Löst Gly­pho­sat Krebs aus? – Wich­ti­ge Lücke in Risi­ko­be­wer­tung deut­scher Behör­de

Beitrag vom 15.04.2015

Ham­burg und Mün­chen, 15.04.2015. Eine aktu­el­le Recher­che des Pes­ti­zid Akti­ons-Netz­werks (PAN Ger­ma­ny) deckt eine wich­ti­ge Lücke bei der Risi­ko­be­wer­tung von Gly­pho­sat durch das Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung (BfR) auf. Dem­nach gibt es der­zeit min­des­tens zehn Stu­di­en, die zei­gen, dass Gly­pho­sat in Zel­len soge­nann­ten „oxi­da­ti­ven Stress“ aus­löst, der auch zur Krebs­ent­ste­hung füh­ren kann. Die­sen Wir­kungs­me­cha­nis­mus hat das BfR jedoch außer Acht gelas­sen. Die­ses Ver­säum­nis könn­te ein Grund dafür sein, dass das BfR, anders als ein inter­na­tio­na­les Gre­mi­um der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), zu dem Schluss kommt, dass Gly­pho­sat nicht krebs­er­re­gend ist.

Die lan­ge Grü­ne Revo­lu­ti­on

Beitrag vom 26.12.2014

von Raj Patel

In einer 63-sei­ti­gen Ana­ly­se, die Anfang 2013 erschien, beschäf­tigt sich der bri­ti­sche Sozio­lo­gie­pro­fes­sor Raj Patel fak­ten­reich mit den Mythen der Grü­nen Revo­lu­ti­on. Der nach­ste­hen­de Text ist zugleich Aus­zug und Kon­den­sat die­ser umfang­rei­chen Über­sichts­ar­beit.

His­to­risch betrach­tet erstreck­te sich die Grü­ne Revo­lu­ti­on über die Zeit von 1940 bis 1970, auch wenn die Pro­zes­se der kapi­ta­lis­ti­schen Akku­mu­la­ti­on, Ent­eig­nung, Inves­ti­ti­on und Inno­va­ti­on in der Land­wirt­schaft – die erst zwei Jah­re vor ihrem offi­zi­el­len Ende „Grü­ne Revo­lu­ti­on“ genannt wur­den – bereits frü­her statt­fan­den und sich weit über 1970 fort­setz­ten. Die Väter der Grü­nen Revo­lu­ti­on konn­ten ihre Zie­le nicht belie­big durch­set­zen, son­dern muss­ten unter Nut­zung staat­li­cher Mit­tel den oft­mals kol­lek­tiv orga­ni­sier­ten Wider­stand der armen länd­li­chen Bevöl­ke­rung über­win­den.

Das Stick­stoff-Dilem­ma

Beitrag vom 1.10.2014

Von Peter Clausing

Im Jahr 1910 lie­ßen sich die BASF ein che­mi­sches Ver­fah­ren zur Ammo­niak­syn­the­se aus Stick­stoff und Was­ser­stoff paten­tie­ren. Das von den spä­te­ren Nobel­preis­trä­gern Fritz Haber und Carl Bosch ent­wi­ckel­te Ver­fah­ren stellt laut Wiki­pe­dia das „bedeu­tends­te indus­tri­el­le Ver­fah­ren zur Umwand­lung des unre­ak­ti­ven Luft­stick­stoffs in eine nutz­ba­re Stick­stoff­ver­bin­dung (dar)“. Dies ist ein ener­gie­in­ten­si­ver Pro­zess, bei dem Tem­pe­ra­tu­ren von 500 Grad Cel­si­us erfor­der­lich sind. Sei­ne ers­te Kon­junk­tur hat­te das Haber-Bosch-Ver­fah­ren im Ers­ten Welt­krieg, als gro­ße Men­gen von Ammo­ni­ak zur Her­stel­lung von Muni­ti­on und Spreng­stoff benö­tigt wur­den. Die Namens­ge­ber des Ver­fah­rens stan­den voll und ganz in deutsch-mili­ta­ris­ti­scher Tra­di­ti­on. Fritz Haber gilt als „Vater des Gas­krie­ges“ im Ers­ten Welt­krieg und der jün­ge­re Carl Bosch war wäh­rend der Nazi­zeit „Wehr­wirt­schafts­füh­rer“, also Spit­zen­funk­tio­när der NS-Kriegs­wirt­schaft. Ähn­lich wie zu ande­ren Anläs­sen – man den­ke an die Atom­in­dus­trie – wur­den nach Kriegs­en­de neue Absatz­märk­ten gesucht. Es begann die Ära des syn­the­ti­schen Dün­gers. Heu­te wird der Mythos gepflegt, dass die Ernäh­rung der Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung von die­sem Dün­ger abhän­gen wür­de.

