Welt-Ernährung https://www.welt-ernaehrung.de Den Ursachen des Hungers auf der Spur. Sun, 30 Apr 2017 17:07:39 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.8 Stop BAYER/MONSANTO-Demonstration am 29. April 2017 in Berlin https://www.welt-ernaehrung.de/2017/04/10/stop-bayermonsanto-demonstration-am-29-april-2017-in-berlin/ https://www.welt-ernaehrung.de/2017/04/10/stop-bayermonsanto-demonstration-am-29-april-2017-in-berlin/#respond Mon, 10 Apr 2017 19:56:01 +0000 https://www.welt-ernaehrung.de/?p=1208 Der Aufruf und weitere Details zur Demonstration am Samstag dem 29. April 2017 finden sich im Flyer. Empfohlen sei auch das dazugehörige Plakat.

Die Demo beginnt mit einer Auftaktveranstaltung um 14:00 Petersburger Platz in Berlin. Aktueller Anlass ist die Hauptversammlung der Bayer-Aktionäre am 28. April in Bonn.

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Kleinbauern aus aller Welt tagen in Schwäbisch Hall für eine Charta of Peasants‘ Rights https://www.welt-ernaehrung.de/2017/02/26/kleinbauern-aus-aller-welt-tagen-in-schwaebisch-hall-fuer-eine-charta-of-peasants-rights/ https://www.welt-ernaehrung.de/2017/02/26/kleinbauern-aus-aller-welt-tagen-in-schwaebisch-hall-fuer-eine-charta-of-peasants-rights/#respond Sun, 26 Feb 2017 09:38:36 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1204 Die bäuerliche Landwirtschaft ernährt den Großteil der Menschheit. Dennoch wird sie immer mehr von der Food- und Agrarindustrie verdrängt. Nun treffen sich auf Einladung der Stiftung Haus der Bauern, Schwäbisch Hall/Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall Bauernvertreter aus der ganzen Welt, um mit Politikern, Entwicklungshelfern und Menschenrechtlern den Weg für einen stärkeren rechtlichen Schutz für Kleinbauern zu ebnen.

Kleinbauern erfüllen eine enorm wichtige Aufgabe: Sie erzeugen den Großteil der Nahrung weltweit. Dank ihres jahrhundertealten Wissens über Bodenbearbeitung, Züchtung und Erntetechniken bewirtschaften sie ihr Land umweltgerecht und dem Standort entsprechend. Dabei erhalten sie die Artenvielfalt, die Fruchtbarkeit der Böden und die regionale Wertschöpfung.

Doch immer häufiger werden ihnen ihr Land und ihre Züchtungen von internationalen Agrar- und Nahrungsmittelkonzernen genommen. Durch Landgrabbing und Biopiraterie geraten sie in Abhängigkeit, Existenznöte oder müssen gar ganz aufgeben. Ihr wertvolles indigenes Wissen geht dann verloren, regionale Märkte werden zerstört und lokale durch exportierte Lebensmittel ersetzt.

Mit jedem Kleinbauern, der aufgeben muss, wird es deutlicher: Der Schutz des gegenwärtigen universellen Rechtssystems reicht nicht aus. Die Stiftung Haus der Bauern setzt sich daher seit ihrer Gründung für eine Charta zu den Rechten von Kleinbauern ein. Sie unterstützt dabei auch die weltweite Kleinbauernbewegung La Via Campesina und die Menschenrechtsorganisation FIAN, die bereits erreicht haben, dass ein Ausschuss des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen einen Entwurf für eine Deklaration zu Rechten von Kleinbauern entwickelt hat.

Gemeinsam bringen die Organisationen nun Bauernvertreter aus der ganzen Welt zusammen, die von ihren Rechteverletzungen berichten und zusammen eine Resolution für die Rechte von Kleinbauern erarbeiten werden. Die Resolution soll dem Ausschuss des Menschenrechtsrates als Vorbild dienen und die Mitglieder bestärken, die Deklaration tatsächlich zu verabschieden.

Der Global Peasants‘ Rights Kongress findet vom 7. bis 10. März in Schwäbisch Hall statt. Impulsvorträge werden u.a. Klaus Töpfer, ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Nardi Suxo, bolivianische Botschafterin und Vorsitzende des Ausschusses für Kleinbauernrechte des UN-Menschenrechtsrates und Pat Mooney, Träger des alternativen Nobelpreises von der ETC Group halten.

Weitere Infos: HIER
Das Programm der Tagung: HIER

Die Information wurde übernommen von:
Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall
V. i. S. d. P.: lub

Bei Rückfragen wenden Sie sich an
Rudolf Bühler
Gründer & Vorstand
Stiftung Haus der Bauern
& Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall
Telefon 07904 / 97970
sekretariat@besh.de

Medienvertreter akkreditieren sich bitte bei
Lutz Bergmann
Pressekoordinator | Press Coordinator
Global Peasants’ Rights Congress
+49 (0)7904 9797 -255
+49 (0)176 3415 8212
lutz.bergmann@besh.de

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Der kritische Agrarbericht 2017 https://www.welt-ernaehrung.de/2017/02/01/der-kritische-agrarbericht-2017/ https://www.welt-ernaehrung.de/2017/02/01/der-kritische-agrarbericht-2017/#respond Wed, 01 Feb 2017 06:40:10 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1193 Hiermit sei auf das Erscheinen des kritischen Agrarberichts 2017 hingewiesen (dieses Mal ohne eigenen Beitrag).

