Hun­ger am Anfang, Man­gel am Ende: Der Rote Okto­ber, die Ver­sor­gung und die Land­wirt­schaft

Beitrag vom 31. Oktober 2017

von Peter Claus­ing Nach der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on sah sich die jun­ge Sowjet­re­pu­blik mit zwei Haupt­auf­ga­ben kon­fron­tiert: der Siche­rung der Ernäh­rung der Bevöl­ke­rung und der Gestal­tung des gesell­schaft­li­chen Wan­dels als Teil eines „sozia­lis­ti­schen Ent­wick­lungs­mo­dells“. Zu jener Zeit leb­ten ca. 80 Pro­zent der Bevöl­ke­rung auf dem Land. Und so, wie die länd­li­chen Regio­nen in Eng­land bei der Indus­tria­li­sie­rung und mit­hin bei der Ent­ste­hung des Kapi­ta­lis­mus Pate stan­den, so bil­de­te auch in Sowjet­russ­land der länd­li­che Bereich die Quel­le der ursprüng­li­chen Akku­mu­la­ti­on, nun­mehr unter sozia­lis­ti­schem Vor­zei­chen. Ein wich­ti­ger Unter­schied war, dass das, was sich im früh­ka­pi­ta­lis­ti­schen Eng­land über einen län­ge­ren Zeit­raum voll­zog, in der „früh­so­zia­lis­ti­schen“ Sowjet­uni­on inner­halb weni­ger Jah­re über die Büh­ne ging. Doch der Rei­he nach. Eine Umge­stal­tung der zum Groß­teil sub­sis­tenz­wirt­schaft­lich betrie­be­nen – der fast aus­schließ­lich für den Eigen­be­darf arbei­ten­den – Land­wirt­schaft wur­de bereits im zaris­ti­schen Russ­land als not­wen­dig erach­tet. Die dar­auf aus­ge­rich­te­te, im Jahr 1906 von P. A. Sto­lyp­in – 1906 bis 1911 rus­si­scher Minis­ter­prä­si­dent unter Zar Niko­laus II. – in die...

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Die neue Ehe: Ter­ror­be­kämp­fung und Natur­schutz

Beitrag vom 6.10.2017

von Peter Claus­ing Neu­er­dings wer­den in Asi­en und Afri­ka loka­le Bevöl­ke­rungs­grup­pen aus Natur­schutz­ge­bie­ten unter dem Deck­man­tel der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung ver­trie­ben. Sepa­rat betrach­tet ist bei­des nichts Neu­es, weder die Mili­ta­ri­sie­rung des öffent­li­chen Lebens samt Beschnei­dung von Men­schen­rech­ten im Namen der Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung noch die Ver­trei­bung loka­ler, indi­ge­ner Bevöl­ke­rungs­grup­pen im Namen des Natur­schut­zes. Doch die Kom­bi­na­ti­on aus bei­dem ist ein neu­es Phä­no­men, das laut Recher­chen der bri­ti­schen Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin Rosa­leen Duffy und ihrer Mit­ar­bei­te­rin­nen wenig beach­tet wird, aber häu­fig vorkommt.[1] Schon 2001 warn­te Duffy, dass die Ein­rich­tung so genann­ter „Peace Parks“ – grenz­über­grei­fen­de Natur­schutz­ge­bie­te im glo­ba­len Süden – genau das Gegen­teil von dem bewir­ken könn­ten, was die­ser Name sug­ge­riert: näm­lich den Ver­such, die „Wild­nis“ zu kon­trol­lie­ren, indem Natur­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen Poli­zei­funk­tio­nen übernehmen.[2] Krieg durch Natur­schutz Die Kom­bi­na­ti­on von Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung und Natur­schutz ist laut Duffy[3] die drit­te Pha­se einer Ent­wick­lung, die Ende des 19. Jahr­hun­derts ihren Anfang nahm. Die ers­te Pha­se mit dem Label „Fes­tungs­na­tur­schutz“ (Fort­ress Con­ser­va­ti­on) reicht zurück bis zur Grün­dung des Yel­low­stone Natio­nal­parks im Jahr 1872....

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