Agrar­öko­lo­gie – Defi­ni­tio­nen, Kon­text und Poten­zia­le

Beitrag vom 25.12.2015

von Peter Claus­ing – ursprüng­lich ver­öf­fent­licht auf globe-spotting.de im Novem­ber 2015 – Vor eini­gen Jah­ren wur­de Agrar­öko­lo­gie als „Wis­sen­schaft, Bewe­gung und Pra­xis“ defi­niert (Wezel et al. 2009). Das bringt zum Aus­druck, dass das Kon­zept weit­aus mehr beinhal­tet als das, was in unse­ren Brei­ten land­läu­fig hin­ter dem Begriff „Bio-…. “ gese­hen wird. Die Bezug­nah­me auf „Bewe­gung“ bedeu­tet aller­dings nicht, dass Agrar­öko­lo­gie auto­ma­tisch mit gesell­schaft­li­chem Umbruch und der Ent­ste­hung einer gerech­te­ren Gesell­schafts­ord­nung gleich­zu­set­zen ist. Doch sicher­lich ist sie ein ‚Tritt­stein’ auf dem Weg dort­hin. Die ‚Schar­nier­funk­ti­on’ der Agrar­öko­lo­gie zwi­schen Natur- und Gesell­schafts­wis­sen­schaft exis­tier­te nicht von Anbe­ginn. Als der Begriff 1928 von dem sowje­ti­schen Agro­no­men B.M. Ben­sin geprägt wur­de, war damit aus­schließ­lich Bio­lo­gi­sches gemeint – das Zusam­men­le­ben von Orga­nis­men auf land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­chen. Auch in der Tra­di­ti­on des Kie­ler Pro­fes­sors Wolf­gang Tisch­ler, der 1965 als ers­ter ein Hand­buch mit dem Titel Agrar­öko­lo­gie ver­öf­fent­lich­te, wird das Gebiet vor­nehm­lich als bio­lo­gi­sches Fach ver­stan­den. Doch die Zei­ten haben sich geän­dert. Fran­cis et al (2003, 100) defi­nier­ten die­se...

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Gly­pho­sat-Krebs­stu­di­en an Mäu­sen – Argu­men­te der EU-Behör­de ohne Grund­la­ge

Beitrag vom 16.12.2015

Von Peter Claus­ing Am 12. Novem­ber ver­öf­fent­lich­te die Euro­päi­sche Agen­tur für Lebens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) ihre Schluss­fol­ge­rung zur Bewer­tung des Her­bi­zid­wirk­stoffs Gly­pho­sat, der von der WHO-Agen­tur für Krebs­for­schung (IARC) als „wahr­schein­lich krebs­er­re­gend beim Men­schen“ ein­ge­stuft wur­de, was eine wei­te­re Geneh­mi­gung die­ses Wirk­stoffs in Euro­pa mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit aus­ge­schlos­sen hät­te, wenn die EFSA sich die­ser wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Bewer­tung ange­schlos­sen hät­te – hat sie aber nicht. Anfang Dezem­ber 2015 wur­de der ent­schei­den­de Teil der EFSA-Schluss­fol­ge­run­gen, jene zu den Krebs­stu­di­en an Labor­mäu­sen, einer kri­ti­sche Ana­ly­se unter­zo­gen. Zu die­sem 10-sei­ti­gen eng­lisch­spra­chi­gen Doku­ment gibt es jetzt die nach­ste­hen­de deut­sche Zusam­men­fas­sung. In allen fünf vali­den Krebs­stu­di­en an Mäu­sen wur­de bei Anwen­dung des von der OECD emp­foh­le­nen Cochran-Armi­ta­ge-Trend Tests eine signi­fi­kan­te Erhö­hung der Tumor­ra­te bei einem oder meh­re­ren Tumor­ty­pen fest­ge­stellt, womit das Kri­te­ri­um „aus­rei­chen­de Nach­wei­se beim Tier“, der CLP-Ver­ord­nung (1272/2008, Annex I; 3.6.2.2.3) erfüllt ist. Die EFSA bestrei­tet dies mit fol­gen­den Argu­men­ten: Feh­len­de sta­tis­ti­sche Signi­fi­kanz bei Anwen­dung paar­wei­ser Ver­glei­che Die­se Behaup­tung ent­behrt der Grund­la­ge. Die OECD emp­fiehlt seit 2012...

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Pri­va­te Stif­tun­gen – Speer­spit­ze der glo­ba­len Agrar­kon­zer­ne?

Beitrag vom 14.12.2015

Von Peter Claus­ing Die „neu­en Phil­an­thro­pen“, wie sich die Mil­li­ar­dä­re des 21. Jahr­hun­derts nen­nen, schaf­fen mit ihren Stif­tun­gen unter Umge­hung demo­kra­ti­scher Ent­schei­dungs­pro­zes­se die Vor­aus­set­zun­gen für die Aus­deh­nung der Märk­te trans­na­tio­na­ler Kon­zer­ne. Ver­brämt durch einen Dis­kurs der Armuts­be­kämp­fung, för­dern sie die Ent­ste­hung einer neu­en agra­ri­schen Mit­tel­schicht im sub­sa­ha­ri­schen Afri­ka, die aus­rei­chend zah­lungs­kräf­tig ist, um sich die Seg­nun­gen einer neu­en Grü­nen Revo­lu­ti­on leis­ten zu kön­nen. Man­gel an Demo­kra­tie ist eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung dafür. Zwar behaup­tet die Grü­ne Revo­lu­ti­on 2.0, dass sie die afri­ka­ni­schen Klein­bäue­rIn­nen aus der Armuts­fal­le zie­hen wol­le, doch gera­de die­se pro­fi­tie­ren nicht davon! Die eigent­li­chen Nutz­nie­ßer des neu­en land­wirt­schaft­li­chen Booms sind – wie Unter­su­chun­gen in Kenia und Sam­bia zei­gen – rei­che Städ­ter, in der Mehr­zahl Regie­rungs­an­ge­stell­te, die sich in die Land­wirt­schaft ein­kau­fen. Das ers­te Anzei­chen für eine neue „Grü­ne Revo­lu­ti­on“ gab es 1997, als Gor­don Con­way, der kurz dar­auf zum Prä­si­den­ten der Rocke­fel­ler-Stif­tung ernannt wur­de, sein Buch „The Dou­bly Green Revo­lu­ti­on: Food for All in the Twen­ty-first Cen­tu­ry”, ver­öf­fent­lich­te (1)....

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