Das diesjährige Schwerpunktthema war Wasser in unterschiedlichen Facetten im Kontext landwirtschaftlicher Produktion. Die Beiträge zum Schwepunktthema sind eingebettet in die elf Kapitel des Buches:

– Agrarpolitik und soziale Lage
– Welthandel und Ernährung
– Ökologischer Landbau
– Produktion und Markt
– Regionalentwicklung
– Natur und Umwelt
– Wald
– Tierschutz und Tierhaltung
– Gentechnik
– Agrarkultur
– Verbraucher und Ernährungskultur

Bestellen bzw. die einzelnen Beiträge herunterladen (auch von früheren Jahrgängen) kann man ihn auf der entsprechenden Website.

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Veranstaltungshinweis: Vom Wert der Natur – Ökosozialismus oder erbarmungslose Zukunft https://www.welt-ernaehrung.de/2017/01/02/veranstaltungshinweis-vom-wert-der-natur-oekosozialismus-oder-erbarmungslose-zukunft/ https://www.welt-ernaehrung.de/2017/01/02/veranstaltungshinweis-vom-wert-der-natur-oekosozialismus-oder-erbarmungslose-zukunft/#respond Mon, 02 Jan 2017 07:00:24 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1185 Podiumsdiskussion am Samstag, 21. Januar 2017, 18:30 Uhr.

Ort: Beratungsstelle der Berliner Mietergemeinschaft Neukölln, Sonnenallee 101, 12045 Berlin.

Verstalter: SALZ e.V., Antikapitalistische Linke, Lunapark21, Initiative Ökosozialismus und Verein für solidarische Perspektiven e.V. (VSP).

Diskussionsleitung: Sebastian Gerhardt, Lunapark21.

Mit: Inge Höger , MdB, Die Linke; Thomas Kuczynski; Peter Clausing; Mareile Flitsch und Bruno Kern.

Der Flyer zur Veranstaltung

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Bedrohliche Kapitalkonzentration im Agrobusiness https://www.welt-ernaehrung.de/2017/01/01/bedrohliche-kapitalkonzentration-im-agrobusiness/ https://www.welt-ernaehrung.de/2017/01/01/bedrohliche-kapitalkonzentration-im-agrobusiness/#respond Sun, 01 Jan 2017 13:10:48 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1181 Produzenten und Verbraucher eingeklemmt zwischen Großkonzernen

von Peter Clausing

Zulieferer und Verbraucher gehören zu den Opfern wirtschaftlicher Konzentrationsprozesse im Ernährungsbereich. Preisdruck und Qualitätsschwund sind nur zwei der Folgen. Mit wachsender Marktmacht bestimmen die Konzerne auch zunehmend die Spielregeln unseres Zusammenlebens – zu Lasten von Umwelt, Gesundheit und Demokratie.

Einen Eindruck von Tempo und Umfang der heutigen Konzentrationsprozesse erhält man durch einen Blick auf den Bayer-Konzern. Als er 2002 Aventis Crop Science für sechs Milliarden Euro übernahm, sprach die Coordination gegen Bayer-Gefahren vom größten Deal in der Unternehmensgeschichte und verwies darauf, dass es Ende der 1960er Jahre noch 40 „große“ Firmen im Pestizid- und Saatgutsektor gab. Anfang der 1990er Jahre waren es zwölf und 2005 nur noch zehn. Nach weiteren Fusionen bzw. Aufkäufen beherrschen heute vier Unternehmen 75 Prozent des globalen Pestizidmarktes und fünf 71 Prozent des globalen Saatgutmarktes, wobei die drei größten (Bayer/Monsanto, Dow/Dupont, ChemChina/Syngenta) in beiden Segmenten dominieren. Mit dem Kauf von Monsanto hat der größte Deal in Bayers Unternehmensgeschichte nunmehr ein Volumen nicht von sechs, sondern von 66 Milliarden Euro. Es ist unwahrscheinlich, dass die Kontrollbehörden gegen den für 2017 erwarteten Abschluss des Geschäfts Einspruch erheben werden.

Am anderen Ende der Wertschöpfungskette, dort, wo wir den Supermarkt verlassen und unser Essen nach Hause tragen, sieht es ähnlich aus. Mit einem Jahresumsatz von 191 Milliarden Euro beherrschten 2015 in Deutschland vier Supermarktketten 67 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. Global betrachtet hatten im Jahr 2013 die drei Marktführer (Walmart, Tesco, Carrefour) zusammen genommen einen Umsatz von 550 Milliarden US-Dollar, was mehr als dem addierten Bruttoinlandsprodukt von Österreich und der Slowakei entsprach.

Der vollständige Text kann HIER herunter geladen werden.

Erschienen in Lunapark21 Nr. 36 (2016)

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Tagungsankündigung: Deutsche Unternehmen im Globalen Süden – Umwelt- und Menschenrechtsvergehen https://www.welt-ernaehrung.de/2016/12/19/tagungsankuendigung-deutsche-unternehmen-im-globalen-sueden-umwelt-und-menschenrechtsvergehen/ https://www.welt-ernaehrung.de/2016/12/19/tagungsankuendigung-deutsche-unternehmen-im-globalen-sueden-umwelt-und-menschenrechtsvergehen/#respond Mon, 19 Dec 2016 10:53:53 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1175 Rüstungsexporte – Automobilindustrie – Pestizidexporte

Tagung und Vernetzungstreffen
Fr. 13. Januar 2017: 14:00 – 18:30
Sa. 14. Januar 2017: 10:00 – 16:15

Die Tagung soll Aktivist_innen, Wissenschaftler_innen, interessierten Personen, Student_innen einerseits einen Überblick zu bestimmten Aspekten dieses Rahmenthemas bieten und andererseits die Möglichkeit zur Vernetzung geben.

