitterarm sind. Der Professor kommt zu der nicht ganz taufrischen Erkenntnis, daß die Ausplünderung natürlicher Ressourcen in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas mit Korruption einhergeht. An der einen oder anderen Stelle fällt ihm sogar auf, daß es neben den Bestochenen auch jene gibt, die das Geld zur Verfügung stellen. Colliers ausgiebige Erörterung des Themas Korruption ist jedoch von einer bemerkenswert ahistorischen Betrachtungsweise gekennzeichnet, die den Beitrag westlicher Regierungen zur Entstehung korrupter Regimes komplett ausblendet. Das betrifft deren geheimdienstlich betriebene Installierung (erinnert sei hier an John Perkins’ Buch »Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia«) und jahrzehntelange Unterstützung durch Länder mit »guter Regierungsführung«. Auch die fortdauernde Blockade eines gerechteren Weltwirtschaftssystems durch die westlichen Länder kommt mit keinem Wort zur Sprache. Für Collier ist Korruption ein fast mystisches Geschehen: »Es ist oft wahrscheinlich, daß Regierungsmitglieder, gemeinsam mit den natürlichen Ressourcen, von privaten Interessen vereinnahmt werden« (S. 77). Dieser Prozeß wird nicht beleuchtet, denn schuld sind eigentlich nicht die »privaten Interessen«, deren konkrete Benennung Collier strikt vermeidet, sondern die natürlichen Ressourcen selbst: »Sierra Leones Diamanten haben den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zerstört; Nigerias Öl hat die Korruption der politischen Klasse genährt« (S. 53). Diesem Dilemma setzt er die sanktionsfreien Selbstverpflichtungen der Extractive Industry Transparency Initiative (EITI) als Problemlösung entgegen. Abgesehen davon, daß neun Jahre nach deren Beginn bislang nur zehn Länder »EITI-zertifiziert« sind, werden die ökologischen und sozialen Problemen in den rohstoffreichen Ländern von der Initiative ungenügend berücksichtigt. Kein Thema für Collier. Statt dessen verlangt er unter anderem, die »Waldbewohner« Brasiliens sollten »keine Rechte auf das Öl unter dem Wald haben«, eine Forderung, die mit den Bestimmungen der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO über die Rechte indigener Völker kollidiert (S. 50).</p><p><b>Skandalöse Ignoranz</b></p><p>Collier propagiert auch die These, der Einmarsch der USA in den Irak 2003 sei in der Absicht erfolgt, »die Demokratie in den rohstoffreichen Nahen Osten (zu) bringen« (S.65), nur sei die »neokonservative Agenda naiv« gewesen. Denn, man höre und staune: Der Ölreichtum Iraks vereitelte den Aufbau einer guten Regierungspraxis.</p><p>Colliers Lamento über die Ressourcenplünderung beschränkt sich auf das Anprangern der Verschwendung der dabei erzielten Erlöse: Wert gleich Marktwert. Gebrauchswerte und der stoffliche Verlust von Ressourcen sowie dessen ökologische Konsequenzen haben im Denken Colliers keinen Platz. Er ist unbekümmert, denn: »Im 19.Jahrhundert war die britische Regierung besorgt, ihr könnten die hohen Bäume für Schiffsmasten ausgehen. Was passierte, war natürlich, daß Schiffe irgendwann keine Masten mehr brauchten« (S. 110). Demagogie oder Einfalt? Das Land, das heute keine Schiffsmasten mehr braucht, hat einen jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Papier von über 200 Kilogramm pro Jahr und würde mit den acht Prozent Wald, die ihm noch verblieben sind, gerade mal die Hälfte dieses Bedarfs decken können, wenn man den Wald komplett dafür nutzen würde.</p><p>In diesem Stil geht es weiter: Collier schlägt »eine gegenseitige Deeskalation der Dummheit« vor. »Im Austausch gegen Europas Aufhebung des selbstzerstörerischen Verbots von gentechnisch veränderten Lebensmitteln könnte Amerika seine selbstzerstörerischen Subventionen für Biokraftstoffe aufheben.« (S. 213) Der Autor vermittelt so den Eindruck, Agrotreibstoffe seien in Europa kein Thema. Der EU droht also die Selbstzerstörung durch das – längst aufgeweichte – Gentechnikverbot von 1996. Schuld daran ist in Colliers Kosmos Prinz Charles, der Anführer der Biobauern der Welt. Diese massive Verzerrung – umfassende wissenschaftliche Argumente gegen Agrogentechnik und beispielsweise »La Via Campesina«, die globale politische Bewegung der Kleinbauern, unerwähnt zu lassen und ihre Vertreter damit stillschweigend in einen Topf mit aristokratischen Umweltromantikern zu stecken – ist einer der besonders ärgerlichen Aspekte des Buches. Als würden der 2008 von 400 Experten veröffentlichte Weltagrarbericht und die wichtigen Publikationen renommierter Agrarökologen nicht existieren.</p><p>Das ganze Kapitel ist ein Skandal: Proteste gegen Hunger bilden die »klassische politische Basis für Demagogie«; in Brüssel wütet eine »Agrarlobby«, womit Collier allerdings Greenpeace und ähnliche Organisationen meint. Seine Behauptung, die europäische Getreideproduktion sei wegen des Gentechnikverbots ab 1996 um jährlich ein bis zwei Prozent gesunken, läßt sich mit offiziellen Statistiken widerlegen. Afrikas Kleinbauern vergleicht der Ökonom mit Straßenhändlern, »die man dort an jeder Ecke trifft« und die er durch die Errichtung von Supermärkten verschwinden lassen will. Wohin, verrät er nicht. Auch die Kleinbauern scheinen sich einfach in Luft aufzulösen, wenn Afrikas Landwirtschaft eines Tages durchmechanisiert ist, denn sie werden nicht weiter erwähnt.</p><p>Das Bedenklichste an diesem fadenscheinigen Plädoyer für eine nicht nachhaltige, neoliberale Scheinlösung großer Weltprobleme ist, daß sich – betrachtet man die Verkaufszahlen und die Rezeption des Buches in Medien wie Deutschlandfunk und Welt – kaum jemand daran zu stören scheint.</p><p>Paul Collier: Der hungrige Planet. Wie können wir Wohlstand mehren, ohne die Erde auszuplündern. Aus dem Englischen von Martin Richter, Siedler Verlag, München 2011, 272 S., 22,99 Euro</p><p>Rezension erschienen in:<br /> junge Welt, Beilage &#8220;land &#038; wirtschaft&#8221; vom 03.08.2011</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2011/08/09/neoliberale-scheinlosungen-rezension/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kuba: Revolution der Nachhaltigkeit</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/#comments</comments> <pubDate>Thu, 05 Aug 2010 03:53:14 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik-Lobby]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category> <category><![CDATA[Sortenvielfalt]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=441</guid> <description><![CDATA[Aus: land &#038; wirtschaft, junge Welt-Beilage vom 04.08.2010 Peter Clausing Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase, auch wegen der Schlüsselposition, die ihr im Rahmen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung beigemessen wird. Staatspräsident Raul Castro sprach von einer »Frage der nationalen Sicherheit«. Angesichts der rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die derzeit noch jährlich für Lebensmittelimporte ausgegeben [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Aus: land &#038; wirtschaft, <em>junge Welt</em>-Beilage vom 04.08.2010<br /> Peter Clausing</p><p>Kubas Landwirtschaft befindet sich in einer wichtigen Phase, auch wegen der Schlüsselposition, die ihr im Rahmen der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung beigemessen wird. Staatspräsident Raul Castro sprach von einer »Frage der nationalen Sicherheit«. Angesichts der rund 1,5 Milliarden US-Dollar, die derzeit noch jährlich für Lebensmittelimporte ausgegeben werden müssen, überrascht es nicht, daß dem Ziel der Ernährungssouveränität so hohe Priorität eingeräumt wird. Und Kuba hat günstige Voraussetzungen, um dieses Ziel zu erreichen – trotz wetterbedingter Ernteverluste (im Jahr 2008 wurde zum Beispiel ein Drittel der gesamten Ernte durch Hurrikans vernichtet). Denn das Land verfügt über optimale natürliche Rahmenbedingungen und die nötige Infrastruktur für schnelle Wissensvermittlung. Daß dies mit einer umweltverträglichen und damit wirklich nachhaltigen Produktionsweise möglich ist, haben die über 200000 kleinbäuerlichen Familienbetriebe unter Beweis gestellt, die auf inzwischen 41 Prozent der Ackerfläche bereits 70 Prozent des landwirtschaftlichen Bruttoinlandsprodukts erzeugen. Rund die Hälfte von ihnen betreibt Biolandbau.</p><p>Diese »Revolution der Nachhaltigkeit« wird von progressiven Agrarwissenschaftlern bewundert und fand im Mai bei der diesjährigen Verleihung des als »Grüner Nobelpreis« betrachteten Goldman Environmental Prize an Humberto Rios Labrada internationale Anerkennung. Auch wenn Rios, Koordinator für Lokale Landwirtschaftliche Innovation am Nationalen Institut der Landwirtschaftswissenschaften, zu bedenken gibt, daß Kubas landwirtschaftliches System »noch immer auf industriellen Prinzipien basiert«, kann er sich nicht vorstellen, daß man in nennenswertem Umfang zur Nutzung von Agrochemie zurückkehren wird, die die kubanische Landwirtschaft in den 1980er Jahren beherrschten – schon aus Kostengründen.</p><p>Die Gefahr für eine nachhaltige Landwirtschaft in Kuba kommt aus einer anderen Ecke. Einerseits hat sich die kubanische Biotechnologie in den vergangenen Jahrzehnten große Verdienste sowohl bei der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln als auch bei der Unterstützung biologischer Anbaumethoden in der Landwirtschaft erworben, letzteres insbesondere durch die Praxiseinführung stickstoffbindender Bodenmikroben als biologische Düngemethode (z.B. Azospirillium rhizobium) und durch die Produktion von Biopestiziden in den landesweit 220 Centros de la Reproducción de los Entomofages y Entomopatógenos (Zentren zur Vermehrung von Insektenfressern und Lebewesen, die bei Insekten Krankheiten verursachen). Andererseits verfügt das Flaggschiff der kubanischen Biotechnologie, das renommierte Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIBG) in Havanna, über eine Abteilung für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen, die verstärkt von sich reden macht. In diesem Jahr wurde auf ihr Betreiben erstmals auf 2600 Hektar in der Provinz Sancti Spíritus Genmais angebaut. Carlos Borroto, stellvertretender Direktor des CIBG und wohl einer der einflußreichsten Gentechnikbefürworter in Kuba, verkündete vor einiger Zeit, es sei politischer Wille, die Grüne Gentechnik zu nutzen.</p><p>Die seit kurzem entbrannte Diskussion zu diesem Thema ist zumindest dadurch gekennzeichnet, daß Befürworter und Gegner der Gentechnik noch ernsthaft miteinander reden. Immerhin würdigte Borroto auf der diesjährigen Buchmesse in Havanna in einem überfüllten Saal das dort vorgestellte erste in Kuba erschienene gentechnikkritische Buch einen wichtigen Beitrag zur Debatte. Und auf einen Beitrag in der Online-Zeitschrift Rebelión antwortete er ausführlich. Narciso Aguilera Marín, Mitglied der Asociación Cubana de Técnicos Agrícolas y Forestales (ACTAF), hatte in Rebelión am 16. Mai unter dem Titel »Ökologischer Alarm gegen die Verbreitung von transgenem Mais in Kuba« vor den Risiken der Gentechnik gewarnt. Aber Borrotos Argumentation ähnelt den stereotypen Antworten der Agrarkonzerne: Die Technologie sei sicher, alles werde strengstens kontrolliert, und Gentechnik sei zur Ertragssteigerung dringend nötig. Der einzig neue – und sicher zutreffende Hinweis des CIBG-Direktors ist der, daß in Kuba keine Profitinteressen hinter der Gentechnik stünden.</p><p>Die Frage ist, ob nicht auch wissenschaftlicher Ehrgeiz ausreichen könnte, um allen verfügbaren persönlichen Einfluß geltend zu machen, um begründete Bedenken gegen die Risikotechnologie zu unterdrücken. Die unkontrollierte Ausbreitung von Genmaispollen dürfte in Kuba kaum leichter zu verhindern sein als anderswo. Gleichermaßen unklar ist, welchen Beitrag die gentechnische Veränderung einzelner Merkmale (zum Beispiel die Resistenz gegen den Maisschädling Palomilla) tatsächlich für die Ernährungssouveränität leisten könnte, und ob eine Vielfalt lokal angepaßter Sorten nicht besser geeignet wäre, insbesondere auch von Witterungsunbilden verursachte Schäden zu begrenzen. Denn eine weitere Gefahr der Nutzung gentechnischer Sorten, ist die damit verbundene Verringerung der Artenvielfalt.