Ener­gie­schleu­der Agrar­in­dus­trie

Beitrag vom 30.9.2014

von Peter Clausing

In den letz­ten Jahr­zehn­ten sind die Hekt­ar­er­trä­ge der indus­tri­el­len Land­wirt­schaft erheb­lich gestie­gen. Erkauft wur­de die­ser Zuwachs mit einem extrem hohen Ein­satz fos­si­ler Ener­gie­trä­ger. Doch inzwi­schen ist die Eupho­rie über die Wun­der der „grü­nen Revo­lu­ti­on“ ver­flo­gen und es macht sich Ernüch­te­rung breit. Trotz des fort­ge­setz­ten Ein­sat­zes erd­öl­ba­sier­ter Res­sour­cen sta­gnie­ren die Erträ­ge oder sin­ken sogar. Eine wesent­li­che Ursa­che ist die nach­las­sen­de Boden­frucht­bar­keit auf­grund der ver­nach­läs­sig­ten orga­ni­schen Dün­gung und der Ver­sal­zung bewäs­ser­ter Böden in semiari­den Regio­nen.

Over­kill auf dem Acker

Beitrag vom 06.08.2014

Che­mie­kon­zer­ne ver­ti­cken in EU ver­bo­te­ne Pes­ti­zi­de noch immer mas­sen­haft in Län­dern des Südens. In Mexi­ko wer­den pro Hekt­ar 16mal so vie­le Insek­ti­zi­de ver­sprüht wie in Deutsch­land

Von Peter Clausing

Die »Grü­ne Revo­lu­ti­on« wur­de der­einst von der Rocke­fel­ler-Stif­tung lan­ciert, um die »roten Revo­lu­tio­nen« zu bekämp­fen, die in den Jahr­zehn­ten nach dem Zwei­ten Welt­krieg im glo­ba­len Süden auf­fla­cker­ten. Ihre Väter schu­fen den Mythos, dass die Grü­ne Revo­lu­ti­on vie­le Men­schen vor dem Hun­ger­tod bewahrt hat. Tat­sa­che ist, dass heu­te zwar genü­gend Nah­rung für alle vor­han­den ist. Trotz­dem haben nach Anga­ben des Welt­ernäh­rungs­pro­gramms der Ver­ein­ten Natio­nen (WFP) noch immer 842 Mil­lio­nen Men­schen nicht genug zu essen. All­jähr­lich ster­ben 8,8 Mil­lio­nen von ihnen an Hun­ger oder sei­nen unmit­tel­ba­ren Fol­gen, nach Anga­ben des ehe­ma­li­gen UN-Son­der­be­richt­erstat­ters für das Recht auf Nah­rung, Jean Zieg­ler, sogar mehr als dop­pelt so vie­le. Der Hun­ger­tod muß also ande­re Ursa­chen haben als unge­nü­gen­de Hekt­ar­er­trä­ge.

Mexi­ko: Etap­pen­sieg gegen Kon­zer­ne

Beitrag vom 06.08.2014

Mexi­ko: Zivil­ge­richt stopp­te Gen­mais­an­bau. Agrar­mul­tis lau­fen Sturm gegen das Urteil. Wis­sen­schaft­ler star­ten inter­na­tio­na­le Kam­pa­gne zur Ver­hin­de­rung von Agro­gen­tech­nik.

Von Peter Clausing

Seit Mit­te der 1990er Jah­re bemü­hen sich die Gen­tech­nik­kon­zer­ne, in Mexi­ko Fuß zu fas­sen. Bei Baum­wol­le und Soja ist es ihnen bereits gelun­gen. Beim gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais schien Ende 2011 die letz­te Hür­de gefal­len zu sein, aber inzwi­schen gibt es wie­der Hoff­nung.

Gast­bei­trag: Die Meta­mor­pho­se der Raub­bau­kon­zer­ne

Beitrag vom

von Peter Ger­hardt

Es klingt ein biss­chen wie im Mär­chen. Mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne zer­stö­ren Wäl­der und tre­ten Men­schen­rech­te mit Füßen. Durch das Enga­ge­ment inter­na­tio­na­ler Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen wer­den die­se in weni­gen Mona­ten dann zu ver­ant­wor­tungs­vol­len Unter­neh­men. Palm­öl- und Papier­mul­tis wie Wil­mar, Gol­den Agri, APRIL (Asia Paci­fic Resour­ces Inter­na­tio­nal Limi­ted) oder APP (Asia Pulp and Paper) haben die­se wun­der­sa­me Meta­mor­pho­se vom Kahl­schlag-Kon­zern zum Regen­wald­schüt­zer in Indo­ne­si­en bereits durch­lau­fen. All die­se Fir­men haben jetzt eine „Zero-Defo­re­sta­ti­on-Poli­cy“. Par­al­lel dazu haben Kon­sum­gü­ter­rie­sen wie Nest­le, Uni­le­ver, Mars, L’Oreal, Proc­ter & Gam­ble oder Col­ga­te-Palm­o­li­ve, die Palm­öl als Roh­stoff benö­ti­gen, ähn­li­che Ver­spre­chen abge­ge­ben.

