Mexi­ko-Latein­ame­ri­ka: Töd­li­che Pes­ti­zi­de

von Alfre­do Ace­do*

(Qui­to, 14. Okto­ber 2011, alai).- Der grün und ocker­far­ben gemus­ter­te Tep­pich des Val­le del Yaqui ist zwar schön anzu­se­hen, er ver­birgt jedoch eine Tra­gö­die, die sich in die­ser Regi­on abspielt. Unter dem kapi­ta­lis­ti­schen Land­wirt­schafts­mo­dell wur­den hier über 50 Jah­re inten­siv Pflan­zen­schutz­mit­tel ein­ge­setzt, wodurch Was­ser, Böden und Luft ver­schmutzt und die Regi­on damit prak­tisch zer­stört wur­de. Doch nicht nur die Natur trägt die ver­hee­ren­den Kon­se­quen­zen. Die unver­ant­wort­li­chen Prak­ti­ken haben auch Men­schen­le­ben gefor­dert.

Ver­gif­tungs­sym­pto­me nach der Feld­ar­beit
Das im Süden des nord­öst­li­chen Bun­des­staats Sono­ra gele­ge­ne Tal erstreckt sich über ein Gebiet von mehr als 225.000 Hekt­ar und wird haupt­säch­lich schwer­kraft­be­wäs­sert. Dort wer­den vor allem Wei­zen (65 Pro­zent der mexi­ka­ni­schen Wei­zen­pro­duk­ti­on), Mais, Wol­le, Gemü­se und Grün­fut­ter ange­baut. Ich bin in einem klei­nen Dorf süd­lich der Stadt Obre­gón inmit­ten der Anbau­flä­chen gebo­ren und habe bis zur Puber­tät dort gelebt. Oft sah ich mei­nen Vater mit Ver­gif­tungs­sym­pto­me von der Arbeit heim­keh­ren. Er arbei­te­te mit ver­schie­de­nen Maschi­nen, wie zum Bei­spiel Trak­to­ren, die Pes­ti­zi­de, Ent­lau­bungs­mit­tel und Dün­ger auf den Äckern ver­teil­ten. Er starb im Alter von nur 61 Jah­ren an einem Gehirn­tu­mor. Das bös­ar­ti­ge Gliom hat sein Leben inner­halb von weni­ger als sechs Mona­ten aus­ge­löscht und wir als Fami­lie konn­ten dem nur taten­los zuse­hen.

Unkennt­nis bei Land­ar­bei­te­rIn­nen
Die Unver­ant­wort­lich­keit der Her­stel­le­rIn­nen und Ver­käu­fe­rIn­nen die­ser Gif­te ist ein Ver­bre­chen, das auf­ge­klärt wer­den muss. Ange­sichts kom­plett feh­len­der Infor­ma­tio­nen unter den Land­ar­bei­te­rIn­nen und der Bevöl­ke­rung, reicht ein simp­les Warn­schild nicht aus, um die Men­schen davor zu war­nen, mit wel­chen Stof­fen sie da in Berüh­rung kom­men. Die Gif­te wer­den ohne jeg­li­chen Schutz ver­sprüht, die Behäl­ter ein­fach auf den Fel­dern ste­hen gelas­sen. Pilo­tIn­nen schüt­ten das ver­schmutz­te Was­ser nach dem Aus­wa­schen der Sprüh­tanks ein­fach auf den Boden, und dies selbst in bewohn­ten Gegen­den.

Selbst Kin­der ver­din­gen sich für gera­de ein­mal ein paar Pesos in den Anbau­ge­bie­ten, sobald sie groß genug sind, um die Sprüh­tanks auf dem Rücken zu tra­gen, oder die nöti­ge Kraft haben, um den Sprüh­flug­zeu­gen mit einem Fähn­chen den Weg zu wei­sen. In bei­den Fäl­len sind sie stun­den­lang in eine Gift­wol­ke gehüllt. Selbst wenn sie nicht sofort an Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen lei­den, zei­gen sich die ver­hee­ren­den Spät­fol­gen der Gift­ak­ku­mu­la­ti­on nur wenig spä­ter. Der fürch­ter­li­che Gestank die­ser Ent­lau­bungs­mit­tel bleibt auch mir wie eine maka­bre Nost­al­gie in Erin­ne­rung.