</p><p>Unabhängig davon macht jedoch die Transformation der industriell geprägten Landwirtschaft Kubas in eine, die von hoch produktiven, nachhaltig wirtschaftenden bäuerlichen Betrieben bestimmt wird, Fortschritte. Denn auch für diese Entwicklung existiert der politische Wille. Kuba verfügt über erhebliche Flächenreserven, deren landwirtschaftliche Nutzung durch das 2008 erlassene Gesetz Nr. 259 erleichtert wird. Mit diesem Gesetz ermöglichte die kubanische Regierung Familien, die in die Landwirtschaft wechseln wollen, die Bewirtschaftung von bis zu 13,42 Hektar Land. Inzwischen sind nach Angaben des kubanischen Wirtschaftsministers Marino Murillo 920000 Hektar Land zur Bewirtschaftung übergeben worden.</p><p>Aber rund die Hälfte dieser Fläche wird derzeit nicht oder nur ungenügend genutzt. Hier gilt das Gleiche wie bei anderen Bodenreformprojekten: Die Übertragung von Landnutzungsrechten ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für landwirtschaftliche Produktion. Denn die Landwirte brauchen über das Produktionsmittel Boden hinaus Landtechnik, Geräte, Materialien, Transport- und Lagermöglichkeiten. Entsprechend kritisch waren die Stimmen auf dem 10. Kongreß des Nationalen Kleinbauernverbandes (ANAP), der am 15. und 16. Mai 2010 in Havanna stattfand, aber auch auf einem Kooperativentreffen am 5. Juni 2010. In der digitalen Ausgabe von Juventud Rebelde, der Zeitung des kommunistischen Jugendverbandes, wird am 8. Juni Yuniel Gonzalez, ein junger Bauer, zitiert. Er kritisierte die bürokratischen Hürden bei der Beschaffung von Material und Gerätschaften in deutlichen Worten. Unterdessen kündigte Wirtschaftsminister Murillo an, daß die Landwirte in der Mehrzahl der 169 Landkreise Kubas die Möglichkeit bekommen sollen, ihren Bedarf durch direkten Einkauf zu decken. Bislang sind aufwendige Antrags- und Genehmigungsverfahren nötig. Generell ist die Beseitigung bürokratischer Hürden im Bemühen, die landwirtschaftliche Produktion durch die Förderung von Initiative und Verantwortung anzukurbeln, ein probates Mittel. Bleibt zu hoffen, daß mit diesen Maßnahmen nicht eine schleichende allgemeine Privatisierung der Wirtschaft eingeleitet wird.</p><p>URL: http://www.jungewelt.de/beilage/art/2387</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/08/05/kuba-revolution-der-nachhaltigkeit/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>UNO-Experte: Biolandbau übertrifft industrielle Landwirtschaft</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/06/26/uno-experte-biolandbau-ubertrifft-industrielle-landwirtschaft/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/06/26/uno-experte-biolandbau-ubertrifft-industrielle-landwirtschaft/#comments</comments> <pubDate>Sat, 26 Jun 2010 20:53:07 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[industrielle Landwirtschaft]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=428</guid> <description><![CDATA[Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, erklärte während der Vorstellung entprechender Ergebnisse auf einer Internationalen Agroökologie-Tagung in Brüssel am 21./22. Juni 2010, &#8220;die Regierungen und internationalen Organisationen müssen sich dringend zu einer massiven Förderung biologischer Anbautrechniken entschließen, um die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen und das Klima zu schützen.&#8221; Zusammen mit 25 führenden [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, erklärte während der Vorstellung entprechender Ergebnisse auf einer Internationalen Agroökologie-Tagung in Brüssel am 21./22. Juni 2010, &#8220;die Regierungen und internationalen Organisationen müssen sich dringend zu einer massiven Förderung biologischer Anbautrechniken entschließen, um die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen und das Klima zu schützen.&#8221;</p><p>Zusammen mit 25 führenden Agroökologie-Experten drängte der UNO-Experte die internationale Gemeinschaft, &#8220;die gegenwärtige Landwirtschaftspolitik zu überdenken&#8221; und das Potential des Biolandbaus zu nutzen.</p><p>Mein Kommentar: Dies wäre ein notwendiger, aber kein hinreichender Schritt, um den beiden Krisen (Ernährung, Klima) beizukommen &#8211; &#8220;einfach nur&#8221; mit Biolandbau, ohne grundlegenden gesellschaftlichen Umbau, werden wir auf halbem Wege stecken bleiben.</p><p><em>Nachstehend der volle Wortlaut der <a href="http://www.unog.ch/unog/website/news_media.nsf/%28httpNewsByYear_en%29/8658E9837171C014C125774A004F9ED2?OpenDocument">Meldung</a> auf Englisch, die auf der Website des Genfer UNO-Büros publiziert ist<br /> </em><br /> BRUSSELS – &#8220;Governments and international agencies urgently need to boost ecological farming techniques to increase food production and save the climate,&#8221; said UN Special Rapporteur on the right to food, Olivier De Schutter, while presenting the findings at an international meeting on agroecology held in Brussels on 21 and 22 June.</p><p>Along with 25 of the world&#8217;s most renowned experts on agroecology, the UN expert urged the international community to re-think current agricultural policies and build on the potential of agroecology.</p><p>&#8220;One year ago, Heads of States at the G20 gathering in Italy committed to mobilizing $22 billion over a period of three years to improve global food security. This was welcome news, but the most pressing issue regarding reinvestment in agriculture is not how much, but how,&#8221; Mr. De Schutter said.</p><p>&#8220;Today, most efforts are made towards large-scale investments in land – including many instances of land grabbing – and towards a &#8216;Green Revolution&#8217; model to boost food production: improved seeds, chemical fertilisers and machines,&#8221; the Special Rapporteur remarked. &#8220;But scant attention has been paid to agroecological methods that have been shown to improve food production and farmers&#8217; incomes, while at the same time protecting the soil, water, and climate.&#8221;</p><p>The widest study ever conducted on agroecological approaches (Jules Pretty, Essex University, UK) covered 286 projects in 57 developing countries, representing a total surface of 37 million hectares: the average crop yield gain was 79 per cent. Concrete examples of &#8216;agroecological success stories&#8217; abound in Africa.</p><p>In Tanzania, the Western provinces of Shinyanga and Tabora used to be known as the &#8216;Desert of Tanzania&#8217;. However, the use of agroforestry techniques and participatory processes allowed some 350,000 hectares of land to be rehabilitated in two decades. Profits per household rose by as much as USD 500 a year. Similar techniques are used in Malawi, where some 100,000 smallholders in 2005 benefited to some degree from the use of fertilizer trees.</p><p>&#8220;With more than a billion hungry people on the planet, and the climate disruptions ahead of us, we must rapidly scale up these sustainable techniques,&#8221; Mr. De Schutter said. &#8220;Even if it makes the task more complex, we have to find a way of addressing global hunger, climate change, and the depletion of natural resources, all at the same time. Anything short of this would be an exercise in futility.&#8221;</p><p>The experts gathering in Brussels identified the policies that could develop agroecological approaches to the scale needed to feed the world in 2050. They based their work on the experiences of countries that have pro-agroecology policies – such as Cuba or Brazil – as well as on the successful experiences from international research centres such as the World Agroforestry Center in Nairobi, and on the programmes of La Via Campesina, the transnational peasant movement, which runs agroecology training programmes.</p><p>&#8220;We can scale up these sustainable models of agriculture, and ensure that they work for the benefit of the poorest farmers. What is needed now is political will to move from successful pilot projects to nation-wide policies,&#8221; the UN Special Rapporteur said. In conclusion, he announced that he would ask the Committee on World Food Security – what should become in time the &#8216;Security Council&#8217; for food security – to work during its October session on the policy levers to scale up agroecology. &#8220;This is the best option we have today. We can&#8217;t afford not to use it.</p><p>Note:</p><p>- The international seminar &#8220;The contribution of agroecological approaches to meet 2050 global food needs&#8221; was held in Brussels on 21 and 22 June. Convened under the auspices of the mandate of the UN Special Rapporteur on the right to food, Prof. Olivier De Schutter, it brought together agroecology experts, decision makers at national and international levels, and representatives of farmer organizations.</p><p>- Modern agriculture is a huge contributor to greenhouse gas emissions, accounting for 14% of total annual emissions, with change in land-use (including deforestation for agricultural expansion) contributing another 19%. Of the direct agricultural emissions, fertilizers account for 38%, and livestock for 31%. The Intergovernmental Panel on Climate Change has estimated that in Southern Africa, yields from rainfed agriculture could be reduced by up to 50 percent between 2000 and 2020, and that arid and semi-arid areas could increase by 60-90 million hectares before 2080.</p><p>- According to a UNEP report, the agricultural sector could be largely carbon neutral by 2030 and produce enough food for a population estimated to grow to nine billion by 2050, if systems proven to reduce emissions from agriculture were widely adopted today. Dennis Garrity, the Director of the World Agroforestry Centre in Nairobi assessed in July 2009 that a global implementation of agroforestry methods could also result in 50 billion tons of carbon dioxide being removed from the atmosphere &#8211; about a third of the world&#8217;s total carbon reduction target.</p><p>- Agroecological farming approaches include agroforestry (interplanting trees and crops on the same parcel), biological control (controlling pests and diseases with natural predators), water harvesting methods, intercropping, green manure cover crops, mixed crop and livestock management, and many other practices. One feature uniting all of the above advances is the low use of external inputs.</p><p>Olivier De Schutter was appointed the Special Rapporteur on the right to food in May 2008 by the United Nations Human Rights Council. He is independent from any government or organization.</p><p>For more information on the mandate and work of the Special Rapporteur, visit: http://www2.ohchr.org/english/issues/food/index.htm</p><p>Press contacts: &#8211; Olivier De Schutter (Tel. +32 488 48 20 04) &#8211; Beatrice Quadranti (Tel: +41 22 917 9615) or Elaine Ryan (Tel: +41 22 917 9697) or write to <span id="enkoder_1_1488860402">email hidden; JavaScript is required</span><script type="text/javascript">
