Hunger am Anfang, Mangel am Ende: Der Rote Oktober, die Versorgung und die Landwirtschaft
von Peter Clausing Nach der Oktoberrevolution sah sich die junge Sowjetrepublik mit zwei Hauptaufgaben konfrontiert: der Sicherung der Ernährung der Bevölkerung und der Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels als Teil eines „sozialistischen Entwicklungsmodells“. Zu jener Zeit lebten ca. 80 Prozent der Bevölkerung auf dem Land. Und so, wie die ländlichen Regionen in England bei der Industrialisierung und mithin bei der Entstehung des Kapitalismus Pate standen, so bildete auch in Sowjetrussland der ländliche Bereich die Quelle der ursprünglichen Akkumulation, nunmehr unter sozialistischem Vorzeichen. Ein wichtiger Unterschied war, dass das, was sich im frühkapitalistischen England über einen längeren Zeitraum vollzog, in der „frühsozialistischen“ Sowjetunion innerhalb weniger Jahre über die Bühne ging. Doch der Reihe nach. Eine Umgestaltung der zum Großteil subsistenzwirtschaftlich betriebenen – der fast ausschließlich für den Eigenbedarf arbeitenden – Landwirtschaft wurde bereits im zaristischen Russland als notwendig erachtet. Die darauf ausgerichtete, im Jahr 1906 von P. A. Stolypin – 1906 bis 1911 russischer Ministerpräsident unter Zar Nikolaus II. – in die...
Lesezeit: 6 MinutenDie neue Ehe: Terrorbekämpfung und Naturschutz
von Peter Clausing Neuerdings werden in Asien und Afrika lokale Bevölkerungsgruppen aus Naturschutzgebieten unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung vertrieben. Separat betrachtet ist beides nichts Neues, weder die Militarisierung des öffentlichen Lebens samt Beschneidung von Menschenrechten im Namen der Terrorismusbekämpfung noch die Vertreibung lokaler, indigener Bevölkerungsgruppen im Namen des Naturschutzes. Doch die Kombination aus beidem ist ein neues Phänomen, das laut Recherchen der britischen Politikwissenschaftlerin Rosaleen Duffy und ihrer Mitarbeiterinnen wenig beachtet wird, aber häufig vorkommt.[1] Schon 2001 warnte Duffy, dass die Einrichtung so genannter „Peace Parks“ – grenzübergreifende Naturschutzgebiete im globalen Süden – genau das Gegenteil von dem bewirken könnten, was dieser Name suggeriert: nämlich den Versuch, die „Wildnis“ zu kontrollieren, indem Naturschutzorganisationen Polizeifunktionen übernehmen.[2] Krieg durch Naturschutz Die Kombination von Terrorismusbekämpfung und Naturschutz ist laut Duffy[3] die dritte Phase einer Entwicklung, die Ende des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Die erste Phase mit dem Label „Festungsnaturschutz“ (Fortress Conservation) reicht zurück bis zur Gründung des Yellowstone Nationalparks im Jahr 1872....
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