Auf der Konferenz sollen die Bereiche Rüstungsexporte, Pestizidexporte und die Strategien der Autoindustrie unter folgender Fragestellung untersucht werden: Welche Rolle spielen deutsche Firmen und deutsche Exporte im globalen Süden?

Ein Fokus wird dabei auf Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen in Mexiko liegen, jedoch werden auch weitere Länder des globalen Südens wie die Philippinen, Indien, Argentinien und Brasilien einbezogen. Aktivist_innen, Expert_innen und Interessierte sollen ihr „natürliches Umfeld“ verlassen und im Dialog neue Fragen aufwerfen, sich über ihre verschiedenen Aktionsformen sowie Falluntersuchungen austauschen. Dadurch soll ein wenig Licht in das Dunkel geworfen werden, in dem deutsche Unternehmen im globalen Süden operieren.

Anmeldungen unter: thorsten.schulz@fdcl.org

Das Programm hier zum Download

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Phosphor: Fluch und Segen eines Elements https://www.welt-ernaehrung.de/2016/10/10/phosphor-fluch-und-segen-eines-elements/ https://www.welt-ernaehrung.de/2016/10/10/phosphor-fluch-und-segen-eines-elements/#respond Mon, 10 Oct 2016 02:41:57 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1161 von Peter Clausing

Der europäische Phosphorzyklus könnte vollständig geschlossen werden, wenn die importierten chemischen Phosphatdünger komplett gegen biologische und recyclte chemische Phosphordünger ersetzt würden. Damit stiege die Wasserqualität in Europa und viele andere Probleme wären gelöst. Doch um das zu erreichen, müsste das Diktat der »Marktkräfte« überwunden werden.

Phosphor ist ein lebensnotwendiges chemisches Element. Sowohl im menschlichen Körper als auch in Pflanzen beträgt sein Anteil zwar nur zirka ein Prozent. Ohne Phosphor gäbe es aber kein Leben in seiner jetzigen Form. Er ist Baustein der Erbinformation DNS, von Proteinen und Enzymen. Die Freisetzung und Speicherung von Energie in den Zellen von Tieren und Pflanzen erfolgt unter obligatorischer Beteiligung von Phosphor. Im Pflanzenbau ist Phosphor unverzichtbar und kann durch nichts ersetzt werden. Daraus folgt, dass eine Landwirtschaft, die nicht auf geschlossenen Kreisläufen basiert, letztlich auf Phosphorzufuhr von außen angewiesen ist. Nach Verarbeitung des Rohphosphats wird der Phosphor in pflanzenverfügbarer Form in den Boden eingebracht, zumeist als Diphosphat, das wenig wasserlöslich ist, aber durch Mikroorganismen und die von den Wurzeln abgegebenen Säuren leicht aufgeschlossen werden kann. Typischerweise sind Anbausysteme, die nicht auf agrarökologischen Prinzipien beruhen, auf den Import von Phosphor angewiesen, wobei verschiedene Industrieländer anstreben, durch gesetzliche Regelungen und technologische Eingriffe ein gewisses Phosphorrecycling auf nationaler Ebene auch ohne agrarökologischen Anbau zu erreichen. Von einem halbwegs vollständigen Recycling ist man jedoch noch weit entfernt, obwohl die globalen »Phosphorsenken«, in denen die vom Menschen ausgebrachten Phosphormengen am Ende landen (Binnengewässer und Meere), längst überfüllt sind.

Produktionsmaximum

Die globalen Phosphorvorräte sind endlich, und ihre Erschöpfung ist absehbar, so dass ein Recycling schon aus diesem Grund bereits vor Jahrzehnten vernünftig gewesen wäre. Ob dem von der Düngemittelindustrie zwecks Absatzsicherung Steine in den Weg gelegt wurden, sei dahingestellt. Wie lange die Vorräte tatsächlich reichen werden, hängt davon ab, welche Lagerstätten als abbauwürdig betrachtet und wie erfolgreich die Bemühungen um ein Phosphorrecycling sein werden. In den einschlägigen Lehrbüchern ist von hundert Jahren die Rede. Ähnlich wie bei »Peak Oil«, dem weltweiten Erdölfördermaximum, ist auch bei einem »Peak Phosphor« mit einer Verteuerung des Rohstoffs zu rechnen, wenn die Förderkosten steigen und die Vorräte zur Neige gehen, was sich dann auf die Produktionskosten für Nahrungsmittel auswirken wird. Dem »Peak«-Konzept liegt die Annahme zugrunde, dass die Förderung bzw. Gewinnung des betreffenden Rohstoffs irgendwann ein historisches Maximum erreichen wird und die Produktion danach irreversibel abfällt. Die wichtigsten Lagerstätten für Rohphosphat (phosphathaltige Erze) befinden sich in Nordafrika, aber auch die USA (Florida), Russland und China verfügen über Reserven. Zur Zeit liegen etwa 75 Prozent der bekannten Reserven in der Westsahara, also in jenem Land, das vor 40 Jahren von Spanien unabhängig und anschließend von Marokko völkerrechtswidrig annektiert wurde.

Wie bei anderen Rohstoffen (Erdöl, Coltan) sind die Vorräte also in bestimmten Regionen konzentriert, woraus sich in jenen Ländern, die auf Phosphatimporte angewiesen sind, latente Begehrlichkeiten und »strategische Sorgen« ergeben. So wurde Rohphosphat 2014 von der EU-Kommission in eine Liste von 20 »kritischen« Rohstoffen aufgenommen, wobei es der einzige von der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie genutzte Rohstoff ist. Ein Grund für die Klassifizierung als kritischer Rohstoff dürfte auch die Preisexplosion für Rohphosphat im Jahr 2008 gewesen sein. Innerhalb von zwölf Monaten war dessen Weltmarktpreis um das Achtfache angestiegen, während die Weltmarktpreise für Weizen, Mais und Reis sich verdoppelten bis verdreifachten, was in mehr als 40 Ländern zu sogenannten Brotrevolten führte. Auch wenn der Anstieg der Lebensmittelpreise vor allem durch Spekulation an den Rohstoffbörsen bedingt war, ist ein Einfuss der zu jener Zeit verteuerten landwirtschaftlichen Inputs (Düngemittel, Diesel) naheliegend.