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Hält die &#8216;Demeter International Ltd.&#8217; und ihr namibischer Partner &#8216;Labour Investment Holding&#8217; (LIH) an ihrem &#8216;Katondo Farm Project&#8217; fest, wird hier ab Oktober bislang unberührter Boden umgepflügt und zweimal pro Jahr geerntet.</p><p>Den kompletten Artikel (englisch) bei <a href="http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=51451">InterPress Service</a> lesen</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/15/namibia-agrargrosprojekt-von-demeter-auf-land-der-san/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Kubas grünes Projekt</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/#comments</comments> <pubDate>Tue, 04 May 2010 06:10:43 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Lateinamerika]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Gentechnik]]></category> <category><![CDATA[Kuba]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=366</guid> <description><![CDATA[Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 05.05.2010 Peter Clausing Reformierte Landwirtschaft: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischer Anbau und urbane Gemüseproduktion Am 16. März 2010 verstörte eine Meldung mit der Überschrift &#8220;Kuba schließt 100 Agrarunternehmen&#8221; [1] die Leser. Während sich jW auf diese Meldung beschränkte, beeilten sich andere Medien hinzuzufügen, dass Kuba 60 bis 70 [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 05.05.2010<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p>Reformierte Landwirtschaft: Ausweitung der Nutzfläche, Fokussierung auf Familienbetriebe, ökologischer Anbau und urbane Gemüseproduktion</p><p>Am 16. März 2010 verstörte eine Meldung mit der Überschrift &#8220;Kuba schließt 100 Agrarunternehmen&#8221; [1] die Leser. Während sich jW auf diese Meldung beschränkte, beeilten sich andere Medien hinzuzufügen, dass Kuba 60 bis 70 Prozent seiner Nahrungsmittel importieren müsse. Präsident Raúl Castro suche nach &#8220;Rezepten&#8221;, um die landwirtschaftliche Produktion zu steigern. Derartige Meldungen entkoppeln die Fakten vom Kontext, zeichnen ein einseitiges Bild und ignorieren die Tatsache, dass die gesuchten &#8220;Rezepte&#8221; längst praktiziert werden. Die Mitteilung, dass 100 Betriebe geschlossen werden sollen und 40.000 Beschäftigte einen neuen Job finden müssen, kam vom kubanischen Landwirtschaftsminister Ulises Rosales del Toro, der Mitte März in Villa Clara an der Plenarsitzung des 10. Provinz-Kongresses des Nationalen Kleinbauernverbandes teilnahm.</p><p>Während von progressiven Agrarwissenschaftlern die kubanische Landwirtschaft als erfolgreiches Experiment gepriesen wird, veröffentlichte Dennis Avery im April 2009 einen Artikel mit dem Titel &#8220;Cubans Starve on a Diet of Lies&#8221; [2] (Die Kubaner verhungern an einer Nahrung aus Lügen), der von politischen Gegnern des Landes begierig aufgegriffen und im Internet verbreitet wurde. Avery ist Direktor des Center for Global Food Issues am Hudson Institute in Washington, einer konservative Denkfabrik, die unter anderem von Firmen wie Monsanto, Syngenta und Cargill finanziert wird. In seiner Veröffentlichung behauptet Avery, dass die kubanische Lebensmittelversorgung nach wie vor zu über 80 Prozent von Importen abhängen würde und dass die Erfolgsgeschichte des biologischen Anbaus in Kuba eine &#8220;große kommunistische Lüge&#8221; sei.</p><p><strong>Deutliche Steigerungsraten</strong></p><p>Die Statistik der Welternährungsorganisation (FAO), die aktuell bis zum Jahr 2005 reicht, spricht eine andere Sprache. Bei den wichtigsten Grundnahrungsmitteln lag die Eigenproduktion in den Jahren 2002 bis 2005 um das Zwei- bis Dreifache höher als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 1994 &#8211; der Sonderperiode nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftsraums. Diese Steigerungsraten betreffen sowohl die wichtigsten Getreidearten (Reis, Mais) als auch stärkehaltige Wurzelfrüchte (Kartoffel, Süßkartoffel, Maniok). Daten zu einzelnen Fruchtarten für 2006 und 2007 lassen ein weiteres Wachstum der Selbstversorgung erkennen und die Erntevorhersagen der FAO für 2009 sprachen von einer Rekordernte für Reis sowie überdurchschnittlichen Erträgen bei Mais.</p><p>Eine Gruppe von Autoren, die sich unter Federführung des kubanischen Agrarökologen Fernando Funes die Mühe gemacht haben, die von Avery in die Welt gesetzten Fehlinformationen zu zerpflücken, verweisen darauf, dass von 1996 bis 2005 die Pro-Kopf-Produktion bei Nahrungsmitteln insgesamt um jährlich 4,2 Prozent gesteigert wurde. Die tägliche Kalorienversorgung war in den kritischsten Jahren der Sonderperiode auf 2.300 bis 2.400 Kilokalorien (kcal) pro Person abgesunken, und die Kubaner hatten im statistischen Mittel neun Kilogramm an Körpergewicht verloren. Seit 2002 werden die Werte der 80er Jahre übertroffen und liegen seither auf über 3.200 kcal pro Person und Tag. Die Kalorien aus tierischen Produkten blieben dabei im Bereich von 300 bis 400 kcal &#8211; in den 80er Jahre lagen sie bei über 600 kcal. Statt dessen kommt der Gesundheit der Bevölkerung zugute, dass heute der Durchschnittskubaner täglich 800 Gramm Obst und Gemüse verzehrt (verglichen mit sieben Gramm pro Person und Tag im Jahr 1993).</p><p>Nachdem durch das Verschwinden des sozialistischen Lagers faktisch über Nacht sowohl die Exporteinnahmen als auch die Versorgung des Landes mit Erdöl, chemischen Düngemitteln und Pestiziden weggebrochen waren, durchlief Kuba &#8211; zunächst unfreiwillig &#8211; eine &#8220;grüne Revolution&#8221;, die diesen Namen tatsächlich verdient. Im Gegensatz zur allgemein bekannten &#8220;Grünen Revolution&#8221;, die eigentlich eine agrochemische und Exportrevolution darstellte, setzt die kubanische Umwälzung auf Biolandbau und lokale Produktion. Der Erfolg dieser Entwicklung, die &#8211; wie bei Revolutionen üblich &#8211; nicht ohne Widersprüche verläuft, ist der Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, dem hohen Bildungsniveau in Kuba (verbunden mit flächendeckenden Kampagnen) und einem Programm zur urbanen Landwirtschaft zu verdanken.</p><p>Die Hälfte der heute rund 200.000 bäuerlichen Familienbetriebe betreibt biologischen Anbau. Insgesamt werden von diesen Betrieben auf nur 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche mehr als 65 Prozent der nationalen Produktion erzeugt. Mit dem im Juli 2008 verabschiedeten &#8220;Gesetz 259&#8243; ermöglichte die Regierung Familien, die in die Landwirtschaft wechseln wollen, die Bewirtschaftung von bis zu 13,42 Hektar Land. Inzwischen wurden rund 100.000 Landnutzungsanträge eingereicht. Das Ziel ist die agroökologische Bewirtschaftung von 1,5 Millionen Hektar, womit die Insel nach Schätzungen von Agrarwissenschaftlern den Status der vollen Ernährungssouveränität erreichen könnte. Außerdem verfügt Kuba über ausreichend Landreserven, die urbar gemacht werden können. Laut FAO wurde von 2008 zu 2009 die landwirtschaftlich genutzte Fläche um 30 Prozent erhöht, und die Regierung beabsichtigt, die Reis- und Bohnenimporte innerhalb der nächsten fünf Jahre zu halbieren.</p><p><strong>Urbane Landwirtschaft</strong></p><p>Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen sind die 50.000 Hektar urbaner Landwirtschaft, auf denen jährlich über 1,5 Millionen Tonnen Obst und Gemüse erzeugt werden. Etwa 380.000 Kubaner beteiligen sich an diesem Projekt. Die Spitzenerträge liegen bei 20 Kilogramm essbarer Produkte pro Quadratmeter, und Städte wie Havanna und Santa Clara versorgen sich bei Gemüse zu über 70 Prozent aus eigener Produktion. Das geschieht nahezu ohne Verbrauch an fossilen Energieträgern, die in anderen Ländern für Transport, Landmaschinen, Düngemittel und Pestizide verpulvert werden. Im Zuge der Überwindung der kritischen Phase der &#8220;Sonderperiode&#8221; in den 90er Jahren wurde Kuba zum Musterland nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion. Innerhalb eines Jahrzehnts erfolgte die Konversion eines hochspezialisierten, exportorientierten Landwirtschaftsmodells, das massiv von importierten chemischen Inputs abhing, in ein Modell, das in großem Maßstab auf agroökologischen Prinzipien basiert.</p><p>Hier wird biologischer Anbau nicht zertifiziert. Es geht nicht darum, über Ökolabels Vorteile auf dem Weltmarkt zu erhaschen, sondern um die Sicherung der Ernährung eines ganzen Landes mit einer diversifizierten Produktion, die selbst unter den ungünstigen klimatischen Bedingungen von Hurrikans eine bemerkenswerte Elastizität aufweist. Ohne dass bislang weitere Details bekannt sind, könnte die oben erwähnte Ankündigung, 100 ineffiziente Agrarunternehmen schließen zu wollen, auf eine weitere Stärkung des Biolandbaus hindeuten.</p><p><strong>Streit um Gentechnik</strong></p><p>Die Erfolgskurve der ökologischen Landwirtschaft in Kuba kam weder von selbst noch verläuft die landwirtschaftliche Entwicklung ohne Widersprüche. Der Agrarökologe Fernando Funes verwies unlängst darauf, dass es in Kuba nach wie vor kein in sich geschlossenes Programm zur Förderung des biologischen Anbaus gibt, machte aber zugleich deutlich, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen zwanzig Jahre für die Ausbreitung biologischer Anbaumethoden sehr förderlich waren.</p><p>Zu den Widersprüchen zählt ferner die Tatsache, dass sich ein Teil der landwirtschaftlichen Produzenten die konventionellen Anbaumethoden zurückwünschen. Auch die Entwicklung gentechnisch veränderter Sorten zählt zu den Widersprüchen. Im Februar 2009 trat das Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIBG) in Havanna mit der Meldung [4] an die Öffentlichkeit, dass erstmalig in Kuba drei Hektar mit Genmais bepflanzt worden seien &#8211; von besserer Resistenz gegen den Erreger Palomilla del maíz und erhöhter Toleranz gegen Pestizide war die Rede. Die Debatte zu diesem Thema ist inzwischen entbrannt: Die Vorstellung des kritischen Buches &#8220;Genmanipulationen. Was gewinnen wir? Was verlieren wir?&#8221; [4] von F. R. Funes-Monzotes erwies sich als Publikumsmagnet auf der diesjährigen Buchmesse in Havanna.</p><p>[1] <a href="http://www.jungewelt.de/2010/03-16/053.php">http://www.jungewelt.de/2010/03-16/053.php</a><br /> [2]<a href="http://cgfi.org/2009/04/cubans-starve-on-diet-of-lies-by-dennis-t-avery/">http://cgfi.org/2009/04/cubans-starve-on-diet-of-lies-by-dennis-t-avery/</a><br /> [3] <a href="http://www.soel.de/service/nachrichtenarchiv/2009/maerz.html#6">http://www.soel.de/service/nachrichtenarchiv/2009/maerz.html#6</a><br /> [4] <a href="http://www.buchmesse.de/de/blog/kuba/2010/02/22/in-kuba">http://www.buchmesse.de/de/blog/kuba/2010/02/22/in-kuba</a></p><p>Quelle: <a href="http://www.jungewelt.de/2010/05-05/036.php">http://www.jungewelt.de/2010/05-05/036.php</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/05/04/kuba-landwirtschaft-mit-zukunft/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Ein Landwirtschaftsmodell zur Versorgung der Welt</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/01/28/ein-landwirtschaftsmodell-zur-versorgung-der-welt/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/01/28/ein-landwirtschaftsmodell-zur-versorgung-der-welt/#comments</comments> <pubDate>Thu, 28 Jan 2010 05:48:45 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Asien]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Indien]]></category> <category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category> <category><![CDATA[Produktivität]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=280</guid> <description><![CDATA[Von Devinder Sharma &#124; 24.Januar 2010 In zehn Jahren, im Jahr 2020, können die indische Landwirtschaft und gleichermaßen die Landwirtschaft der ganzen Welt in ein gesundes und lebensfähiges System verwandelt sein, in dem die Selbstmorde der Bauern der Geschichte angehören, in dem Elend und Verzweiflung durch Stolz am Anbauen ersetzt worden sind, wo Landwirtschaft wahrhaft [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Von Devinder Sharma | 24.Januar 2010</p><p>In zehn Jahren, im Jahr 2020, können die indische Landwirtschaft und gleichermaßen die Landwirtschaft der ganzen Welt in ein gesundes und lebensfähiges System verwandelt sein, in dem die Selbstmorde der Bauern der Geschichte angehören, in dem Elend und Verzweiflung durch Stolz am Anbauen ersetzt worden sind, wo Landwirtschaft wahrhaft langfristig und nachhaltig geworden ist und keine Wärme der globalen Umwelt hinzufügt.