Inten­siv und inef­fi­zi­ent

Beitrag vom 14.4.2014

Die indus­tri­el­le Land­wirt­schaft ist an den Ver­brauch fos­si­ler Brenn­stof­fe gekop­pelt. Die Ener­gie­bi­lanz ihrer Pro­duk­te ist nega­tiv.

Von Peter Clausing

All­jähr­lich am 17. April hat die glo­ba­le Klein­bau­ern­or­ga­ni­sa­ti­on La Via-Camp­si­na ihren Akti­ons­tag. Die Orga­ni­sa­ti­on sagt, daß Klein­bau­ern ener­gie­ef­fi­zi­en­ter pro­du­zie­ren als Groß­be­trie­be.

Fünf Mal so vie­le Schwei­ne wie Men­schen

Beitrag vom 20.12.2013

Indus­tri­el­le Schwei­ne­mast in Mexi­ko: Gran­jas Caroll/Smithfield

Von Peter Clausing

Indus­tri­el­le Schwein­mast­an­la­gen zer­stö­ren die Umwelt und rufen gesund­heit­li­che Schä­den her­vor. Sie ver­un­rei­ni­gen das Grund­was­ser sowie Ober­flä­chen­ge­wäs­ser und kön­nen Atem­be­schwer­den, Nie­ren­pro­ble­me und ande­re Erkran­kun­gen her­vor­ru­fen. Unter­su­chun­gen bele­gen die psy­chi­schen Wir­kun­gen des per­ma­nen­ten Gestanks, den Mast­fa­bri­ken erzeu­gen. All das bekom­men auch die Bewoh­ne­rIn­nen des Pero­te-Tals im mexi­ka­ni­schen Bun­des­staat Ver­a­cruz zu spü­ren. Doch es bedurf­te erst des Aus­bruchs der vom H1N1-Virus her­vor­ge­ru­fe­nen Schwei­ne­grip­pe im Jahr 2009, um die dor­ti­gen Ver­hält­nis­se ins Ram­pen­licht der inter­na­tio­na­len Öffent­lich­keit zu rücken. Der Ursprung die­ser zeit­wei­se von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on als glo­ba­le Epi­de­mie (Pan­de­mie) ein­ge­stuf­ten Grip­pe­wel­le ließ sich in den Ort La Glo­ria zurück­ver­fol­gen, der sich in unmit­tel­ba­rer Nähe zu einer der Mast­fa­bri­ken des Unter­neh­mens Gran­jas Car­roll (GC) befin­det.

Sprengt die Wert­schöp­fungs­ket­ten !!

Beitrag vom 08.11.2013

Von Peter Clausing

Den offi­zi­el­len Start von vier Groß­pro­jek­ten des »Ger­man Food Partnership«-Programms (GFP) am 5.11.2013 nah­men meh­re­re Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen zum Anlass, die­se »Ent­wick­lungs­po­li­tik im Dienst deut­scher Kon­zer­ne« scharf zu kri­ti­sie­ren. Das Forum Umwelt und Ent­wick­lung for­der­te, »das FDP-Pro­jekt unver­züg­lich zu stop­pen«, und Jan Urhahn, Land­wirt­schafts­ex­per­te des ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Netz­werks INKOTA, hob her­vor, daß die Bun­des­re­gie­rung mit GFP unter dem Deck­man­tel von Hun­ger- und Armuts­be­kämp­fung ein­sei­tig die Wirt­schafts­in­ter­es­sen deut­scher und euro­päi­scher Unter­neh­men wie BASF, Bay­er Crop Sci­ence oder Syn­gen­ta bedie­ne. Neben den trans­na­tio­na­len Agrar­kon­zer­nen fin­den sich unter den zehn GFP-Part­nern auch die Han­dels­ket­te Metro, der Ver­band der Nah­rungs­mit­tel- und Ver­pa­ckungs­ma­schi­nen und die Dün­ge­mit­tel­in­dus­trie. Bereits die Zusam­men­set­zung die­ser »Part­ner­schaft« lässt erken­nen, dass es um die Schaf­fung ver­ti­kal inte­grier­ter Wert­schöp­fungs­ket­ten geht, bei denen bekannt­lich der Wert vor allem am unte­ren Ende der Ket­te von den Bäue­rin­nen und Bau­ern geschaf­fen und dann schritt­wei­se nach oben trans­fe­riert wird.

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