Bei Phosphormangel bleiben die Blätter der Pflanzen klein und die Erträge niedrig. Obwohl eine aus externen Quellen zugeführte mineralische Phosphordüngung nicht nachhaltig ist, hat sie einen maßgeblichen Beitrag zur Steigerung des globalen Erntevolumens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geleistet. Dabei gibt es sowohl regional als auch über die Zeit gravierende Unterschiede in der pro Hektar eingesetzten Phosphormenge. In Westeuropa wurden in den letzten 40 Jahren (1961–2012) durchschnittlich 17 Kilogramm Phosphor pro Hektar und Jahr eingesetzt – der globale Spitzenwert. Das führte neben einer gravierenden Umweltbelastung zu einer Phosphorsättigung der Böden. Bemühungen, den Phosphorverbrauch zu senken, waren erfolgreich, aber nicht ausreichend. Es wurde erreicht, dass in Westeuropa von 2008 bis 2012 im Durchschnitt nur noch vier Kilogramm Phosphor pro Hektar zum Einsatz kamen. Im Gegensatz dazu hat sich die durchschnittlich ausgebrachte Menge in Nord- und Südamerika in den letzten Jahren verdoppelt und liegt derzeit bei mehr als sieben Kilogramm pro Hektar und Jahr. Hinter diesen Veränderungen verbirgt sich zum Teil die Tatsache, dass die EU in diesem Punkt auf Kosten anderer lebt, denn rund 15 Prozent des Phosphors wurden in Form von Futtermitteln importiert. Mit anderen Worten, der Phosphordünger wird in den »Sojarepubliken« (Argentinien, Brasilien, Paraguay) auf die Felder gebracht und das daraus hergestellte Tierfutter an Rinder, Schweine und Geflügel in der EU verabreicht. Die Statistik für den afrikanischen Kontinent weist von 1961 bis 2012 durchgängig weniger als 500 Gramm Phosphor pro Hektar und Jahr aus. Wie in vielen anderen Fällen auch ist es so, dass jener Kontinent, der über die größten Reserven verfügt, den weitaus geringsten Einsatz dieses Rohstoffs aufweist. In diesem speziellen Fall könnte man das aber trotzdem eher als Chance denn als Nachteil betrachten, wenn die dortigen Bemühungen zur Umstellung der Produktion auf geschlossene agroökologische Systeme nicht finanzschwachen lokalen Initiativen und Nichtregierungsorganisationen überlassen blieben, sondern zum Förderschwerpunkt einer Entwicklungszusammenarbeit werden würden, die diesen Namen auch verdient.

Umweltschäden

In der EU hingegen sind die Verhältnisse genau umgekehrt: Den oben erwähnten Sorgen um einen kontinuierlichen Zugang zur strategischen Ressource Rohphosphat steht ein Zuviel an Phosphat in Gewässern und Böden gegenüber. Aus einer für 2005 berechneten EU-Bilanz (2.659 Kilotonnen Phosphor) geht hervor, dass davon zehn Prozent den Abfällen der Lebensmittelverarbeitung und 26 Prozent den kommunalen Abwässern geschuldet sind. Geschätzte 31 Prozent dieser Menge reicherte sich in den Böden an. Die Folgen sind die sogenannte Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) der Gewässer und ein Verlust an biologischer Vielfalt. Die Eutrophierung der Gewässer, an der neben Phosphat auch Stickstoff beteiligt ist, führt zum Verlust an Sauerstoff, so dass nur wenige Fische und andere Tierarten in den Gewässern leben können oder es gar zu einem akuten Sterben nach einer Algenblüte kommt. Die konkrete Belastbarkeit eines Gewässers wird jedoch stark von seinem ursprünglichen Zustand und dem in ihm lebenden Ökosystem bestimmt. So ist bekannt, dass phosphorarme alpine Bergseen extrem empfindlich gegenüber einem zusätzlichen Phosphoreintrag (die Anreicherung von Phosphor; jW) sind. In den Niederlanden gelten 0,1 Milligramm Phosphor pro Liter Wasser als kritischer Grenzwert für die Gefahr einer Eutrophierung. Eine Akkumulation im Boden hat neben dem Abschwemmen des Phosphats in die Gewässer zur Folge, dass sich einige phosphorliebende Pflanzenarten übermäßig ausbreiten und dabei viele andere Arten verdrängen. Es ist vorstellbar, dass dies zu jener Kettenreaktion beiträgt, die vor allem als Folge des Einsatzes von Glyphosat bekannt ist: Die Verarmung der Pflanzenvielfalt entzieht vielen Insektenarten, einschließlich Nutzinsekten, die Nahrung, was längerfristig auch als nahrungsbedingter Bestandsrückgang bei bestimmten Vogelarten spürbar wird.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Phosphatbelastung der Umwelt nicht nur aus der Anwendung als Düngemittel resultiert. Als weitere Quelle sind industrielle Prozesse zu nennen. Insbesondere bei der Stahlproduktion einschließlich der dazugehörigen Erzaufbereitung können große Mengen Phosphor freigesetzt werden, wenn die Erze entsprechend belastet sind. Am bekanntesten dürfte jedoch der Phosphoreintrag durch die Verwendung von Phosphaten in Wasch- und Spülmitteln sein. Auch wenn diese Produkte in Westeuropa und Nordamerika inzwischen durch das umweltfreundlichere Zeolith ersetzt wurden, sind phosphathaltige Mittel in Osteuropa, Südamerika, Asien und Afrika weiterhin auf dem Markt. Die globale jährlich freigesetzte Menge an Phosphor aus dieser Quelle ist allerdings von 1,2 Megatonnen im Jahr 2007 auf 0,8 Megatonnen im Jahr 2012 geschrumpft.