</p><p>Mit dem Beginn von 2010 wird das Drehbuch für eine künftige Landwirtschaft geschrieben, das das Lächeln auf dem Antlitz des Bauern zurückbringt, ohne Wunden in der Umwelt zu hinterlassen.</p><p>Was mit einer kleinen Initiative vor sechs Jahren in einem unbekannten Dorf im Khamam-Distrikt begann, hat sich jetzt über 800 000 ha in 21 Distrikten von Andhra Pradesh verbreitet. Ich erinnere mich an das erste Gespräch über das Wunder, das durch das Dorf Pannukula in Andhra Pradesh zustandegebracht wurde, und von dem viele glaubten, ich wolle einfach versuchen, die Landwirtschaft zu romantisieren. Wie Landwirtschaft ohne Verwendung von chemischen Pestiziden betrieben werden könne, wurde ich wiederholt gefragt.</p><p>Pannukula grub eine erste Furche, die sich am Ende zu einem leuchtenden breiten Pfad verbreiterte. In den folgenden vier Jahren haben mehr als 318 000 Bauern in 21 der 23 Distrikte von Andhra Pradesh das intensive chemische Anbausystem aufgegeben und sind zu einer nachhaltigen, ökonomisch machbaren und ökologisch angepaßten Landwirtschaft übergegangen. Eine stille Revolution ist im Entstehen begriffen. In Kharif waren 2009 ca. 560 000 ha bepflanzt mit dem, was jetzt unter dem Namen Community Managed Sustainable Agriculture (CMSA= Kommunal betriebene nachhaltige Landwirtschaft) bekannt ist.</p><p>Während ich dies hier in der ersten Woche des Januar 2010 schreibe, hat sich das Gebiet auf 800000 ha der 21 Distrikte ausgebreitet. Eine Zunahme von 240000 ha eines Anbausystems, das keine chemischen Pestizide verwendet und auch nach und nach auf den chemischen Dünger verzichtet, und das obendrein innerhalb weniger Monate, das ist ein einzigartiger Rekord. Und all dies geschah ohne irgendwelche Anreize von Regierungsbehörden oder dem privaten Sektor. Ich sehe keinen Grund, weshalb dieses umweltmäßig sichere und bauernfreundliche System nachhaltiger Landwirtschaft nicht in weiteren zehn Jahren zusätzliche 80 Millionen ha im ganzen Land bedecken sollte, wenn es der Regierung ernst ist.</p><p>In 10 Jahren, 2020, kann die indische Landwirtschaft in ein gesundes, dynamisches System verwandelt werden, in dem die Selbstmorde der Bauern der Geschichte angehören, wo Elend und Verzweiflung durch den Stolz der Bauern ersetzt sind, und wo die Landwirtschaft zu einem auf lange Sicht nachhaltigen System wird, das nicht zu einem Klimawandel führt.</p><p>Was als Experiment begann, ein Anbausystem zu entwickeln ohne die Verwendung von chemischen Pestiziden, geht jetzt dazu über, auch auf die Verwendung chemischer Düngemittel zu verzichten. Man benutzt eine Mischung aus wissenschaftlich erprobten Technologien, einheimischem Wissen und traditioneller Weisheit. Die Bauern ersetzen chemischen Dünger und Pestizide mit Mikroben- Kulturen, intensiver Nutzung von Komposttechniken, Regenwurm-Kompostierung, und sie verwenden Bio-Dünger und Bio-Extrakte zur Ungezieferkontrolle.</p><p>Dies brachte eine vollständige Veränderung der konventionellen Landwirtschaft mit sich und bot einen sicheren und stabilen Lebensunterhalt. Die Erträge sind gleich geblieben, die Schäden durch Ungeziefer sind drastisch gesunken und der Boden gewinnt seine natürliche Fruchtbarkeit zurück. Da die Bodenfruchtbarkeit über die Jahre sich langsam verbessert, sind auch die Erträge weiter gestiegen. Noch wichtiger ist, daß die Ausgaben der Bauern für Gesundheitsprobleme, die durch die Verwendung von Pestiziden auftreten, im Durchschnitt um 40% gesunken sind.</p><p>Die Bauern haben jetzt mehr Geld auf der Hand. Die Anbaukosten pro ha sind um 33% gesunken. Ein CMSA-Bauer spart z.B. beim Anbau von Baumwolle mehr als 12,500 RS (Rupien= ca. 0,0152 € bzw. 100 Rs = 1.5 €) pro ha allein durch die Nichtverwendung von Pestiziden. Da die Erträge stabil geblieben sind, haben die Baumwollpflanzer praktisch ein neues Leben erhalten. Und die Umwelt ist gesünder und sicherer geworden.</p><p>Normalerweise gehen beim Baumwollanbau 56% der Kosten für die Pestizide drauf. Und man vergesse nicht, daß 70% der Bauern, die Selbstmord begehen, im Staat und im Bundesland, Leute sind, die im Baumwollanbau arbeiten. Aber kein Bauer hat in den Gebieten, wo das neue System ohne Pestizide verwendet wird, Selbstmord begangen.</p><p>Mehr Geld in den Händen der Bauern bedeutet weniger Schulden. Ich habe kein anderes Dorf im Lande in den drei Jahrzehnten meiner Arbeit über Landwirtschaft gesehen, das in der Lage gewesen ist, sein gesamtes mit Hypotheken belastetes Land von den Geldverleihern in nur drei Jahren zurückzubekommen. Dies geschah in dem Dorf Ramachandrapuram im Khamam Distrikt, wo alle 75 Bauern sogar ihre außenstehenden Zinsen zurückbezahlt haben.</p><p>Untersuchungen in fünf Distrikten zeigen, daß von 467 Familien, die ihr Land beliehen haben, mindestens 386 es in zwei Jahren freigekauft haben.</p><p>Dies ist ein Leitplan für die Zukunft der indischen Landwirtschaft und für die globale Landwirtschaft. Er liefert nicht nur einen nachhaltigen Weg mit einem minimalen Kohlenwasserstoff-Abdruck, sondern liefert auch ein ungeheures Potential, um Armut und Hunger zu vertreiben. Es ist eindeutig bewiesen worden, daß die Nahrungsversorgung per Haushalt sich verbessert hat durch 40% weniger Einkäufe an Nahrungsmitteln auf dem Markt. Die Ernteerträge sind gestiegen, und die Bauern sind jetzt sogar in der Lage, zwei Ernten pro Jahr anzubauen. Dies ist das Null-Hunger-Modell, von dem ich sage, daß es unter dem vorgeschlagenen National Food Security Act (Nationales Nahrungssicherungsgesetz) angenommen werden soll.</p><p>Selbsthilfegruppen für Frauen und Bauern spielen eine wichtige Rolle in der CMSA. Ersparnisse sind gestiegen, und eine Föderation von 850 675 Selbsthilfegruppen umfaßt jetzt 10 Millionen Frauen aus armen Haushalten. Diese Föderation besitzt ein Kapital von 1.5 Milliarden US-Dollar und liefert ein ganzes Bündel ökonomischer Leistungen. Kein Wunder, daß nachhaltige Landwirtschaft ohne Zuschüsse von außen die ländlichen Gegenden revolutionieren und Hunger und Armut besiegen kann.</p><p>AUTOR: Devinder SHARMA देविंदर शर्मा</p><p>Übersetzt von Einar Schlereth</p><p>Quelle: Ground Reality – A farming model to sustain the world</p><p>Originalartikel veröffentlicht am 8.1.2010</p><p>Über den Autor</p><p>Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.</p><p>URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9772&amp;lg=de</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2010/01/28/ein-landwirtschaftsmodell-zur-versorgung-der-welt/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Zukunft säen – Vielfalt ernten</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/12/27/zukunft-saen-%e2%80%93-vielfalt-ernten/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/12/27/zukunft-saen-%e2%80%93-vielfalt-ernten/#comments</comments> <pubDate>Sun, 27 Dec 2009 12:00:47 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Alternativen]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Saatgutkampagne]]></category> <category><![CDATA[Sortenvielfalt]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=238</guid> <description><![CDATA[Wir rufen zu einer europaweiten Kampagne auf: für gentechnikfreies Saatgut, für die Erhaltung des bäuerlichen Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, für Transparenz im Saatgutbereich und für langfristige Ernährungssouveränität. Wir wehren uns gegen die Monopolisierung des Saatgutes durch transnationale Konzerne und eine weitere Verschärfung geistiger Eigentumsrechte auf Pflanzen. Weitgehend [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Wir rufen zu einer europaweiten Kampagne auf: für gentechnikfreies Saatgut, für die Erhaltung des bäuerlichen Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen, zu tauschen und zu vermarkten, für Transparenz im Saatgutbereich und für langfristige Ernährungssouveränität. Wir wehren uns gegen die Monopolisierung des Saatgutes durch transnationale Konzerne und eine weitere Verschärfung geistiger Eigentumsrechte auf Pflanzen.</em></p><p>Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die EU-Kommission 2008 begonnen, das EU-Saatgutverkehrsrecht zu überarbeiten. Die Änderungen sollen Ende 2010 in Kraft treten. Unter der Bezeichnung »Better Regulation« will sie beim Saatgutrecht Bürokratie abbauen und die Gesetze vereinheitlichen. Zwölf Richtlinien regeln bisher den Saatgutverkehr in der EU. Jedes Mitgliedsland setzt sie unterschiedlich um. Die EU übertrug die Evaluation der derzeitigen Gesetzgebung privaten Firmen unter Leitung des Consultingbüros »Arcadia«, das bereits mehrfach für die Gentechnik-Industrie tätig war.Nach Inkrafttreten der ersten Saatgutverkehrs- gesetze in den 1960er Jahren hat das internationale Business den Saatgutmarkt entdeckt. Inzwischen kontrollieren die zehn führenden Saatgutkonzerne − unter ihnen Bayer, Monsanto, Syngenta, Limagrain − 67% dieses weltweiten Marktes. Sie üben auf die Änderungsvorhaben der EU entscheidenden Einfluss aus.</p><p><strong>Neue Bürokratie für alte Sorten</strong></p><p>Bisher unterlag der Markt nicht eingetragener Sorten in den meisten Ländern keiner Kontrolle. Deshalb hat die EU-Kommission im Juni 2008 eine Richtlinie für die Erhaltung von Getreide und Kartoffeln vorgelegt, welche die Vermarktung von Landsorten, regional angepassten oder vom Aussterben bedrohten Sorten regeln soll. Dazu zählen auch die meisten Sorten aus biologischer Züchtung, sowie von Bauern und Bäuerinnen selbst gewonnenes Saatgut und Sortengemische. Eine entsprechende Richtlinie für Gemüse soll folgen.Organisationen, die sich für die Erhaltung und Entwicklung der Pflanzenvielfalt und für ökologische Landwirtschaft einsetzen, wurden in der Vorbereitung zwar angehört, aber von ihren Vorschlägen ist kaum etwas übrig geblieben. Die sogenannte „Erhaltungsrichtlinie“ verfehlt das selbstgesteckte Ziel, den Verlust biologischerVielfalt in der Landwirtschaft aufzuhalten und das Saatgutrecht zu vereinfachen. Zwar ermöglicht sie Züchtern und Züchterinnen endlich regionale Sorten und solche für die biologische Landwirtschaft einzutragen. Sie errichtet aber bürokratische Hürden für die Eintragung und droht die Verbreitung nicht registrierter Sorten zu unterbinden. Alle EU-Länder müssen diese Richtlinie in nationales Recht umsetzen.</p><p><strong>Drei Anforderungen sind besonders absurd und mit enormem Kontroll-Aufwand verbunden:</strong></p><ul><li>der Nachweis über die Bedeutung einerSorte für die Erhaltung der Pflanzenvielfalt;</li><li>die starke regionale Bindung der Sorten an ihr Herkunftsgebiet;</li><li>die quantitative Beschränkung ihres Anbaus prozentual zu den üblichen Handels- sorten.</li></ul><p><img class="rechtsbild" src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2009/12/Saatgutboerse.jpg" alt="Saatgutbörse" width="230" height="314" align="right" />Diese Anforderungen sollen verhindern, dass die Saatgutindustrie auch nur einen Teil des Marktes an alternatives Saatgut abgeben muss. Wir er- warten, dass nur wenige Sorten, für die sich der bürokratische Aufwand wirtschaftlich lohnt, ein- getragen werden. Alle andern sind dann illegal. Besonders betroffen sind Länder wie die Türkei oder Rumänien, in denen ein großer Teil der gebräuchlichen Kulturpflanzen nicht auf den Listen der EU-Staaten steht, weil Bauern, Bäuerinnen und GärtnerInnen das regionale Saatgut selbst gewinnen und vermarkten. Dort drohen durch diese Richtlinie verheerende Auswirkungen.UPOV, der internationale Verband zum Rechtsschutz von Pflanzenzüchtungen, vertritt auf allen Kontinenten die Interessen der europäischen Saatgutindustrie. Setzt dieser mächtige Verband seine Interessen durch, so kann aus der EU-Erhaltungs-Richtlinie bei sinngemäßer Anwendung außerhalb Europas eine regelrechte Verbots-Richtlinie für alles einheimische Saatgut werden.