Das Stick­stoff-Dilem­ma

Beitrag vom 1.10.2014

Von Peter Clausing

Im Jahr 1910 lie­ßen sich die BASF ein che­mi­sches Ver­fah­ren zur Ammo­niak­syn­the­se aus Stick­stoff und Was­ser­stoff paten­tie­ren. Das von den spä­te­ren Nobel­preis­trä­gern Fritz Haber und Carl Bosch ent­wi­ckel­te Ver­fah­ren stellt laut Wiki­pe­dia das „bedeu­tends­te indus­tri­el­le Ver­fah­ren zur Umwand­lung des unre­ak­ti­ven Luft­stick­stoffs in eine nutz­ba­re Stick­stoff­ver­bin­dung (dar)“. Dies ist ein ener­gie­in­ten­si­ver Pro­zess, bei dem Tem­pe­ra­tu­ren von 500 Grad Cel­si­us erfor­der­lich sind. Sei­ne ers­te Kon­junk­tur hat­te das Haber-Bosch-Ver­fah­ren im Ers­ten Welt­krieg, als gro­ße Men­gen von Ammo­ni­ak zur Her­stel­lung von Muni­ti­on und Spreng­stoff benö­tigt wur­den. Die Namens­ge­ber des Ver­fah­rens stan­den voll und ganz in deutsch-mili­ta­ris­ti­scher Tra­di­ti­on. Fritz Haber gilt als „Vater des Gas­krie­ges“ im Ers­ten Welt­krieg und der jün­ge­re Carl Bosch war wäh­rend der Nazi­zeit „Wehr­wirt­schafts­füh­rer“, also Spit­zen­funk­tio­när der NS-Kriegs­wirt­schaft. Ähn­lich wie zu ande­ren Anläs­sen – man den­ke an die Atom­in­dus­trie – wur­den nach Kriegs­en­de neue Absatz­märk­ten gesucht. Es begann die Ära des syn­the­ti­schen Dün­gers. Heu­te wird der Mythos gepflegt, dass die Ernäh­rung der Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung von die­sem Dün­ger abhän­gen wür­de.

Inten­siv und inef­fi­zi­ent

Beitrag vom 14.4.2014

Die indus­tri­el­le Land­wirt­schaft ist an den Ver­brauch fos­si­ler Brenn­stof­fe gekop­pelt. Die Ener­gie­bi­lanz ihrer Pro­duk­te ist nega­tiv.

Von Peter Clausing

All­jähr­lich am 17. April hat die glo­ba­le Klein­bau­ern­or­ga­ni­sa­ti­on La Via-Camp­si­na ihren Akti­ons­tag. Die Orga­ni­sa­ti­on sagt, daß Klein­bau­ern ener­gie­ef­fi­zi­en­ter pro­du­zie­ren als Groß­be­trie­be.

Rea­le Alter­na­ti­ven

Beitrag vom 18. November 2009

Erschie­nen in „jun­ge Welt“ vom 18.11.2009
Peter Clausing

Hin­ter­grund. Wider das agro­in­dus­tri­el­le Doping – eine ande­re Land­wirt­schaft ist mög­lich. Über­le­gun­gen anläß­lich des dies­jäh­ri­gen Welt­ernäh­rungs­gip­fels

Noch bis zum heu­ti­gen Mitt­woch fin­det in Rom der Welt­ernäh­rungs­gip­fel statt. Der nach 1996 und 2002 drit­te Gip­fel weist in mehr­fa­cher Hin­sicht Beson­der­hei­ten auf. Nie zuvor waren Macht­kon­zen­tra­ti­on und Ver­flech­tung von Agrar- und Bio­tech­no­lo­gie­kon­zer­nen, lebens­mit­tel­ver­ar­bei­ten­der Indus­trie und Han­dels­ket­ten so groß. Doch auch die Sack­gas­se, in die die­se Ent­wick­lung führt, war noch nie so deut­lich erkenn­bar. So wächst vor dem Hin­ter­grund der glo­ba­len kapi­ta­lis­ti­schen Kri­se und einer stei­gen­den Zahl hun­gern­der Men­schen die Not­wen­dig­keit, einen Aus­weg aus die­ser Situa­ti­on zu fin­den. Inter­na­tio­na­le Bewe­gun­gen wie Via Cam­pe­si­na, die sol­che Alter­na­ti­ven ein­for­dern und prak­ti­zie­ren, fin­den zuneh­mend Gehör. Natio­na­le Initia­ti­ven wie die bra­si­lia­ni­sche Bewe­gung der Land­lo­sen (MST in por­tu­gie­si­scher Abkür­zung) sind auf der Basis jah­re­lan­ger Kampf­erfah­rung fest eta­bliert und kön­nen beacht­li­che Erfol­ge vor­wei­sen.1

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