Einer Studie der in Kopenhagen ansässigen Europäischen Umweltagentur zufolge gab es im Laufe der Zeit eine Verschiebung von den sogenannten Punktquellen zu diffusen Quellen des Phosphoreintrags in die Flüsse. Punktquellen sind vor allem Abwassereinleitungen aus Industrie und Haushalten. Die wichtigste diffuse Quelle des Phosphoreintrags ist die Landwirtschaft, nicht nur durch den Einsatz von Mineraldüngern, sondern auch durch die Ausbringung von Dung bzw. Gülle. Die relative Verschiebung von Punkt- zu diffusen Quellen sagt zwar nichts über die eingetragenen Mengen, weist aber trotz regionaler Unterschiede auf eine zunehmende Verbesserung der Abwasserbehandlung im europäischen Maßstab hin.

Gesundheitliche Folgen

Ein wenig beachteter Aspekt sind die Auswirkungen von Phosphor auf die Gesundheit. Menschen nehmen Phosphor vermehrt auf, wenn sie Fleisch und Fertignahrung konsumieren. Gefährdet sind insbesondere Personen mit Nierenschäden, bei denen dann der über die Nahrung aufgenommene Phosphor ungenügend ausgeschieden wird, so dass es zu erhöhten Werten im Blut kommt. Solche erhöhten Phosphorwerte wurden inzwischen als Risikofaktor bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen identifiziert. Insbesondere wird ihnen eine verstärkende Wirkung bei der Arterienverkalkung zugesprochen. Nachdem Natriumverbindungen unter anderem wegen dieser Herz-Kreislauf-Effekte als Zusatzstoffe für Nahrungsmittel in Verruf gerieten bzw. verboten wurden, nehmen nun Phosphate ihre Position ein und zeigen ähnliche Nebenwirkungen. Aus den Verpackungen geht das nur verschlüsselt hervor – in Form der berühmt-berüchtigten E-Codes, z. B. E 339 (Natriumphosphat), E 340 (Kaliumphosphat) und E 341 (Kalziumphosphat). Diese Verbindungen werden in großem Umfang als Konservierungsmittel, Säuremittel, Puffer, Emulgatoren, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker eingesetzt. Die Hersteller sind nicht zu Mengenangaben auf den Etiketten verpflichtet, so dass es für Menschen aus Risikogruppen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Nierenkrankheiten) schwierig ist, wissensbasierte Kaufentscheidungen zu treffen.

Die Verarbeitung von phosphathaltigem Gestein zu chemischem Dünger beinhaltet noch ein weiteres Problem für Gesundheit und Umwelt: Bestimmte Lagerstätten sind mit Schwermetallen belastet, die so auf die gedüngten Ackerflächen gelangen. Eine Kadmiumkonzentration von 60 Milligramm pro Kilogramm Diphosphat wurde als kritisch bezüglich einer möglichen Anreicherung im Ackerboden (mit anschließendem Transfer in die Nahrungspflanzen) identifiziert.

Mangelnde Regulierung

Es gibt also viele Gründe, die externe Zuführung von Phosphat so gering wie möglich zu halten. Doch anders als beim Stickstoff gibt es keine EU-Direktive, die den Einsatz von Phosphor in der Landwirtschaft bzw. dessen Verringerung reguliert. Bisher blieb es den Mitgliedsländern überlassen, ob sie gesetzliche Regelungen einführen oder nicht. In Deutschland kommt die Düngeverordnung von 2007 zu Anwendung, die unter anderem vorschreibt, dass alle sechs Jahre der Phosphorgehalt des Bodens zu bestimmen ist, um zu sichern, dass die Phosphorbilanz (Phosphoreintrag in den Boden minus Phosphorentnahme aus dem Boden in Form geernteter Pflanzen) 20 Kilogramm Diphosphat pro Hektar nicht überschreitet. In der Fachliteratur wird kritisiert, dass die Berechnung dieser Bilanz verschwommen definiert und schwer zu verifizieren ist. Auch die Berechnung des konkreten Phosphorbedarfs eines Pflanzenbestandes ist alles andere als trivial, insbesondere bei Böden, in denen sich Phosphor über die Jahrzehnte angereichert hat – so wie in Westeuropa. Die Effizienz der Phosphoraufnahme hängt nicht nur von der Bodenstruktur und der Pflanzenart ab. Sie kann auch zwischen verschiedenen Sorten innerhalb einer Pflanzenart stark variieren, und die ertragssteigernde Wirkung des ausgebrachten Düngers nimmt in dem Maße ab, in dem der behandelte Boden bereits über Phosphorreserven verfügt. Deshalb kann die tatsächliche Phosphoraufnahme im konkreten Fall erheblich von dem in Modellversuchen ermittelten Phosphorquotienten abweichen, der beschreibt, wieviel Prozent der ausgebrachten Phosphormenge durch die jeweilige Kultur aufgenommen werden. Es ist also nach wie vor schwierig, eine maßgeschneiderte Düngeempfehlung zu berechnen, und das Modewort »Präzisionslandwirtschaft« beschreibt eher das Ziel als den bisher erreichten Zustand. Ein wichtiger, die Phosphoraufnahme beeinflussender Faktor sind außerdem die Mikroorganismen des Bodens, die zum Teil mit dem Wurzelgeflecht in Symbiose leben und die Pflanzenverfügbarkeit des Phosphors maßgeblich beeinflussen. Für das Herbizid Glyphosat, das von Monsanto auch wegen seiner antibiotischen Wirkung patentiert wurde und von dem jährlich mehr als 5.000 Tonnen auf den deutschen Äckern landen, ist bekannt, dass es die Mikroflora des Bodens schädigt. Deshalb ist gut vorstellbar, dass dieses Pflanzengift die Effizienz der Phosphoraufnahme nachhaltig negativ beeinflusst, auch wenn es dazu bislang noch keine konkreten Studien gibt.