</p><p><strong>Geistige Eigentumsrechte auf alle Kulturpflanzen?</strong></p><p>Die Saatgutkonzerne fordern die Ausweitung ihrer Privilegien. Ihnen entgehen noch gut 40% des potentiellen Marktes durch »illegalen Nachbau«, wie sie es nennen, und den Anbau von nicht zugelassenen Sorten.Die Gentechnik bietet für die Industrie eine ideale Lösung, sich geistige Eigentumsrechte zu sichern, weil gentechnisch verändertes Saatgut patentiert und auf den Feldern eindeutig feststellbar ist. Gentech-Konzerne nehmen Bauern und Bäuerinnen unter Vertrag und klagen gegen Landwirte wegen illegalem Nachbau, wenn sie auf deren Feldern Spuren ihrer Patente nach- weisen können. Die Monsanto-Prozesse gegen Percy und Louise Schmeiser in Kanada sind von vielen Fällen in Nordamerika die bekanntesten.Obwohl Gentechnik in Europa auf breite Ablehnung der Bevölkerung stößt, üben die Agrochemie-Konzerne Druck aus, um Gentechnik durchzusetzen. Sie weigern sich, die Haftung für Schäden durch GVOs zu übernehmen und beharren auf Schwellenwerten, die gentechnische Verunreinigungen in Saatgut ohne Kennzeichnung erlauben.Da der Widerstand gegen Gentechnik wächst, sucht die Saatgutindustrie nun nach anderen Wegen. Sie fordert in den Verhandlungen um ein neues Saatgutverkehrsgesetz die Identifizierung der Sorten durch eine Gensequenz, genannt genetische Marker. Obwohl diese Forderung den Sortenschutz und nicht den Saatgutverkehr betrifft, soll sie hier schon gesetzlich verankert werden. Mit genetischen Markern wollen die Konzerne den Nachweis ihrer Sorten auf den Feldern und im Erntegut erbringen und Nachbau verhindern. Allerdings lässt sich eine Gensequenz auch bei unbeabsichtigten Einkreuzungen in Nachbars Getreide nachweisen.</p><p>Patente auf Sorten</p><p>Auch auf nicht gentechnisch manipulierte Pflanzen haben Saatgutfirmen bereits Patente angemeldet. Beispiele dafür sind die »Antischrumpeltomate« (EP 1211926 B1), antikarzinogen wirkender Brokkoli (EP 1069819 B1) und eine Melone mit besonders hohem Zuckergehalt (EP 1587933 B1). Gegen all diese Patenteintragungen gibt es breite Proteste. Durch die Einführung molekularer Marker würden alle Kulturpflanzen mit einem Schlag patentierbar, der Widerstand gegen einzelne Patente wäre sinnlos.</p><p><strong>Die Konzerne wollen die Vorteile von Patenten auf Pflanzen auch ohne Gentechnik nutzen. Sie fordern von der EU: </strong></p><ul><li>den bisherigen Sortenschutz durch Funktionen der Patentrechte zu ergänzen und die Identifikation aller Sorten durch molekulare Marker zu ermöglichen;</li><li>der Saatgutindustrie die Prüfung für die Zulassung der Sorten zu überlassen;</li><li>bäuerliches Saatgut und Nachbau wegen Wettbewerbsverzerrung und sanitärer Gefahren zu verbieten;</li><li>ihre Monopolrechte auf eine zugelassene Sorte von 25 auf 30 Jahre auszudehnen.</li></ul><p><img src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2009/12/Maehdrescher.jpg" alt="Großfelder mit Mähdreschern" width="460" height="345" /></p><p>Die Landwirtschaft würde so in völlige Abhängigkeit zu wenigen Saatgutfirmen geraten, die − nicht zufällig − mit den transnationalen Agrochemiekonzernen identisch oder eng verflochten sind. Ihr Saatgut benötigt chemische Dünger, Pestizide und Bewässerung, erfordert also eine energie- und erdölintensive Landwirtschaft. Bauern, die sich auf diese Abhängigkeit eingelassen haben, geben heute bereits fünfmal mehr für Kunstdünger und Spritzmittel aus, als für das Saatgut selbst.</p><p><strong>Die weltweite Situation zwingt uns zum Umdenken</strong></p><p><em>Die in Brüssel ausstehenden Entscheidungen zum Saatgut betreffen nicht nur die Saatgutkonzerne und Landwirte, sie betreffen unser aller Ernährung. Deshalb wollen wir mit unseren Vorschlägen eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit beginnen.</em></p><p>Samen sind Ursprung des Lebens. Jahrtausendelang hat die Vielfalt der Kulturpflanzen die Menschheit ernährt. Für unsere Ernährungssouveränität sind die an uns weitergegebenen Saaten der größte Schatz. Diesen zu hüten und zu entfalten muss Ziel der neuen Saatgutgesetzgebung sein.Anstatt energiefressende Monokulturen mit chemieabhängigen Pflanzen muss die EU regional angepasste Sorten fördern. Sie muss die Vielfalt regionaler Landsorten gegenüber dem Weltmarkt weniger Industriesorten bevorzugen. Landsorten dürfen nicht in abgegrenzte Regionen verbannt und aus dem Wirtschaftsleben ausgeschlossen werden. Für ihre Züchtung sollen Förderungen bereit- stehen.Für eine Wende in der Agrarpolitik: Auch weil das Erdöl knapp wird, hat die industrielle Landwirtschaft keine Zukunft. Die Landwirtschaft muss aus dem hohen Energieverbrauch mit Hilfe der Kulturpflanzenvielfalt aussteigen. Sie muss die Bodenfruchtbarkeit wie- der in den Mittelpunkt stellen, anstatt durch Überdüngung den Boden zu zerstören und klimaschädliche Lachgase freizusetzen.Allein gentechnikfreies Saatgut erzeugt gentechnikfreie Nahrung. Deshalb fordern wir Nulltoleranz für GVO-Verunreinigungen in gentechnikfreiem Saatgut und das VerursacherInnenprinzip.In der Überarbeitung des Saatgutverkehrsrechts liegt auch die Chance, mehr Transparenz zu schaffen. Alle gentechnischen und sonstigen Methoden, die bei der Züchtung einer Sorte verwendet wurden, sollen bei ihrer Registrierung bekannt gegeben werden. Die so informierte Öffentlichkeit kann sich auf diese Weise vor unbekannten Folgen schützen.Das sind hochgesteckte Ziele. Ihre Umsetzung beginnt mit der Einhaltung des Rechts, Samen aus eigener Ernte zu gewinnen und zu vermarkten. Die Vielfalt wurde nicht im Chemielabor geschaffen, sondern durch Menschen auf der ganzen Welt, die auf ihren Feldern und in ihren Gärten den Pflanzen helfen, sich an lokale Bedingungen und Klimaveränderungen anzupassen. Unsere Zukunft liegt in der Vielfalt. Die kultivierte Pflanzenvielfalt muss wieder zu einer Grundlage unserer Ernährung werden. Das wollen wir in der europäischen Saatgutgesetzgebung verankern.Die UPOV muss ihre Politik ändern und die bäuerlichen Rechte respektieren, die im Internationaler UN-Vertrag über Pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (ITPGR-FA) festgeschrieben sind. Dieser Vertrag wurde von der EU und allen Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Vierzig Jahre lang hat die Chemie- und Saatgutindustrie behauptet, dass sie den Hunger in der Welt bekämpft. Doch die Zahl der Hungernden ist gestiegen, obwohl die Landwirtschaft immer mehr industrialisiert wurde. Vor einem Jahr endlich hat der von Weltbank und UNO in Auftrag gegebene Weltagrarbericht IAASTD festgestellt, dass Kleinbauern und -bäuerinnen den größten Beitrag zur Welternährung leisten. Die vierhundert WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt, die den Bericht erarbeitet haben, empfehlen eine Wende in der Landwirtschaftspolitik hin zu kleineren Strukturen und mehr Vielfalt.</p><p><strong>Vorschläge für eine europaweite Saatgutkampagne</strong></p><p><em>Wir hoffen, dass sich viele Gruppen und weitere Initiativen dieser Saatgutkampagne an- schließen, um mit Aktionen möglichst viele Menschen auf diese brennenden Fragen aufmerksam zu machen. Aktionen können nach Belieben regional, landesweit oder länderübergreifend geplant, koordiniert und auf der Webseite der Saatgutkampagne angekündigt und dokumentiert werden.</em></p><ul><li>»Zukunft säen«: Im vergangenen Jahr haben in der Schweiz vierzig Bäuerinnen und Bauern die Menschen ihrer Umgebung eingeladen, gemeinsam ein Feld mit einer regional angepassten Sorte einzusäen, um für die Verlängerung des Moratoriums gegen Gentechnik zu demonstrieren. Bei derartigen Veranstaltungen entstehen Verbindungen rund um die Fragen der Ernährung. Einen solchen Tag können viele Menschen, die über ein Stück Land verfügen, veranstalten und mit eigenen Ideen bereichern.</li><li>Im Juni 2009 fanden die Wahlen zum Europaparlament statt. Wir werden die neu gewählten Abgeordneten im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments über die drohenden Auswirkungen der geplanten EU- Saatgutrichtlinien informieren, und fordern, dass sie dazu Stellung beziehen.</li><li>Um möglichst viele Leute an der Diskussion über die Saatgutgesetzgebung zu beteiligen, suchen wir Unterstützung für die Unterschriftenaktion <strong>»Zukunft säen − Vielfalt ernten«</strong>. Auch Vereine, Kirchgemeinden,Schulklassen, Bürgerinitiativen können denAufruf unterschreiben.</li><li>Ähnliche Saatgutinitiativen finden in andereneuropäischen Ländern statt. Im März 2010 koordinieren wir diese beim V. Europäischen Saatguttreffen in Graz (Österreich) und planen eine gemeinsame Aktion zur Übergabe unserer Forderungen in Brüssel.</li></ul><p><img src="http://www.welt-ernaehrung.de/wp-content/uploads/2009/12/Zukuft-saehen.jpg" alt="Zukunft sähen" width="460" height="283" /></p><p><strong>Erstunterzeichner: </strong></p><p><em>IG Saatgut (Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit)<br /> Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft,<br /> AbLInteressengemeinschaft Nachbau<br /> Europäisches BürgerInnen Forum<br /> BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie</em></p><div class="infoframe">Weitere Informationen: Jürgen Holzapfel, Europ. BürgerInnen Forum, Stubbendorf 68, 17159 Dargun email: <span id="enkoder_3_1687064325">email hidden; JavaScript is required</span><script type="text/javascript">
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Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Erschienen in &#8220;junge Welt&#8221; vom 18.11.2009<br /> <em>Peter Clausing</em></p><p><i>Hintergrund. Wider das agroindustrielle Doping – eine andere Landwirtschaft ist möglich. Überlegungen anläßlich des diesjährigen Welternährungsgipfels</i></p><p>Noch bis zum heutigen Mittwoch findet in Rom der Welternährungsgipfel statt. Der nach 1996 und 2002 dritte Gipfel weist in mehrfacher Hinsicht Besonderheiten auf. Nie zuvor waren Machtkonzentration und Verflechtung von Agrar- und Biotechnologiekonzernen, lebensmittelverarbeitender Industrie und Handelsketten so groß. Doch auch die Sackgasse, in die diese Entwicklung führt, war noch nie so deutlich erkennbar. So wächst vor dem Hintergrund der globalen kapitalistischen Krise und einer steigenden Zahl hungernder Menschen die Notwendigkeit, einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Internationale Bewegungen wie Via Campesina, die solche Alternativen einfordern und praktizieren, finden zunehmend Gehör. Nationale Initiativen wie die brasilianische Bewegung der Landlosen (MST in portugiesischer Abkürzung) sind auf der Basis jahrelanger Kampferfahrung fest etabliert und können beachtliche Erfolge vorweisen.<sup>1</sup> <span id="more-211"></span>Seit 2008 gibt es mit dem Weltagrarbericht erstmalig ein umfassendes Dokument, das von einer institutionell-wissenschaftlichen Position aus eine radikale Wende in der globalen Landwirtschafts- und Ernährungspolitik fordert.