Gift in der Mut­ter­milch
Es wird immer wie­der gesagt, dass Mut­ter­milch für ein Baby am bes­ten ist. Das ist medi­zi­nisch sicher rich­tig, gilt jedoch nicht für Kin­der, die im Val­le del Yaqui auf­wach­sen. Seit mehr als 20 Jah­ren wer­den chlor­or­ga­ni­sche Pes­ti­zi­de in der Mut­ter­milch der Bewoh­ne­rin­nen des Val­le nach­ge­wie­sen. Laut einer Stu­die des Kom­mis­sa­ri­ats der Gemein­de Cajeme aus dem Jahr 1990 wur­den bei 85,71 Pro­zent der unter­such­ten Mut­ter­milch­pro­ben im Dorf Yaqui ein bis drei Pes­ti­zi­de nach­ge­wie­sen. Dazu zäh­len Aldrin, HCH, (Lin­dan), DDT und pp-DDE mit einer durch­schnitt­li­chen Kon­zen­tra­ti­on von jeweils 0,11, 0,17, 0,27 und 1,90 Tei­le einer Mil­li­on (parts por mil­li­on, ppm). Der Unter­su­chung zufol­ge lie­gen die Lin­dan-, DDT- und pp-DDE-Wer­te über den von der Ernäh­rungs- und Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen (FAO) und der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on erlas­se­nen Grenz­wer­ten.

Spä­ter durch­ge­führ­te Stu­di­en bestä­tig­ten die­sen dra­ma­ti­schen Fund nicht nur, son­dern ergänz­ten ihn um ein wei­te­res ver­hee­ren­des Detail. Vor drei Jah­ren fand man im Rah­men einer ande­ren Stu­die an Bewoh­ne­rin­nen von Pue­b­lo Yaqui her­aus, dass Schäd­lings­be­kämp­fungs­mit­tel aus deren Pla­zen­ta auf das Neu­ge­bo­re­ne über­tra­gen wur­den. Im Blut, Frucht­was­ser und in der Nabel­schnur der Müt­ter fand man die Insek­ti­zi­de alfa-HCH, gam­ma-HCH (Lin­dan), HCB, Diel­drin, Endrin und DDE.
Im Blut von drei Mona­te alten Säug­lin­gen die­ser Gemein­de waren die glei­chen Insek­ti­zi­de ent­hal­ten. Ab einem Alter von sechs Mona­ten tauch­ten die Sub­stan­zen per­ma­nent auf, teil­wei­se als Abbau­pro­duk­te, wobei die ent­spre­chen­den Lin­dan- und Diel­drin-Wer­te die von Per­so­nen über­stie­gen, die dem Gift nicht über­mä­ßig aus­ge­setzt waren. Vor weni­ger als drei Jah­ren über­schrit­ten die Schwer­me­tall-Wer­te in Was­ser­pro­ben in den Gemein­den Bácum, Pue­b­lo Yaqui und Quet­che­hue­ca die offi­zi­ell in Mexi­ko zuge­las­se­nen Grenz­wer­te. Im Abwas­ser der bei­den zuletzt genann­ten Gemein­den wur­den zudem chlor­or­ga­ni­sche Pes­ti­zi­de wie Mal­a­thion und Methyl­pa­ra­thion gefun­den.

300.000 Tote durch Ver­gif­tun­gen mit Pflan­zen­schutz­mit­teln
Ver­schie­de­nen zuver­läs­si­gen Stu­di­en zufol­ge führt der dau­er­haf­te Kon­takt mit den Gift­stof­fen, bereits in gerin­gen Dosen, zu schwe­ren Gesund­heits­schä­den, wie Krebs, Erb­gut­ver­än­de­run­gen, kon­ge­ni­ta­len Ano­ma­li­en, Beein­träch­ti­gun­gen des Ner­ven­sys­tems und Hor­mon­stö­run­gen.

Ange­sichts des öffent­li­chen Drucks haben eini­ge Regie­rungs- und Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen erst vor kur­zem begon­nen, die Situa­ti­on zu unter­su­chen und die Bevöl­ke­rung über die Gefah­ren auf­zu­klä­ren – wenn auch ohne gro­ße Über­zeu­gung. Zudem wur­den spe­zi­el­le Müll­de­po­ni­en für die siche­re Auf­be­wah­rung der gif­ti­gen Behäl­ter ein­ge­rich­tet. Pro­ble­ma­tisch ist aller­dings, dass trotz die­ser Maß­nah­men kei­ne Sicher­heit für Land­ar­bei­te­rIn­nen, Land­be­woh­ne­rIn­nen und Kon­su­men­tIn­nen der dort erzeug­ten Pro­duk­te gewähr­leis­tet ist.