Lösungsansätze

Um den unerwünschten Phosphoreintrag in die Umwelt zu reduzieren, gibt es, wie oben erwähnt, zwei Wege: erstens die Behandlung der Abwässer mit dem Ziel, Phosphat und andere Stoffe zurückzuhalten, und zweitens die Reduzierung der diffusen Phosphoreinträge, die in erster Linie durch die Landwirtschaft verursacht werden. Beginnend im 19. Jahrhundert wurden die kommunalen Abwässer über Verrieselung entsorgt. Die zunehmend nährstoffreichen Rieselfelder wurden häufig zur Produktion von Gemüse genutzt. Später nutzte man Kläranlagen und arbeitete deren Schlämme in den Boden ein. Zunehmende Bedenken wegen der Belastung durch Bakterien und chemische Rückstände, insbesondere Schwermetalle, führten zu Einschränkungen bis hin zum Verbot einer direkten Ausbringung von Klärschlamm. Statt dessen wird nunmehr versucht, wertvolle Stoffe aus dem Klärschlamm zu isolieren. Dazu zählen verschiedene Technologien zur direkten Extraktion von Phosphor, die in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden. Das bevorzugte Verfahren ist die Auskristallisierung von Phosphor aus der Flüssigphase des Klärschlamms in Form von Ammoniummagnesiumphosphat (Struvit). Struvit ist ein Düngemittel mit langsamer Freisetzung und ausgezeichneter Pflanzenverfügbarkeit. Doch einer halbwegs flächendeckenden Einführung solcher Technologien, mit denen der Phosphorbedarf der europäischen Landwirtschaft weitestgehend gedeckt werden könnte, stehen die »Marktkräfte« entgegen. Von der kurzzeitigen Preisexplosion im Jahr 2008 abgesehen, sind Düngemittel aus phosphathaltigen Erzen noch immer billiger als jene, die umweltschonend aus Klärschlamm gewonnen werden. Und auch »Bauer Willi«, der die Verbraucher aufruft, die Finger von günstigen Lebensmitteln zu lassen, bevorzugt selbst die billigen Düngemittel (junge Welt, Beilage »Land & Wirtschaft«, 10.8.2016, S. 5).

Noch schwieriger ist der Umgang mit den diffusen Phosphoreinträgen. Neben den Schwierigkeiten, die benötigte Phosphormenge genau zu dosieren, um eine Akkumulation in den Böden zu verhindern, gibt es zwei weitere große Probleme. Das erste ist der Phosphorüberschuss in Regionen mit hoher Nutztierdichte. Die dort anfallenden Exkremente (Gülle, Dung) werden bis zur Belastungsgrenze auf umliegende Äcker ausgebracht oder, wenn das nicht mehr möglich ist, mit hohem Transportaufwand in andere Regionen verbracht. Die ökologische Sinnlosigkeit dieses Systems liegt auf der Hand. Die logische Schlussfolgerung, nämlich geschlossene Stoffkreisläufe zu etablieren, drängt sich förmlich auf. Das könnte durch eine substantielle Förderung agrarökologischer Anbausysteme erreicht werden, verbunden mit Forschungsinvestitionen, politisch gestalteten Erzeugerpreisen und dem Aufbau von Beratungsdiensten. Das zweite Problem sind die Langzeitwirkungen des Klimawandels. Für das nördliche Europa prognostiziert der Weltklimarat eine Zunahme von Niederschlägen und extremen Wetterereignissen. Nicht nur Starkregen verursacht Erosion und damit den Transfer von Phosphor und Stickstoff in Flüsse und Meere. Die immer häufiger auftretenden Hochwasserereignisse sind auch in dieser Beziehung ein Problem, denn durch sie werden jene Phosphatmengen, die sich über die Jahrzehnte in Uferregionen und Flussbetten abgelagert haben, ausgewaschen. Auch in diesem Kontext ist von Bedeutung, dass agrarökologische Anbausysteme klimagünstiger funktionieren als konventionelle.

Der bestehende Handlungsbedarf wird von Oscar Schoumans und seinen Mitautoren wie folgt beschrieben: »Der europäische Phosphorzyklus könnte vollständig geschlossen und die europäische Wasserqualität verbessert werden, wenn die importierten chemischen Phosphatdünger komplett gegen biologische und chemische Phosphordünger ersetzt werden würden, die den Abfallströmen entzogen wurden.«* Doch um das zügig zu erreichen, müsste das Diktat der »Marktkräfte« überwunden werden.

* Schoumans, O. F./Bouraoui, F./Kabbe, C./Oenema, O./van Dijk, K. C.: Phosphorus management in Europe in a changing world, in: AMBIO (2015), No. 44, Suppl. 2, S. 188 (Übersetzung P. C.)