<sup>2</sup> Sein Kernstück, der »Globale Bericht«, ein von über 400 Wissenschaftlern erarbeitetes, 600seitiges Dokument, wurde von 61 Regierungen unterschrieben (inklusive sieben EU-Staaten, unter Vorbehalt auch von Australien, Kanada und USA, nicht aber von Deutschland). Hinzu kommen ausführliche Teilberichte, die sich mit den regionalen Problemen der Welt befassen, die zu diesem Zweck in fünf Wirtschaftsregionen unterteilt wurde. Der Weltagrarbericht stellt somit einen wichtigen Bezugspunkt in der Diskussion über die Perspektiven von Landwirtschaft und Welternährung dar oder ist, wie es Uwe Hoering auf seinem Blog <a href="http://www.globe-spotting.de" target="_blank">www.globe-spotting.de</a> ausdrückt, zu einer »Art Bibel für die Kritiker der globalen Agrarindustrie« geworden. Am 9. Oktober 2009 wurde die deutsche Übersetzung der umfangreichen Zusammenfassung des Berichts der Öffentlichkeit präsentiert.<sup>3</sup></p><p><b>Kein »Weiter so!«</b></p><p>Trotz dieser ermutigenden Entwicklung sollte man sich keinen Illusionen hingeben – auf dem Welternährungsgipfel wird man die Stimmen der vom 13. bis 17. November ebenfalls in Rom stattfindenden Alternativkonferenz, dem People’s Food Sovereignty Forum, voraussichtlich ignorieren und ein »Weiter so!« als Rezept zur vermeintlichen Lösung der Welternährungskrise beschließen. Also genau das, wovon der Weltagrarbericht dringend abrät. Hinter dem »Weiter so!« verbirgt sich in erster Linie die Fortsetzung einer auf Agrochemikalien basierenden Steigerung der Hektarerträge von Monokulturen, anstatt auf eine umfassende Unterstützung kleinbäuerlicher Betriebe in den Ländern des Südens umzuschwenken, um so eine ökologisch und sozial verträgliche Produktionssteigerung zu erreichen, die den Begriff »nachhaltig« tatsächlich verdienen würde. Dabei ist die Zeit für eine solche radikale Agrarwende nicht nur reif, sondern auch knapp. Mehrfach ist im Weltagrarbericht davon die Rede, daß wir uns an einer »Weggabelung der Geschichte« befinden und daß die jetzt zu treffenden Entscheidungen bestimmen werden, »auf welche Weise wir unsere Erde erhalten und unsere Zukunft sichern« – oder eben auch nicht. Eine umfassende Förderung und verbindliche Umsetzung eines alternativen Weges, der in Wirklichkeit eine Vielzahl miteinander verflochtener Wege darstellt, würde zu einer raschen Verbreitung von Erprobtem und Bewährtem beitragen und darüber hinaus zahlreiche neue Möglichkeiten erschließen, die teils kurzfristig erreichbar und teils langfristig zu erarbeiten wären. Es geht also darum, daß »ökologische Nachhaltigkeit maximiert und bäuerliche Familienbetriebe wirtschaftlich so stark gemacht werden, daß sie in vorderster Linie die Armutsverringerung vorantreiben können«. (Weltagrarbericht)</p><p>Im vorliegenden Beitrag geht es um die inhaltliche Skizzierung solcher Alternativen. Ihre gegenwärtige politische Durchsetzbarkeit bleibt dahingestellt. Es ist aber wichtig, diese Alternativen zu kennen, denn auch im linken Spektrum wird »Fortschritt« im landwirtschaftlichen Bereich gelegentlich mit der Ausweitung und »Verfeinerung« agroindustrieller Produktionsmethoden gleichgesetzt. Von dieser Seite werden kleinbäuerliche Betriebe in den Ländern des Südens als überlebte Wirtschaftsform und somit als Ursache der Ernährungskrise eingestuft. Doch wie sollen ökologisch und sozial nachhaltige Alternativen gegen Konzerninteressen durchgesetzt werden, wenn selbst in linken Kreisen an ihrer Validität gezweifelt wird?</p><p>Wenn Landwirtschaft und Welternährung am Scheideweg stehen und – wie im Weltagrarbericht formuliert – ein »Weiter so!« keine rationale Option mehr darstellt, dann betrifft das einerseits die Anerkennung der Grenzen, an die die derzeitige landwirtschaftliche Strategie stößt und andererseits das Durchbrechen dieser Grenzen, um auf der Basis neuer Handlungsoptionen der fortschreitenden Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen Einhalt zu gebieten und einer deutlichen Linderung, wenn nicht Abschaffung von Armut und Hunger den Weg zu ebnen. Dabei trifft die bereits 1968 in einer Studie der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler getroffene Feststellung weiterhin zu, daß »ohne einschneidende wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Veränderungen alle wissenschaftlich-technischen Maßnahmen gegen den Hunger zum Scheitern verurteilt sind«. Charakteristisch für das herrschende Gesellschaftssystem ist allerdings, daß diese vor 40 Jahren gewonnene Erkenntnis bis heute keine praktische Umsetzung erfahren hat.</p><p><b>Folgen der Grünen Revolution</b></p><p>Lange Jahre haben sich die Agrarwissenschaften auf die Bereitstellung von Technologien zur Steigerung der betrieblichen Produktivität mit dem Ergebnis einer ständigen Senkung der Erzeugerpreise und Externalisierung der Kosten konzentriert, heißt es im Weltagrarbericht. Das Resultat dieser Preisdrückerei sind Erzeugerpreise bei Milch und Getreide, die selbst in Deutschland kaum noch für eine rentable Produktion ausreichen. Im Ergebnis der Externalisierung der Kosten trugen »Enklaven einer Intensivlandwirtschaft zu einer schleichenden Zerstörung von Böden und Wasser sowie zu Verunreinigungen, die den globalen Temperaturanstieg fördern, bei«. (Weltagrarbericht) Konkret sind 38 Prozent (zwei Milliarden Hektar) der weltweiten Kulturflächen von Bodendegradation betroffen, die Landwirtschaft verbraucht global 70 Prozent des knapp werdenden Süßwassers, zehn Prozent der weltweit bewässerten Flächen sind versalzt, und die Bodennährstoffe sind so erschöpft, daß daraus jährlich über eine Milliarde Tonnen Ernteverluste (etwa ein Sechstel der globalen Produktion) resultieren. Großflächige Monokulturen zerstören die biologische Vielfalt und beeinträchtigen laut Weltagrarbericht die Produktivität insbesondere von ökologisch sensiblen Landschaften in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Lateinamerika.</p><p><b>Produktivität: Biologischer Anbau</b></p><p>Eines der »Totschlag«-Argumente bei der Diskussion um eine Landwirtschaft ohne Pestizide und chemischen Dünger ist die Produktivität. Ohne genügend Stickstoff auf dem Acker, so die Protagonisten der Düngemittelindustrie, gäbe es keine ausreichenden Erträge, und ohne Pestizide ginge ein beträchtlicher Teil der Ernte bereits auf dem Acker verloren. Die Tatsache, daß die Düngemittelindustrie seit Jahren unter einer Überproduktionskrise leidet,<sup>4</sup> ist zwar ein Indiz dafür, daß die wahren Motive zum Beispiel für eine »Grüne Revolution in Afrika«, die von der Bill&#038;Melinda Gates Stiftung mitgesponsert wird, woanders liegen als im Bemühen um eine gesicherte Welternährung. Aber das ist kein sachliches Argument in der Diskussion um die Ertragssteigerung. Neben dem Einwand, daß aufgrund der geringeren Hektarerträge biologische Anbauverfahren ungeeignet seien, die wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, geben die Verfechter einer chemiegestützten Landwirtschaft den vermeintlich höheren Flächenverbrauch des Ökolandbaus zu bedenken. Um die gleiche Menge an Nahrungsmitteln zu produzieren, ergäbe sich bei den niedrigeren Hektarerträgen des biologischen Anbaus global ein wesentlich größerer Flächenbedarf, was die ökologischen Vorteile wieder zunichte machte.</p><p>In dieser Auseinandersetzung kann die Bedeutung einer 2007 erschienenen, viel zu wenig beachteten Veröffentlichung nicht überbewertet werden, mit der die Ertragsdiskussion dem Reich der Bekenntnisse und Vermutungen entrissen und in die Welt der Daten und Fakten transferiert wird.<sup>5</sup> Wenn der Weltagrarbericht aus gutem Grund fordert, auch künftig »unabhängige vergleichende Abschätzungen durchzuführen«, so repräsentiert die angesprochene Arbeit eine erste »Metaanalyse« in diesem Sinne: Badgley und Mitautoren zogen ihre Schlußfolgerungen aus insgesamt 293 vergleichenden Feldversuchen, davon 160 Vergleiche zwischen »high-input« und biologischen Methoden (Industrieländer) sowie 133 Vergleiche zwischen »low-intensity« und biologischem Anbau in den Ländern des Südens. Die Ergebnisse der meisten dieser Vergleiche sind in sogenannten peer-reviewed papers veröffentlicht, also in Fachzeitschriften, in denen über die Veröffentlichung eines Manuskripts mittels gutachterlicher Stellungnahmen von Experten entschieden wird. Die Versuchszeiträume der 293 Feldvergleiche reichten von einer einjährigen Beobachtungszeit bis zu 20jährigen Beobachtungsreihen, zahlreiche Direktvergleiche (Parzellen mit konventionellem und Biolandbau auf der gleichen Versuchsstation) bzw. Vorher-Nachher-Vergleiche eingeschlossen. Bei der Metaanalyse wurden bewußt keine Daten ausgeschlossen, obwohl der Übergang vom konventionellen zum Biolandbau erfahrungsgemäß mit anfänglichen Ertragseinbußen verbunden ist. Zugleich wurden unzulässige Generalisierungen, zum Beispiel durch Verwendung von Landesdurchschnittswerten, vermieden.</p><p>Im Ergebnis kommen die Autoren zu der Schlußfolgerung, daß es mit dem momentanen Ertragspotential des Biolandbaus möglich wäre, die derzeitige Weltbevölkerung zu ernähren. Bei entsprechenden Forschungsinvestitionen in biologische Anbaumethoden wäre es sicher möglich, eine noch größere Zahl von Menschen ausreichend zu ernähren. Bei dem Vergleich zwischen »high-input« und biologischen Methoden (Industrieländer) war der Biolandbau im Durchschnitt gegenüber allen Kulturen um neun Prozent unterlegen (bei Körnerfrüchten um sieben Prozent). In den Ländern des Südens hatten ökologische Anbaumethoden über alle Kulturen gerechnet dagegen 74 Prozent höhere Erträge (57 Prozent mehr bei Körnerfrüchten). Für die Hochrechnungen bezüglich der Aussagen zur Welternährung kombinierten die Autorinnen und Autoren die oben genannten Ergebnisse mit entsprechenden Statistiken der Welternährungsorganisation (FAO) und bezogen sich auf die zur Zeit existierende globale landwirtschaftliche Nutzfläche.</p><p>Perspektivisch würde bei dem rechnerischen Vergleich der Biolandbau aufgrund der einsetzenden Bodenmüdigkeit in Intensivanbaugebieten sogar noch besser abschneiden. Badgley et al. kalkulierten ferner, inwieweit durch Mischkulturtechniken mit Hülsenfrüchten, die bekanntlich Stickstoff im Boden fixieren, der globale Bedarf an Stickstoff gedeckt werden könnte. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß deren Potential ausreichen könnte, um die derzeitige Weltproduktion an synthetischem Stickstoffdünger vollständig zu ersetzen – eine gute Nachricht für das Klima, zugleich eine schlechte Nachricht für die Düngemittelindustrie.</p><p><b>Große gegen kleine Betriebe</b></p><p>Neben der im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft vermeintlich geringeren Produktivität des Biolandbaus besteht der zweite Mythos in der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, daß Großbetriebe produktiver seien als kleine Farmen. Dies trifft dann zu, wenn man die Situation aus zwei verzerrten Perspektiven betrachtet. Die erste Verzerrung ist die Verwechslung von Produktivität pro Arbeitskraft und flächenbezogener Gesamtproduktivität des Betriebes. Die zweite betrifft den Vergleich zwischen unterversorgten, marginalisierten kleinbäuerlichen Wirtschaften und Großbetrieben, die mit Agrochemie und Erdöl »gedopt« werden.</p><p>Bereits dem oft bemühten »gesunden Menschenverstand« wird klar, daß es keinen Sinn macht, in Regionen, die schon jetzt hohe zweistellige Arbeitslosenziffern aufweisen, durch eine mechanisierte Großflächenwirtschaft eine noch größere Zahl von Menschen ihrer Lebensgrundlage zu berauben. Zugleich leuchtet ein, daß kleinbäuerliche Betriebe keine Chance haben, wenn sie, eingebunden in globale Wirtschaftskreisläufe, gezwungen werden, gegen mechanisierte, chemisierte Großbetriebe anzutreten, die ihre Kosten massiv externalisieren. Es bräuchte also internationalen politischen Willen, um den kleinbäuerlichen Betrieben ein lebensfähiges Umfeld zu bieten, in dem sie dem Sog der Weltmarkt»effizienz« trotzen können. Interessant ist deshalb die gut dokumentierte, aber selten beachtete Tatsache, daß Kleinbetriebe – bei anderweitig vergleichbaren Bedingungen – eine deutliche höhere flächenbezogene Gesamtproduktivität aufweisen als Großbetriebe. Eine ausgezeichnete Übersicht dazu wurde bereits vor zehn Jahren von Peter Rosset, damals Direktor des Institute for Food and Development Policy in Oakland, Kalifornien, präsentiert.