Die ver­sprüh­ten Gif­te ver­schmut­zen unaus­weich­lich Flüs­se, das Grund­was­ser, die Küs­te, Luft, Boden und Lebens­mit­tel. Sie wer­den von den Men­schen über die Atem­we­ge, die Nah­rungs­auf­nah­me oder durch direk­ten Kon­takt auf­ge­nom­men. Jedes Jahr erlei­den welt­weit drei Mil­lio­nen Men­schen schwe­re Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen durch Pflan­zen­schutz­mit­tel, min­des­tens 300.000 Men­schen ster­ben dar­an. 99 Pro­zent der Ver­gif­tungs­fäl­le ereig­nen sich in Ent­wick­lungs­län­dern.

Nobel­preis für die grü­ne Revo­lu­ti­on
Es erscheint absurd, dass trotz die­ser öko­lo­gi­schen und mensch­li­chen Tra­gö­die ein Frie­dens­no­bel­preis ver­ge­ben wur­de. Der Preis­trä­ger Nor­man Ernest Borl­aug, ein US-ame­ri­ka­ni­scher Agrar­for­scher, gilt als Initia­tor der „Grü­nen Revo­lu­ti­on“. Mit einer spe­zi­el­len Tech­nik ent­wi­ckel­te er Hoch­leis­tungs­wei­zen­sor­ten und züch­te­te auf Test­fel­dern mit­ten im Val­le Yaqui mit Unter­stüt­zung der mexi­ka­ni­schen Regie­rung (in Form des Cen­tro de Inves­ti­ga­cio­nes Agrí­co­las del Noroes­te) den so genann­ten Mexi­ko-Wei­zen.

Das von Borl­aug ein­ge­führ­te Land­wirt­schafts­mo­dell wird seit Mit­te des 20. Jahr­hun­derts umge­setzt und hat seit­dem die inten­si­ve Nut­zung von Hybrid­sa­men, che­mi­schen Dün­gern, Insek­ti­zi­den und den umfas­sen­den Ein­satz von Maschi­nen auf den Fel­dern eta­bliert. Vor allem nach dem 2. Welt­krieg sicher­te die Aus­wei­tung des Agro­busi­ness jenen Indus­tri­en die Gewin­ne, die zuvor fürs Mili­tär pro­du­ziert hat­ten. Bom­ben wur­den durch Stick­stoff­dün­ger, töd­li­che Gase durch Pes­ti­zi­de und Kriegs­ge­schütz durch Trak­to­ren ersetzt.

Mono­kul­tu­ren, Arbeits­lo­sig­keit und Land­flucht
Der ver­stärk­te Ein­satz von Pflan­zen­schutz­mit­teln wird immer wie­der mit der Bekämp­fung von Hun­ger durch höhe­re Erträ­ge gerecht­fer­tigt. Doch nicht nur auf den Fel­dern wer­den die Gif­te ver­wen­det. Auch in der Indus­trie und in Pri­vat­haus­hal­ten kom­men sie zum Ein­satz und die­nen selbst in Gesund­heits­ein­rich­tun­gen der Bekämp­fung von Krank­hei­ten wie Mala­ria. Das Agro­busi­ness bringt ver­schie­de­ne nega­ti­ve Fol­gen mit sich. Neben der Aus­wei­tung von Mono­kul­tu­ren stärkt es die poli­ti­sche Macht der Groß­pro­du­zen­tIn­nen, Arbeits­kräf­te wer­den zuneh­mend aus­ge­beu­tet, die Land­flucht erhöht sich und die Arbeits­lo­sig­keit in länd­li­chen Gebie­ten steigt.

