Gast­bei­trag: Grü­ner Land­raub durch Natur­schutz

von Rene Ves­per

Haus­ar­beit bei Prof. K.-H. Erd­mann, Geo­gra­fi­sches Insti­tut, Uni­ver­si­tät Bonn.

Die Arbeit kann HIER her­un­ter gela­den wer­den. Nach­ste­hend ein Aus­zug aus der Ein­lei­tung:

Im 21. Jahr­hun­dert blickt der glo­ba­le Nor­den mit Demut auf die ver­gan­ge­nen zwei Jahr­hun­der­te zurück, in denen im Zuge der Indus­tria­li­sie­rung und Glo­ba­li­sie­rung die Res­sour­cen des Pla­ne­ten in gro­ßem Sti­le aus­ge­beu­tet wur­den. Wäh­rend das Wis­sen um das Aus­maß glo­ba­ler Umwelt­zer­stö­rung zunimmt, wird der Ruf nach mehr Umwelt­schutz in der Öffent­lich­keit lau­ter. Auch die welt­weit größ­ten Umwelt­schutz-Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) haben sich unlängst grü­ne Agen­den auf die Fah­nen geschrie­ben.

Durch ein hohes Spen­den­geld­auf­kom­men, eige­ne Umwelt­fonds, Umwelt­schutz­pro­jek­te und eige­ne Zer­ti­fi­kat­sys­te­me haben sie einen gro­ßen Ein­fluss in Umwelt­dis­kur­sen erlangt. Ihre Posi­ti­on im inter­na­tio­na­len Umwelt­re­gime ist jedoch umstrit­ten, da es in eini­gen ihrer Pro­jek­te zu gewalt­vol­len Ver­trei­bun­gen und ande­ren Men­schen­recht­ver­let­zun­gen kam (Schmidt-Soltau 2005, 284-285, In: Peder­sen 2008, 32; CLA & VEG 2015). Da unlängst auch eine gro­ße Band­brei­te von Ver­tre­te­rIn­nen aus der Indus­trie mit umwelt­freund­li­chen Wer­be­spots, Slo­gans und CSR-Umwelt­pro­jek­ten4 auf­war­te­ten, stellt sich die Fra­ge, inwie­fern sich die grü­nen Agen­den der Akteu­re des glo­ba­len Umwelt­re­gimes von­ein­an­der unter­schei­den. Haben alle Akteu­re das glei­che Ziel? Wel­che Stra­te­gi­en zur Ver­fol­gung des Ziels wer­den vor­ge­schla­gen und wel­che Aus­wir­kun­gen wer­den erwar­tet?

Eine Rei­he erfolg­reich ein­ge­rich­te­ter Natio­nal­parks, Bio­to­p­re­ser­va­te und ande­rer Natur­schutz­pro­jek­te im glo­ba­len Nor­den geben Anlass zur Hoff­nung auf einen Umwelt­schutz, der die Bedürf­nis­se aller Akteu­re berück­sich­tigt und von der Pla­nung bis zur Umset­zung Trans­pa­renz und eine größt­mög­li­che Par­ti­zi­pa­ti­on gewähr­leis­tet. Im glo­ba­len Süden hin­ge­gen, kommt es bei vie­len Natur­schutz­pro­jek­ten auf allen poli­ti­schen Imple­men­tie­rungs­stu­fen zur Anwen­dug von Gewalt (Mul­der & Cop­po­lil­lo 2005, In: Brocking­ton & Igoe 2006, 42). In der Lite­ra­tur wird das gewalt­sa­me Ein­rich­ten von Natur­schutz­zo­nen mit Men­schen­recht­ver­let­zun­gen mit ’Green Grab­bing’ (Fair­head et al. 2012; Leach et al. 2012, Vidal 2008) oder ,Natur­schutz Grab­bing’ (Peder­sen 2008) bezeich­net. Ange­lehnt an die Fra­ge von Fair­head et al. (2012, 239) wird sich die­se Arbeit mit dem kau­sa­len Zusam­men­hang zwi­schen Natur­schutz­maß­nah­men und Land­raub aus­ein­an­der­set­zen:

„Are con­tem­pora­ry modes of appro­pria­ti­on of land and resour­ces for appar­ent­ly green ends exten­si­ons of pro­ces­ses that have long ope­ra­ted, or are they in some sen­se qua­li­ta­tively dif­fe­rent?“

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