<sup>6</sup> Dabei bezog er sich auf umfangreiche Untersuchungen, die in den 1980er Jahren in fünfzehn Ländern des Südens durchgeführt wurden und auf eine Analyse des US-Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 1992.</p><p>Für die fünfzehn Länder des globalen Südens schälten sich zwei Kurvenverläufe bezüglich des Zusammenhangs zwischen Produktivität und Betriebsgröße heraus. Der häufigere, besonders in Asien und Nordafrika beobachtete Kurvenverlauf vom Typ I wies eine mit steigender Betriebsgröße durchgängig abfallende Produktivität auf. Bei Typ II, der besonders in Peru, Mexiko und Bangladesch anzutreffen war, gab es bei bis zu einer bestimmten, aber immer noch kleinen Betriebsgröße einen steilen Produktivitätsanstieg, doch schon bei wenig größeren Betrieben einen ebenso steilen Produktivitätsabfall, der sich mit weiterer Betriebsgröße flacher, aber kontinuierlich fortsetzte. Bei der anderen Analyse, jener des US-Landwirtschaftsministeriums, hatten Betriebe mit einer Größe bis zu zehn Hektar eine über zehnfach höhere Produktivität (Dollar pro Hektar Betriebsgröße) als Großfarmen. Während dies größtenteils durch die Tendenz der Kleinbetriebe zum Anbau von Spezialkulturen erklärt wurde, reflektierte es zugleich eine größere Vielfalt in den Anbauformen und eine höhere Arbeitsintensität.</p><p>Die zweite Verzerrung – der Vergleich unterversorgter Kleinbetriebe mit »gedopten« Großbetrieben – ist schnell besprochen. Wenn man unter »Versorgung« nicht Kunstdünger, Pestizide und Großmaschinen versteht, sondern die Vermittlung ortsangepaßter landwirtschaftlicher Kenntnisse, öffentlich zugängliches, adaptiertes Saatgut (ggf. Resultat einer regionalen Züchtungsforschung), Fördermittel für die Umstellung auf biologischen Anbau und kluge, umweltschonende Bewässerungssysteme, dann wäre der flächenbezogene Gesamtertrag sicher auch bei den afrikanischen Kleinbetrieben größer als derjenige der Großfarmen.</p><p>Die Frage, welche der beiden »Produktivitäten« für die Ernährung von perspektivisch neun Milliarden Menschen bedeutsamer ist – eine auf neoliberalem Weltmarkt konkurrenzfähige Arbeitsproduktivität oder eine umweltverträgliche, flächenbezogene Gesamtproduktivität –, beantwortet sich von selbst.</p><p><b>Biodiversität und Landwirtschaft</b></p><p>Naturschutzorganisationen mahnen häufig an, daß durch die Landwirtschaft die biologische Vielfalt zerstört wird – eine für industriemäßige Produktionsformen berechtigte Sorge. Oftmals sind die daraus abgeleiteten Maßnahmen fragwürdig: Schutzgebiete, in denen »unberührte Natur« erhalten werden soll, ist ein Ansatz, der in der Vergangenheit regelmäßig zu Vertreibungen oder Zwangsumsiedlungen von Teilen der lokalen Bevölkerung führte.<sup>7</sup> Die Schaffung biodiversitätsreicher Habitatinseln in einem Meer von Monokulturen ist aber nicht nur sozial unakzeptabel, sondern auch ökologisch fragwürdig. Wenn eine Tier- oder Pflanzenart in einer der Habitatinseln ausstirbt, ist bei einer Umgebung aus Monokulturen oder anderweitig geschädigter Umwelt die Wiederbesiedlung schwer oder unmöglich. Als man in den 1990er Jahren die ökologische Zweifelhaftigkeit dieses Ansatzes erkannte, kam man auf die Idee, die Habitatinseln durch »grüne Korridore« zu verbinden, was weitere Beschränkungen für die Landbevölkerung zur Folge hatte.</p><p>Außerdem hat eine solche Politik des Ausschlusses erfahrungsgemäß zur Folge, daß eine lokale Verankerung des Schutzes der biologischen Vielfalt nicht gegeben ist, insbesondere nicht bei dem Teil der Bevölkerung, der sich den Vertreibungen und Umsiedlungen entzieht und – dann kriminalisiert – in der Region weiterlebt. Diese Menschen erleben die Maßnahmen des Biodiversitätsschutzes als etwas unmittelbar gegen sie Gerichtetes.</p><p>Insofern ist eine wissenschaftlich fundierte Alternative zu dem oben beschriebenen Ausschlußprinzip von großer Bedeutung. Die Grundaussage in dem kürzlich erschienenen Buch »Nature’s Matrix«<sup>8</sup> lautet: Landwirtschaftliche Produktion und der Schutz der biologischen Vielfalt lassen sich in Einklang bringen, allerdings mit Produk¬tionsformen, die konzeptionell den Empfehlungen des Weltagrarberichts entsprechen. Die Autoren, eine Arbeitsgruppe der Ökologieprofessorin Ivette Perfecto von der Universität Michigan, USA, forschen seit Jahren zur Vereinbarkeit von Landwirtschaft und Naturschutz und sehen dafür die stärksten Verbündeten in sozialen Bauernbewegungen wie MST und Via Campesina.</p><p><b>Multifunktionalität</b></p><p>Eine der wichtigsten Forderungen des Welt¬agrarberichts ist die Wiederherstellung der Multifunktionalität der Landwirtschaft: Diese stellt die Lebensmittel für Verbraucher bereit, bietet den Erzeugern Existenzgrundlage und Einkommen und bringt eine Vielzahl von Gütern für die Bürger und ihre Umwelt hervor, samt funktionierender Ökosysteme. Die Agrarwissenschaften haben sich in der Vergangenheit »auf institutioneller Ebene vor allem an einer verstärkten Spezialisierung der Massengüterproduktion ausgerichtet, aber so die Optimierung des Gesamtergebnisses dynamischer multifunktionaler Systeme, die biophysischen und sozioökonomischen Komponenten ausgeschlossen«. (Weltagrarbericht) Eine Aufgabe für die Zukunft besteht laut Welt¬agrarbericht darin, »den Mangel an Forschungen in den geographischen, sozialen, ökologischen, anthropologischen und anderen evolutionsbezogenen Wissenschaften, die sich mit vielfältigen agrikulturellen Ökosystemen befassen, zu überwinden«. Mit anderen Worten, eine andere Landwirtschaft ist möglich, und die Agrarwissenschaften tragen eine Mitverantwortung dafür, daß diese Möglichkeit zur Realität wird.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li> Pedersen, K., David gegen Goliath? land &#038; wirtschaft, Beilage der jW v. 5.8.2009</li><li>Im englischen Original wurde der Weltagrarbericht unter dem Titel International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) anläßlich einer zwischenstaatlichen Plenarsitzung in Johannesburg im April 2008 verabschiedet; er besteht aus einem globalen und fünf regionalen Berichten, die Afrika, Asien, Europa, Nord- und Südamerika abdecken, sich aber nicht an diesen Kontinenten, sondern an Wirtschaftsregionen orientieren <a href="http://www.agassessment.org" target="_blank">www.agassessment.org</a></li><li>Weltagrarbericht – Synthesebericht, hrsg. v. Stephan Albrecht u. Albert Engel, Hamburg 2009 (im Text: Welt¬agrarbericht), online unter: <a href="http://hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/94/pdf/HamburgUP_IAASTD_Synthesebericht.pdf" target="_blank">hup.sub.uni-hamburg.de/opus/volltexte/2009/94/pdf/HamburgUP_IAASTD_Synthesebericht.pdf</a></li><li>Hoering, U.: Agrarkolonialismus in Afrika, Hamburg 2007</li><li>Badgeley, C. et al., Organic agriculture and the global food supply. Renewable Agriculture and Food Systems, Bd. 22, S. 86–108, Cambridge 2007</li><li>Rosset, P., The multiple functions and benefits of small farm agriculture. Food First Policy Brief No. 4, 1999. <a href="http://www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf" target="_blank">www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf</a></li><li>Pedersen, K., Naturschutz und Profit, Münster 2008</li><li>Perfecto, I. et al., Nature’s Matrix, Linking Agriculture, Conservation and Food Sovereignty, London 2009</li></ol></div><p><b>Quelle:</b><a href="http://www.jungewelt.de/2009/11-18/024.php" target="_blank">http://www.jungewelt.de/2009/11-18/024.php</a></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/11/18/reale-alternativen/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>David gegen Goliath?</title><link>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/</link> <comments>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/#comments</comments> <pubDate>Wed, 05 Aug 2009 12:00:06 +0000</pubDate> <dc:creator>PCl</dc:creator> <category><![CDATA[Allgemein]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität/Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Ernährungssouveränität]]></category> <category><![CDATA[Global]]></category> <category><![CDATA[Grüne Revolution]]></category> <category><![CDATA[Industrielle Landwirt.]]></category> <category><![CDATA[Nahrungskrise]]></category> <category><![CDATA[Biodiversität]]></category> <category><![CDATA[Biolandbau]]></category> <category><![CDATA[Ernährungskrise]]></category> <category><![CDATA[IAASTD]]></category> <category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category> <category><![CDATA[Produktivität]]></category> <category><![CDATA[Via Campesina]]></category> <category><![CDATA[Weltagrarbericht]]></category><guid isPermaLink="false">http://www.welt-ernaehrung.de/?p=130</guid> <description><![CDATA[Zwei unvereinbare Perspektiven zur Zukunft der Welternährung Spätestens seit den »Brotrevolten« von 2007 und 2008, mit denen die Menschen in rund 40 Ländern auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagierten, ist die Ernährungskrise ein bleibendes Thema in den Medien und in der offiziellen Politik. 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Folglich mangelt es in erster Linie an einem »globalen« politischen Willen, ein Mangel, der zum Beispiel in der Tolerierung und vielfach sogar Förderung der Flächenkonkurrenz zwischen Agrotreibstoff- und Nahrungsmittelproduktion zum Ausdruck kommt.</p><p>Doch das Thema Welternährung steht nicht nur aufgrund von Preisexplosionen und Hungerprotesten auf der Tagesordnung. Unterschiedliche Modellrechnungen prognostizieren bei einer globalen Zunahme der Durchschnittstemperatur von etwa drei Grad Celsius regionale Ernteeinbußen zwischen 20 und 50 Prozent, je nachdem, ob man die Ernteausfälle infolge von Überflutungen und Dürreperioden mit einrechnet oder den extrapolierten Verlust auf die Folgen von »Hitzestreß« begrenzt<sup>1</sup>. Dabei befindet sich eine angenommene Erwärmung um drei Grad nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC eher am unteren Ende der Skala des Erwarteten. Bislang spricht mehr dafür als dagegen, daß Mike Davis Recht behalten wird, der im Juni 2008 feststellte: »Wie das UNDP in seinem letztjährigen Bericht betonte, ist die globale Erwärmung vor allem eine Bedrohung für die Armen und die zukünftigen Generationen – beides Größen mit geringem oder gar keinem politischen Gewicht. Ein koordiniertes globales Handeln zu ihren Gunsten setzt einen revolutionären Zugang zur Macht voraus (ein Szenario, das der IPCC nicht vorsieht) oder die historisch beispiellose Verwandlung des Eigeninteresses der reichen Länder und Klassen in eine aufgeklärte ›Solidarität‹.«<sup>2</sup></p><p>Darüber, daß die Sicherung einer ausreichenden Ernährung für alle eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist und daß hier massiver Handlungsbedarf besteht, besteht inzwischen allgemeiner Konsens. Das kommt in den Erklärungen der letzten G-8-Gipfel und in der Bildung einer speziellen Arbeitsgruppe beim Generalsekretär der Vereinten Nationen ebenso zum Ausdruck wie in Erklärungen kritischer Wissenschaftler, Basisinitiativen und Nichtregierungsorganisationen. Die zwei prinzipiellen Lösungswege, die zur Debatte stehen, um der sich abzeichnenden Zuspitzung der Situation zu begegnen, divergieren jedoch so stark, daß man sie als antagonistisch bezeichnen könnte. Eingedenk der herrschenden Kräfteverhältnisse entspricht es einer David-gegen-Goliath-Konstellation.