Gleich­zei­tig beschert das Agro­busi­ness Groß­grund­be­sit­ze­rIn­nen und Groß­kon­zer­nen aus der Che­mie-, Metall- und Bio­tech­no­lo­gie­bran­che immer grö­ße­re Gewin­ne. Die Regie­rung sowie wis­sen­schaft­li­che und tech­ni­sche Insti­tu­tio­nen haben das Agro­busi­ness von Anfang an unter­stützt. Hin­zu kam die Unter­stüt­zung in Form welt­wei­ter Vor­ga­ben, wonach Groß­kon­zer­ne mit öffent­li­chen Gel­dern sub­ven­tio­niert wer­den soll­ten.

Der „Agro-Titan“ Borl­aug
Ist die Rede vom Mythos der so genann­ten „Agro-Tita­nen“ – angeb­li­chen Vor­rei­tern bei der Ein­füh­rung von Bewäs­se­rung und Anbau im Val­le del Yaqui – wird der Name Borl­aug her­vor­ge­ho­ben. Der Nobel­preis­trä­ger ist mitt­ler­wei­le zu einer Art Kult­fi­gur unter den Land­wir­tIn­nen in der Regi­on gewor­den; Stra­ßen, Sta­tu­en und ande­re Gebäu­de sind ihm zu Ehren mit sei­nem Namen geschmückt.

Ich habe Borl­aug vor eini­gen Jah­ren, kurz vor sei­nem Tod, gefragt, ob die Grü­ne Revo­lu­ti­on tat­säch­lich den Hun­ger bekämp­fen kön­ne. Er räum­te ein, dass wir bei der Stei­ge­rung der Ein­nah­men mit­hil­fe sei­ner land­wirt­schaft­li­chen Metho­de an unse­re Gren­zen gelangt sind und dass wir das Pro­blem nun mit poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen lösen müs­sen. Das war Anfang der neun­zi­ger Jah­re. Heu­te liegt es noch deut­li­cher auf der Hand, dass der Hun­ger nicht mit tech­ni­schen Lösun­gen bekämpft wer­den kann. Es bedarf viel­mehr einer radi­ka­len Reform der Pro­duk­ti­on, der Ver­tei­lung und des Kon­sums von Nah­rungs­mit­teln. Hin­sicht­lich der Umwelt­schä­den, die im Zuge sei­ner Grü­nen Revo­lu­ti­on durch Pflan­zen­schutz­mit­tel her­vor­ge­ru­fen wer­den, äußer­te Borl­aug kei­ne gro­ßen Beden­ken.

Pes­ti­zid­stu­die im Val­le de Yaqui
Mitt­ler­wei­le gibt es welt­weit unge­fähr 20 gro­ße Fabri­kan­tIn­nen der­ar­ti­ger Pflan­zen­schutz­mit­tel mit einem jähr­li­chen Absatz­vo­lu­men von mehr als 40 Mil­li­ar­den US-Dol­lar und einer Pro­duk­ti­on von 2,5 Mil­lio­nen Ton­nen. Die wich­tigs­ten Her­stel­ler sind Syn­gen­ta, Bay­er, Mon­s­an­to, Dow Agro­sci­en­ces und Du Pont. Latein­ame­ri­ka ist ein wich­ti­ger und wach­sen­der Markt, in dem der Ver­kaufs­um­satz der Gift­stof­fe zwi­schen 2006 und 2007 um 18,6 Pro­zent und zwi­schen 2007 und 2008 um 36,2 Pro­zent gewach­sen ist.

Eine Stu­die zu den zwi­schen 1995 und 1999 im Val­le del Yaqui ver­wen­de­ten Pes­ti­zi­den und deren Aus­wir­kun­gen auf die Gesund­heit der Bewoh­ne­rIn­nen ergab, dass die zumeist ein­ge­setz­ten Gif­te Her­bi­zi­de (34 Pro­zent), Car­ba­mat (27,53 Pro­zent), Phos­phor­säu­rees­ter (27,53 Pro­zent), Fun­gi­zi­de, chlor­or­ga­ni­sche Gif­te und Pyre­th­ro­ide sind. Ins­ge­samt wur­den im Zeit­raum 3.146.616 kg Pes­ti­zi­de im Tal ein­ge­setzt. Im Jahr 1998 kam es zum größ­ten Pes­ti­zid­ein­satz in einer Grö­ßen­ord­nung von 806.123 kg. Die häu­figs­ten damit ver­bun­de­nen Krank­hei­ten waren Kno­chen­mark-Apla­sie, schwe­re Leuk­ämie und Non-Hodg­kin-Lym­phome (NHL). (Valen­zue­la Gómez, L. 2000. Abschluss­ar­beit. ITSON. Obre­gón, Sono­ra.)

