Im Wett­lauf gegen die Zeit

Beitrag vom Juni/Juli 2011

von Peter Clausing

Boden­ero­si­on und Welt­ernäh­rung

Auch wenn, trotz über einer Mil­li­ar­de hun­gern­der Men­schen, der­zeit genü­gend Nah­rung für die gesam­te Welt­be­völ­ke­rung pro­du­ziert wird, zeich­net sich für die kom­men­den Jahr­zehn­te eine erheb­li­che Dis­kre­panz ab. Im Ver­gleich zu 1990 wird sich einer­seits die glo­ba­le land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che bis 2025 um geschätz­te 82 Mil­lio­nen Hekt­ar und damit um zehn Pro­zent ver­grö­ßern. Die­se Erwei­te­rung steht jedoch einem erwar­te­ten Bevöl­ke­rungs­zu­wachs von 60 Pro­zent in dem glei­chen 35-Jah­res-Zeit­raum gegen­über. Zudem geht der Gewinn an land­wirt­schaft­li­cher Nutz­flä­che häu­fig mit der Zer­stö­rung von Wäl­dern ein­her. Par­al­lel dazu spielt sich eine stil­le Kata­stro­phe sozu­sa­gen direkt unter unse­ren Füßen ab: Schät­zun­gen zufol­ge sind welt­weit 25 Pro­zent des Bodens von Degra­da­ti­on betrof­fen. 1 Die­ser ernüch­tern­den Sta­tis­tik zum Trotz ist Welt­un­ter­gangs­stim­mung fehl am Platz. In sei­nem jüngs­ten Bericht an die UN-Voll­ver­samm­lung schreibt der Son­der­be­richt­erstat­ter für das Recht auf Nah­rung, Oli­vi­er de Schutter, dass die Klein­bau­ern des Südens, also dort, wo chro­ni­scher Hun­ger am stärks­ten prä­sent ist, inner­halb von zehn Jah­ren ihre Nah­rungs­mit­tel­pro­duk­ti­on ver­dop­peln könn­ten, und zwar auf umwelt­ver­träg­li­che Wei­se.2 Um dies zu ermög­li­chen, wäre ein ent­spre­chen­der poli­ti­scher Wil­le von­nö­ten. Das wür­de auch Maß­nah­men zur Boden­ver­bes­se­rung ein­schlie­ßen, deren Dring­lich­keit nicht über­be­tont wer­den kann.

Rea­le Alter­na­ti­ven

Beitrag vom 18. November 2009

Erschie­nen in „jun­ge Welt“ vom 18.11.2009
Peter Clausing

Hin­ter­grund. Wider das agro­in­dus­tri­el­le Doping – eine ande­re Land­wirt­schaft ist mög­lich. Über­le­gun­gen anläß­lich des dies­jäh­ri­gen Welt­ernäh­rungs­gip­fels

Noch bis zum heu­ti­gen Mitt­woch fin­det in Rom der Welt­ernäh­rungs­gip­fel statt. Der nach 1996 und 2002 drit­te Gip­fel weist in mehr­fa­cher Hin­sicht Beson­der­hei­ten auf. Nie zuvor waren Macht­kon­zen­tra­ti­on und Ver­flech­tung von Agrar- und Bio­tech­no­lo­gie­kon­zer­nen, lebens­mit­tel­ver­ar­bei­ten­der Indus­trie und Han­dels­ket­ten so groß. Doch auch die Sack­gas­se, in die die­se Ent­wick­lung führt, war noch nie so deut­lich erkenn­bar. So wächst vor dem Hin­ter­grund der glo­ba­len kapi­ta­lis­ti­schen Kri­se und einer stei­gen­den Zahl hun­gern­der Men­schen die Not­wen­dig­keit, einen Aus­weg aus die­ser Situa­ti­on zu fin­den. Inter­na­tio­na­le Bewe­gun­gen wie Via Cam­pe­si­na, die sol­che Alter­na­ti­ven ein­for­dern und prak­ti­zie­ren, fin­den zuneh­mend Gehör. Natio­na­le Initia­ti­ven wie die bra­si­lia­ni­sche Bewe­gung der Land­lo­sen (MST in por­tu­gie­si­scher Abkür­zung) sind auf der Basis jah­re­lan­ger Kampf­erfah­rung fest eta­bliert und kön­nen beacht­li­che Erfol­ge vor­wei­sen.1

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