</p><p>Der von den Mächtigen bevorzugte Ansatz beinhaltet die beschleunigte Ausweitung hochproduktiver Systeme, wobei die Worthülse »Nachhaltigkeit« in den Beschreibungen dieses von Welternährungsorganisation, Weltbank und anderen Institutionen unterstützten Konzepts nicht fehlen darf. In der Praxis sind mit »hochproduktiven Systemen« Hochleistungssorten gemeint, deren Ertragspotential nur unter Einsatz von Intensivbewässerung, Pestiziden und chemischer Düngung ausgeschöpft werden kann. Die Befürworter dieses Weges verweisen auf die Erträge in Modellversuchen. So erreichten die Maiserträge von Beispielbetrieben in Äthiopien, Malawi, Mali, Moçambique, Nigeria und Uganda das Drei- bis Fünffache des jeweiligen Landesdurchschnitts<sup>3</sup>. Solche Vergleiche suggerieren, daß diese Art zu produzieren der einzige Weg zu höheren Erträgen ist.</p><p><b>Ressourcenplünderung</b></p><p>Abgesehen von der Frage, ob hohe Ertragssteigerungen auch auf andere Weise erzielt werden können, läßt der Rückblick auf die »Grüne Revolution« der 1960er und 1970er Jahre begründete Zweifel an der Nachhaltigkeit dieses Ansatzes zu. Wer den in diesem Jahr publizierten 600-Seiten-Bericht des Weltagrarrats (IAASTD), eines Gremiums von rund 400 Wissenschaftlern, aufmerksam liest, stößt an vielen Stellen auf Hinweise, die das belegen<sup>4</sup>. Die Grüne Revolution war laut IAASTD-Bericht die technologische Antwort auf gescheiterte, oftmals aber auch gewaltsam unterdrückte Agrarreformen. Trotz Anerkennung der massiven Ertragssteigerungen, die durch die Grüne Revolution für eine beschränkte Zahl wichtiger Kulturen erreicht wurden, besteht ihre Langzeitwirkung in Umweltzerstörung, wachsender Abhängigkeit von Importen und dem Anwachsen der Slums in den Megastädten des Südens. 80 Prozent der 324 wissenschaftlichen Publikationen, die diesbezüglich ausgewertet wurden, beschrieben eine Verstärkung der sozialen Ungleichheit durch die Grüne Revolution. Die fehlende Nachhaltigkeit eines solchen Ansatzes zeigt sich aktuell darin, daß einerseits der Wassermangel in vielen Regionen dramatische Ausmaße annimmt und andererseits weltweit 70 Prozent des Süßwassers durch die industrielle Landwirtschaft verbraucht werden<sup>5</sup> – und in dem Umstand, daß dieser Wirtschaftszweig mehr Treibhausgase produziert als der gesamte globale Straßenverkehr. Abnehmende Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt sind weitere Langzeitfolgen dieser Produktionsmethode.</p><p>Doch die Verfechter dieses Modells fordern unverdrossen ein »Weiter so«. Darüber hinaus nutzen die Lobbyisten der Gentechnik die plötzliche Publizität des Themas Welternährung, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit genmanipulierte Pflanzen als ultimative Lösung des Problems feilzubieten. Stellvertretend sei Douglas Kell, der Leiter des britischen Forschungsrats für Biotechnologie und Biologische Wissenschaften (BBSRC), zitiert, der in einem BBC-Interview am 27.April 2009 eine »maßgebliche Entwicklung der Agrarwissenschaften« einforderte, um weiteren Hungerrevolten vorzubeugen. Da der BBSRC die Gentechnik als eine von drei Säulen der Ertragssteigerung betrachtet<sup>6</sup>, kann man sich ausrechnen, was Kell meint. Noch werden laut IAASTD auf 93 Prozent der globalen Ackerfläche konventionelle Sorten angebaut. Folglich läßt sich da viel »entwickeln«. So hat die britische Regierung beschlossen, die Versorgung »der Armen in der Welt« mit genmanipuliertem Saatgut mit 100 Millionen Pfund unterstützen zu wollen, wie der Guardian am 19. Juli berichtete – wobei ein großer Teil dieser Gelder an Forschungsinstitute geht, die etwa dürreresistenten Mais entwickeln, sowie an den Agrarkonzern Syngenta<sup>7</sup>. Daß sowohl im IAASTD-Bericht4 als auch in der jüngsten Publikation der »Union of Concerned Scientists«8 den Gentechnik-Sorten bescheinigt wird, im Vergleich zu konventionellen Sorten keine besseren Erträge zu bringen, scheint da wenig zu stören.</p><p><b>Effiziente Alternativen</b></p><p>Auch die Verfechter alternativer Strategien fordern eine stärkere Unterstützung der landwirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern des Südens, die in den letzten zehn bis 20 Jahren stark vernachlässigt wurde (siehe dazu auch Seite 7) – und die Förderung einer darauf ausgerichteten Agrarforschung. Das von ihnen verfolgte Konzept dürfte in dem von der internationalen Kleinbauernorganisation »Via Campensina« geprägten Begriff »Ernährungssouveränität« am prägnantesten zusammengefaßt sein. Kernstück ist die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, die auf nachhaltige Weise vor allem Nahrung für die lokale Bevölkerung produzieren soll. Hierbei geht es nicht um die Revitalisierung überlebter Traditionen, sondern um Überlebensstrategien in einer rauhen neoliberalen Wirklichkeit. Wichtige Komponenten des Konzepts der Ernährungssouveränität sind Landreformen, die Stärkung der Rechte der Bauern und Landarbeiter, die Ablehnung des Einsatzes von Gentechnik, soziale Gerechtigkeit und der Schutz vor Billigimporten. Selbstversorgung sowie lokaler und regionaler Handel sollen Vorrang vor einer Exportorientierung haben. Mehrere Länder, darunter Nepal, der Senegal und Venezuela, haben das Ziel der Ernährungssouveränität inzwischen in ihren Verfassungen verankert.</p><p>Es gibt sowohl akademische als auch praktische Beweise für die Tragfähigkeit dieses Konzepts. Eine 2007 publizierte Meta-Analyse von über 300 wissenschaftlichen Arbeiten zur Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Anbausysteme dokumentierte, daß man problemlos die eine oder andere Arbeit herauspicken könnte, um entweder die konventionellen oder biologischen (einschließlich quasi-biologischen) Anbaumethoden als überlegen darzustellen<i>9</i>. Bei einer Gesamtbetrachtung aller Arbeiten zeichnet sich jedoch de facto kein Unterschied im Ertragspotential des einen oder des anderen Verfahrens ab – wohl aber in bezug auf die Nachhaltigkeit. Die Autoren räumen ein, die tatsächlich erzielten Erträge des (quasi-)biologischen Anbaus in den Ländern des Südens vermutlich unterschätzt zu haben, weil die Vergleiche nur in bezug auf eine Fruchtart angestellt wurden. Der Output an Kalorien je Flächeneinheit ist jedoch aufgrund der anzutreffenden »Multicropping«-Systeme (Felder mit mehreren gleichzeitig angebauten Früchten) oftmals höher. Eine Forschergruppe um Peter Rosset, Direktor der US-Entwicklungshilfeorganisation »Food First« führte darüber hinaus einen Produktivitätsvergleich zwischen kleinen und großen Landwirtschaftsbetrieben in 15 Ländern des Südens durch. Wenngleich für eine einzelne Frucht die Hektarerträge in den Großbetrieben oftmals höher waren, war die Gesamtproduktivität pro Flächeneinheit bei den kleineren Betrieben um den Faktor zwei bis zehn größer<sup>10</sup>. Als Gründe für diesen Unterschied nennt Rosset das erwähnte Multicropping, eine höhere Arbeitsintensität pro Flächeneinheit und eine effektivere Bewässerung.</p><p><b>Von der Not zur Tugend</b></p><p><i>Zu den Erfolgsbeispielen der praktischen Anwendung des Konzepts der Ernährungssouveränität zählen das unfreiwillige »Großexperiment« Kuba und die Erfolge der brasilianischen Landlosenbewegung MST.</i></p><p>Nach dem Kollaps des sozialistischen Lagers brach für Kuba nicht nur der Absatzmarkt über Nacht weg, sondern auch die bislang von dort importierten Produktionsmittel wie Kunstdünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, Maschinen und Ersatzteile fehlten plötzlich. Im Ergebnis schrumpfte die landwirtschaftliche Pro-Kopf-Produktion von 1986 bis 1995 um jährlich fünf Prozent. Die erzwungene Neuorientierung machte Kuba zum ersten Land, das begann, biologischen Landbau in nationalem Maßstab zu betreiben – mit dem Erfolg, daß, nachdem diese Umstellung ihre Wirkung entfaltete, von 1996 bis 2005 die Pro-Kopf-Produktion wieder um jährlich 4,2 Prozent wuchs. In diesem Fall wirkte sich das US-Embargo ausnahmsweise begünstigend aus: Kuba war vor importierter Billigware weitgehend geschützt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das in Kuba gut etablierte Campesino-a-Campesino-System der Weitervermittlung von Erfahrungen<sup>11</sup>. Nahezu die Hälfte der unabhängigen Kleinbauern Kubas in rund 100000 Familienbetrieben erzeugen mit ihren agroökologischen Methoden pro Hektar mehr Nahrung als die industrialisierten Großbetriebe. Von den 25 Prozent der bebaubaren Fläche, die auf diese Weise genutzt wird, kommen 65 Prozent der nationalen Nahrungsmittelproduktion. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß die Zerstörungen der drei Hurricans, die Kuba 2008 getroffen haben, ihren Tribut gefordert haben: Momentan importiert Kuba nach inoffiziellen Angaben 55 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs – ein dramatisches Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels. Dessen ungeachtet haben die Kubaner sich vorgenommen, die Fläche ökologischen Anbaus auf 1,5 Millionen Hektar auszudehnen, was, effizient genutzt, genügen würde, um die Ernährungssouveränität des Landes herzustellen.</p><p>Im Zuge der vom brasilianischen MST praktizierten »umverteilenden« Landreform waren 2002 acht Millionen Hektar Land besetzt und von etwa einer Million Menschen in Besitz genommen worden. Die sozioökonomischen Kennziffern dieses rebellischen landwirtschaftlichen Experiments sind beeindruckend. Die Nutznießer der Landreform haben im Durchschnitt ein Einkommen, das dem 3,7fachen des nationalen Mindestlohns entspricht, während Landlose nur 70 Prozent des Mindestlohns erhalten<sup>11</sup>. Die Kindersterblichkeit ist in dieser Bevölkerungsgruppe nur noch halb so hoch wie im nationalen Durchschnitt. Mit dieser Strategie werden nicht nur die vor Ort benötigten Nahrungsmittel produziert, sondern auch Arbeitsplätze geschaffen, deren Einrichtung in der Industrie nach Schätzungen zwei- bis 20mal teurer ist.</p><p><b>Fußnoten</b></p><div class="footnote"><ol><li>Battisti &#038; Naylor (2009): Science 323, S. 240-244; und Daten von der Arbeitsgruppe 2 des IPCC</li><li>Davis, M. (2008): Willkommen im Anthropozän; <a href="http://www.vsp-vernetzt.de/soz-0812/081220.php" target="_blank">www.vsp-vernetzt.de/soz-0812/081220.php</a></li><li>FAO: The State of Food Insecurity in the World 2008. FAO, 2008</li><li>IAASTD: Global Report, siehe <a href="http://www.agassessment.org/" target="_blank">www.agassessment.org/</a></li><li>IAASTD: Synthesis Report, siehe <a href="http://www.agassessment.org/" target="_blank">www.agassessment.org/</a></li><li><a href="http://www.bbsrc.ac.uk/science/topical/food/workshop_crops.pdf" target="_blank">www.bbsrc.ac.uk/science/topical/food/workshop_crops.pdf</a></li><li><a href="http://www.guardian.co.uk/environment/2009/jul/19/gm-crops-aid-uk-funding" target="_blank">www.guardian.co.uk/environment/2009/jul/19/gm-crops-aid-uk-funding</a></li><li><a href="http://www.ucsusa.org/assets/documents/food_and_agriculture/failure-to-yield.pdf" target="_blank">www.ucsusa.org/assets/documents/food_and_agriculture/failure-to-yield.pdf</a></li><li>Badgley u.a. (2007): Renewable Agriculture and Food Systems 22, S. 86–108</li><li><a href="http://www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf" target="_blank">www.foodfirst.org/pubs/policybs/pb4.pdf</a></li><li>Rosset, P. (2009): Monthly Review 61, Nr. 3, S. 114–128</li></ol></div><p><b>Quelle:</b><br /> Junge Welt vom 05.08.2009<br /> <i>Klaus Pedersen</i> &middot; Mit freundlicher Genehmigung des Autors.<br /> URL: <a href="http://www.jungewelt.de/beilage/art/2112" target="_blank">http://www.jungewelt.de/beilage/art/2112</a> (Nur im Online-Abo)</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.welt-ernaehrung.de/2009/08/05/david-gegen-goliath/feed/</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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