Illu­so­ri­sche Grenz­wer­te
Nach Anga­ben eines im Beruf täti­gen Agrar­in­ge­nieurs, der anonym blei­ben möch­te, sei das momen­tan meist ver­wen­de­te Insek­ten­gift das von Mon­s­an­to her­ge­stell­te Gly­pho­sat. Es wird in der Regi­on als Fae­na, in ande­ren Regio­nen als Roun­dup ver­kauft. Laut einer aktu­el­len Stu­die rufen die Pro­duk­te und Stoff­wech­sel­pro­duk­te von Gly­pho­sat beim Men­schen selbst in gerin­gen Dosen den Tod von Embryo­nen, Pla­zen­tas und Nabel­schnurzel­len im Reagenz­glas her­vor.

Im Val­le del Yaqui wer­den laut der anony­men Quel­le wei­ter­hin Para­thion und Mal­a­thion ange­wen­det. Para­thion ist extrem gif­tig und in ver­schie­de­nen Län­dern aus­drück­lich durch das Rot­ter­da­mer Über­ein­kom­men ver­bo­ten. Die US-ame­ri­ka­ni­sche Bun­des­be­hör­de zur Durch­set­zung des Arbeits­schutz­ge­set­zes OSHA (Occupa­tio­nal Safe­ty and Health Admi­nis­tra­ti­on) hat für Mal­a­thion einen Grenz­wert von 15 mg pro Kubik­me­ter Luft bei einer Arbeits­zeit von acht Stun­den in einer 40-Stun­den-Woche fest­ge­setzt. Die­se Emp­feh­lun­gen sind prak­tisch unmög­lich ein­zu­hal­ten.

Auf­klä­rungs­kam­pa­gne „Los agro­tóxi­cos matan“
Agrar­gif­te kön­nen als in der indus­tri­el­len Land­wirt­schaft ver­wen­de­te gif­ti­ge, che­mi­sche Sub­stan­zen defi­niert wer­den, die es in Form von Insek­ti­zi­den, Ent­lau­bungs­mit­teln, Her­bi­zi­den und Fun­gi­zi­den gibt. Wegen ihrer schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt wer­den auch Dün­ge­mit­tel in die­se Kate­go­rie gezählt. Sie ver­gif­ten die Böden und ihre Kom­po­nen­ten gelan­gen in Gebie­ten wie Lagu­nen und Buch­ten in die Nah­rungs­mit­tel­ket­te. Gene­tisch ver­än­der­te Samen für den inten­si­ven Ein­satz von krebs­er­re­gen­den Pes­ti­zi­den wie Gly­pho­sat und von Pflan­zen, die eige­ne Insek­ti­zi­de bil­den, soll­ten eben­falls dazu­ge­zählt wer­den.

Auf Grund­la­ge die­ser Defi­ni­ti­on und wei­te­rer umfas­sen­de Infor­ma­tio­nen zum Aus­maß des Agro­busi­ness und der Macht der Ver­ant­wort­li­chen wid­me­ten sich Reprä­sen­tan­tIn­nen aller Mit­glieds­län­der der Koor­di­na­ti­ons­stel­le von klein­bäu­er­li­chen und indi­ge­nen Orga­ni­sa­tio­nen in Latein­ame­ri­ka CLOC (Coor­di­na­do­ra Lati­no­ame­ri­ca­na de Orga­ni­za­cio­nes del Cam­po) bei einem Tref­fen in einem bäu­er­li­chen Fort­bil­dungs­zen­trum des Natio­na­len Ver­ei­nig­ten Land­wirt­schaft­li­chen Gewerk­schafts­ver­bands FENSUAGRO (Feder­a­ción Nacio­nal Sin­di­cal Unita­ria Agro­pecua­ria) in Vio­tá, Kolum­bi­en, der Ana­ly­se die­ses Pro­blems, das in allen Regio­nen der CLOC all­ge­gen­wär­tig ist: im Cono Sur, in der Anden­re­gi­on, in Mit­tel­ame­ri­ka, in Mexi­ko und der Kari­bik.