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„Sauerei!“ – Bauer Willis misslungene Demagogie (Rezension) https://www.welt-ernaehrung.de/2016/09/02/sauerei-bauer-willis-misslungene-demagogie-rezension/ https://www.welt-ernaehrung.de/2016/09/02/sauerei-bauer-willis-misslungene-demagogie-rezension/#respond Fri, 02 Sep 2016 03:04:16 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1155 von Peter Clausing

„Sauerei!“ hätte ein gutes Buch werden können. Es ist flüssig geschrieben, wenngleich etwas distanzlos-kumpelhaft, aber das trifft sicher den Nerv vieler Leserinnen und Leser. Und der Verfasser ist ein echter Insider. Kremer-Schillings bewirtschaftet 50 Hektar, den gleichen Hof wie sein Vater und sein Großvater. Er schöpft aus dem Vollen, was die Beschreibung des Lebens eines Landwirts anbetrifft – und das über drei Generationen.

Aber „Sauerei“ ist im besten Fall ein ärgerliches Buch, eher aber ein gefährliches, wenn man dem Aphorismus von Georg Christoph Lichtenberg folgt, der schon im 18. Jahrhundert erkannte: „Das Gefährliche sind nicht die dicken Lügen, sondern Wahrheiten, mäßig entstellt.“ Das Buch charakterisiert detailreich die Krise der deutschen und europäischen Landwirtschaft, um dann den Popanz des „Verbrauchers“ aufzubauen, der an der Misere des Landwirts schuld sei und in dessen Macht es läge, daran etwas zu ändern. Das soll uns nicht von verantwortungsvollem Verbrauch freisprechen. Doch damit allein wird das Problem nicht gelöst. Es ist nicht einmal der Kern des Problems. Und genau hier endet die Logik des Buches – oder wird sie bewusst verlassen? Eine Hauptbeschäftigung des Autors, der selbst „auch für den Weltmarkt produziert, dessen Regeln für (ihn) schwer durchschaubar sind“ (S.41), ist das Austeilen von Seitenhieben gegen jene, die sich gegen eine noch weitere Verschlechterung der globalen Spielregeln einsetzen, nämlich Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Den NGOs spricht er die Kompetenz ab, weil, „wer sich öffentlich über Lebensmittel äußert und Soziologie, Politologie oder Theologie studiert hat, definitiv kein Experte“ ist (S.138) und ignoriert die Tatsache, dass solche Äußerungen in der Regel auf Gutachten und Studien basieren, die von Biologinnen, Tierärzten und Landwirten erarbeitet wurden.

Ein Autor, für den „der Begriff Unternehmer positiv besetzt“ ist (S.44) ist, sollte zumindest so viel ökonomischen Verstand haben, dass er erkennt, dass deregulierte Märkte und daraus resultierende Überproduktion die Mutter des von ihm zu Recht beklagten Verfalls von Erzeugerpreisen ist. Das ist bei Milch und Getreide nicht anders als bei Erdöl oder Stahl. Doch um ökonomische Zusammenhänge geht es ihm nicht, sondern vielmehr darum, mit Anekdoten eine scheinbare Glaubwürdigkeit zu erzeugen, die sich dann hoffentlich auf die von ihm verfolgte pro-agrarindustrielle Agenda überträgt. Falschdarstellungen werden in dem Buch besonders dort offensichtlich, wo der Autor mit Hilfe von Zahlen und Grafiken „Objektivität“ suggeriert. So etwa beim Versuch, die Zunahme von Agrarfabriken zu bestreiten. Es „lägen exakt 70,1 Prozent (der Betriebe) im Bereich bis 50 Hektar“ (S.28), dem vom Autor definierten Schwellenwert für Großbetriebe. Was er nicht erwähnt, ist, dass diese nur 21,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften. An anderer Stelle rechnet Kremer-Schillings vor, dass ein kompletter Verzicht auf Pestizide und synthetischen Dünger zu Hungersnöten oder massiven Lebensmittelimporten führen würde. Seine Hochrechnungen sind unlauter, denn sie berücksichtigen weder die Bodenwertzahlen der Betriebe noch andere Rahmenbedingungen.

Das Buch wimmelt von falschen Behauptungen für deren Widerlegung hier der Platz fehlt. „Das ich von den Saatgutkonzernen abhängig sein soll, ist also grober Unfug, passt aber so manchem gut in den Kram“, gibt Kremer-Schillings zu Protokoll (S.189). Bei den gut dokumentierten Monopolisierungsprozessen der Saatgutmultis geht es aber nicht um sein subjektives Empfinden, sondern um die kontinuierlich wachsende Marktmacht transnationaler Konzerne. Gentechnik dient bei ihm nicht nur der Profitmaximierung, „sondern auch zur Bekämpfung des Hungers in der Welt“ (S.147) – den Beweis muss er schuldig bleiben, denn den gibt es bislang nicht.

Aber wenn man bereit ist, sich den skurrilen Passagen des Buches zu öffnen, hat es trotzdem einen gewissen Unterhaltungswert. Zum Beispiel wenn der Verfasser beansprucht, Pazifist zu sein, weil er kein Jäger ist, nachdem er uns ein paar Seiten zuvor von seiner Zeit bei der Bundeswehr berichtete.

Kremer-Schillings, W.: Sauerei! Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher. Piper Verlag München/Berlin 2016. 330 Seiten, 14,99 EUR.

Erschienen in „Land & Wirtschaft“, Beilage der Jungen Welt vom 10.8.2016

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Die Glyphosat-Kampagne: Workshop am 22./23.8.2016 https://www.welt-ernaehrung.de/2016/07/15/die-glyphosat-kampagne-workshop-am-22-23-8-2016/ https://www.welt-ernaehrung.de/2016/07/15/die-glyphosat-kampagne-workshop-am-22-23-8-2016/#respond Fri, 15 Jul 2016 03:43:18 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1146 Hinweis in „eigener Sache“: Workshop auf dem Klimacamp

Kampagnen und „System Change“. Überlegungen mit Rückblick auf die Glyphosat-Kampagne 2015/2016

Workshopleitung: Leonie Sontheimer (Kampagne „Ackergifte? Nein Danke!“ und Peter Clausing (PAN Germany)

Im April 2015 wurde die Wiedergenehmigung des Pestizids Glyphosat erneut öffentlich diskutiert – und damit die Argumente, die dagegen sprechen. Was mit vereinzelten Pressemitteilungen begann, ist innerhalb eines Jahres zu Hunderttausenden von Unterschriften und gemeinsamen Appellen von zig Organisationen aus zahlreichen europäischen Ländern gewachsen.

In dem Workshop sollen rückblickend die Rahmenbedingungen einer erfolgreich verlaufenen Kampagne analysiert werden. Zugleich steht im Raum, dass eine erfolgreiche Kampagne noch keinen Systemwandel bedeutet. Basierend auf dieser Erkenntnis soll gemeinsam über den qualitativen Sprung von „Kampagne“ zu „Systemwandel“ reflektiert werden.

Ablauf:
• Vorstellungsrunde (20 Minuten)
• „Glyphosat“ – Symptom einer Wachstumsgesellschaft: Was ist das Problem? (Impulsreferat & Diskussion, 60 Min)
• Die Glyphosat-Kampagne: Entstehung, Erfolge, Misserfolge, „Lessons learned“ (Impulsreferat & Diskussion, 60 Min)
• Von der Kampagne zum Systemwandel: Visionen, Voraussetzungen, Hindernisse (kurzes Input & offene Diskussion, 180 Min)

Methoden: Impulsreferate, Diskussion, Reflexion, Mediation (zwischen verschiedenen Visionen)

Zielgruppe:
Menschen, die interessiert sind, sich die „Anatomie“ einer erfolgreichen Kampagne anzuschauen und über den notwendigen qualitativen Sprung von „Kampagne“ zu „System Change“ zu reflektieren.

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Gastbeitrag: Grüner Landraub durch Naturschutz https://www.welt-ernaehrung.de/2016/07/12/gastbeitrag-gruener-landraub-durch-naturschutz/ https://www.welt-ernaehrung.de/2016/07/12/gastbeitrag-gruener-landraub-durch-naturschutz/#respond Tue, 12 Jul 2016 05:01:51 +0000 http://www.welt-ernaehrung.de/?p=1135 von Rene Vesper

Hausarbeit bei Prof. K.-H. Erdmann, Geografisches Institut, Universität Bonn.

Die Arbeit kann HIER herunter geladen werden. Nachstehend ein Auszug aus der Einleitung:

Im 21. Jahrhundert blickt der globale Norden mit Demut auf die vergangenen zwei Jahrhunderte zurück, in denen im Zuge der Industrialisierung und Globalisierung die Ressourcen des Planeten in großem Stile ausgebeutet wurden. Während das Wissen um das Ausmaß globaler Umweltzerstörung zunimmt, wird der Ruf nach mehr Umweltschutz in der Öffentlichkeit lauter. Auch die weltweit größten Umweltschutz-Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben sich unlängst grüne Agenden auf die Fahnen geschrieben.

Durch ein hohes Spendengeldaufkommen, eigene Umweltfonds, Umweltschutzprojekte und eigene Zertifikatsysteme haben sie einen großen Einfluss in Umweltdiskursen erlangt. Ihre Position im internationalen Umweltregime ist jedoch umstritten, da es in einigen ihrer Projekte zu gewaltvollen Vertreibungen und anderen Menschenrechtverletzungen kam (Schmidt-Soltau 2005, 284-285, In: Pedersen 2008, 32; CLA & VEG 2015). Da unlängst auch eine große Bandbreite von VertreterInnen aus der Industrie mit umweltfreundlichen Werbespots, Slogans und CSR-Umweltprojekten4 aufwarteten, stellt sich die Frage, inwiefern sich die grünen Agenden der Akteure des globalen Umweltregimes voneinander unterscheiden. Haben alle Akteure das gleiche Ziel? Welche Strategien zur Verfolgung des Ziels werden vorgeschlagen und welche Auswirkungen werden erwartet?

Eine Reihe erfolgreich eingerichteter Nationalparks, Biotopreservate und anderer Naturschutzprojekte im globalen Norden geben Anlass zur Hoffnung auf einen Umweltschutz, der die Bedürfnisse aller Akteure berücksichtigt und von der Planung bis zur Umsetzung Transparenz und eine größtmögliche Partizipation gewährleistet. Im globalen Süden hingegen, kommt es bei vielen Naturschutzprojekten auf allen politischen Implementierungsstufen zur Anwendug von Gewalt (Mulder & Coppolillo 2005, In: Brockington & Igoe 2006, 42). In der Literatur wird das gewaltsame Einrichten von Naturschutzzonen mit Menschenrechtverletzungen mit ’Green Grabbing’ (Fairhead et al. 2012; Leach et al. 2012, Vidal 2008) oder ,Naturschutz Grabbing’ (Pedersen 2008) bezeichnet. Angelehnt an die Frage von Fairhead et al. (2012, 239) wird sich diese Arbeit mit dem kausalen Zusammenhang zwischen Naturschutzmaßnahmen und Landraub auseinandersetzen:

„Are contemporary modes of appropriation of land and resources for apparently green ends extensions of processes that have long operated, or are they in some sense qualitatively different?“

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