Schaf­fung einer Infor­ma­ti­ons­platt­form
Dabei wur­de ent­schie­den, eine Kam­pa­gne für ganz Latein­ame­ri­ka zu star­ten unter dem Mot­to „Töd­li­che Agrar­gif­te“ (Los agro­tóxi­cos matan). Die Kam­pa­gne soll die Gesell­schaft auf­klä­ren und für das The­ma sen­si­bi­li­sie­ren. Dem Mythos der siche­ren Ver­wen­dung von Pflan­zen­schutz­mit­teln soll ein Ende berei­tet und ein end­gül­ti­ges Ver­bot der Gif­te erreicht wer­den. Die Kam­pa­gne zielt auf eine Abkehr von der Ideo­lo­gie des Agro­busi­ness ab und rich­tet sich vor allem an Gemein­den und Fami­li­en. Außer­dem soll sie eine ver­ein­te Platt­form für Umwelt­schüt­ze­rIn­nen, Bau­ern und Bäue­rin­nen, Arbei­te­rIn­nen, Stu­den­tIn­nen, Kon­su­men­tIn­nen und alle Per­so­nen bil­den, die sich für eine gesun­de und umwelt­scho­nen­de Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on ein­set­zen.

Mit allen uns zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln müs­sen wir klar­ma­chen, dass unse­re Län­der das Poten­ti­al haben, auf Basis der öko­lo­gi­schen Land­wirt­schaft diver­si­fi­zier­te und gesun­de Lebens­mit­tel für alle Men­schen zu pro­du­zie­ren, und dass es höchs­te Zeit ist, die­ses Modell durch­zu­set­zen. Gleich­zei­tig müs­sen die Her­stel­le­rIn­nen und Händ­le­rIn­nen von Agrar­gif­ten zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den. Die Gesell­schaft muss ver­ste­hen, dass das der­zei­ti­ge Land­wirt­schafts­mo­dell, das gif­ti­ge Nah­rungs­mit­tel pro­du­ziert, die Umwelt zer­stört und nur eini­gen Weni­gen Reich­tum beschert, aus­ge­dient hat.

3. Dezem­ber: Welt­wei­ter Tag gegen den Pes­ti­zid­ein­satz
Dafür wur­de eine Orga­ni­sa­ti­on für jede Regi­on damit beauf­tragt – im Fall von Mexi­ko ist das der Natio­na­le Ver­band der auto­no­men, regio­na­len Bau­ern­or­ga­ni­sa­tio­nen, UNORCA – in ver­schie­de­nen Regio­nen Aus­schüs­se und Unter­aus­schüs­se zu bil­den, an denen alle Orga­ni­sa­tio­nen der CLOC betei­ligt sind. Dar­über hin­aus sol­len die ein­zel­nen Orga­ni­sa­tio­nen Koor­di­na­ti­ons­teams zusam­men­stel­len, die von der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stel­le des Ope­ra­ti­ven Sekre­ta­ri­ats in Qui­to, Ecua­dor, bei ihrer Arbeit unter­stützt wer­den.
Die Kam­pa­gne soll am 3. Dezem­ber, anläss­lich des „Welt­wei­ten Tages gegen den Pes­ti­zid­ein­satz“ star­ten. Im Vor­feld wird sie bereits im Novem­ber auf dem Inter­na­tio­na­len Kon­gress für Agro­öko­lo­gie in Havan­na ein­ge­lei­tet.
Es ist an der Zeit, den ver­hee­ren­den Teu­fels­kreis land­wirt­schaft­li­cher Pro­duk­ti­on zu durch­bre­chen, in dem ein und das­sel­be Unter­neh­men – viel­leicht in Beglei­tung eines Toch­ter­un­ter­neh­mens – die Samen pro­du­ziert, die Gif­te ver­treibt und am Ende sogar die fal­sche Medi­zin dafür ver­kauft. Und gemein­sam sor­gen sie dafür, dass das Gift auf unse­ren Tel­lern lan­det.

* Alfre­do Ace­do ist Direk­tor im Bereich der sozia­len Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bera­ter des Lan­des­ver­bands der auto­no­men, regio­na­len Bau­ern­or­ga­ni­sa­tio­nen UNORCA (Unión Nacio­nal de Orga­ni­za­cio­nes Regio­na­les Cam­pe­si­nas Autó­no­mas), Mexi­ko

Die­ser Bei­trag erschien bei Poo­nal

Tag-Wolke